Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 7 (1920-1921)
- Issue
- 26 (22.9.1921)
- Date
- 1921-09-22
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
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22. September 1&£L. woraus das Propaganda-Material für den Osten bestanden hat. Ich mache folgenden Vorschlag: Es foll ein Preisausschreibeu erlaffen werden, damit die betr. Herren sich eunual der Lache mit Energie annehmen, ferner einen zweiten Vorschlag: Telegrannnablösuug. Es soll ein T e l e g r a m m b l o ck mit M a r k e n herausgegeben werden, der gleichzeitig als Reklame für die" „Agudas Jisroel" dienen soll, indem auf dem Deckel des Blockes alle Institutionen der „Agudas Jisroel" verzeichnet werden sollen. Außerdem sollen die betr. Ortsgruppen am Erlös der Telegramm-Ablösungen beteiligt werden. Rabb. Dr. PiuchaS-Kohu - Ansbach: Last sen Sie mich einiges sagen. Sie klagen über mangelnde Informationen — vergessen aber, daß das an Ihnen selbst liegt. Sie lesen die Parteipresse nicht. Ju anderen Organisationen ist es so, das; sich jeder iuformiert anhand seiner Parteipresse, und ich behaupte, das; alles, was zu ineloen ist, in den „Blättern"; der „Jüd. Presse-Wien", dem ^Jud-Warschau" sich findet. Ich mochte Ihnen bei dieser Gelegenheit ans Herz legen, Ihre Parteipresse etwas mehr zu beachten. Wir haben unsere Parteipresse in Warschau, in Wien, in Transsylvanien. Ich glaube kaum, daß Ihnen überhaupt bekannt ist, inwieweit wir journalistisch vertreten sind. Ich stimme Herrn Neuberger zu, wenn er sagt, daß diese Zeitungen auch gelesen werden müssen. Wir haben uns in Wien entschlossen, eine neue Propagandaschrist herauszugeben unter Auszählung der Tatsachen, was geschehen ist. Wenn aber unsre „Blätter" von Polemik ganz frei gehalten würden, dann wären sie langweilig. Endlich noch eines: Man informiert nicht über Dinge, die noch nicht fertig sind. Wir geben außerhalb unseres Büros in Wien überhaupt keine Aufklärung, nur in unserem Bureau, und dies jedem, der zu uns kommt, in reichlichstem Maße. Einen Vorschlag aber möchte ich machen: Benutzen Sie jeden Bade-Ausenthalt zur Propaganda. Lesen Sw den „Iu d" und sehen Sie zu, daß er grup - p e n w e i s e gelese it w ird , denn wir müssen stolz daraus sein, diese einzige orthodoxe Tagesz e i t u n g mit allen Kräften zu fördern, materiell und ideell. Tr. Karl Goldschmidt - Berlin: In Berlin ist eine Propaganda besonders schwierig. Es.genügt nicht, das; man jemanden dazu drängt, Beitrage .zu zahlen. Es wäre äußerst erwünscht, wenn die „Blätter wenigstens allen Mitgliedern regelmäßig Zugeschickt werden. (Zwischenruf: „Geschieht; brauch: nur bestellt zu werden!") Ich mache den Vorschlag, in den -„Agudoh-Blättern" oder im „Israelit" Mitteilung zu machen, wo in Berlin Schiurim abgehalten werden, da es sonst nicht möglich ist, alle herauzuz:ehen. (Anmerkung der Redaktion: Eine derartige Anregung wurde vor Monaten von uns in diesen Blättern veröffentlicht, die Gruppen nahinen jedocb hiervon keine Notiz.) Dr. Salomon Ehrmann -Frankfurt gibt Bericht über die „Blätter". Die Blatter" erscheinen als Beilage zum „Israelit"; jedoch erhält sie jedes Mitglied aus Verlangen. Er bittet, der Redaktion Artikel und Berichte zukommen zu lassen. Die G r u p p e n sollten der Presse mitteilen, was vorgeht, damit berichtet werden kann; der Mangel an Information ist vielfach Schuld der Gruppen, die sich in Schweigen hüllen. Rabb. Tr. U n n a - Mannheim: Ich habe natürlich nicht gesagt, daß der Misrachi s o r m e l l ausgeschlossen sei, aber das; die Misrachisten faktisch durch die Entwicklung gezwungen seien, auszutreten. Der Misrachi hat keine andere Weltanschauung, wie „Agudas Jisroel", er glaubt nur, er habe die Macht und stellt sich die Ausgabe, innerhalb des Zionismus die Thauro zur Verwirklichung zu bringen. Das ist eine taktische Differenz. Wenn man solche Fragen der