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Blätter · 1921-10-27 · 28 (27.10.1921) · p. [Seite 3]

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
28 (27.10.1921)
Date
1921-10-27
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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27. Oktober 1921. Bläue r.' als fraglich auftauchen, denen der Delegiertentag in der Majorität der Anwesenden religionsgesetzlich ratlos gegenübersteht. Das ist aber nach meiner unmaßgeblichen Meinung bei denjenigen Problemen, die uns gestern und heute hier beschäftigt haben, nicht der Fall gewesen. (Schluß folgt.) Äer geschestreue Blade» iler and die A. 3. 3. 0. In der letzten Generalversammlung der Kölner Chewras Limmud Thauroh, die die Aufgaben einer Agudvh-Jugendgruppe erfüllen will und soll, wurde von einem Mitgliede in klaren Worten zunk Ausdruck gebracht, daß die bisherige Leitung dieser Agudoh-Jngendgruppe 511 sehr in Händen von Akademikern gelegen habe. Leider wurde vielleicht deswegen, weil infolge der vorgerückten Stunde und der allgemeinen Abgespanntheit, die durch die bisherigen stundenlangen Verhandlungen hervorgerufen waren, in der Versammlung hierzu keine Stellung genommen. Daher scheint es mir unumgänglich notwendig, die in der Versammlung nicht zum Anstrag gekommene Diskussion dieser Frage auf diesem Wege aufzunehmen. Tenn diese Frage scheint mir von solch prinzipieller Bedeutung, daß ein Uebergehen mit^ Snsischweigen in diesen Dingen eine Vogel-Strauß-Politik darstellt, die einer Jugendbewegung unwürdig ist. Mir scheint, daß die Bedeutung der Frage, wie stellt sich der junge orthodoxe Akademiker zu ^der^ Jugendbewegung der orthodoxen Jugend, weit über den engen Kölner Kreis hin Erwägung verdient. Der größeren Klarheit wegen sei vorweg bemerkt, daß ich, wenn ich im folgenden kurz von orthodoxen Akademikern spreche, diejenige Gruppe darunter verstehe, die der Idee nach voll und ganz zu uns gehören. Außer acht lasse ich absichtlich dabei, weil es zur Klärung der hier angeschnittenen Frage keine praktische Bedeutung hat, daß ein Teil der auf dem Boden des Gottesgesetzes stehenden Studenten politisch auf dem Standpunkt des Misrachi steht. Unter „orthodoxem Studenten" sei also der Akademiker verstanden, der seinen politischen Anschauungen nach sich zur Agndas Jisroel bekennt. Die Schwierigkeit liegt für jeden, der sich einmal mit diesen Dingen beschäftigt hat, klar auf der Hand. Es handelt' sich darum, daß in unserem Jugendverein sowohl Angestellte, als Akademiker zusammen arbeiten sollen. Dieser Zustand, daß Angestellte und Akademiker im selben Vereine arbeiten, ist meines Wissens — abgesehen von den jüdischen Jugendbewegungen — ein nicht vorkommendes Phänomen. In nicht jüdischen Jugendbewegungen findet man, wenigstens in der Praxis, kaum solche Amphibien. Das liegt daran, daß in der nichtjüdischen Welt heute noch die Klassengegensätze derart stark sind, daß an ein Zusammenarbeiten des Nichtakademikers mit dem Studenten nicht zu denken ist. Abgesehen von den wenigen sozialistischen Studenten, beschäftigt sich kaum jemand aus der christlichen Studentenschaft mit allgemeinen Jugendfragen. Dieser Zustand ist ungesund, höchst ungesund. Sind wir doch in Deutschland soweit gekommen, daß die Akademiker zum größten Teile das Volk überhaupt nicht verstehen. Da die natürliche Sachlage andererseits aber so ist, daß die Akademiker, weil sie sich vorwiegend mit geistigen Dingen beschäftigen, die gegebenen Führer sein sollten, entsteht die entsetzliche Kluft zwischen Führern und Geführten, und das Volk sucht sich neue Führer. Denn lieber will es solchen Leuten gehorchen, die es verstehen, die Sinn haben für seine Bestrebungen und Ziele, als solchen, die vielleicht an sich geeigneter sind, weil sie sich mehr geistig geschult haben, die aber Stubengelehrte geworden sind, fernab vom