Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 2 (7.7.1926)
- Date
- 1926-07-07
- Page
- Seite 40 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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gig ist, so ist das ebenso selbstverständlich, wie daß Goethe von den Griechen abhängig ist. Ist darum Iphigenie eine „Fälschung" des Euripides? Ist es „Fälschung" — man begreift, warum das gehässige Wort gebraucht wird! —, wenn Lessing die Fabel von den drei Ringen benutzt? Als ob nicht jede Kultur von der anderen, jedes Volk vom anderen gelernt hätte und lernen müßte! Das hat auch das Volk Israel getan. Deshalb ist seine große weltgeschichtliche Leistung, ist das Alte Testament mit seinen Propheten und Psalmen nicht eine „Fälschung", sondern ein bewundernswürdiger und verehrungswürdiger Beitrag zur Geistesgeschichte und Religionsgeschichte der Menschheit. Und Gott hat darin sein Wort ebenso gesprochen wie im Neuen Testament und in den Propheten unseres deutschen Volkes. Wenn die Theologen selber Schulbibeln und Familienbibeln schaffen, so geschieht das nicht, weil wir in diesem Buch Unheiliges und Schändliches zu verbergen hätten, sondern weil das Alte Testament ein Buch des Altertums ist, das man wegen seiner Altertümlichkeit in geschlechtlichen wie in manchen anderen Dingen so, wie es ist, Kindern nicht in die Hand geben kann. Aber das ist so mit allen Büchern des Altertums. Auch die Edda kann man so, wie sie ist, Kindern nicht in die Hand geben." An die entschiedene Ablehnung unwissender Bibelkritiker schließt dann Prof. W. folgende allgemeine Kennzeichnung der völkischen Bewegung: „Ich trete auch ständig dafür ein, daß die Schule die unserem Volke von Gott gesandten Propheten und Sänger ebenso berücksichtige wie die dem Volk Israel gegebenen. Aber wenn man die an sich gute Bewegung in den Händen solcher Männer sieht, die es für deutsch halten, andere zu verdächtigen und die Großen anderer Völker in den Staub zu ziehen, die gegen die Bibel wüten und glauben damit ihrem Volke zu dienen, dann packt einen das Grauen. Wenn sich die Bewegung von solchen Dingen und von solchen Männern nicht abwendet, muß sie eines Tages zerschellen. Denn sie kämpfen wider Wahrheit und Gerechtigkeit." Karl Erdmann: Schamlose Politiker. Eine Broschüre mit diesem Titel ist vor kurzem, von der Gesellschaft „Aufbau und Werden" herausgegeben worden. Die Schrift enthält Mitteilung über interne sozialdemokratische Parteiverhältnisse. Wir weisen nur deswegen auf sie hin, weil auf S. 34 auch einige Sätze aus einem Briefe des Centrai-Vereins an Erdmann abgedruckt sind, die vollkommen einwandfrei sind und zu Beanstandungen bis auf eine dem Original nicht entsprechenden stilistischen Fehler keinen Anlaß bieten. Die Gesellschaft „Aufbau und Werden" hatte 1920 ein plattdeutsches Flugblatt gegen den Antisemitismus herausgegeben, das von Seiten des C. V. unterstützt worden war. Hertz: Rasse und Kultur. III. Aufl. Gröner Leipzig 1925. Wer in der Abwehrbewegung arbeitet und gezwungen ist, die völkischen Blätter zu lesen, der steht immer wieder ratlos vor der Tag für Tag neu vorgebrachten, Tag für Tag gleich unmöglichen antisemitischen Rassenpredigt. Dabei gibt es nur wenig brauchbare, wissenschaftliche Literatur, aus der man sich objektiv unterrichten kann. Das ausgezeichnete Büchlein des Amerikaners Boas ist für den Nichtfachmann zu schwierig, die Spezialwerke von Fischer