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Blätter · 1921-06-02 · 18 (2.6.1921) · p. [Seite 7]

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
18 (2.6.1921)
Date
1921-06-02
Page
[Seite 7] (sequence 7)
Language
German
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9. Juni 1921. , Blätte r." Nr. 18 Seite 7. Doch jetzt zur Sache. Ich will noch mal auf das Besprechen Weidmanns zurückkomlnen, das er der hotlaudrscheu Orthodoxie gegeben hat, eine gründilche Untersuchung in Palästina anzuordnen nach den Verletzungen der jüdischen Gesetze und daß er seinen ganzen Einfluß anwenden würde, um dem ein Ende zu machen. Ich habe gejagt und wiederhole es nochmals, er hat das Versprechen nicht gehalten. Tr. Vinekov hat Herrn Tr. Schönfeld in Amsterdam darnach gefragt. Anstatt nun genau und sachlich gu antworten, was Tr. Weizmann eigentlich getan hat, kommt Tr. Schönfeld und sagt, daß man zur Verwirklichung der Palästinafrage an erster Stelle Geduld haben muß. Geduld? Als Weizmann aus Palästina abrelste, konnte man ihn fragen: und wie hast Du Tein Versprechen, das Du in Amsterdam gäbest, gehalten? Aber jetzt? Jetzt ist es beinah- 4 Monate Water. Was hat Tr. Weizmann jetzt getan?" Sezittsta-«ng der mitlelsränkWen Agud«-Gruppen. Ansbach 1. Mai. (Unliebsam verspätet.) Heute Sonntag, fand in Ansbach, dern malerischen Markgrafenftädtchen und altehrwürdigeu Rabbinatssitz, eine Bezirkstagung für die Aguda-Orts - und Jugend grupp er: Mitttelfrankens statt. Wie sehr diese erstmalig in unserem Gau stattfindende „Treffahrt", wenn man so sagen will, bei allen betreffenden Gruppen Anklang fand, davon zeugte der gute Besuch. Außer der sehr gut vertretenen Ortsgruppe Ansbach Und der Ansbacher Aguda-Jugend waren in großer Zahl Vertreter des nahegelegenen Nürnberg, Herr Distrikts- Rabbiner Tr. M a n e s als Vertreter Schwabachs, sowie Delegierte der Gruppen Gunzenhausen und Ermetzhofen, Pechhosen, Leutershausen, Ellingen erschienen. Der eigentlichen Tagung voraus gum eine Gene r a l v e r s a m m l u n g der A g u d < g r u p p e u des Bezirks Ansbach, die im Gew :'n esaal stattfänd und als Gegenstand der Ta ^s^rdnung die für das Rabbinat Ansbach dringUcksten Feag n hatte. Auch in weiteren Kreisen Bayern^ und Deutschlands dürste es interessieren, daß die votzurn Distrikts- Rabbiner Tr. Brader angeregte Grü -düng eines Waisenhauses in Ansbach für die unglücklichen h e i m a t l o s e n O p i c r der V e r - f o l g u n g e n i n d e r U k r a i n e bei den Mitgliedeon des Tistrikts-Rabbinats auf günstigen Boden fiel. Wie mitgeteilt wurde, ist die Leitung der Aguda bereit, einen namhaften Betrag zur Verfügung zu stellen. Bei der Tagung der Bezirksgrnppen hielt nack einigen Begrüßungsansprachen Herr Rabbiner Tr. Pinchas Kohn ein Referat über das Thema: „Das Verhältnis der Agudas Jisroel im Gemeinschaftsleben des jüdischen Volkes". In seinen, in gewohnter Weise sprachlich und inhaltlich vollendeten, stellenweise künstlerisch anmutenden Ausführungen legte er den aufmerksam lauschenden Zuhörern die Grundgedanken des Wesens der „Agudas Jisroel" dar. Man könnte der Uebersicht halber den Vortrag als in drei Teile gegliedert, annehmen und dann folgende drei Ueberschriften wählen.: 1. Entstehen und geistige Grundlagen der Agudas Jisroel-Entwicklung im Weltkrieg. 2. DaK Wesen der Agudas Jisroel gegenüber fremdartig :n Parteien im Judentum. 