Getriebe der Welt. So die Entwicklung bei den Anderen. Ganz anders bei uns! Einen Gegensatz zwischen Führern und Geführten kennt das dem Gottesgesetz unterstellte jüdische Volk nie und nimmer. Jeder Einzelne ist verpflichtet, sich mit der Lehre Gottes, mit dem „Rechte Gottes" gu befassen. Jeder ist geistiger Arbeiter, und jeder ist auch werktätiger Arbeiter. Jeder sucht sich in der einen Hälfte des Tages sein Brot, die andere Hälfte gehört Gott und seinem Gesetz. So war es in der Urzeit, so ist es beute bei uns, die wir uns zur Aufgabe machen, dem jüdischen Volke das zu erhalten, was seinen Ahnen und Vätern teuer gewesen ist. Und selbst bei dem Teil des jüdischen Volkes, dem das Gottesrecht und sein Studium nicht mehr Grundlage des Seins und des Lebens ist, stellen wir im Gegensatz zur Umwelt fest, daß, wo überhaupt noch jüdisches Bewußtsein ist, wo König Mammon noch nicht alles Ideale im jüdischen Blute vergiftet hat, daß auch dort Geistigem, Idealem ein Teil der Zeit überlassen bleibt. Jüdische Anschauung ist es, daß es keine Gelehrtenkasten gibt. Jeder, der die Befähigung hat, hat Gelegenheit, sich geistig zu bilden und „Lehrer" zu werden. Jüdische Anschauung, die leider heute durchbrochen, ist es, daß Gelehrsamkeit keine Ware ist, die mit Geld bezahlt wird und die mit Geld sich dann natürlich auch erkaufen läßt. Allerdings werden an jüdische Lehrer alten Schlages auch die hohen Anforderungen gestellt, daß sie neben geistigem sich auch mit werktätigem Schaffen betätigen sollen, ein Gedanke, der in der Zeit der h Arbeitsteilung allerdings absurd und lächerlich erscheint, der aber den großartigen Erfolg zeitigt, daß es keine weltfremden Lehrer gibt! Ein Gegensatz zwischen geistigen Berufen und Werktätigen Arbeitern ist unjüdisch, gemessen an altjüdischen - echtjüdischen Begriffen! Die Agndas Jisroel hat'zur Aufgabe, alte echtjüdische Begriffe und Ideale wieder zur Geltung unter ihren Mitgliedern zu bringen. Eine Agudas Jisroel, die anderes tut, verfehlt ihren Zweck! Sehen wir uns die Agndoh-Jugend aber einmal an, ob sie in dem hier herangezogenen Punkte diesem Ideal entspricht! Oben wurde geteilt zwischen geistigem und materiellem Betätigungsfeld. Jeder junge Agudist — die Ausnahmen, falls es welche gibt, sind gezählt — jeder junge Agudist, sucht mehr oder weniger Zeit dem Thauroh-Studium zur Verfügung zu ftctfcn. Jeder hat seinen geistigen Beruf, den er sich selbst zur Aufgabe gemacht hat. Aber das neuzeitliche Leben hat es mit sich gebracht, daß einige zu ihrem Lebensberuf, zu ihrem materiellen Unterhalt sogar eine geistige Tätigkeit wählen konnten. Wenn anch zwischen der geistigen Tätigkeit des Thaurolernens und der geistigen Tätigkeit des Studiums der Wissenschaften ein säst ebenso großer Gegensatz herrscht, wie zwischen Thaurohlecnen und werktätiger Arbeit, so ist immerhin die Tatsache höchst erfreulich, daß es Menschen unter uns gibt mit imi r geistiger Tätigkeit. Diese sind als rein geistig arbeitende Menschen besonders zu Führern geeignet. Ich sage: erfreuliche Tatsache, denn nur bei den Andern konnte eine Klasse, ein Stand mit rein geistiger Beschäftigung gefährlich werden. Nur bei den Anderen, bei denen die werktätige Masse, sei es Arbeiter, ser es Angestellter, als „Maschine" — (bishew überhaupt nicht zu geistiger Arbeit gelangte, konnte ein Gegensatz entstehen zwischen rein geistigen Führern und vollkommen geistig desinteressierter Masse. Bei uns orthodoxen Juden,' bei uns Agudisten, wo sich auch die Nichtakademiker g e i st i g beschäftigen, kann ein solch verderblicher Gegensatz nicht leicht entstehen zwischen akademischen Führern und nicht akademischen Geführten. Und wo ein solcher Gegensatz sich zeigt, ist es ein Zeichen, daß wir uns entfernt haben von unserm jüdischen Ideal. Doch wir wollten uns die orthodoxe Jugend genau ansehen, und bei genauer Betrachtung