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Blätter · 1921-06-02 · 18 (2.6.1921) · p. [Seite 6]

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
18 (2.6.1921)
Date
1921-06-02
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Nr. 18. B l ä t t e r. sie nicht anzieheu, erst versuchen, sie zur Teilnahme Nir den Wanderimgen, an den Feiern zu bewegen. Sind sie erst nral in nnsernr Kreis, dann werde:: sie bei richtiger Bearbeitmlg auch mit der Zeit ganz zu uns gehöre::. — Aber die richtige Bearbeitung, wer gibt sich damit ab? Ueberhaupt täuschen wir uns nicht: der eifrigen Mitarbeiter sind in jeder Gruppe verhältnismäßig wellige, und all Anhrerinnen, all solchen Mädels, die die Leitung einer Gruppe übernehmen können, und sie auch wirklich gut leite::, daran herrscht wohil in allen Gruppen Ncangel. Dem sollten die vom G.-V. geplanten Führerinnenkurse abhelfen. Gewiß, es ist in einem solchen Kursus nicht möglich, Führerilülell zu schaffe:!; ich glaube aber, das ist überhaupt nicht möglich. Führerin zu fein, ist einfach ein Talent, das, wo's ist, eben von vornherein vorhanden lvar. Aber dieses Talent kann wie jedes andere gepflegt und weiter gebildet werden, und hier können die Kurse eben helfen, indenl sie den Teilnehmerinnen Fingerzeige geben, lute sie ihre Arbeit an: besten anpacken können, auf' welchen ^Gebieten sie sich betätigen sollen. Ich bin mit lneinen,Ausführungen zu Ende. Ihr könnt nicht sehr ^enttäuscht sein, denn ich sagte ja gleich zu Beginn, daß es mir wohl kaum möglich sein dürfte, etwas neues zu bringen. Aber, lvie Jahr für Jahr stets von neuem mit Öen: Lesen der Tauroh begonnen wird, und!. xf> immer wieder eine ,neue Erklärung gefunden, eine neue Feinheit entdeckt werde, immer wieder ein besonderer Abschnitt vielleicht einen anregt, sich mehr damit IN beschäftigen, eifriger im Erfüllen der Mizwaus Zu sein, so wäre lehawdil der Zweck meines Referates erreicht, wenn auch nur eine voll Euch angeregt würde,, eifriger lnitzuarbeiten oder gar eine neue Möglichkeit finden würde, lvie wir unsere Aufgaben besser erfüllen können, als bisher. Erna Cohen-Cöln. Oie Stellung der Jerusalemer Rabbinen zu Heu modernen Schulen In der Sitzung des Rabbinischen Rates, die anläßlich der Anlvesenheit pes Gerer Rebbe in Wien stattgefunden hat, kam auch der bekannte Cherem gegen die modernen Schulen in Jerusalem zur Sprache. Ein Jerusalemer Tageblatt berichtete nämlich, daß Rabbiner Sonnenfeld die Unterschrift des Gerer Rebbe auf den Cherem verlangte und daß letzterer diese abgelehnt, weil nicht olle Rabbiner unterfertigt sind. (Diese Nachricht haben die ausländischen untiagudistischen Blätter, letzthin die Jnd. Rundschau vom 27. Mai mit großem Behagen nachgedruckt. Red.) Im Verlaufe der Unterhaltung erzählte der ■ Gerer Rebbe, daß Rabbiner .Sonnenfeld diese \ oder eine ähnliche Bitte nicht an ihn gerichtet l hat. Wohl aber habe eine diesbezügliche Aus-! spräche mit Rabbiner Kuk stattgefunden, der dem Gerer Rebbe erklärte, Paß er auf den: Standpunkt stehe, daß der p l te C h e r e m j s eine Geltung nie verloren habe, j i::d em kein Rabbinat die Befugnis j s i ch z u t r au e n könne, diesen ^a u f z u - heben. Ter Gerer Rebbe hat auch mit den i Rabbinern F rank und B e r n st e i u (Rabbij nat Kuk) vor seiner Abreise verabredet, diese! Erklärung in der Jerusalemer Zeitung zu verj öffentlichen. (Es steht jedem frei, über die Be- \ veutung des Cherem sein eigenes Urteil sich! zu bilden. Gegenüber tendenz:ösen Msstreuun-; gen soll aber die Wahrheit nicht unterdrückt j lverden. An merk. d. Red.)