Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 7 (1920-1921)
- Issue
- 18 (2.6.1921)
- Date
- 1921-06-02
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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: Mummer 18 9. Iu « i 1921 : VII.. Jahrgang ----- 3. S i w a « 5681 herausgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland. Jsr^nkfurl a. W, Amsterdam, im Stwan 568 l. Aufruf zur Unterstützung des Kchutme°rks in Uatüstinn. In vielfach getrennten und zersplitterten Parteien ist Deutschlands Judenheit zerrißen. Mährend draußen sich blinder Haß gegen uns rcrschworen hat und sichtbar sein Haupt erhebt, fehlt uns die notwendige Einheit des Denkens und Möllens für jüdische Ziele. Und war es doch einst anders am Geburtsfest der Thora, dessen Wiederkehr wir in diesen Tagen feiern! Waren doch damals alle jüdischen Stämme in Einheit gelagert am Fuße des Sinaiberges! Denn so verschiedenartig sonst auch unsere Wesensart ist, im Aufblick zur Stelle unseres Volkes, zum Heileswort, welches Gott Israel und durch es der Gesamtmenschheit gereicht, schwand jeder Individualismus. Als Juden, die sich bewußt als das Volk der Thora fühlen, konnten auch heute noch nur alle ein Gemeinsames finden. Und zu solch Gemeinsamem sollen diese Schowuaustage uns dadurch werden, daß wir eine uns gemeinsam heilige Aufgabe an ihnen zu lösen versuchen. Es gilt, das Land unserer Väter zu dem Land unserer Kinder zu gestalten. Es gilt, dafür zu sorgen, daß nicht dort auf heiligem Boden eine junge Generation heranwachse in Unkenntnis des wahren Judenberufes, ein Gottesdiener zu sein. [f\f\ s;'rf|II M\~*\ ,W\ 'W". r^"' : H :! I |W[f' ’Wf. M! ' Es gilt der echt altjüdischen Erziehung der Jugend Palästinas, durch welche erst aller wirtschaftliche Fortschritt jüdischen Wert erhält. Schon heute haben wir dort für Tausende von Knaben und Mädchen Schulen eingerichtet, an welchen durch geeignete Lehrkräfte gute Juden unk tüchtige Menschen herangezogen werden können. Keiner Partei zuliebe und keiner zuleide sind die Lehrziele dieser Schulen festgesetzt mit dem Endzweck, einem jungen Geschlecht die alte Sinaiwahrheit in Reinheit zu übergeben und es dadurch zu einem für die Wohlfahrt des Landes gedeihlichen Menschenschlag zu erziehen. Die Erhaltung und unbedingt notwendige Erweiterung dieser Schulen erfordert große materielle Opfer, deren Leistung die Ehrenaufgabe der gesamten Diaspora ist. :'si | . i. Darum sind in diesen Tagen des Thorafestes die jüdischen Gemeinden Deutschlands, Hollands, der Schweiz und anderer Länder gebeten worden, durch die Spenden beim B e r k a u f d e r M i z w a u s , b e i d' e r T h o r a, b e i H a s k o r a t s N e s ch o m aus am Aufbau und Ausbau des Thovafonds für Erez-Jisroel mit zuarbeiten, und so wiederum der Stimme von Horebshöhe Folge zu leisten, die auch heute noch uns zum Reich von Priestern und zum heiligen Volk gestalten will. Möge jedes Land und in jedem Land jede Gemeinde wetteifern, an dieser jüdischen Kulturarbeit mitzuwirken, sodaß wiederum das Thorafest Israels Stämme in Einheit gelagert sehe um das Sinaigefetz. Valastinazeritrale der Agudas-Iisroel. Deutsch-Ksllitndrsche PalitstirmVermaltung Die Spendenergebnisse dieser Sammlung wollen Sie bitte auf das Postscheckkonto unseres Kassierers, Herrn Siegfried Loewenth a l, Frankfurt a. M., Neue M ainz e r st ra ße 82, Nr. 44522, überweisen. Spendenausweise erfolgen in den jüdischen Zeitungen. Zur Lage.