werden wir feststellen, daß ein' allgemeiner Gegensatz der Akademiker zu den Angestellten oder der Angestellten zu den Akademikern auch in der heutigen Zeit unter den gegen früher veränderten Verhältnissen nicht besteht. Unsere akademische Jugend widmet in der Regel noch mehr als die Hälfte ihrer Zeit dem Studium des Gesetzes, also solchen geistigen Dingen, mit welchen sich die in anderen Berufen tätigen Agudisten in gleicher Weise beschäftigen. Es müßte das gegenseitige Sichfinden also noch dadurch erleichtert werden., Wenn auch nicht zu verkennen ist. daß bei intensiverem Thaurobstudium ein größeres Sichvertiefen möglich ist, während die andern mehr an der Oberfläche bleiben, so ist dem entgegen zu halten, daß, erstens überhaupt nicht alle Akademiker so intensiv Tbauroh lernen, und weiter, daß je mehr sich jemand in das Gottesgesetz selber vertieft, um so mehr die Achtung vor demjenigen steigen muß, der sich, wenn auch vielleicht während einer, absolut genommen, kürzeren Zeitspanne dem Studium des 'Gottesgesetzes widmet. Dazu ist in Erwägung zu ziehen, daß relativ die von den Nichtakademikern dem Thaurostudium gewidmete Zeit sicherlich größer ist. Der Akademiker als solcher steht also zur Agndobjugend in keinem Gegensatz. Dies kann ferner bewiesen werden damit, daß die Zahl der orthodoxen Akademiker, die sich der Agndas Jisroel-Jugend- Organisation zur Verfügung stellen, stets größer wird. Innerhalb des „Bundes. jüdischer Akademiker" (soweit seine Mitglieder überhaupt auf Agnovh-Staudpunkt stehen), kam es stets klar zum Ausdruck, daß man sich der Agndas Jisroel-Jugend-Organisation widmet, um der Bewegung die denkbar größte Schwungkraft zu geben. Betrachten wir uns nun die Angestellten. Es wurde schon gesagt, daß sie sicher relativ längere Zeit ihrem Thaurostudium widmen, als die orthodoxen Studenten. Es muß auch bei ihnen die Achtung vor dem Teile der jüdischen Jugend, die absolut betrachtet ja doch ntehr Zeit zur Perfügung stellt, um in die Götterlehre einzudringen, stets wachsen. Aber, so wird man mir erwidern, der Student hat doch kein Gefühl für unsere oft größere materielle Not! Ein solches Argument ist lächerlich. Denn wer sich die studierende Jugend, die ans dem Mittelstand hervorgegangen ist, ansieht, weiß, wo eher materielle Not zu finden ist, bei dem Angestellten, der, wenn auch wenig, so doch etwas verdient, oder bei dem Akademiker, der 0—8 Jahre lang noch noch dem Verlassen der Oberprima lioit seiner Eltern Tasche lebt. Ist es doch >0, daß sogar nichtjüdischer Student und Arbeiter sich heute zuweilen finden, tief unter Tag im Stollen, wo der Student sich die Mittel für das Semester in den Ferien in harter Bergwerksarbeit verdienen muß! So sieht die materiell bessere Lage der Studenten aus. Merkwürdig, höchst merkwürdig berührt einen angesichts dieser Lage der Dinge, die eingangs gefchil- _Nr. 28 Seite 3. derte Tatsache in der Stadt, die der Vorort unserer Organisation ist. Ich würoe diese Angelegenheit nicht vor das Forum der Oeffentlichkeit gezerrt haben, wenn in den Aeußerungen des betreffenden Redners nur feine persönliche Meinung zum Ausdruck gekommen wäre. Leider ließ sich aber schon seit langer» beobachten, daß sich die Auffassung eines großen Teiles der Kölner Agndohjugend mit der vorgetragenen Meinung deckt, wodurch bedauerlicherweise eine in nichts begründete Spaltung zwischen „Agudohkausleuten" und „Agudvhakademikern" entstanden ist. Leider zeigte ein erheblicher Teil der Kölner „Agudohkauflente" eine durchaus grundlose Antipathie gegen eine Zusammenarbeit mit bcn Kölner Akademikern. Ich glaube, daß diese Stimmung nur in Köln vorherrschend ist. Wenn sie trotzdem, was ich nicht glaube, auch sonstwo herrschen sollte so wäre es angesichts der dieser Strömung mangelnden Logik dort wie in Köln eine dankbare Aufgabe einsichtiger Leute aus beiden Kreisen, ihr Möglichstes zu tun, oen von nichtjüdischen Strömungen angehauchten jungen Kaufleuten die Augen zu öffnen inbetreff der Haltlosigkeit ihrer Auffassung! Die ''Andersdenkenden haben das Wort. K ö l n im Ellul 5681. Fritz Cohen, cand. jur. - Agudas Mvei'Mg!ieder und Leitung. 