Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 7 (1920-1921)
- Issue
- 8 (3.2.1921)
- Date
- 1921-02-03
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
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9tx. 8. Gette Ü. 3, Februar 19^1._ über Me zahlreichen Kriegswaisenhäuser, die biei Aguda in Polen, Litauen und Oesterreich gegründet hat und über den Plan, ein grandioses Waisenhaus in Erez Jisroel zu bauen, der seiner Verwirklichung nahe sei, und dem namhafte Beträge zur Verfügung stehen. Er ist glücklich, daß die Preßburger Konferenz es vermochte, die Fehler der Zürcher Konferenz zu korrigieren und die schwankende Meinung, die sich in der Aguda Bahn brechen wollte, durch Einlenkung nach rechts zu beseitigen und somit die richtige Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit geschaffen hat. Diesen Berichten folgt eine lebhafte Debatte. 5»err E. Heymann-Basel und H. Krupernik etonten, daß der in Preßburg angenommene Kurs der Aguda nicht geeignet sei, die Sympathien aller orthodoxen Kreise zu gewinnen. H. H e y m a nn drückte sein Befremden darüber aus, daß die westeuropäischen Rabbinen, die die Majorität der Konferenz bildeten, einem Beschluß ihre Zustimmung geben konnten, nach welchen solche Thora-Lehranstalten, in welchen auch profanes Wissen gelernt wird, von der Aguda nicht subventioniert werden dürfen. Herr Rabbiner Dr. Lewenstein und Herr Eiß erwiderten auf die verschiedenen Angriffe und bemerkten, daß obiger Beschluß vom rabbintschen Rate, dem viele Gebaute hatauro angehören, ausging. Alsdann ergriff Herr Botschko-Basel das Wort zum Referate über den gegenwärtigen Stand der Aguda. Herr Botschko sprach zunächst über die großen Erfolge der Aguda, die auf organisatorischem Gebiet zu verzeichnen find und über die großen Aufgaben, die die Aguda in der Diaspora, insbesondere in Erez Jisroel, zu erfüllen hat. Alsdann bespricht der Referent verschiedene Mängel an der Leitung der Aguda. Er wundert sich, daß die Aguda es für gut finde, alle ihre politischen Aktionen der Oessentlichkett vorzuenthallen. Die Aguda muß den Mut besitzen, für alle ihre politischen Interventionen auskommen zu können und liegt es im Interesse der Aguda selbst, für alle ihre Unternehmungen vor der jüdischen Orffentlichkeit Rechenschaft abzulrgen. Er teilte sodann mit, daß das Londoner Zentralbüro der Agudas Jisroel kurz vor Schluß der Völkerbunds- Versammlung in Genf den telegraphischen Auftrag erteilte, daß die Herren Rabbiner Dr. Cohn- Basel, Rabbiner Dr. Lewenstein-Zürich und der Referent sich als Delegation der Agudas Jisroel nach Genf begeben sollen, um beim Völkerbund wegen den Grausamkeiten gegen die jüdische Bevölkerung im Osten vorstellig zu werden. In Genf wurde dem Referent bekanntgegeben, daß g'eichlautende Memorandums bereits von verschiedenen jüdischen Organisationen dem Rat des Völkerbundes überreicht wurden. Grandrabbi Ginsburger in Genf gab ihm ein von den Herren Padrrewski und Prof. Aschkenasy unterzeichnetes Schriftstück zur Kenntnis, worin die völlige Gleichberechtigung der Juden in Polen garantiert und die strengsten Maßnahmen der polnischen Regierung gegen allfällige Judenexzeffe zugesichert werden. Aus diesem Grunde nahm die Delegation von einer weiteren Intervention in dieser Angelegenheit Abstand. Herr Botschko kam dann auf die von Sokolow der Misracht-Delegation in Basel bezüglich der Agudas Jisroel gemachten Aeußerungen zu sprechen. Herr Sokolow