Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 7 (1920-1921)
- Issue
- 15 (6.5.1921)
- Date
- 1921-05-06
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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Wimmer 15 6. W « i 1921 Blätter - VII.. Jahrgang ----- 28. Hl i ß a n 5681 h e r a il s g e g e b e n v o m Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland. Das zionistische Echo der Wiener SentrairatSfitzung. Nach den bisherigen Erfahrungen über die Objektivität zionistischer Berichterstattung in Agudaangelegenheiten waren wir eigentlich nicht erstaunt, daß die gesamte zionistische uno misrachistische Prejse gegen die Zentratratssitzung in Wien einen Berleumdungsfeldzug eröffnete, oer alten Grundsätzen jüdischer und journalistischer Moral Hohn spricht. Was uns aber in Erstaunen letzt, ist die niedrige Einschätzung der Urteilsfähigkeit ihres Leserkreises, welche die genannte Presse, durch ihre Berichterstattung verrat. Sie glaubt in der Tat ein Lesepubliküm zu haben, welches so naiv ist, offizielle Berichte der dlgudaleitung als nicht vorhanden zu betrachten und statt dessen sich Schauermärchen von einem „strengreligiösen" Unbekannten aufbinden zu lassen?' Wieser^sttrengreligiäse Teilnehmer dev.Konferenz" hat Zunächst die „Wiener - Äöprgenzettung" mit seinen Enthüllungen beehrt, RmMschuu^get lich abdruckt. Ein Eharalterbild dieses anonymen religiösen Mitarbeiters der „Mvrgenzeitung" zu zeichnen, ist wegen seiner Anonymität nicht ganz leicht. Eines aber läßt sich wohl mit ziemlicher Sicherheit feststellen, nämlich, was er nicht ist. Zur deutschen und slovakischen Orthodoxie kann er wohl nicht gehören, da diese von ihm als „fromme Asfimilanten" abgetan werden, für „die kein Mittel zu schlecht ist, um die nationalen Regungen im Judentum zu bekämpfen". Irgendwelche innere Beziehungen zu der galizischen oder polnischen Orthodoxie kann er auch nicht haben, da er sonst nicht die Stirne haben könnte, den Antiziomsmus der Chassidim-Rebbeim mit einem „selbstischen Motiv hinter religiöser Larve" zu begründen oder aber wie der Warschauer „Misrachi" sich ausdrückt, die Gdaule Jisroel als „Volksverräter" zu bezeichnen. Es mutz also dieser nicht deutsche, nicht tschecho-slovakische, nicht polnische, nicht galizische angebliche Teilnehmer an der Zentralratsfitzung, wie die Wiener Morgenzeitung" bemerkt, Furcht gehabt haben, die eigene Position zu ruinieren und schwieg daher bei denjenigen Beschlüssen der Konferenz/ welche ihm unheilvoll erschienen. Nachher aber erwachte sein Gewissen, und er holte seine versäumte Opposition in einer Zuschrift in der „Wiener Morgenzeitung" nach. Dieses ist die Quelle aller zionistischen und misrachistischen Informationen über die Wiener Agudakonferenz. Die misrachistische „Jüdische Presse" beruft sich schon aus ein „Korrespondenzbüro, das im allgemeinen ausgezeichnet informiert" ist. 'Diesmal scheint die Information des Korrespondenzbüros eine Ausnahme von der Regel zu machen, da iw von jenem Anonymus ausgegangen ist, der seinerseits entweder sich einen etwas verspäteten, unangebrachten Purimscherz erlaubt hat, um die zionistische Presse hineinzulegen, oder aber bewußt die Wahrheit gefälscht hat. Vorläufig zweifeln wir an der Existenz des Anonymus, denn alle seine Mitteilungen tragen so sehr den Stempel des Outsiders an sich, daß er in der Tat schwerlich in den Reihen der Aguoa zu suchen sein dürfte. .Die „Jüdische Presse" in Berlin, welche nicht abwarten konnte, bis unser. Bericht veröffentlicht war, erbittet eine Aeutzerung zu dem Bericht ihres Korrespondenz bttros durch uns'. Dieser Bitte sei stattgegeben: 1. 