Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 7 (1920-1921)
- Issue
- 9 (24.2.1921)
- Date
- 1921-02-24
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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Mummer!t 24. Aeörna r 1«21 s VN.. Hahrgnug ss 16. A d a r I. 5681 h e r a u o () e g e b e i i u o m Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Jugend-Organisation der Agudas Jisroel für Deutschland. Inhaltsübersicht 1. Zur Tagang des Schweizerischen Gruppenvorstandes. — 2. Agudas Jisroel und Zionistische Organisation. — 3. Erez Jisroel — Palästina: Rabbiner I. Horovkcz- Jerusalem. — 4. Auch eine Registratur: Markus Seckbach-Halberstadt. — 5 Aus unserer Bewegung: Frankfurt a. M. — Frankfurt a. M. — Krakau. — Bratislava. — Tirnau. — Wien. — Wien. — London. — 6. Spendenliste. — Zur Tagung des Schweizerischen Gruppenvorstandes. Zu dem in der vorigen Nummer der „Blätter" veröffentlichtenBericht desSchweizerischenGruppenvorstandes der „Agudas Jisroel" über deren Sitzung am 2. Januar sind uns eine Reihe von Zuschriften zugegangen, die im Wesentlichen übereinstimmend der Verwunderung Ausdruck darüber verleihen, daß von den Leistungen der Schweizerischen Landesorgantsatlon selber im abgelaufenen Kalenderjahr nichts berichtet wird, wir hoffen, noch eine Ergänzung in diesem Sinne unseren Lesern bieten^u können. So schweigsam der Bericht über die Leistungen ter schweizerischen Organisation hinwegblickt, so beredt ist er in der Würdigung und in der Kritik der allgemeinen Agudatätigkett, insbesondere der Preßburger Beschlüsse, nur scheinen die Kritiker nicht in Preßburg gewesen zu fein, sonst hätten sie sich davon überzeugt, daß die Majorität der dort anwesenden Rabbiner nicht westeuropäisch war, und daß ferner der Preßburger die talmudische Ausbildung bezügliche Beschluß fich lediglich auf Jeschiwaus, nicht aufChadorim bezieht. Daß es aber — soll die Thora nicht, Gott behüte, in Israel verlöscht werden — solcher Anstalten bedarf, die lediglich dem Thorastudtum gewidmet sind, ist bis zum heutigen Tage durch die Art oes westeuropäischen Lamdonus — nicht widerlegt, sondern nur bekräftigt worden. In Bezug auf die Stellungnahme zum Misracht hat Herr Botschko das nämliche gewünscht, was die Leitung der Aguda bereits erfolglos versucht hat, nämlich den Misrachi aufzufordern, gemeinsam mit der Aguda einen neutralen — weder zionistischen noch agudisttschen — orthodoxen Block zu bilden, dessen Aufgabe die Förderung des orthodoxen Schulwerks in Palästina sei. Noch vor der Preßburger- Konferenz hat der M isrächt diese Aufforderung ebenso ab gelehnt wie er dieses neuerlich in London tat. Als unabweisbare Konsequenz davon wurde in Preßburg der Beschluß gefaßt, selbständig vorzugehen. Wir stnd überzeugt, daß unsere Schweizer Freunde prinzipiell, wie sie dieses auch aussprechen, im Zionismus eine Förderung des dem Thorageiste feindlich gesinnten Schulwerks erblicken, und darum ihrerseits den Zionismus zu fördern — auch sud nomins Misrachi — selbst auf die Gefahr hin für unrecht erachten, daß die gute Zensur der „Jüdischen Presse" für die „freien Schweizer" sich verschlechtern würde. AgubaS Ziöroel und Zionlfilsche Organisation. Wir finden im Amsterdamer „N i e u w Jsraelitsche Weekblaad" folgende beachtenswerte Ausführungen: Wie wir vernehmen, hat der Aguoovcrtreter in Niederland, Tr. Jonas Simon, Kenntnis genommen von der Konferenz zwischen Herrn Oberrabbiner A. S. Onderwyzer und Prof. Weizmann. Tr Simoi hat sich nach der Konferenz nach Frankfurt begeben, um mit den leitenden Perfonen zu beraten über die. durch die Agudo einzunehmende Haltung in dieser Sache. Tr. Simon selbst ist, nach unserem Wisten, nicht ablehnend