11. Die Kategorie der Agudoh-Mitglieder, die in zweiter Linie in Betracht kommt, das sind die Kritiker. Kritiker gibt es überall und muß es überall geben. Wehe der Organisation, in der alle gleicher Meinung sind. Nur fragt es sich, in welcher Weise sich die Kritiken ausdrücken. Während die Organisationsleitung, deren Organe oder die einzelnen Gruvpen- Vorstäude die Stellen wären, bei denen Beschwerden und dergleichen vorzubringen wären, beschränken sich die Opponenten der „Agudas Jisroel" darauf, rm eignen Kreise die Fehler aufzuzählen, die Schwächere zu zeigen, und gelegentlich bei Unterhaltungen mit Bekannten das Gleiche tun. Nicht aber lenken diese Leute, deren Anzahl'in unserer Bewegung nicht unbedeutend ist, ihre Schritte an die verantwortlichen Stellen, nicht weisen sie an geeignetein Orte auf die Mängel hm. Diese Tatsache ist tief bedauerlich und zwar deshalb, weil in manchen Fällen den Kritiken ihre Berechtigung nicht abzustreiten ist. Wenn aber Fehler und Mängel nicht beseitigt werden, so sind einzig und allein diejenigen dafür verantwortlich, die sie zwar erkennen, nicht aber auf sie Hinweisen. ' Gehen wir einmal auf die Kritiken ein, die wohl am meisten zu hören sind: Was soll uns „Agudas Jisroel", nichts als Reisen Konferenzen und Sitzungen. Hier gründet man eine Palästina-Zentrale, dort wird als Spitze der Bewegung ein Zentralrat ins Leben gerufen, hier diese und dorr wieder jene organisatorische Neugründung. Wozu soll uns dies alles, unsere Alten haben ohne „Agudas Jisroel" als echte Jehudim gelebt und gewirkt, und wir können auch ohne „Agudas Jisroel" für uns selbst mir,“ “'C7 pfk’unt uh mui-.'i'c m-zn an spar neu. So hört man sagen, Aber die Zeiten haben sich geändert. Wir bminsen leuw, s'.'lt die nm nicht zu gründe gehen, soll sie im jüdischen Volke und rm jüdischen Lande die ihr gebührende Stelle einnehmen r ium strafft.! OcgaruMim , -o 7m L" r-sr, < es großen Teiles unseres Volkes, der Gott und seiner Lehre treu geblieben ist. Schon die Existenz von „Agudas Jisroel" allein — so ineinte einer unserer Führer — fei eigentlich Leistung genug. Aber „Agudas Jisroel" hat sich größere Aufgaben gestellt, sie hat es sich, wie ich in meinem vorigen Aufsatz eingehend auseinandersetzte, zur Pflicht gemacht, die jeweiligen Nöte von 77:: r,u li11 u0v ,,u 'ciiiaoi. In der Tat die Leistungen auf dem Gebiete der Kriegsniaisenfürsorge („Agudas Jisroel" hat nicht weniger als 10 Waisenhäuser errichtet) die Leistungen auf kulturellem und sozialem Gebiet in und für den Osten, und schließlich die Erhaltung der orthodoxen Schulen in Erez Jisroel sind Erfolge, die für sich selbst sprechen. Sie beweisen erneut die Existenzberechtigung, ja die Notwendigkeit eiirer „Agudas Jisroel". Die Leute, die die Notwendigkeit des Bestehens von „Agudas Jisroel" bis jetzt verleugnet haben, sie sprechen ferner: Wo sind die Leistungen, wo die Berichte darüber? Es mag sein, daß mitunter die offiziellen Agudvh-Orgäne an eingehenden Berichten zu wünschen lassen. Tagungen aber bringen Aufschluß über das Geschehen in der Bewegung. Und so ist es von den Agudvh-Mitgliedern; die in diesem Sinne ihre Kritik bekunden, unbegreiflich, wenn sie an Tagungen, die ihren Wissensdurst zu befriedigen geeignet wären, nicht teilnehmen. Und weiter hört man' sagen: „Agudas Jisroel"- ist ein Block von Orthodoxen, die auf dem Standpunkt des Separatismus ftehem „Agudas Jisroel" war gedacht NiS Zugrmiimunhluu aum SW, rna h?ule finden wir leider, daß in Wirklichkeit sich die Mitglieder von „Agudas Jisroel"

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