'Der größte Teil der Sitzungen fand ohne Ausschluß der Oefsentlichkeit statt. Die von uns wiedergegebenen Berichte enthalten auch den Inhalt derjenigen Sitzungen, welche unter Ausschluß der Oefsentlichkeit stattfanden, da die Leitung auf dem Standpunkt steht, daß kein Wort das gesprochen wurde, das Licht der Oefsentlichkeit zu scheuen habe. Die Fertigstellung des Protokolls im einzelnen ist zwar noch nicht beendet, doch dürften die bereits veröffentlichten Beschlüsse das wesentliche desselben enthalten. 2. T:e „Jüdische Presze" meldet einen Finanzbericht, nach welchem infolge einer schlvereu finanziellen Krisis der Agudas Fisroel es unmöglich gewesen sei, irgendwelche praktische Arbe/t in Erez-Jisroel zu unternehmen, da große Summen für Organisationszwecke benötigt werden. Zutreffend ist hierbei die Tatsache, daß Agudas Jisroel bei der.Falle ihrer Aufgaben auch emer Fülle finanzieller Mittel bedarf. Sie. befindet sich hier wohl in guter Gesellschaft mit 'änderen Organisationen, z. B. der zionistischen reff, misrachistischen.'Dach was die Agudas JrSroel hierin von andern Organisationen unterscheidet ist nur folgender Umstand: sie vev.vendet ihre Mittel in erster Linie für ihre sachlichen Zwecke sowohl tut Golus wie in Erez-Jisroel und denkt in letzter Linie daran, einen Apparat von Beamten, Sekretären, Organisatoren und dergleichen zu engagieren. Für eigentliche Organisationszwecke lind Propagandasonds hat sie ihre Mittel am allerwenigsten gebraucht. Ihre praktische Palästinaarbeit bestand freilich nicht darin, daß sie einen oder mehrere ihrer Vertreter von London nach Jerusalem und von dort nach Genf entsandte, daß sie Parteisekretäre und andere Beamte in Palästina zu Autofahrten veraulaßte und dergleichen mehr. Die Gelder, die i h i für Palästinaarbeit zur Verfügung standen, hat sie vielmehr dazu gebraucht uni im verflossenen Jahre etwas über 700 Einwanderern die Möglichkeit zu verschaffen nach Palästina überzusiedeln, uni sich dort zu ernähren, und um geiiieinsaiii mit dem Pekidirn die Schuleii für etwa 1000 Kin der in Jerusalem zu erhalten und zu iörderu. Sie hat selbstverständlich auch bereits die Ansänge einer kolonisatorischen Bewirtschaftling Palästinas unternommen, hat aber den großen Fehler begangen, keine Reklanie und kein Tamtani zii machen, sondern mir still und sachlüh zu arbeiten. Für die Reklame waren ihr die Gelder zu schade. Agudas Jisroel ist aber fein orthodoxer Zionismus, sie erstrebt die Lösung aller Gesamtausgaben im Geiste der Thora und hat darunl eiiieii großen Teil ihrer Gelomittel für Golusaufgaben gebraucht, so z. B. 1C) Vlr.egswaisenHäuser errichtet, Je'chiwoth luir der neu anfgebaut und unterstügt, Pogromopfern Hilfe gebracht, einer lernbeflisseneu Jugend die Möglichkeit gegeben, ohiie niaterielle Sorgen sich ausschließlich dem Thorastudiilin hinzngeben, Kvnsiimgenos'enschasten gegründet, Em grationsarbeit geleistet tiiid dergleichen mehr. Wir werden noch Gelegenheit nehmen diircki genane Zahlen angaben die einzelnen Tätigkeitsgebiete der Agnda zu beleuchten. Bis dahin danken wir der ,,Ji0 difchen Pres'e" für ihre brüderliche Sorge um das Agudadesizit uttb hoffen zuversichtlich, daß der vori ihr ausgehende Appell bei unseren Mitgliedern nicht ungehvrt verhallen wird. 3. 