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Central-Vereins-Dienst · 1926-11-26 · 4/5 (26.11.1926) · p. Seite 87

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
3 (1926)
Issue
4/5 (26.11.1926)
Date
1926-11-26
Page
Seite 87 (sequence 27)
Language
German
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Was haben wir verfochten, wir Deutschen, als wir Genf und Locarno abschlössen, so fragte Professor Max Wundt-Jena in seinem überraschend scharfsinnigen und gründlich philosophischen Vortrag: „Die Ehre als sittliche Grundlage des Staats¬ und Volkslebens". Professor Wundt verbindet den Ehrbegriff mit der sittlichen Bestimmung des Menschen. Die Mannesehre ist tapfer und kämpferisch, die Frauenehre ist mütterlich und keusch. Ein dritter Ehrbegriff ist die Wahrhaftigkeit. Die soziale Anerkennung der Ehre findet in der Arbeit statt. Hier gibt es eine ständische Gradabstufung der Ehre, die nur die Demokratie als Standesdünkel bezeichnen kann. Mit einem Ausblick auf die Nationalehre schloß Wundt seinen Vortrag. Die Ehre einer Nation beruht aber in der Freiheit eines wehrhaften Volkes. Wehrlos sind wir geworden durch die Ehrverleumdung der Weltkriegs-Schuldlüge. Ehrenhaft werden wir erst wieder durch die geschichtliche Wahrheit, die die Welt uns schuldig ist. Als praktischer Dienst an der Wehrerziehung des deutschen Volkes ist das Siedlungswerk zu betrachten, über das Geheimrat Ponfick-Berlin am zweiten Tag der Potsdamer Haupt- und Landestagung in einem ausgezeichneten und sachkundigen Vortrage berichtete. Die Einbuße, die der Wehrgedanke und damit die seelische Tüchtigkeit und gesunde Lebensbejahung in Deutschland erlitt, ist zum großen Teile auf die Verstädterung zurückzuführen. Wer das deutsche Volk wehrhaft machen will, muß dafür sorgen, daß die Landbevölkerung gesund und stark gegenüber den großstädtischen Metropolen bleibt. Ueber geistige Wehrhaftmachung als vorbeugende Erziehung zur nationalen Befreiung sprach Professor Hielscher-Münster. Die Pflege nationaler Eigentümlichkeit ist Gewissenspflicht jedes Deutschen. Ein praktisches Bildungsziel soll die Ehrfurcht vor der Ueberlieferung bleiben, verbunden mit dem Mut zu offener Vaterlandsliebe. Wir wollen nicht mehr die diplomatische Geschicklichkeit und ästhetische Förmlichkeit deutschfremder „Führer". Unsere geistige Wehrhaftmachung besteht in der Reinigung der öffentlichen Meinung und in der Erziehung zu einem nationalen Selbstbewußtsein." Die behandelten Themen und die Gedankengänge der einzelnen Redner gewähren einen charakteristischen Einblick in die Ideologie der völkischen Kreise. „Reise in Rußland". Folgenden Auszug aus einem Feuilleton der „Frankfurter Zeitung" Nr. 797 vom 26. Oktober 1926 bringen wir hierdurch unseren Mitarbeitern zur Kenntnis, weil darin Tatsachen berichtet werden, die zu einer Widerlegung der primitiven Rassentheorien gut brauchbar sind. In dem Kapitel „Das Völkerlabyrinth im Kaukasus" aus der Feuilletonserie „Reise in Rußland" von Joseph Roth-Tiflis, heißt es bei einer Beschreibung aus Baku: „In den Dörfern Priwolnaja und Pribosch leben die interessantesten Juden der Welt: nämlich die rein arischen. Es sind russische Bauern, die früher einmal Sobotniki waren, Sabbat-Heiliger. Als sie von der offiziellen Kirche und den Behörden verfolgt wurden, gingen sie aus Zorn und Trotz