! GrezIsroel-Zionismus ^Asuda. j Aus einem Interview des „Doar Hajom" mit i Rabbiner I. Horowicz- Jerusalem. Im Gegensatz zum „Haarez" zeichnet sich die \ Jerusalem Tageszeitung „Doar §a|om'' unter den zionistischen Presseorganen dadurch aus, daß ne nch beniüht, jüdische Gesamtheitsfragen auch vom Standpunkts der unabhängigen Orthodoxie der Oeffent- * // lichteir zu übermitteln. Durch den Abdruck eines Interviews mit .Herrn Rabbiner Horowicz, Mitglied des Zentralrates der Agudas-Jisroel, anläßlich leiner auf allgemeinen Wunsch des rabbinischen Rates erfolgten Teilnahme an der Delegation des Gerrer Rebde hat der „Doar Hajoru" leinen Lesern Gelegenheit gegeben, über die Palästina berührenden Probleme der Agudas-Jisroel sich Klarheit zu verschaffen, was um so wichiger war, als man es für notig befunden hatte, durch die dortige Jugendgrnppe des Misrachi in einer eigenen Beilage znm „Haarez" über die Wiener Konferenz einen Bericht zu geben, welcher voll von Entstellungen und Unwahrheiten dem palästinensischen Leser vvrspiegelt, daß die Aguda jede positive Palästinaarbeit ableyne und .den Mandatserltwnrf zu Fall bringen mochte. Wir geben aus dein Interview, dessen Ernst, dessen Klarheit und Bedeutsamkeit der Redakteur iit seiner Einleitung ganz besonders hervorhebt, einige der charakteristischen Stellen wieder. Aguda-Jisroel als eine Organisation, welche das Gottesgesetz zur Gruudlage hat uud dessen Verwirklichung tm individuellen und nationalen Leben zu erreichen als ihre Hauptaufgabe betrachtet, kann die zionistische Organisation allein nicht als die Bevollmächtigte des ganzen jüdischen Volkes ansehen. Trotzdem hat bis zum heutigen Tage die Orthodoxie diese ihre Anschauung niemals derartig vertreten, daß politische oder wirtschaftliche Bestrebungen der Zionisten, welche im Interesse des ■ jüdistgen Volkes geschahen, durch die prinzipielle Stellungnahme der Aguda gefährdet würden. Im Gegenteil, Aguda bemühte sich stets und hat auch wiederum iu Wien bei der Zentralratssitzung Möglichkeiten für gemeinsames Arbeiten in Erez Jisroel gesucht. Sie hat allerdings ihren Standpunkt.gegenübe'. der zionistischen Partei in aller Klarheit zum Aus dm ck gebracht, aber ohne dabei allgemein jüdische Interessen oder Errungenschaften, die bezüglich Erez Jisroel erreicht wurden, irgendwie zu gefährden. Dieselben Vorwürfe, die man heute der Orthodoxie macht, hat man auch vor San Remo gegen sie erhoben und sie haben sich später lediglich als Vorwand erwiesen, um das Ansehen der unabhängigen Orthodoxie zu schmälern. In wirtschaftlicher Beziehung, wo keine religiösen Prinzipien in Betracht kommen, hat Agudas Jisroel stets versucht, mit der zionistischen Organisation zwecks gemeinsamer Erez-Jisroel-Arbeit in nähere Beziehungen zu treten. In derselben Richtung bewegten sich die Vorschläge des Oberrabbiner Onderwhzer von Amfterdaur. Diese Bestrebungen sind noch keineswegs als erfolglos abgebrochen zu betrachten, auch aus rein innerpalästinensischen Gründen will Agudas-Jisroel das ihrige dazu tun, um der Regierung die Aufbauarbeit durch inncre Kämpfe nicht zu erschweren. Tie jeweilige Stellungnahme der Orthodoxie gegen die zionistische Organisation war beeinflußt durch die innerliche Entwicklung dieser Organisation selber. Der zionistische Nationalismus wurde seinerzeit z. B. deshalb von der Orthodoxie bekämpft, weil nach ihrer eigenen innersten Ueberzeugung die historische jüdische Nation sowohl in Palästina wie in der Diaspora ohne Thora keinen Bestand haben könne. Doch war dieses sprünglich bloß eine theoretische Auseinandersetzung. Nunmehr wäre die Zeit gekommen, da die Theorien in die Praxis