'Die „Jüdische Presse" verwechselt noch immer den Kere n H a j e f o d und den Aufb a u P a l ä st i n a s. Sie meint, die Begeisterung für den letzteren müsse unbedingt eine Förderung des ersten zu Folge haben. Die Aguda erlaubt sich anderer Meinung zu sein, und zu glauben, daß die Verwaltung des Keren Hajesod sowie feine Zielsetzung keineswegs Garantie dafür geben, daß es sich um eine jüdische und nicht um eine zionistische Einrichtung handelt. Da aber die zionistische Propaganda mit' allen ihr zu Gebote stehenden 'Mitteln die Sache so darstellt als ob es sich um eine neutrale Einrichtung handele, so ist es wohl begreiflich, daß naive Gemüter sich in der Tat täuschen ließen. Bon solchen getäuschten A g u d i st e n in Bessarabien wurde auf der Konferenz berichtet und aus diesem Grunde nochmals mit aller Deutlichkeit der in unserer jüngsten Nummer gebrachte diesbezi'igliche Beschluß einstimmig gefaßt. 4. Tie zionistische Organisation wirbt in ihren Vorbereitungen fikr ihren diesjährigen Kongreß dafür,, daß das hohe Ziel erreicht .werde und sich e t n e M i l l i o n Sch e t e t z a h l e r als Ziouisterz bekennen; also sie ist selbst davon überzeugt, daß s.e günstigenfalls etwa * u des jüdischen Voltes zu ihren Mitgliedern zählt. Mau muß noch nicht einmal Antizionist sein um es als eine schreiende Ungerechtigkeit zu empfinden, wenn sich dieser Bruchteil des jüdischen Volkes anmaßt das indische Volk zu vertreten. Solange dieses nur in Zeitungsartiteln und Broschüren geschieht, ist es zwar a u ch geeignet, Verwirrung in den Köpfen der Massen anzustiften: viel bedenklicher wird die Sachlage jedoch, wenn die Mandatarmacht über Erez-Jisroel, welches eine Heimstätte für das jüdische Volt werden soll, durch Vorspiegelung falscher Tatsachen veranlaßt wurde, der zionistischen Organisation in Form der jüdischen Agentur ein Monopol einzuräumen. Die Aguda faßte daher wiederum oen einstimmigen Beschluß eine solche Umbildung dieser A g e n t u r z u erstreben, daß R ech t e, di e der g a n zen I uden heit geb ü h reu, u i ch l au s eine einzig e P a r - t e i b e s ch r ä n k t bleibe u. Die Anerkennung dieses demokratischen Prinzips ist and) die Voraussetzung für Verhandlungen mit der zionistischen Organisation.- Wir überlassen es jeden! urteiisähigen Juden, darüber zti entscheiden, ob diese. Stellungnahme zu § 4 des Palästiuamandats „einen Verrat au der Sache des jüdischen Volles" darstelle. Wir meinen im Gegenteil, daß alte diejenigen, welche mit uns in dem Palästinamandat einen epochalen Wendepunkt in der jüdischen Geschichte erblicken, es. begrüßen müssen, wenn durch die Initiative der Aguoa eine Verbesserung des Mandatentwurss in einem seiner wesentlichsten Punkte angeragt wird. ö. Die Reise des Gerrer Rebbe nach Erez Jisroel ivurde am 22. Februar in Warschau, also etwa einen Monat vor der Wiener Konferenz, beschlos-en. Begleitet wurde er von einer Reihe Großindustrieller zwecks praktischer Be tätigung. Auch an dieser Delegation nimmt die zionistische Presse, insbesondere Polens, Anstoß: die Aguda machts nämlich immer verkehrt, schickt sie keine Delegationen nach Erez Jisroel so ist sie assimilatorisch und pnlästinafeindlich, schick! sie aber ja Delegationen, so sind das nur! „Spione" gleich den Kundschaftern in der Wüstej