Taktik zu Fragen der Weltanschauung macht, dann ist dies eben die Tendenz, die ich als eisten Ruin des Agudismus betrachte. Rabbiner Dr. Au e rb a ch - Halberstadt: Meines 'Wissens gehört einer der geistigen Führer des Misrachr in Deutschland zu den Repräsentanten der Anstrittsgemeinde; es ist also falsch, Misrachi und Gegnerschaft gegen den Austritt zu identifizieren. Die Auffassung des Misrachi stellt sich uns als eine andere Weltanschauung dar, da sie z u n ä ch st auf anderen Boden zu treten bereit ist und hofft, dort die Thauro zu verwirklichen. Aus diesem Gegensatz heraus ist die Kluft zu begründen. Seminaroberlehrer Elias Gut-Eoln: Wir haben Erez Jisroel zn sehr betont und Talmud Thora demgegenüber zu wenig. Das jüdische Schulwesen in Deutschland steht am Scheidewege. Wie soll das weiter gehen, wenn keine Ausbildung von Lehrern mehr stattfindet? Wir können dem Staat nicht die Ausbildung überlassen. Wir können nicht von oben ansangen, sondern müssen ansangen vorn Fundament zum Firmament. Rabb. Dr. Wreschner- Berlin: Auch ich erkenne in der Agudoh 3 Grundaufgaben: eine organisatorische, eine soziale und eine erzieherische. Aus den heutigen Referaten, wie namentlich aus Beobachtungen,' in großen Städten, können Sie leicht die Ueberzeugung gewinnen, daß ein unseliges Mißverhältnis zwischen diesen drei Gruppen besteht. Während die Propaganda äußerst rührig ist, ebenso wie die soziale Tätigkeit der „Agudas Jisroel", wie dies bei dem jüdischen Herzen natürlich ist, ist die erzieherische Tätigkeit eine sehr unvollkommene. Nicht „Glätte r> nur in unseren Schulen, sondern in den ganzen Gegenden, welche zu unserer „Agudas Jisroel" gehören. Die persönliche Vertiefung in die Thauro müßte alles überragen. Ein Agudas Jisroel-Mitglied muß wissen, daß nicht die ArbMt in Versammlungen und mit Schiagwörtern, wie in anderen Vereinen, sondern die stille geräuschlose Anteilnahme an Thauro-Ausbildnng und ihre Umsetzung in: Leben die erste Pflicht ist. Nach dieser Seite" hin erfüllen wir leider nicht genügend unsere Pflicht als Aguda-Leiter. Ich - selbst komme vom Osten nach Berlin, und ich muß sagen ick wurde in Erstaunen versetzt, als ich ansing zu vergleichen. In kleiueren Städten ist viel mehr Sinn für das stille Thauro-Studium vorhandeil. Die Jugend muß sich für ein stilles Thaurolcben viel mehr begeistern als bisher. Wenn wir das Herz der „Agudas-Jisroel in unserem eigenen Kreise gesund und vollkommen erhalten haben", wenn wir erst an unseren Agudo- Mitgliedern zeigen, was Judentum ist, dann werden wir auch ohne Werbetrommel genügend Werbekraft haben, für uns die fehlenden zu gewinnen. Der Schwerpunkt unserer Arbeit muß vor allem in Talmud-Thauro und zunächst in unserem eigellen Lande liegen. Joel Sänger, Frailkfurt a. M.: Es wurde davon gesprochen,'der Gruppenverband habe nur außerdeutsche Ausgaben. Ich richte nun an den Gruppenverband die Anfrage, ob der Gruppenvorstand glaubt, das; der deutsche Gruppenverband nur für die außerdeutschen Angelegenheiten zu sorgen habe und die Erledigung särutlicher deutschen Fragen den anderen Organisationen überläßt, oder ob sich die „Agudas Jisrvel" dazu aufrafst, lnit diesen Organisationen :n ein innigeres Verhältnis zu treten. 'Rabb. Dr. Auerbach- Halberstadt: Die erste Frage ist selbstverständlich zu verneinen. Jakob Rose n h e i m - Frailkfurt a. M.: Zu zwei Fragen möchte ich mir einige Bemerkungen gestatten: 1. Das Verhältnis der Aufwendungen, die der Deutsche Gruppenverband gemacht hat und lnachen soll innerhalb und außerhalb Deutschlands und 2. wie Ulan sich zu dem Widerstreit zwischen organisatorischer Arbeit und Talmud-Thauro verhalten soll. Ich möchte dringend bitten, sich kein falsches Bild zu machen von den" Verhältnissen. Sie wissen ganz genau, daß „Aguoas Jisroel"; die Gesamtvrganisatron absolut nicht leben k a n n , wenn sie nicht wenigstens einige Mittel an der Hand