Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1921-04-07 · 13 (7.4.1921) · p. [Seite 3]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
13 (7.4.1921)
Date
1921-04-07
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6467833-6467833-9641060-9626296--1109-9626299
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

7. April 1921. „Blätte r." Landesorganisation hat im Laufe von vier Wochen die Zahl ihrer Mitglieder anzugeben, nach derselben wtrd nach einem bestimmten Schlüssel festgestellt, wie viel Mitglieder jedes Land in den rabbinischen Rat zu entsenden hat. Ebenso wird der Wahlmodus jeder einzelnen Landesorganisation festgelegt, die Wahlen sind bis zum 15. Aw zu beenden. Die vorbereitende Kommission für die Konstituierung des rabbinischen Rates fetzt sich zusammen aus den Herren: Fürst-Wien, Steinberg-Brody, Steinberg-Preßburg, Arak-Buczas, Banmgarten-Wien, Dr. P. Kohn. In Bezug auf die Finanzgebahrung der Agudas Jisroel wurde beschlossen, aast für die Bedürfnisse der Gesamtorganisation sämtliche Landesorganisationen regelmäßig pro Kops ihrer Einzelmitglieder folgende Mindestbeiträge aufzubringen und an die Zentralkasse abzuliefern haben: Deutschland 30 Mark, Deutsch-Oesterreich 200 Kronen, Tschechoslowakei 30 Kronen, Schweiz 4 Franken, Frankreich, Belgien 8 Franken, Holland 2 Guloen, Skandinavien 4 Kronen, Polen 10 Mark, Rumänien 20 Lei, England 5 Schilling. Die Zahlungspflicht beginnt ab 1. Juli 1921. Die Landesorganisationen und die Ortsgruppen decken lhre eigenen Bedürfnisse durch Zuschläge zu diesen Minimalbeiträgen, die unverkürzt abzuführen sind; die Zuschläge bedürfen der Genehmigung des Zentralrates. Was über die Zuschläge hinaus eingeht, gehört der Gesamtorganisation. Es wurde ferner bestimmt, daß für die einzelnen Fonds zu bestimmten Zeiten S a m m - lungen alljährlich veranstaltet werden sollen und zwar für Erez Jisroel in den Monaten Ellnl und Tischri, für die soziale Tätigkeit (Emigrations- und Flüchtlingssürsorge) von Purim' bis Pesjach, für den Thorafond am Chanukah. Die Kosten für die Zentralbüros in London inii> Wien werden auf die einzelnen Länder repartiert. Bemerkenswert hierbei ist, daß auch die palästinensische Landesorganrsation gemäß ihrem eigenen Antrag sich daran beteiligen will. In Bezug auf die A m e r i k a - D e l e g a t i o n wurde beschlossen, daß dieselbe in der ersten Jjarwürden, wurde alsbald eines besseren belehrt. Und das war wohl die größte Ueberraschnng. die den mit dem Osten wertiger vertrauten Delegierten bereitet wurde und seine Borstellungen von dem Verständnis der Gaonim für praktische Arbeit von Grund aus nntstürzten. Kaum war einer der Rabbiner eine kurze Zeit den Verhandlungen gefolgt, so beteiligte er sich lebhaft an der Diskussion und Form wie Inhalt seiner Reden bewiesen, wie sehr die dauernde Beschäftigung mit nm^pn mm nicht nur nich das Verständnis sür die Bedürfnisse des Tages beeinträchtigt, als vielmehr die Auffassungsgabe selbst für solche Gegenstände geschärft hat, bereit nähere Kenntnis ihnen bisher entzogen nwtr. Doch noch eine Steigerung des ungeheuren Eindrucks der denkwürdigen Sitzung trat ein mit dem Erscheinen der berühmtesten Rabbiner aus Polen und Galizien. Schon die Art ihres Eintritts in den Sitzungssaal war imponierend und doch so unberechnet und ungekünstelt. In der geöffneten Tür erschien eine mittelgroße Gestalt im schweren Pelze mit hoher Pelzmütze, das eigenartig geformte Gesicht von bis ans die Schultern herabhängendem strähnigen Pejes umrahmt. Eine Schar von Chassidiin umdrängte ihren Führer, jeder von ihnen wünscht ihm am nächsten zu sein, ihn als erster zu bedienen und zu betreuen. Ein Flüstern