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Central-Vereins-Dienst · 1927-05-30 · 3/4 (30.5.1927) · p. Seite 50

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
3/4 (30.5.1927)
Date
1927-05-30
Page
Seite 50 (sequence 18)
Language
German
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Rundschreiben zu. Sie werden nun sämtlich besucht una es meldeten sich bei diesen Besuchen noch vier weitere Mitglieder bis jetzt an. (Es erfolgten erst wenige Besuche.) Ganz abgesehen davon, daß die Versammlung finanziell gut rentierte, (die Saal-, Druck- und Portokosten betrugen Mk. 40,—) hat sie bei den noch zu besuchenden Nichtmitgliedern guten Eindruck gemacht und wurde viel besprocnen. Durch die intensiven Besuche gelingt es leicht, dem C. V. einen moralischen Erfolg zu verschaffen. Wir beabsichtigen, derartige Bezirksversammlungen nach der Reihe in ganz Frankfurt vorzunehmen." * Die Ortsgruppe Chemnitz sandte uns im Anschluß an ihre letzte Generalversammlung vom 29. März, die unter dem Vorsitz von Herrn Rechtsanwalt Hartmann stattfand, und in der als Vertreter der Hauptgeschäftsstelle Herr Syndikus Dr. Alfred Wiener ein Referat über „Geistige Strömungen in Deutschtum und Judentum" hielt, einen interessanten und ausführlichen Geschäftsbericht. Die Ortsgruppe hat zur Erleichterung der Arbeit 4 Hauptausschüsse eingesetzt: 1. für politische Angelegenheiten, 2. für Aufklärung unter Andersgläubigen, 3. zur Aufklärung in den eigenen Reihen, 4. für die Rechtsschutztätigkeit. Außerdem bestehen Kommissionen für: Zeitungsüberwachung, Drucksachen, Verkehr mit den Zeitungen, Werbewesen, Flugblätter, Finanzen und Bearbeitung von Inseraten in der C. V.-Zeitung. Sämtliche Ausschüsse sind im Wirtschaftsjahre außerordentlich tätig gewesen und in 7 großen Sitzungen und in einer Anzahl von Ausschuß-Sitzungen haben die Angehörigen aller Ausschüsse in ständiger Fühlungnahme miteinander gehandelt. In drei großen Mitgliederversammlungen sind die Mitglieder der Ortsgruppe über die Arbeit des C. V. im allgemeinen und die Tätigkeit des Landesverbandes sowie der Ortsgruppen im besonderen fortlaufend unterrichtet worden. Innerjüdische Fragen wurden mit lebhaftem Interesse diskutiert. Die Kassenverhältnisse sind in guter Ordnung. Die vorbildliche Arbeitsweise der Ortsgruppe wird andern Ortsgruppen dringend zur Nachahmung empfohlen. Der Landesverband Norddeutschland versendet unter Beifügung einer Postkarte, auf die ein Beitrittserklärungsformular aufgedruckt ist, eine Werbedrucksache, deren vollständigen Text wir als Beispiel für andere Ortsgruppen folgen lassen. Achtung! Ihre allerpersönlichste Angelegenheit! Das Mittelalter geht wieder um! „Ritualmord!" ist die neue Kampfeslosung der gewissenlosen Völkischen. Was vor Jahrhunderten die Anschuldigungen „Brunnenvergiftung" und „Hostienschändung" angerichtet haben, soll heute einmal wieder dieses Märchen schaffen — die Aufpeitschung von Massen. — Solch© Bilder können heute noch veröffentlicht werden: Menschen mit typisch jüdischen Aussehen in Feiertagskleidung schlachten einen Knaben! Zusätze wie: „Denkt an Könitz 1900" sollen den Anschein einer echten Bilddarstellung erwecken und eine Empörung der Volksstimmung, wie vor 27 Jahren herbeiführen. Solche Bilder können verbreitet, öffentlich ausgestellt und angeschlagen werden! Selbst bei uns in Hamburg ist das geschehen. Ja, auch Sie gehören zu denen, die mit den Bildern gemeint sind. Auch von Ihnen wird öffentlich behauptet, Sie gehören zu einer Gemeinschaft, die zu religiösem Zwecke Menschen schlachtet! Kann ein Mensch, der Ehre im Leibe hat, das hinnehmen? Nein! Kann ein Besonnener sehenden Auges Zustände reifen lassen, die ihn gefährden? Nein! Wollen Sie — ein vollberechtigter Bürger— Schändlichkeiten dulden, wie sie nur dem rechtlosen Juden vor Jahrhunderten geboten werden konnten? Nein! Was tun? Gegen die Verhetzung im Großen alle Mittel des politischen Großkampfes einsetzen, für Verbreitung und Sieg der Wahrheit, für Zusammenschluß aller anständig und gerecht denkenden Deutschen, zur Vernichtung des Lügengeistes, für Durchführung unserer Anerkennung im Staate, im Rechtsleben und im Alltag von Mensch zu Mensch! Jeder Arbeiter, jeder Handwerker, ja jeder Berufstätige hat längst erkannt, daß er im politischen Kampf als Einzelner nichts vermag und hat sich daher im Zusammenschluß seine Interessenvertretung geschaffen. Wollen Sie weniger Einsicht in Anspruch nehmen? Die deutsche Judenheit hat sich ihre Vertretung zur Wahrung ihrer Belange in dem Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens geschaffen. Aber noch immer gibt es Einzelne, die ihm nicht angeschlossen sind, oder die ihm nicht genügend Verständnis und Hilfe entgegenbringen! Die schmachvollen mittelalterlichen Blutmärchen dürfen nicht geduldet werden! Je stärker der Wille und die Kraft der Betroffenen dem entgegenwirkt, desto schneller wird die politische Atmosphäre gereinigt sein. Darum: Kommen Sie zu uns, wenn Sie bisher noch nicht zu uns gehörten. Verdoppeln Sie Ihre Hilfe, wenn Sie bereits bei uns sind. Verbreiten Sie diesen Ruf: „Jeder ehrliebende und sich selbst achtende deutsche Jude gehört in den C. V.! Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens Landesverband Norddeutschland Ortsgruppe Hamburg-Altona Bitte, benutzen Sie anliegende Karte! * Der norddeutsche Landesverband hat ferner auf seiner letzten Tagung folgendes Mindestprogramm für seine Ortsgruppen aufgestellt, das wir unseren übrigen Landesverbänden hierdurch bekannt geben: I. Nach Innen. a) Werbung jedes erwachsenen Juden. b) Veranstaltung von Vorträgen und Bildung von Arbeitszirkeln. c) Regelmäßige Einziehung der Mitgliedsbeiträge, Veranstaltung von Versammlungen vertraulichen Charakters zwecks Heranziehung wirtschaftlich gutgestellter Mitglieder zu erhöhten Beiträgen und von einmaligen größeren Sammlungen zum geeigneten Zeitpunkt. II. Nach Außen. a) Fühlungnahme mit den maßgebenden Persönlichkeiten am Orte, der Presse, den Parteien und Organisationen. b) Ueberwachung der Presse und Lanzierung von geeigneten Artikeln in die Zeitungen. c) Belieferung der genannten Stellen mit der „Monatsausgabe" der „C. V.-Zeitung" und Versand des „Morgen" und der Broschüren des Philo- Verlages an Intellektuelle. d) Veranstaltung von Notabeln-Versammlungen. 50

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