Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1921-10-06 · 27 (6.10.1921) · p. [Seite 2]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
27 (6.10.1921)
Date
1921-10-06
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6467833-6467833-9641060-9626374--1186-9626376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 3. Nr. 27. 6. Oktober 1921 Werbung von Grund und Boden int Heiligen Lande Dient, so tritt er au jeden thoratreuen Juden mit der Frage heran, wteviel von deinem Vermögen hast bn übrig, um nicht nur der Gesamtheit, sondern auch nur dir selbst Besitz im Laude deiner Väter zu erwerben. Sollte doch jeder Jehudi, wenn auch nur 4 Ellen Boden in Erez-Jisroel seit: Eigen itcmtcn können. § 2 des Statuts bestimmt die Pflicht der PKilästinazentralen bezögt. des Keren-Hajischmv. „Tie Palästinazentralen aller Länder sind verpflichtet, bcu Keren-Hajischulv mit allen Kräften zir fördern. Tie für wirtschaftliche Zwecke bereits gesammelten Gelder, oder die sonst dafür zur Verfügung stehenden Gelder^ find alsbald der Zeutralverlualtnng des Kerell-5^ajischulv zur Versüguug zu stellen." Es dürfte ohne weiteres ersichtlich fein, daß die Rattel, die der Keren-Hajischrnv benötigt, gewaltige sind, sollen wir doch durch ihn in den Stand gesetzt werden, auch endlich einmal eine Aguda-Kolonie in Erez-Jisroel zu gründen. Bei den großen Kosten, die für Dtcfeit Zweck erforderlich sind, kommt zunächst nur eine kleine Siedlung in Frage. Tie Pläne für diese, sowie der Kostenallschlag liegt fertig vor. Sobald der Keren-Hajischulv durch die Opfersreudigkeit unserer Aaudafreunde dazu in den Stand gesetzt ist, kann mit den: Ankauf von Bodeir und dessen Besiedlung durch Agudisten begolrnen w erden. Tor Kerell-Hajischuw untersteht zwar der Agudas Jisroel, doch bringt es seine ganze Einrichtung als rein wirtschaftliches Unternehmen mit sich, daß er im klebrigen vollständig selbständig arbeitet und auch eine eigene Verlvattllllg besitzt. 8 3 des Statuts bestimmt daher bezügl. der Verwaltung des Keren-Hajischmo Folgendes: „Tie Zentralverwaltung des Keren-Hajischuw besteht aus mindestens fünf intb höchstells 11 Mitgliedern, welche vom 'Zentralrat der Weltorganisation „Agudas Jisroel" gewählt werden und zwar zunächst auf die Dauer von drei Jahren. Die jZentralverwältung hat für sichere Verwaltullg und Anlage der Gelder Sorge zu tragen und entsprechend den Weisungen des Zentralrates der Agudas Jisroel Boden ill Palästina zu erwerben. Tor Zentralrat übt sein Aufsichtsrecht gegenüber der Zentralverwaltung des Keren-Hajischuw durch die Palästinazentrale der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. aus, welche laut Beschluß der Wiener Konferenz vom Adar 5681 mit der Leitung der wirtschaftlichen Angelegenheiten betraut wurde." Tie Männer, die bisher der Zentralverwaltung' des Keren-Hajischuw angehören, bürgen allein durch das Ansehen ihres Namens in der Geschäftswelt dafür, daß die Gelder, die die Spender dem Keren-Hajischuw anvertrauen in sicheren Händen rächen, und nur zu wirklich ernsteil Unternehmungen, auch vom kaufmännischen Standpunkte aus gesprochen, verwendet worden. H Wir lassen der Vollständigkeit halber auch lwch die übrigen drei Paragraphen des Statutes folgen: 8 4. Bodenkäufe. Tie Berechtigllllg von Ankauf von Boden aus Geldern des Keren-Hajischuw steht itnr der Zentralverwaltung zu. ■ 8 5. Organe des Keren-Hajischuw. Vor Behörden und Gerichten wird der 'Kerell-Hajischuw'durch einen dreigliedrigen aus der Mitte der Zentralverwaltung des Keren-Hajischuw . gewählten Geschäft'sausschuß vertreten.I *8 6. Dkd hsuflosung des Keren-Hajischuw. Tie Auflösung des Kerell-Hajischuw erfolgt auf Beschluß des Zentralrates der Agudas Jisroel. Etwa vorhandene Gelder gehen ill diesem Falle in bcn alleinigen Besitz _„» l « tte t." ___ der Weltorganisation Agudas Jisroel über. Wir stehell in einer für jeden Jehudi liesonders erllstell Zeit, es soll sich ein jeder ill, diesen Tagell prüfeil, wie er sich vergangenes Jahr gegellüber Gott iilld den Meißchen in feinen Gesinnungen und Handlungen geführt hat. Soweit diese Prüfung unser Verhalten gegenüber den Menschen allgeht, sollen imr llicht vor der Frage Halt machoil, inlviewoit luir uns evtl, gegenüber delll einzelnen verfehlt haben, sondern wir solleil uils auch lilit peinlicher Gewissenhaftigkeit fragen, „hast Tu Deine Pflicht gegellüber dem „Kellrn-Jisroel" erfüllt."