*) 1. Agudas Jisroel Zum ersten Male seit Gründung der Aguoas Jisroel hat eine Konferenz der gewählten Vertreter der einzelnen Landesorganisationen, vereinigt im Z e n t r a l r a t, in Wien stattgefunden. In dieser Tatsache gelangt der bedeutsame Fortschritt in der Entwicklung der Bewegung zu klarem Ausdruck. Fürderhin haftet ihr nichts Provisorisches mehr an. Sie ist ein Definitivum geworden. Der Zentralrat ist die oberste Verwaltungsbehörde der Agudas Jisroel. Nach der Kopfzahl der in den einzelnen Landesorganisationen vereinigten Mitglieder richtet sich deren Befugnis, den Zentralrat zu beschicken. Die Zusammensetzung des Zentralrats gibt somit ein Bild von dem gesamten Kräfteverhältnis innerhalb der Aguda. Die Plenarsitzung des Zentralrats in Wien bat nun für die Eekutive eine Reihe höchst wichtiger Beschlüsse gefaßt, deren wesentlichster in der Schaffung eines dem Zentralrat verantwort- *) Entnommen mit Genehmigung von L. Sänger Perlag Frankfurt a. M., dem weben erscheinenden Heft 3/4 der „Jüdifchen Monatshefte". lichen, die Geschäfte führenden Ausschusses besteht, dessen Mitglieder die einzelnen Geschäftszweige unter sich verteilen. Damit ist die jeder Bewegung unendlich schädliche faktische oder rechtliche, scheinbare oder wirkliche Diktatur innerhalb der Aguda ausgeschaltet. Niemand wird künftighin, mit Fug oder Unfug, behaupten können, daß die ganze agudistische Weltorganisation im Schreine der Brust eines Einzelnen verborgen oder geborgen sei. Es sind selbständige Verantwortlichkeiten geschaffen. Eine Fülle von Kräften wird fürder benötigt. Und wo Kräfte benötigt werden, da entstehen und da wachsen Kräfte. Von entscheidender Bedeutung wird es sein, ob der geschäftsführende Ausschuß es versteht, ohue Verzug mit energischer Hand die Zügel der Leitung an sich zu nehmen. Seine oberste und wichtigste Aufgabe scheint uns in der Errichtung einer straffen Disziplin zu liegen. In mehr als einer Hinsicht scheinen uns die Wiener Beschlüsse geradezu eine Kraftprobe für die ganze Bewegung zu bedeuten. Den Landesorganisationen und damit den einzelnen Mitgliedern werden nicht unerhebliche Geldopfer angesonnen. Die Landesorganisationen werden den Ortsgruppen ins Bewußtsein zu bringen haben, daß eine Weltorganisation Geld kostet, und daß eine Ortsgruppe, die sich in finanzieller Hinsicht ihrer Pflichten nicht bewußt ist, vor dem Prüfstein der Gesamtheit schlechterdings nicht bestehen kann. Mit nun ach sichtsicher Strenge wird die neue Leitung eine Gesundung der Finanzen zu erstreben haben. Selbst auf die Gefahr hin, daß sie hie und da nochmals von vorn beginnen müßte. 'Sie finanzielle Disziplin hat aber die geistige Disziplin zu selbstverständlicher Voraussetzung. Auch hierin hat die Wiener Tagung Erhebliches geleistet. Die furchtbare Gefahr der Gegenwart ist in Wien deutlich erkannt worden. Der zionistische Ansturm gegen die Bollwerke des Judentums im Osten, die zionistischen Attentate in Erez Jisroel haben die Verteidiger aufgerüttelt. Mit naturgesetzlicher Notwendigkeit mußte die Erkenntnis sich durchsetzen, daß die Gegenwart Halbheiten nicht mehr duldet. 'Das ^Frankfurter Prinzip" von der Souveränität der Orthodoxie, die kein Kompromiß mit der Neologie oder mit dem Zionismus duldet, hat längst aufgehört, eine Frankfurter Eigenbrödelei zu sein. Das ^Frankfurter Prinzip" wird gegenwärtig von dem östlichen Flügel der Aguda womöglich mit noch größerer Folgerichtigkeit vertreten. Die Wahrheit hat gesiegt. — Mit'der reinen Abwehr wird aber die Bewegung sich nicht begnügen können. Die Auseinandersetzung mit dem zionistischen Nationalismus muß in positive m Sinne erfolgen. Die /.