3. Tie eigenen Wege der Agudas Jisroel. Einleitend kam der Redner auf die Gründung unserer orthodoxen Weltorganisation im Jahre 1912 zu sprechen, wo sich an der Grenze zweier Welten, des Ostens und des Westens, Vertreter der ganzen europäischen Judenheit fanden, um Me Organisation des thoratreuen Judentums der Welt in die Wege zu leiten. Ter Redner wies darauf hin, daß damals die Gründung eines solchen Verbandes des jüdischen Volkes, der den engen Zusammenschluß aller gläubigen Elemente zwecks Lösung der Gesamtheitsaufgaben sich zur Aufgabe machte, dem Gefühl eines inneren Bedürfnisses entsprang. Nicht mehr wie vor 20 oder 30 Jahren stand der große Teil der Juden des Westens den jüdischen Kulturzentren des Ostens fremd gegenüber, sondern das Interesse des Westens für den Osten, das Gefühl der Zusammengehörigkeit begann zu erwachen. Mitten in die ersten schüchternen Schritte, welche die junge Aguda in die Welt hinaus versuchte, brach die Katastrophe des Krieges, vernichtend und zerstörend. Von welch einreißender Kraft sie aber auch war und wie sehr sie eine völlige Umstellung der Arbeits-- weise erzwang, so führte sie doch statt der naturgemäßen allmählichen Entwicklung eine revolutionäre Beschleunigung herbei. Der Krieg warf uns nach dem Osten und verlangte von uns dort gebieterisch Anteilnahme an der Lösung gewaltiger sozialer und kultureller Werke. Die Aguda löste diese ihr gesetzten Probleme, sie wuchs zu ansehnlicher Zahl und bestand im Osten die Feuerprobe gut, legte so den Grund zu ihrer jetzigen Entwicklung. Gegenüber allen anderen Parteien darf die so für das jüdische Volk tätige Aguda behaupten, daß gerade ihr Wesen es ist, das zu tiefst von der heiligen Seele des jüdischen Volkes bewegt wird. Ist doch flfcrvvr>ii2C'rtiMtv^ crr~tv„.;i schaftsaufgabeu vollkommen gereckt zu werden. Sie ist es, die innerhalb der jüdischen Gemeinschaft das Recht hat, sich nicht Partei, sondern Vertretung des jüdischen Volkes zu nennen. Gerade in letzter Zeit wird die Aguda besonders im Osten als die" Organisation des „Gottesvorkes" gewürdigt. Mir sind immer ein Volk von Denkern gewesen. Tendenz der Aguda ist und bleibt es, unsere Jugend auf der Höhe dieser Geistigkeit zu erhalten. So sind die Wege, die A. I. innerhalb der jüd. Gemeinschaft einschlagen will, ihr Verhalten zu dieser durch die notwendigen geistigen Voraussetzungen und die bisherige Entwicklung gekennzeichnet. Und vor allem wird A. I. bei dem großen Gegenwartsproblem der P a l ä st i n a b e s i e d l u n g sich von ihrer bisherigen Bahn nicht entfernen. Lebhafter Beifall folgte den trefflichen Ausführungen des Redners. Nach kurzer Paus» begann der Zweite Referent des Tages, Herr stud. phil. Arthur Rathaus- Nürnberg seine Ausführungen über „JüdIsche Jugend und Agudas Jisr o c 1". In flammenden Worten verlangte er von der jüdischen Jugend, den in allen jugendlichen Herzen lebenden Idealismus, die Fähigkeit zur restlosen Hingabe an A. I. In der Diskussion teilte S. E. Herr Rabbiner Dr. Kohn auf Wunsch des Herru Sichel-Nbg. einiges von der Neuorganisation der Aguda mit, wie es auch schon s. Zt. den „Blättern" entnommen werden konnte. Die Erörterung über Unterstützung der Waisenkinder aus der Ukraine durch die Agüdagruppen Ansbachs und Umgebung läßt das Beste, für dieses Projekt hoffen. Nach Verrichtung des Minchagebets wurde die Tagung um 5.30- Uhr geschlossen. ' Freundliche Mitglieder der Gruppe Ausbach führten die Gäste in das interessante Städtchen und machten sie mit den Sehenswürdigkeiten bekannt. Bei dem 'altverehrten Rabbiner Herrn Tr. Brader fand noch ein kleines gemütliches Beisammensein statt. So verlief unsere Bezirkstagung zu vollster Zufriedenheit aller Teilnehmer und sicher hat durch sie das Agudaleoen der Ansbacher Gruppen eine wesentliche Förderung erfahren. Aus der Veweguns. Frankfurt a. M., 30. Mai. Der Palästinazentrnle der Aguda-Jisroel ist ein eingehender Bericht über die Entwicklung des orthodoxen Schulwerkes der Pekidirn und Amarkalim zugegangen, welches seit etwa Jahresfrist von der Agudas-Jisroel subventio^ niert wird. Wir Werder: noch im einzelner: auf diesen Zurückkommen und möchten schon