? Gibt es wirklich in der heutigen Zeit, wo sich so gewaltige Erschütteruligell ill der jüdischen Geschichte abspielen, und wo Erez-Jisroel einfach mit der unumstößlichen Beweiskraft einer gegebenen Tatsache in den Vordergrund unseres Interesses gerückt wird, noch thoratreue Judell, die sich ablehnend ver- HMMsckchMp?,^jOder soll man gar deshalb nichts voll 'posltiver Erez-Jisroelarbeit lvifsen lvolleli, weil sich leider der Abfall auf dem heiligen Bodell breit gemacht hat, und, weil die bisherige Besiedlung sich nur zum kleinsten Teil in unserem Sinne vollzogen hat. Hat darum etwa ullsere Pflicht gegenüber Erez-Jisroel oder llilsere Liebe zu ihm eine Verminderung erfahren?; Wollen wir den anderil denn alles überlassen mtb unsere Tätigkeit darauf beschränkell, händerillgend über schlechte Zustände zu seufzen! Nein, und abermals nein! Gerade die in der Agudas Jisroel selbständig organisierte Judenheit, die den Gehorsam gegenüber dem Gottesgesetz auf ihre Fahne geschrieben hat, hat erst recht die Aufgabe das Gebot der Stunde zll erkennen, und auch ihrerseits mit allen zur Verfügung stehenden Kräften am * Aufbau von Erez-Jisroel zu arbeiten, lind darum muß bei der Prüfung unseres Verhältnisses zum Kellal- Jisroel sich in biefen Tagen ein Jeder auch fragen, was hast Tn dafür getan, daß Erez- Jisroel nicht, Gott behüte, ein unheiliges Land werde, und daß es auf Grund der einmal nicht wegzuleugnenden politischen Machtverhältnisse in die Hände von solchen kommt, die seinen Boden wieder entweihen." Möge das Ergebnis dieser Prüfung sich in Taten kund geben, möge es in diesem Jahre dazu führen, daß sich ein jeder netef) bestem Können beteilige am Werke des Ke r en -H ajischuw! Dr. Willy Hofmann-Frallkfurt. Die Arbeitsweise der Ortsgruppen. Referat für den Delegiertentag von Dr. I. Segall in Berlin. Ich bin von der Leitung des Gruppenverbandes der Agudas Jisroel gebeten worden, ein Referat über das Thema „Straffere Z e n t r a l i s i e r u n g der O r t s g r u p p e n " zu halten. Ich habe den Auftrag übernommen und bin gern bereit, die Erfahrungen, die ich durch langjährige Mitarbeit in anderen Organisationen gesammelt habe, in den Dienst unserer A g u das I is ro e l zu stellen. Es handelt sich um rein praktische Fragen, die ich besprechen will, die den Allsgangspunkt für eine, wie ich hoffe, fruchtbringende Diskussion bilden sollen. Das Wesentlichste für eine jede Ortsgruppe scheint mir die Bildung eines Arbeits-Ausschusses zu sein nlld damit komme ich gleich zuln Kerllpilllkt des gangen Problems, wie man eine wirklich brauchbare Ortsgruppe schaffen kalln, die ein wirksames Instrument für die Durchführung der Agudas Jisroel-Aufgaben bilden soll. Uns fehlt es bisher in Deutschland an arbeitsfreudigeu, sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit für unsere Sache einsetzenden Mellschen. Wir leiden llicht unter dem Mangel an Gebaufeit, an Ideell, an Aufgaben, lvir leiden nur all Meilschellmangel, und solange lvir es *) Anmerkung der Redaktion: Infolge Zeitt nianges konnte das Referat auf dem Delegiertentag der Ortsgruppen der Agudas Jisroel nicht gehalten \ werden, und bringen wir es daher hier zum Abdruck: llicht fertig bringen, Träger der Arbeit zu finben, solange werden lvir es auch in Deutschlalld zu feiner den großen Anforderungen lvirklich entsprechenden