geht durch die Versammlung: der Sokolower Rebbe! Kaum öffnet sich der Mund zum Reden, so verbreitet sich ein Strom von Liebe und Güte über sein Antlitz und seine Worte sind von Klugheit und Weis Woche ins Werk gesetzt werden soll. Diesbezüg^- liche. Informationen sind an Herrn Dr. Hildesheimer, Berlin zu richten. An P a l ä st i n a a r b e i t sollen zunächst tut Rahmen der oben erwähnten Organisation zu nächst die Mittel aufgebracht werden für folgende Arbeitsgebiete: 1. für politische und organisatorische Arbeit, 2. für die Schaffung eines auf religiöser Grundlage ruhenden Einwanderungsdienstes, 3. zur Beschaffung von Jnformationsplänen und Anregungen sür die wirtschaftliche Privatinitiative und ihrer Beratung im Inlande, 4. für die Unterstützung des religiösen Pflichtlebens und sozialer Institutionen. Zu der Realisierung dieser Ausgaben wurde beschlossen: I. Ein Palästina-Amt der Agudas Jisroel in Erez Jisroel a) zur Schaffung einer Agttdas Jisroel- Landesorganisation, b) zur Vertretung der Agudas Jisroel vor Behörden und der Presse, c) zur Beschaffung von Informationen. II. Eine Transportgesellschaft im Zusammenhang mit Volksküche und Schlafgelegenheiten in Jaffa. Die erforderlichen Kosten stellt die Palästinazentrale Frankfurt-Wien fest. Sie werden aus dem Keren Erez Jisroel der Agudas Jisroel gedeckt. Zwei wertvolle Projekte der polnischen und der deutschen Palästinazentralen, welche insbesondere geeignet sind, die wirtschaftliche Privatinitiative anzuregen, sind der Londoner und resp. der Frankfurter Palästinazentrale zur Bearbeitung übergeben und werden von diesen dann veröffentlicht werden. Einstimmigkeit herrschte darüber, daß die Förderung des Keren H a j ess o d du r ch A g u d i st e n unstatthaft sei, solange für d e s s e n Verwaltung und Verwendung hie gegenwärtig geltenden Bestimmungen in Kraft sind.*) *) Im Anschluß an diesen Beschluß des Zentralrates geben wir, da. zahlreiche unserer Gefinnungs genossen um Zeichnungen für den Keren Hajesivd cm* gegangen werden, nachstehend einen Abschnitt ans einem Schreiben unseres Londoner Zentralbüros beheil erfüllt, daß alles atemlos den Worten des Chochom Lauscht. Ganz anders und doch nicht weniger imposant wirkt die Erscheinung eineranderen Persönlichkeit, des Radziner Rebbe Rabbiner Leiner. Eine untersetzte. Gestalt in lveitem Kaftan, das Gesicht von einem großen rotblonden Barte umhüllt; der etwas zurückgeschobene rttitbe Plüschhut läßt eine ausfallend große Stirn hervortreten. Die mit leiser Stimme vorgetragenen Reden beweisen, daß auch dieser Mann in seiner Gelehrtenstnüe. den Fragen der Zeit aufmerksam gefolgt ist. Ein Ergebnis verdient bereits hier besonders hervorgehoben zu iverden. In einer geschlossenen Sitzung der Rabbonim und Rabbejim wurde der Wahlmodus sür den großen Rabbinischen Rat festgesetzt und beschlossen, daß bis , zum 15. Aw der R'abb. Rat zusammengesetzt und beschlußfähig sein soll, ‘tiefer Sitzung, ebenso wie. der sich anschließenden Plenarsitzung der Delegierten wohnte auch der ehrwürdige Rabbi Nachum Markus Friedmann, der Czortkower Rebbe bei, dessen hervorragende Beteiligung an der Klärung der Erez Jisroelfrage besonders hervorztlheben ist. Einmütig äußerten alle Rabbiner und Rabbonim, daß sie in der Agudas Jisroel die Verwirklichung eines langersehnten Ideals sähen, daß alle Jereim das, was sie alle einte, im Auge behalten und daß sie sich bemühen müßten, den Gedanken der Notwendigkeit des Zusammenschlusses in die Massen hineinzntragen. Eingehende Beratungen vertraulicher Natur fanden über die Bestimmungen des P a l ä stin a? M andates und über das B e s D i n in I e r u< sale nt statt. lieber die weiteren