hat, um ihre zentralen Organe zu unterhalten. Wenn' der Deutsche Gruppenverb'and sich nun etwa fortan auf den Standpunkt stellen wollte, alle Gelder für sich zu beschlagnahmen und nichts an die Gesamtorganisation abzuführen, dann gibt es reine „A g u d a s Jisroel" mehr, und wenn das Ganze nicht mehr da ist, kann auch der Teil nicht existieren. Solange die Valuta des Ostens so schlecht ist, England versagt und Amerika noch sernfteht muß Deutschland der: größten Anteil an den Kosten der Gesamtvrganisatiou tragen. Wenn der Gruppenverband die Mittel für sich behält, schlägt er die Mutter tot die ihn geistig nährt. Herr Leo Munk hat Gedanken vorgetragen und .Seelenkonflikte geschildert, die ihm selbst und allen die sie vertreten, zur höchsten Ehre gereichen und für die ich aus innersten! Herzen volles Verständnis habe. Und dennoch rufe ich Ihnen zu: Prüfen sie sich, ob da nicht ein in höchsten Idealismus gekleideter Jezer Hora dahintersteckt. Es ist gewiß viel genußreicher, zu lernen,- als in Versammlungen zu gehen, es ist gewiß ein herrlicheres Glück, seine Abende und Nächte der Thauro zu widmen und die Erde zu vergessen, als in den niederziehenden Parteikümpfen des Alltags sich zu verzehren. Ich wollte nicht ermangeln, diesen Gesichtspunkt hier zu vertreten, da wir im Begriffe sind, aus einer gewissen Müdigkeit im Kamps in ein Fahrwasser hineinzusteuern, das für die gesamte Orthodoxie von höchster Gefahr ist. Lernen war und bleibt das Rückgrat unseres ganzen Lebens. Aber um zu lernen, brauchen wir keine „Agudas Jisroel" zu gründen, aber wir sind nicht jauze, wenn wir uns ans individuelle Erziehung beschränken, und die „Politik", die Gestaltung der geistigen und sittlichen Atmosphäre, in der unsere Jugend groß wird, denen überlassen, die dein Thauro-Geist fremd sind. Leo M u n k - C ö l n : Ich wollte hier meine Idee lediglich für die Jugendorganisation entwickeln. Für die Jugendorganisation ist mein Standpunkt der rechte. Die Jugend, die noch wenig gelernt hat, ist zu sehr gefährdet, wenn sie in den Strom des Vereinslebens hineingerissen wird; dem mögen diejenigen dienen, die schon lernen können und die Akademiker, die Zeit haben. Ich habe absolut nicht gegen Organisation^- und soziale Tätigkeit, habe nur über das M i ß v e r h ä l t n i s zum Lernen gesprochen. Ich glaube, daß alle, die zur „Agudas Jisroel" gehören, berufen sind, organisatorisch und sozial tätig zu sein, aber jeder muß sich berufen fühlen, am Thauro-Studium sich zu beteiligen. Tha iro-Studium muß das Entree sein für den Eintritt in die Agudvh. Rabb. Dr. B r a d e r - Ansbach: Ich kann die Ausführungen des Herrn Munk nicht unwidersprochen lassen. Wenn das Wahrheit werden soll, dann mache ich Ihnen folgenden Vorschlag: Die Jugendorganisation zieht sich vollständig von der politischen Arbeit zurück und überläßt der I u g e u d d e r a u der n - Organisationen, für ihre Idee zu arbeiten. Nr. 26. Sette 3. Es ist Müdigkeit vor dem Kampf. Wenn Sie den Klall Jisroel, wenn Sie den Zibbur zugrunde gehen lassen wollen, brauchen wir nicht zu arbeiten. Die Alten bekommen wir nicht, wenn wir die Jugend nicht haben. Es ist notwendig, daß die Jugend aufs intensivste mitarbeitet und wenn Kampf droht, sich in die vordersten Reihen stellt. Dr. Isaak Breuer-Frankfurt a. M.: Ich glaube, tvenn Herr Dr. Unna die Vermutung ausgesprochen hat. als ob die deutsche „Agudas-Jisroet" etwa in die Bahnen des sogenannten Austritts einlenkt, so ist das eine Verwechslung. Austreten kann man nur aus einer Gemeinde. „Agudas Jisroel" kann nicht austreten. Aber einen anderen Gedanken vertritt die „Agudas Jisroel" allerdings: Die Orthodoxie muß sich selbständig organisieren. Aus die Frage, ob etwa „Agudas Jisroel" aus dem Standpunkt steht, daß die Orthodoxie ein bloßer Bestandteil einer neutralen Organisation sein kann, antwortet „Agudas Jisroel: nein, sie hat sich selbständig zu