gestand endlich ein, daß seitens der zionistischen Organisation gegenüber der Aguda Fehler begangen wurden und fordert die Aguda zur Mitarbeit auf, allerdings erst dann, nachdem die Aguda ihre Klage vor die Oeffentlichkeit brachte und nachdem die Zionisten ihre Ohnmacht einsehen, das große Werk des Aufbaus von Erez Jisroel selbst durchzuführen und die fortwährende wachsende Kraft der Gesetzestreuen konstatieren. Schon mehr wie einmal wurde die Orthodoxie von zionistischen Versprechungen getäuscht. Trotz vielfacher Zusicherungen der Orthodoxie gegenüber unterstützten die Zionisten immer noch mit breiter Hand ein dem Thoragrist feindlich gesinntes Schulwerk. Wir „Blatte r." können nicht solchen Leuten, die gestern noch das orchodoxe Judentum als Fremdkörper im jüdischen Volke betrachteten, heute, nachdem sie wahrscheinlich aus irgendwelchen politischen Absichten, der Orthodoxie ein paar gute Worte spenden, ohne jede Reserve unser Vertrauen hergeben. Die einzige Bürgschaft für die Wahrung der orthodoxen Interessen in Palästina liegt nur in einer äußerst machtvollen Entfaltung und Konzentration der gesetzestreuen Kräfte der ganzen Welt. Auf welchem Wege kann die „Agudas Jisroel" aber ihre umfassenden Pläne in die Wirklichkeit umsetzen und wie kann sie sich eine kräftige Position in Erez Jisroel sichern? Redner schlägt vor, die Agudas Jisroel möge die Initiative ergreifen, eine orthodoxe Weltkonferenz, einschließlich des Misrachi, einzuberufen. Wohl sind schon manche Versuche gemacht worden, emen Frieden zwischen den beiden Organisationen herzustellen, die aber an dem einen oder anderen Punkte scheiterten. Was am grünen Tisch zwischen den Führern selbst nicht zustande gebracht werden kann/ist aber bei einer öffentlichen Konferenz und freier Aussprache möglich. Wer auf dem Boden der Wahrheit steht, hat die Oeffentlichkeit nicht zu fürchten. Die Zionisten sind im Begriffe, einen jüdischen Weltkongreß einzuberufen. Bei diesem Kongreß wird die Stimme der Orthodoxie wohl wenig Widerhall finden. (Beweis Karlsbad!) Es ist daher eine der ersten Aufgaben der Orthodoxie, den Zionisten zuvorzukommen und in Form einer großen mächtigen Organisation auf dem Kongreß zu erscheinen. Die Agudas-Jtsrnel tue ein Unrecht, wenn sie vom Misrachi verlange, daß er sich von den Zionisten trennen soll und sich der Aguda völlig anzuschlteßen. Denn es ist eine Utopie, so lange der Misrachi nicht selbst die unbedingte Notwendigkeit einer solchen Trennung einsieht, als Basis für Verhandlungen den Austritt des Misrachi aus der zionistischen Organisation zu fordern. Die Aguda kann sich mit Recht auf die hinter ihr stehenden großen orthodoxen Massen stützen, stehen doch 80°/« der Rabbinen des Ostens und Westens auf ihre Seite, dagegen besitzt der Misrachi zahlreiche organisatorische Kräfte in Amerika und in Erez Jisroel, die der Aguda mangeln. Diese beiden Faktoren müssen sich einander ausfüllen und ergänzen. Herr Botschko macht 'daher den praktischen Vorschlag, einen orthodoxen Block zu schaffen und auf dem Gebiete des Erz^ehungswesens und in allen Dingen, wo die Religion in Frage kommt, einheitlich mit dem Misrachi vorzugehen. Jedoch stehe es dem Misrachi frei, in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht mit der zionistischen Organisation zusammenzuarbeiten, wenn er dieses für besser finde. Dem Misrachi wird jegliche Trennung von den Zionisten wohl schwer fallen, weil er sich die