Beschlüsse des Zentralstes lägen bei Schluß der Redaktion Berichte noch nicht vor. Errchtung einer Verkehrs- und Transportgesellschaft. Wien. Unter den Auspizien der Agudas Jisroel ist jetzt endlich der Wunsch von Tausenden nach Erez Israel ziehenden glaubenstreuen Juden zur Tatsache geworden und eine Verkehrs- und Transportgesellschaft, die .,Siloah", gegründet worden, welche dafür sorgen wird, daß der strenggläubige Jude, und besonders der ostjüdische Emigrant, .nicht nur eine weitaus menschenwürdigere Behandlung, als dies bisher der Fall war, erfahren wird, sondern sich auf dem Schiffe heimisch fühlen soll und überall das fürsorgliche Walten guter Freunde und Ratgeber wahrnehmen wird. Die neuaegründete „Siloah" Verkehrsunh Transportgesellschaft m. b. H., Wien, II., Malzgasse ,12a, mit dem Hauptsitze in Wien und Filialen in Triest und Venedig, ist es gelungen, kan nt, ans dem ersichtlich ist, daß ver Keren H a jeffv d eine rein zionistische Partei-Institution ist. „Inzwischen wurden im offiziellen Organ der zion. Organisation „Haolam" ausführliche Mitteilungen über die Grundstatuten des „Keren Hajessod" (der aus nicht veröffentlichten Gründen an die Stelle des vor kaum einem Jahre gegründete „Keren Hageuloh" getreten ist) und dessen Vertrage mit dem zion. „Nationalsonds" veröffentlicht. Daraus geht bezgl. innerer religiösen Interessen hervor: 1. Tie Verwaltung des „Keren Hajessod" besteht ausschließlich aus Beamten und Führern der zionist. Organisation (Haolam Nr. 14/15, S. 16.) 2. 20% des Reinertrages des Keren Hajessod fließen dem Nationalsonds zu (daselbst A7 des Vertrages). * 3. Das endgültige Statut des Keren Hajessod wurde vvir der zion. Organisationsleituug ausgearbeitet und ist bereits bei deu englischen Behörden zur Genehmigung eingereicht worden. (Haolam Nr. 14-15, S. 16.) 4. Dem Keren Hajessod ist ein „Universitats-- fond" mit allen Rechten der Stifter für den „Keren Hajessod" angegliedert. Tiefem llnioerfitätssvnds steht der gesamte Apparat des „Keren Hajessod" uneingeschränkt zur Verfügung und die Propagandaredner sind verpflichtet, für beit Universitätsfond zu agitieren. Die Verwaltung des „Keren Hajessod" kann nach Gutdünken Beträge sür den Universitätsfond bestimmen (Haolam Nr. 16, S. 13)." Diesen Gedanken wurde aitch bei den festlichen Veranstaltungen Ausdruck gegeben, welche die Delegierten mit den Wiener Agndohvereinen vereinten. Aut Dienstag Abend folgten nur einer Einladung des gastfreien Ehepaares Sigmitnd Bondi, bei welchem herrliche Tischreden gewürzt mit .min mir köstlichen leiblichen Genüssen abwechselten. Für den nächsten Abend hatte uns der Vorstand der» Schiffschul zu einem Festmahl eingeladen. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß auch diese Veranstaltung das Gepräge der berühmten Wiener Gastfreiheit trug. Der Raw der Schisfschul Rabbi Jeschajah Fürst gab nach den Begrüßnngsworten des Vorsitzenden oer Adas; Jisroel, Herrn Ich. Reiniger, im Namen der Kehilloh dem Gefühl der Freude Ausdruck, solche Gaonim in den Mauern der Metropole beherbergen zu dürfen. Als sich darauf die Rabbiner anschickten, auch ihrerseits ihre Empfindüngen und thre Begeisterung für den Gedanken der Agudas Jisroel in Worte zu kleiden, war die Versammlung wie fasziniert. Es bedarf nicht besonderer Erwähnung, daß und) die oeutschen Delegierten, insbesondere unser verehrter Führer Herr Jacob Rosenheim die Worte fanden, um den unauslöschlichen Eindruck wiederzngeben, den diese Tagung bei uns hinterlassen und der uns den Mut gestärkt hat, das begonnene Werk n"]n fortzusetzen zum Wähle der vereititen Orthodcme und von oss

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.