zum Judentum über. Sie nennen sich selbst „Gerim" (hebräisch: „Fremde"), sehen slawisch aus, leben vom Ackerbau und Viehzucht und sind neben den weißrussischen, semitischen, „echten" Juden die frömmsten der Sowjet-Union. Ein Rassenantisemit käme diesen Juden gegenüber in eine große Verlegenheit. Eine noch größere würden ihm die „Bergjuden" bereiten. Ich habe sie besucht. Sie sind, obwohl ihre Orthodoxen es selbst behaupten, keine Semiten, — meint die Wissenschaft. Sie gehören der tattischen Rasse an. Ich erfahre, daß die Zionisten vor dem Kriege Verbindungen mit den Bergjuden angeknüpft haben. Es erwies sich, daß der bergjüdische Klerus — im Gegensatz zu seinen semitischen ostjüdischen Kollegen orthodoxer Prägung — dem Zionismus freundlich gesinnt war. Der Krieg hat diese Beziehungen unterbrochen, die Revolution hat sie zerstört. Die kommunistische bergjüdische Jugend ist nicht nur antiklerikal, sondern zeigt auch Nationalbewußtsein — nämlich tattisches, nicht etwa jüdisches. Unsere Stammesgenossen, sagen die jungen Bergjuden, sind nicht etwa die Juden der Welt, sondern die mohammedanischen und armenisch-katholischen Tatten. Man hat also jetzt die ersten Schulen — vorläufig zwei — mit tattischer Unterrichtssprache eröffnet. Eine tattische Schrift hat es niemals gegeben. Man kam auf den unpraktischen Ausweg, hebräische Schriftzeichen für die tattische Sprache zu verwenden. Indessen haben sogar die Türken das lateinische Alphabet angenommen." Pressedienst. Illlilllilü;!^-^li:.1' HIHI"'.n'IIÜIÜIIIÜHIIÜIIIIIhl1: Die folgende Notiz eignet sich zur Veröffentlichung in der gesamten Lokalpresse: Einen interessanten Fund machte man kürzlich in Mainz. Bei Ausschachtungsarbeiten anläßlich von Neubauten in der Stadt sowie kürzlich wieder bei der Anlegung eines neuen Sportplatzes fand man alte Grabsteine, die sich als achthundert bis 1000jährige jüdische Grabsteine herausstellten. Aus den Inschriften war zu ersehen, daß es sich zum Teil um die Grabsteine berühmter Gelehrter handelte, deren Ruf weit über Deutschland hinausragte. Der älteste dieser Steine datiert von der Mitte des 10. Jahrhunderts und es ist festgestellt, daß vor dem Toten, der unter ihm ruhte, bereits zwei Generationen seiner Familie in Mainz lebten. Es ist anzunehmen, daß bereits Jahrhunderte zuvor, Juden in Mainz gelebt haben, denn es existiert der Grabstein eines römischen Soldaten, der seine letzten Lebensjahre in Mainz verbracht hat und dort gestorben ist und aus dessen Namen und Herkunft (Nordsyrien) zu schließen ist, daß es sich um einen Juden handelt. Bei den Kämpfen zwischen Adolf von Nassau und Dieter von Isenburg wurde der Friedhof zerstört und an seine Stelle ein Weinberg gepflanzt. Neuerdings hat man durch Nachgrabungen die alte Grabstätte wiedergefunden und auf ihr die Grabsteine wieder zur Aufstellung gebracht. Aufstellung von Versammlungslisten. Wir bitten wiederholt alle Mitarbeiter und insbesondere die Landesverbandsbeamten dafür besorgt zu sein, daß wir am Ende jeden Monats eine vollständige Aufstellung sämtlicher Veranstaltungen, die im Laufe des Monats stattgefunden haben, zugesandt erhalten. Vorträge, Versammlungen etc., die nicht auf d iese Weise zu unserer Kenntnis gebracht werden, können im C. V.-Dienst nicht verzeichnet werden. 87

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