Orgallisation brillgell. Hier nlllß der .Hebel einsetzen. Ich glaube aber, daß es bei gutem Willen gelingen wird, ill jeder Ortsgruppe ein paar Menschen für nnferc Ideen so' zu begeistern, daß sie zu eillem Arbeitsausschuß sich zusalnulellschtießen, welcher die Sache ill die Hand nirmnt. Man mllß auch unfere Kreise davon überzeugelt, daß, wie ein gesunder Geist llur in einem gesundell Körper lvohllell kann, zur Erfüllung der Agudas Jisroel-Aufgaben „Organisation" die erste Voraussetzung bedeutet. Organisation ist, wie Herr Jacob 'Rosenheim richtig ausgeführt hat, Selbstzweck. Leider hat sich diese Erkenntnis bisher gerade in ilnseren Reihen noch llicht Bahn gebrochen. Noch nirgellds habe ich so lvenig Verständnis für diese Grinldtatsache einer geslUlden Entlvickllllig gesehen, als bei unseren sonst durchaus einsichtsvollen geistigen Führern. Es darf keine Ortsgruppe in Deutschlaild geben, die nicht einest Arbeitsausschuß besitzt, -der zum milldesten aus drei Personen bestehen soll, dessen höchste Zahl 15 zu betragen hat. Ein Mehr ist schädlich, denn sonst entsteht allzuleicht ans eillem Arbeitsausschuß ein Redeparlamellt und anstatt praktische Arbeit zu leisten, lverden nur tiefgründige Tisküssionen gehalten, aber keine Beschlüsse gefaßt, noch weniger aber solche uusgeführt. Mail wird mir null entgegenhalten: wozu ein Arbeitsausschuß, lvenll ein Vorstand ill der lOrtsgruppe besteht? Ter Entwand ist berechtigt, und ich lvürde auch nebelt einem Vorstand einen Arbeitsausschuß garllicht wünschen, welln ntall es erreichen könnte, überall einen Vorstand so zusamlnenzusetzen, daß er auch arbeitsfähig ist. Leider aber zeigt die Erfahrung, daß tun in den seltensten Fällen eilt wirklich aktiver Vorstand möglich ist. Der Umstand, daß in einen Vorstalld möglichst die repräsentativstell Persönlichkeiten hineinkommen sollen, daß er in seiner Zusammensetzung ein Abbild des Gesamtcharakters der gesetzestreuen Bevölkerung bieten soll, daß. ferner ältere Personen, deren Rat und Einsicht für die Leitung der Ortsgruppe von Nötell ist, zugezogen werden müssell, bringt es mit sich, daß seine Aktioltsfähigkeit beschränkt ist. Darum soll neben dem Vorstand ein vorwiegend aus jüngeren, im praktischell Leben stehenden Menschen bestehender Arbeitsausschuß gebildet lverden, welcher die eigentliche Arbeit leistet. Es darf nichts ill der Ortsgruppe getan lverden, was ilicht vorher Gegenstand gründlicher Durchberatung innerhalb des Arbettsausschusses geweselt ist. — Tie Abgrenzung zwischen beit Kompetenzen des Arbeitsausschusses und Vorstandes muß eine Geschäftsordnung regeln. Es ist selbstverställdlich, daß alle Prinzipiellelt wichtigen Angelegenheiten, bevor sie zur Ausführllng alt beu Arbeitsausschuß lveitergegebeu werden, iitnerfjalb des Vorstandes zur Beratung gelangen mtb selbst, wenn es einmal zu Auseinandersetzungell, zwischen den beiden Organen komlnt, so schadetzchas auch nichts. Da ja beide dem gleichen Zwecke dienen wollen, „Ortsgtllppell lebendig zu erhalten", werden sie sich in Einzelfällen verständigen. Tie Erfahrung hat wenigstens ill anderen Organisationen, bei denen ich bisher mitgewirkt Habe, gezeigt, daß es niemals zil tiefgreifenden Differenzell nach dieser Richtullg hin gekommell ist. Arn leichtestell lvird dem vorgebeugt, wenn der Vorsitzende des Vorstandes zugleich Vorsitzender des Arbeitsausschußes ist, oder eilt führendes Mitglied des Vorstandes dem Arbeitsatlsschuß allgehört. Ter Arbeitsaustzhuß lnuß ill regelmäßigen kurzen Abständen ztlsammentretell, in der ersten Zeit llwglnM alle. 8—Ist Tage. An Arbeit wirds nicht pehlen. Schon dip organisatoruchc Tätigkeit erfordert eilte Unmenge von ÄrMt mtd je mehr matt mit der Sache verwächst, umsomehr zetgt es sich, was alles im Eiltzelnen zu geschehen hat, welln eine Ortsgruppe wirklich ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.