heute an einem Beispiele arrf die steigende Fveauenz dieser anerkannt vorzüglichen Lehrarrstalten Hinweisen. Die Jeschieva ,Tores ch Zion" zählte im Sommers emester 5678 58 Schüler in 4 Klassen Winter „ „ 5679 125 „ „6 Klassen Sommer „ „ 5679 152 „ ,, 7 Klassen WinUr „ „ 5680 166 „ „ 7 Klassen Sommer „ „ 5680 202 „ ,, 8 Klassen Winter „ „ 5681 250 „ 9 Klassen Bei dieser Gelegenheit möchten wir nicht verfehlen, daraus hinzuweisen, daß irr B:>g auf des Schulwerk Pekidim luud Agudas-Jisroel Har d in Hand gehen. Die übrigen Tätigkeitsgebiet« der beider: Institutionen bleiben nach wie vor gesondert. Wir betonen dieses vor allem im Interesse der zahlreichen -Freunde der deutschholländischl n Palästinaverwaltung, welche iusbesouders durch die bekannten roten Büchsen der deutsch-holländischen Palästinaverwaltung gewiß gerne weiter die Unterstützung der Thoragelehrten des heiligen Landes fördern, wie wir andererseits zu unserer Freude sehen, daß das Interesse am Kolonisationssonds der Agudas-Jisroel in steigendem Maße zunimmt. Frankfurt a. M., 25. Mai. Die Frankfurter Agudagrupperr entfalten zurzeit eine äußerst rege Tätigkeit. Letzten Donnerstag referierten in einer Mitgliederversammlung die Herren Jacob Rosenheim und Dr. Ehrrrrann über die „Wiener Konferenz". Vorgestern sprachen irr einer von mehr als 600 Personen besuchten Jugendversammlung Max Eohen-Köln über: „Die sozialer: Aufgaben des jüdischer: Volkes und die Jugend" und Rechtsanwalt Tr. Breuer-Frankfurt über „Tie Idee des Agudismus und die Jugend". Beide Reden fände:: lebhaften Beifall. Die Diskussion wurde von einem Poalezionisten urrd einem Misrachisten bestritten. Letzterer versuchte der Agudas Jisroel wieder einrnal nachzuweisen, daß sie untätig sei. Breslau. Arn 3. Mai fand unter sehr zahlreicher Beteiligung die Generalversammlung der Agudas Jisroel, Ortsgruppe Breslau, statt. Ter Vorsitzende, Bankier Loewh, konstatierte in dem von ihm erstatteten Jahresberichte mit Befriedigung die günstige Entwicklung der hiesigen Orts- und Jugendgruppe im abgelaufenen Geschäftsjahre. Die Mitgliederzahl ist erheblich gewachsen, u. a. gehören ihr nun sämtliche 7 hier amtierenden konservativen Rabbiner an. Mit starkem Interesse nahmen die Mtglieder von der überaus vielseitigen Tätigkeit der Agudas Jisroel-Weltorganisation und der hiesmeu Ortsgruppe Kenntnis. Tie ausgedehnte Diskussion, die sich an den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Jahresbericht anschloß» und an der sich die Herren Rabbiner Tr. Hoffmann, Dr. Lohn, Dr. Hamburger, Aron Kober, Emil Breslauer, Oberkantor Weiß u. a. beteiligten, beschäftigte sich mit allen Tätigkeitsgebieten der Agudas Jisroel, insbesondere mit Thoraleruen, Kaschruth, Stellung zu anderen Richtungen und verschiedenstem anderen. Man konstatierte, daß der Vorstand der hiesigen Ortsgrrrppe stets bestrebt war, getreu dem Programm der Agudas Jisroel bei allen Gegenwartsaufgaben mitzuwirken, um zu versuchen, sie im Geiste der Thora zu lösen und daß ihm dabei reiche Erfolge beschiedeu waren, die ohne jede Schärfe gegen Andersdenkende erzielt wurden. Tie darauf folgende Wahl des Vorsitzenden für das neue Geschäftsjahr gestaltete sich zu einer Ovation für den bisherigen Vorsitzenden; man wählte ihn einstimmig wieder. Auch die anderen Vorstandsmitglieder, Herren E:nil .Breslauer, Willy Glnskinos, Aron Kober, M. Nelken, Heinrich Sichel, Salo Wislicki und K. Wreschner wurden einstimmig mit Tank für ihre bisherige Tätigkeit wiedergewäblt. Anstelle eines ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedes wurde Herr Tr. med. Raphael Glnskinos neu gewählt. Dem Kassierer, Herrn Wislicki, der einen sehr erfreulichen Kassenbericht erstattete, wurde einstimmig Entlastung erteilt. Herr Aron Kober berichtete über die