oder Bauer-Lenz sind zu umfangreich und zudem, soweit es sich um jüdische Rassenfragen handelt, alles eher als zuverlässig. Die guten älteren Werke entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand der Forschung, und das neueste, in einer Riesenauflage erschienene Buch, Günther's „Rassenkunde des deutschen Volkes" ist in Bezug auf den jüdischen Bestandteil des deutschen Volkes von einer so naiven Einseitigkeit, daß man hier wirklich nicht mehr von halbwegs objektiver Wissenschaft reden kann. Ausgezeichnet hat Fishberg 1913 die „Rassenmerkmale der Juden" beschrieben, in Bezug auf körperliche' Fragen gibt es bis heute kein besseres Buch. Was uns immer noch fehlte, das war ein brauchbares Werk über die seelischen Rasseneigenschaften. Aus dieser Verlegenheit hat uns Hertz geholfen. Sein Werk, das erstmals vor 22 Jahren in einem Wiener Verlag erschien, bietet in der neuesten III. Auflage alles, was man nur irgend benötigt. Der Verfasser verfügt über eine geradezu bewunderungswürdige Belesenheit: von den ältesten griechischen bis zu den jüngsten deutschen Rasseschriftstellern ist die ganze in Betracht kommende Literatur benützt und kritisch gewürdigt. Jede einzelne Behauptung der völkischen Schriftsteller ist eingehend erörtert, nach Für und Wider besprochen und rein wissenschaftlich betrachtet. Die Benützung des Werkes als Nachschlagebuch wird dadurch etwas erschwert, daß der kolossale Stoff nicht systematisch geordnet, sondern in einer Reihe von Kapiteln in bunter Ordnung vereinigt ist. Aber vielleicht war es nur so möglich, das an und für sich spröde Thema in einer so glänzenden, fesselnden Darstellungsweise wiederzugeben, daß das Studium des Buches viel eher ein Genuß als eine Arbeit zu nennen ist. Ein eingehendes Sach- und Namenregister erleichtert zudem die sofortige Auffindung jeder gewünschten Frage. Es wird in Zukunft kaum möglich sein, über Rasse zu schreiben, ohne sich mit Hertz auseinanderzusetzen, ganz sicher aber kann niemand dieses Buches entraten, der sich über den Begriff der jüdischen Rasse unterrichten will. G. F. Drei Buchbesprechungen. Im „Gemeindeblatt" der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. Nr. 10 vom Juni 1926 ist ein Artikel von Dr. Martin Marx, Frankfurt a. M., erschienen: Deutschvölkische „Wissenschaft". (Drei Buchbesprechungen). Dieser Artikel, in dem das völkische Handbuch „Deutsche Politik", Verlag Englert & Schlosser, ferner „Erotik und Rasse" von Hedwig Hartner, Deutscher Volksverlag Dr. E. Boepple, München und schließlich „Rasse und Seele" von Dr. L. F. Clauß, Verlag J. F. Lehmann-München, einer eingehenden Besprechung unterzogen werden, bietet eine Fülle von Material, das für Vorträge unserer Beamten sicherlich von Nutzen sein wird. Das Heft kann durch Herrn Dr. Marx bezogen werden. Achtung Beilage! Der heutigen Auflage liegt ein Autorreferat von Hofrat Friedrich Hertz über sein Buch .Rasse und Kultur* p p bei. Diese Maßnahme bedeutet einen Versuch, der, wenn erErfolg hat, wiederholt werden soll. Eshandelt sich darum, Aufsätze über uns interessierende Fragen in der Art von Korrespondenzartikeln in der Presse unterzubringen. Wir bitten alle unsere Mitarbeiter auf einen Abdruck der Besprechung in den ihnen nahe stehenden Örtlichen Organen hinzuwirken. Verantwortlich: i.V. Dr. Alfred Wiener, flTTäTTToT^des C.-V, Berlin SW68. syndikus Druck: Max Lichtwitz, Berlin SW 19, Neue Grünstraße 30.