umgesetzt werden sollen und die bekannten Führer bemühen sich, ansgerechnet auch die religiöse Autorität, die Autorität der Thora, für welche unter allen programmatischen Zielen der zionistischen Organisation, kein bescheidenes Plätzchen ausfindig gemacht werden konnte, als' Vorspann für ihre Zwecke zu gebrauchen, und auch ideell die Herrschaft über die Gemeinden auch auf diejenigen Gebiete zu erstrecken, welche lediglich nach dem Gottesgesetz geregelt werden müssen. Obwohl ab und zu in den: Parteikampf auch persönliche Momente mitsprechen, so ist doch dieser prinzipielle Gegensatz der eigentliche Difserenzpnnkt zwischen Zionismus und Orthodoxie. Es läßt sich Wohl mit einiger Bestimmtheit sagen, daß die Vorbedingungen für eine gemeinsame Arbeit vorhanden wären, wenn der Zionismus seinem Programme trengeblieben wäre und daß dieser Kampf all dem Tage aufhören würde, an dem die zionistische Organisation sich auf ihre ursprüngliche Absicht beschrünkeil und lediglich den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas erstreben würde. Es muß ein Weg gefunden werden, welcher der Orthodoxie es ermöglicht, ihre jüdischen Ideale, (vor allein die religiöse Erziehung ihrer Jugend), welche den eigentlichen Lebensnerv des jüdischen Volkes in den 2000 Golnsjahren barste klm, in Palästina ausleben zu kölinen. Es läßt sich ailch nicht leugnen, daß die verschiedeueir palästinensischell neugegründeten Instanzen zwecks Zusanlmenfassullg der palästinensischen Bevölkerung runter einen Hut, wie Waa Hoir, Assevas Hauibchvrilu, Wad Haleumi, nichts anderes sind, als Jnstruluente eines bestimmten Kreises, welcher aus diese Weise hofft, die Herrschaft über alle Gruppen und Richtungen der Judenheit von Palästina 31t erlangen. Ist die wahre innere Einheit aber erreicht worden? Keineswegs. Lediglich das kolossale Streben nach einheitlicher Herrschaft tritt zn Tage. Es genügt, die Tatsache zn erwähnen, daß sämtliche Gemeinden mit ihren Rabbinaten, Bote Dinin, Büros, Schreiber und Chasonim verblieben sind, ganz wie früher und daß man auch dem offiziellen Misrad Harabvnns einen sefardischen und einen aschkenasischen Vorsitzsndsn angliedern mußte. Heutzutage _9. Juni 1921. ItK'rbcn auch in politischen Dingen die Minoritätsrechte respektiert. In Religions- und Gewissensfragen sollte es aber sicherlich teilte Majorisiernng geben. Die Orthodoxie kann es nicht zngeben, daß ihre religiösen Grundsätze immer aufs neue zum Gegenstand von Majoritätsabstimmungen gemacht werden. Es müßten denn Bestimmungen festgelegt sein, daß sie nicht irgend einem parlamentarischen Zufall ausgesetzt sind. „Das Kriterium eines Religions- und Gewissenszwanges" — sagte ein berühmter Staatsmann - „bestimmt nicht derjenige, der den Gewissenszwang ausüben will, sondern derjenige, an dem er ansgeübt sein will." Es steht selbstredend jedem das Recht zip diese Anschauungen nicht zu teilen, ja sie zu bekämpfen. Mau soll 'aber eine Weltanschauung, die in innerer Geschlossenheit aus der religiösen Ueberzeugung fließt, als eine solche würdigen und soll ferner der Orthodoxie das Recht konzedieren, ihre eigenen religiösen Angelegenheiten autonom ohne Einmischung von Außenstehenden dem religiösen Leben Entfremdeten, zn regeln. Es ist nicht zu leugnen, daß in der jüngsten Zeit in offizieller Hinsicht das Ansehen der Thora und deren Träger, der Rabbiner, besonders in Jerusalem sich merklich gehoben, hat. Der Dank hierfür gebührt aber Sir Herbert Samuel, welcher die Hebung der nationalen Würde auch in der Anerkennung der Orthodoxie und in der Ehrung der jüdischen Traditionen mit Recht am besten fördern