neueste Aktion der hiesigen Ortsgruppe, die Entsendung von 25 erholungsbedürftigen Kindern nach der Schweiz. Tie Abreise der Kinder zu zweimonatlichem kostenfreien Aufenthalte wird bereits in den nächsten Tagen erfolgen. Den Schluß der .Versammlung bildete ein kurzes Referat des Vorsitzenden über die Wiener Tagung des internationalen Zentralrotes, der die höchste Instanz der Agudas Jisroel-Weltorganisation bildet. Wegen der vorgerückten Stunde konnte der Referent nur kurz auf die verschiedenen, in Wien gefaßten Beschlüsse eingehen und die von anderer Seite gegen den Zentralrat erhobenen Vorwürfe wegen seiner Stellungnahme gegenüber dem Keren Haiessod und wegen der von dem Zentralrat bei der englischen Regierung gestellten Anträge zurückweise::. Er hob daher die volle Harmonie der Zentralratsmitglieder vom Gerrer Rebbe bis zum Amsterdamer Oberrabbiner und vom galizischen Kaftanträger bis zum westeuropäischen Großkaust mann hervor. Wien. Bei einer Versammlung oes österreichrschen Misrachi sprach der Präsident des Misrächt i:r Polen, Herr I. H. Färbstein über die Stellung des Misrachi in der zionistischen Bewegung und setzte fick mit den orthodoxen Gegnern des Zionismus auseinander Er führte unter anderem aus: „Die assimilatorische jüdische Orthodoxie hat dem Judentun: fragwürdige Dienste geleistet. Im Westen sank die sogenannte Frankfurter Richtung bis zum äußeren Formelkram ohne Wesensinhalt hinab. Die Folge war in Deutschland Abfall und Taufe und 'die fast völlige Ertötung jüdischen Gemeingefühls. In den reichsdeutschen Mittelschulen besuchen 30 Prozent der jüdischen Schüler dch christliche Religionsstunde statt der jüdischen. Im Ost-,, hinwiederum haben orthodoxe assimilatorische Führer ihr Volk der polnischen Reaktion ausgeliefert." (Herrn Farbstein ist diesmal das Malheur passiert, daß er in de::: zentralgelegenen Wien sprach, sowohl nach Westen wie nach Osten das gute^ Beziehungen genug hat, um zu wissen, daß die Taufe in Deutschland nicht durch die Frankfurter Orthodoxie verursacht wurde und daß in: Osten unter den Tausenden von Rabbiner: sich auch noch keines 100 finden werden, die einer Partei Gefolgschaft leisten, werden, welche durch die Zugehörigkeit des Herrn Farbstein diskrediert ist. 'Anm. d. Redaktion.) Wien. Tie zweite Hauptversammlung der Wiener Jugendgruppe eröffnete Obmann David Baumgarten * er begrüßte pie Erschienenen und führt u. a. aus: Im zweiten Jahr ihrer Tätigkeit trug die Jugeudgrupve erst wirklich den Stempel der „Agudas Jisroel", und dies war für die weitere Entwickelung von besonderer Bedeutung. Gustav Pappenheiu:, der dann das Wort ergriff, sagte u. a.: Heute, nachdem die Jugendgruppe fast zweieinhalb Jahre besteht, gibt es noch immer Männer rechts und links, die uns skeptisch, zweifelnd, ab und zu auch feindlich gegenüber stehen. Jenen rufen wir zn: „achschow scheniwro jefaschpesch bemaasow!" Wollt Ihr wissen, ob es richtig war, die Jugend gruppe zu gründen, ob es notwendig ist, dieselbe zu erhalten, dann betrachtet ihre Leistungen. Kommt um halb 6 Uhr morgens in die Jugendgr:wpe und ergötzt Euch an dem dort stattfindendei: Pilpul. Betretet spät abends die Lokale der Jugendgruppe und freut Euch au den. emsigen Thaurolernenden dortselbst. Fragt viele Kinder, die in den Talmud Thoras und Jeschiwos lernen und sie werden Euch sagen, daß sie es zum großen Teile der Jugendgruppe verdanken, daß sie heute das Glück haben zu den tinauakus schel bes rabbou zu gehören. Fragt die Hunderte Väter und Mütter, die ^nach jahrelanger Abwesenheit von ihren: Hause, wieder heimgekehrt sind und sie werden Euch mitteilen, daß die Jngendgruppe an ihrer Heimbeförderung einen Löwenanteil hat. Fragt die hunderte von jungen Flüchtlingen,

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