gegen eine Besprechung zwischen den zionistischen und agudistischen Führern. Tas Hauptorgan der Agudo, der Mainzer Israelit, ist dagegen weniger zugänglich. Noch in der jüngsten Nummer war konstatiert, daß ..die zionistischen Leiter in den letzten Wochen scheinbar ohne durch die Umstände gezwungen zu sein, ein b'solideres Verlangen nach Uebereinstimmnng mit der Orthodoxie zeigten," meldet das Blatt den ofsizrellen Verlauf von der Zusammenkunft zwischen unserm Oberrabbiner und oem Herrn Weizmann, sowie das auck in unserer Nummer vom 14. Januar ds. Is. ausgenommen war. Wie man weiß, hat Herr W'izmann erklärt, daß er versuchen will, mit oer organisierten nichtzionistischen Orthodoie zur Nebereinftimmuug zu kommen, vorausgesetzt, daß von der Agudas Jisroel der Wunsch hierzu an die zionistische Organisation bekannt gemacht wird. Tas sehr geehrte Frankfurter Organ bemerkt hierzu: „Wir glauben nicht, daß die Agudas Jisroel sich beeilen wird, oen Andeutungen von Pros. W. Folge zu leisten. Mehr als ein Jahr hat das zionistische Zentralbüro alle Bemühungen der Orthodoxie, zu einer Verständigung in Emigranten- und Paßange-- legenheitcn zu kommen, mit konsequenter Nichtachtung oder mit nichtigen Ausflüchte r vereitelt. Tie Agudas Jisroel hat dieses Verhalten der Zionistischen Organisation mit dem Beschlüsse beantwortet daß die Agudas Jisroel Leitung selbständig ihre Wege gehen wird und sich in ihrer positiven Arbeit, nicht länger durch ewige Unterhandlungen lähmen lassen wird. Man wird nun dieserseits abzuwarten haben, welche Wünsche der Zionismus aus dem .Herzen hat." Aufmerksamkeit verdient ebenso, daß das agudiftlsche Hauptorgan auch nach den vielen schlechter Erfahrungen sich prinzipiell nicht ablehiend zü einer Aussprache mit der Zionistischen Organisation zeigt, obgleich, im Gegensatz zu Weizmann, \k sieb nicht zun: Zionismus wenden wird, aber abwartet, welche Vorschläge man von zionistischer Seite machen wird. Wir wollen jedoch unsererseits erklären, daß wir betreffs Aussicht aus Zusammenarbeiten zwischen der zionistischen und orthodoxen Organisation etwas skeptisch gestimmt sind. Wenn dieses bereits von der Zufannn, narbeit zwischn dem Zionismus und einer Organisation wie die Alliance gilt, so ist das besonders der Fall bei einer eventuellen Zusammenarbeit mit der Agudo, welche umfassend abgrenzt das Wewi des Judentums, die Heiligkeit der Thora, die Sendung vor Israel und das Auftreten von Israel in der Weltgeschichte, die von der zionistischen Organisation so himmelweit abweicht. Tarnm wird man bei der Zusammenarbeit, falls sie zustande kommen soll, aus fast unüberwindlich' Schwierigkeiten stoßen. Will die Agudo doch das Risiko auf sich nehmen, so trägt sie selbst hierfür die Verantwortung. Wenn dennoch eine gemeinschaitliche Aktion für den jept Zionistischen AnfbausvndS —, denn darum handelt es sich doch —, zustande kommen sollte, dann wird der Teil der nichrzionisttschen Welt, der hierzu bereit ist, tu jedem Fall gut festgesetzte Bedingungen stellen müssen, woraus zu ersehen sein muß, daß „jüdische Volk" mit dieser Aktion sich nicht von seiner Tradition entfernt, die ihm die Pflicht auierlegt, gute Staatsbürger und gute Juden zu sein. Weiches die Bedingungen sein müssen, hoffen wir in einem folgenden Aussatz aizugeben. Wir zweifeln nicht daran, daß die Londoner Zentrale der „Agudas Jisroel" an die vom Amsterdamer Oberrabbinat angeregte Frage nicht ohne engste Fühlungnahme mit den Landes-- Organisationen herantreten wird, und wir hoffen, daß auch unser Gruppenverband ebensowohl wie die großen Agudaverbände im Osten Gelegenheit haben werden, ihre Meinung in die Wagschale zu werfen. Sehr wünschenswert wäre die rasche