zn können glaubt. Niemals war die Liebe zu Palästina und die Sehnsucht am Aufbau desselben mitzuarbeiten, so stark in der Diaspora verbreitet, als heute. Die Vertreter aller Landesorganisationen (Polen, Litauen, Deutschland, England, Tschechoslowakei, Ungar.1 u,w.) wußten von begeisterter Palästinaarbeit zu berichten. Es wird allgemein bedauert, daß der Strom der Emigration bis heute ein einförmiger ist. Tie offiziellen Stellen hätten sich bemühen sollen, auch die Emigration orthodoxer Kreise zu fördern. Tie Führer der zionistischen Organisation haben noch nicht begriffen, welche Freude und Begeisterung und welche Fülle von Energien sie in den jüdischen Massen auslösen würden, wenn sie diese Heiligtümer des Volkes unangetastet ließen und dadurch den Beweis erbringen, daß es ihnen lediglich am den wirtschaftlichen Aufbau des Landes zu tun :st. Das tägliche Leben in Erez Jisroel läßt durchaus nicht eine Klasseneinteilung zu von Zionisten erster und zweiter Güte. In Bezug auf den Ausbau von Erez Jisroel sind wir acke in unserer unentwegten Treue zur Thora zu den Heiligtümern und Ueberlieferungen des jüdischen Volkes, Bürger von Zion. Es folgt nun eine Darlegung der Gründe, welche den Gerrer Reibe zu seiner Palästinareise veranlaßt hat und dx x raussichtlichen moralischen und prakrischen M >^.lgc. dieser Reise; des weiteren die durch bett AuoM,'tzeiu bewiesene Friedensliebe des Gerrer Rebbe, x. in, Gegensatz zu den Verleumdungett von gcgu ii).., 1 Seite steht, welcher seiner Reise das Motiv haben, das Oberrabbinat zu bekämpfen. M». Dir Feststellung, daß unter „Orthodoxie" Raodunr Horowicz die selbstäudige, dem Zionismus nicht angeschlossene, in Agudas Jisroel vertretene Orthodoxie verstanden habe, lind daß er in seinen Ausführungen die Ansichten der Führer mitgeteilt. deren Urteil im Leben der Orthodoxie richtunggebend ist, schloß das Interview, dessen Veröffeutöfsentlichung— wie aus Jerusalem Zuschriften hervorgeht — allenthalben, auch in nicht agudistischeu Kreisen urrgemein uufklärend wirkte und einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Stimmen der Zeit. v. Prvf. De. Haan schreibt im „Allgemeeu Wocheublad" vom 28. April als Fortsetzung seiner Berichte ans Erez-Jisroel u. a.: Tr. Schön selb, einer der Beamten des Misrachi hat in Amsterdam einen Vortrag über Palästina gehalten. Dr. Schönfeld hat sich ausfragen lassen, und aus dem Bericht sehe ich nun, daß man vor ackern Fragen über mich gestellt hat. Die Absicht scheint gewesen zu sein, mich bei Lügen zn ertappen. Man hatte sich die Mühe sparen können. Aber man hätte keine Fragen über mich stellen sollen, sondern über den Misrachi und Tr. Schönfeld selbst. Ich habe gesagt und der Vorstand hat es in unserem Blatte auch zugegeben, daß der Misrachi diel zu viel teure Beamte hat. Warum hat man mal Tr. Schönfeld nicht nach der Anzahl der Beamten gefragt, die die verschiedenen misrachistischen Bereinigungen hier haben und nach ihren Gehältern, nach all den Büros und ihren Mieteu; nach dem Defizit des Wocheublaties „Hator". Warum hat mau mal nicht gefragt, warum der Misrachi in Palästina keine Jahresversammlung mehr abhält, und keine Vorstandssitznng und keine örtlichen Mitgliederversammlungeu. Professor Pick hat iu London gesagt, daß 2000 misrachistische Ehaluzim angckommen sind. Wieso weiß er das? Bezahlen sie Scheckei.? Wie sind sie denn organisiert? Wo arbeiten sie denn? Wir hier kennen nur eine Kew u t s a h des M i s r a ch i m i t ll n g e f ä h r 3 0 Mitglieder it. Das sind Fragen, die man hätte stellen müssen.

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