organisieren. Es kann danach jedem überlassen bleiben, die Konsequenzen dieses Gedankens zu ziehen. Ich bin der Meinung, daß die Ausführungen des Herrn Munk das Ungewitter garnicht verdient haben, das sich über ihn ergoß. Die Frage, die er angeschnitten hat, ist sehr ernst. Daß in der Tat für die Jugend eine große Schwierigkeit besteht, ist kein Zweifel.' Es ist nicht zu verkennen., daß wir glücklich zu einem Typ von einem jungen orthodoxen jüdischen Menschen gelangt sind, der außerordentlich agil ist. der außerordentlich viel über das Judentum sprechen kann, aber gar nichts weiß. So lange jemand ein „Am hoorez" ist, sollte er doch in der Tat keine höhere Pflicht haben, als zu lernen. Rabb. Dr. Klein-Nürnberg: Nachdem Herr Munk seine Frage dahin präzisiert hat, wie der junge Geschäftsmann seine freien Stunden am besten verwendet ob der Besuch von Versammlungen nicht zu Gunsten des Lernens unterbleiben muß, ist für ihre Behandlung nicht der Delegiertentac), sondern der Waad Chachme Hatauro zuständig. H:er möchte ich nur an die vorjährige Debatte in Fürth erinnern. Die damalige Strömung, der Herr Munk ja sehr fern steht, könnte aus seinen Ausführungen Nutzen ziehen wollen. Die Schaalo kann folgerichtig auch nur dann gestellt werden, wenn mit der gleichen Gewissenhaftigkeit geprüft wird, ob man Zeitung lesen und Romanlektüre treiben darf. Keineswegs soll aber der Schein entstehen, als wäre die Mitarbeit der Jugend an den großen jüdisch-politischen Fragen ein Fehler. Die Jugend muß freilich wissen, daß" sie erst lernt. Jin allgemeinen liegt ihr anmaßtiches Urteilen fern. Jacob R o s e n h e i m - Frankfurt a. M.: Herr Dr. Breuer hätte es nicht nötig gehabt, Herrn Munk vor meinem „Ungewitter" zu schütze::. Ich habe ja die subjektive Berechtigung seines Gedankengangs durchaus anerkannt und gewürdigt. Aber Herr Dr. Brader hat mit Recht betont, "wenn Herr Leo Munk seine Frage der Agudaleitung zur Weitergabe an den Rabbinischen Rat mitgeteilt hätte, so wäre kein Wort darüber zu verlieren, aber hier auf dem Delegiertentag wird durch die Minderbewertung der Klall- Arbeit Unsicherheit erzeugt. Ich bestreite, daß wir heute schon einen Ueberflus; an jungen Leuten haben, die politisch geschult sind, und wenn in der kritischen Lage, in der wir uns befinden, Zweifel erregt werden, ob es eine Mizwa ist. sich für die Klall-Arbeit zu schulen, so halte ich das für ein Unrecht. Wir treiben keine profane Politik; wer im Dienste unserer Arbeit neht, ift ein ,tmm pDiy. Herr Dr. Breuer sagt, der „Am hoorez" dürfe nichts tun als lernen. Wann hört man aus, ein relativer „Am hoorez" zu sein? Vor meinem Sefvrrm- Schrank bleibe ich immer ein „Am hoorez". Wenn Sie diesen Gedankengang verfolgen, so hört die Pflicht des steten Lernens n i e auf, und die Zorche Zibbur finden niemals Annehmer. Ich bezweifle, daß die Frage überhaupt generell aG eine rpxt? gepaekent werden kann. Was ich verhüten will, ist nur die Erzeugung von Unsicherheit und Müdigkeit in den Reihen unserer Jugend. Rabb. Dr. M a r x : Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß sich die Diskussion uin die Aeußerungen des Herrn Munk konzentriert hat. Es ist ein Zeichen, daß die „Agudas Jisroel" stch verinnerlicht, daß wir über die Propaganda uach außen hin in die Propaganda nach innen hineindenken. (Forts, folgt.) Aus der Bewegung. Frankfurt a M, 19. Septbr. Die Palüstin azentrale der Agudas Jisroel versendet an die Agndamitglioder einen künstlerisch ansgestattelen Wochenkalender für das Jahr 5682. Der Entwurf für den Kalender stammt von dem Frankfurter Maler Nathan Jeidel. Die Verteilung der Kalender erfolgt durch die Orts- und Jugiendgruppen, die ihre.lt Bedarf, sofern noch nicht geschehen, sofort der Palästinazentrale mitzu teilet: beliebe::. Halbcrstadt, 15. Septbr. Der bekannte Münchener Arzt 1)r. Bnttenlvieser begibt sich nächster Tage in: Aufträge der Agudas' Jisroel X