Konstituiernng des „Zentralrates". Man begreift wohl, daß die neue Londoner Leitung etwas Zeit haben muß, um sich in die Geschäfte klnzuarbeiten, aber wir fürchten eine schwere Schädigung der Aguda Interessen, wenn das Provisorium einer Weltorganisation ohne legales Beschlußorgan länger andauert. Aez Zisroel - Palästina. Im palästinensischen Staaisrat Hot Tr. Sa lim vom Standpunkte der Araber dagegen protestiert, daß auf den Palästina-Briefmarken neben der Benennung vn:i in jüdischer Ouartschrist auch noch die hebräischen Anfangsbuchsten als Abreviatur für die Bezeichnung StnP' pK figurieren. Wenn vor zwei Tausend Jahren Palästina so genannt wurde, war es doch auch als „Land Kanaan" und als das „Heilige Land" bekannt. Tavid I e l i n von jüdischer Seite protestierte gegen den Namen „Palästina" als offizielle hebräische Bezeichnung unter Anführung von Beweisen aus dem neuen Testament, aus der Talmudifchen Konkordanz von Kassovsky und aus nichtjüdischen geographischen Schriften, daß seit mehr als 2000 Jahren nur „Erez Jisroel" der Name dieses Landes war. Ter .High Kommissioner, Sir Herbert Samuel, führte aus, daß ihm bei Feststellung dieser Bezeichnung bekannt war, daß in der hebräischen Sprache nur Erez Jisroel als Hauptnamen gelte. Aus praktischen Gründen jedoch,' weil dieser Name in der großen Welt nicht geläufig ist, habe er den bekannteren Namen „Palästina" in hebräischen Schriftzeichen aufdrucken lassen, dabei aber die Anfangsbuchstaben *'-'x htnzugefügt, von denen jeder Schristkundige lveiß, daß. hier Erez Jisroel gemeint sei. Ter High Kommissioner ist noch immer der Meinung, daß diese os,izielte Doppelbezeichnung gut gewählt fvi. In der nächsten Sitzung soll oer Staatsrat die Diskussion über diese Frage fortfetzen. Daß der Name „Palästina" von „Pelischtim" (Philistäervolk') abzuleiten ist, unterliegt wohl keinem Zweifel. In den einschlägigen Forschungen wird die Ansicht vertreten, daß dieser Name auf Kaiser Hadrian zurückzuführen fei. Tiefe Annahme ist nicht stichhaltig. Im Propheten Zephania 2,5 aeißt es ausdrücklich : p# sprb oa'Sy 'n nan dtto 'U San wv etspSb „Bewvhner des Landstrichs am Meere, Volk der Kreter! Des Ewigen Wort über Euch K a n a a n, Land der P h i l r st ä e r". In dieser Weissagung find auch die Städte der Pe lisch tim namentlich aufgeführt. Tie Benennuig „Palästina" oder „Land der Philistüer" erfährt also hier eine geographische Einschränkung und kann in dieser Betonung aus das jüdische Erez Jisroel, also auf das damalige und heutige Gesamtvalästina, keine Anwendung finden, lieber den Ursprung der P> lischlim und deren Stammsitz sind die "Meinungen nichtjüdischer Forscher sehr verschieden. Tie zerstreuten Angaben des jüdischen Schrifttmus geben darüber recht interessante Ausschlüfse. Die Insel Kreta war wohl der Stamnrort der Pelischtim, bezw. der mit ihnen verwandten K a p h t o r i m. In den ersten biblischen Aufzeichnungen wird berichtet, daß Mizraim (Egypten) und Kanaan (Palästina) von den Nachkommen der gleichnamigen Entelsöhno Noas bevölkert waren. Tie Pelischtim bezw. Kaphtorim lverden hier zum Völkerstamm der Egypter gezählt. Bon diesen rvird irr Teuteremvnium 2, 23, folgendes berichtet: „Tie Awim (nach Nachmanides ist hier von dem Volksstamm Ehiwi die Rede), welche in Gehöften bis Asah wohnten, haben die aus Kaphtvr ausgezogenen Kaphtorim vernichtet und sich an ihre Stelle niedergelassen." Auf dieses Ereignis weist hin der Prophet Amoö 9. 7: „Habe ich doch Israel aus dem Lande Egypten geführt, wie oie Vechchtim aus Kaphtor." Tie kriegerischen Beziehungen der Philistäer zum jüdischen Volke setzten jedoch erst gegcn Ende der Richterzeit ctu und das hat fttn» historisch* B*- gritndun-,