materiellen Mittel aus der zionistischst Tasche holtwenn ihm aber das Ideal der Thora höher als alle Prinzipien gilt, so muß es in erster Linie das Opfer bringen auf das „materielle Prinzip", das ihn mit den Zionisten auch kulturell verbindet, verzichten. Die Aguda verfügt einstweilen nicht über große Geldmittel, besitzt aber eine unerschöpfliche Quelle geistigen Reichtums, das doch dem Misrachi viel wichtiger sein sollte und bei guter Organisation wird auch das andere nicht ausbleiben. Der Referent kam dann auf die Aguda-Konferenz in Preßburg zu sprechen und zieht eine Parallele zwischen den beiden Konferenzen irr Zürich und Preßburg und stellt mit Bedauern fest, daß die Preßburger Konferenz die Kluft zwischen Aguda und anderen Organisation sehr erweiterte und einen viel zu exirencen Weg nach rechts eingeschlagen hat, zu einer Zeit, wo wir den Frieden so bitter nötig haben, es sei aber die Hoffnung öÄrechttgt, daß mit dem Beitritt der orthodoxen Massen Englands ein neuer versöhnender Geist hereinströmen und einen Weg zum Frieden ebnen wird. Anderseits polemisierte der Redner gegen den Misrachi, der die Aguda beschuldigt, sie habe die Beschlüsse der Zürcher Konferenz nicht in die Tat umgesetzt, währenddem doch der Misrachi selbst zur Zeit eine starke Kampagne gegen die Zürcher Konferenz eröffnete und sich alle Mühe gab, die Zürcher Konferenz vor aller Welt zu dißkreditieren und ihren ausführenden Organen - - ',der politischen Kommission — Steine in den Weg zu legen. Niemand anders als der Misrachi selbst führte die Aguda von Zürich nach Preßburg. Am Schluffe referierte Herr Botschko über die Lage der Schulen und Thoralehranstalten in der Diaspora und Erez Jisroeler schilderte deren schreckliche Lage und deren hohe Bedeutung für das gesetzestreue Judentum in der Gegenwart und in der Zukunft und ließ den dringenden Appell ergehen, überall Komitees einzusetzen, die für die Mittel um deren Erhaltung besorgt sein sollen. Er fordert die Aguda auf, den in Zürich gefaßten Beschluß, eine Akademie für Thora und jüdische Wtffenschaft unter dem Namen „Jabneh" in Erez Jisroel zu gründen, praktisch durchzuführen. Es fand darauf eine lebhafte Debatte statt, an der sich die Herren: Rabbiner Korn fein, Eiß, Gutglück, Mannes und Krupernik beteiligten und es wurden folgende vom Referenten eingebrachte Anträge angenommen, die lauten: 1. Gründung eines Thora-Komitees für die Jeschtwos und Lehranstalten, 3. Errichtung eines ständigen Sekretariates für die Schweiz, 3. Erhöhung der Beiträge um 50 bis 100°/».- Ins Komitee für die Jeschiwos wurden gewählt die Herren: Rabbiner Dr. Cohn-Basel, Rabbiner Kornfein-Zürich, Rabbiner Brom- Luzern und die Herren H. Lang-Zürich und E. Botschko-Basel. Mit der Leitung des Sekretariats wurde Herr eand. med. Krupernik betraut. Die Anträge, in Bern wegen der Schechita ru intervenieren, sowie dem Zentralrat die Einberufung einer allgemeinen orthodoxen Konferenz vorzuschlagen, wurden auf eine weitere Sitzung verschoben. Als Vertreter der schweizerischen Aguda in den 45 gliedrigen Zentralrat der Aguda mit Sitz in Wien, wurde Herr Botschko einstimmig gewählt. Herr Mannes-Zürich, sprach sein Bedauern aus, das Amt als Präsident der Landesorganisation nicht mehr weiter behalten zu können und nachdem die Basler Delegierten die Uebernahme der Leitung nach Basel ablehnten, wurde Herr Rosenzweig als Präsident des Landeskomitees gewählt, sowie die Herren Schterenbuch-Basel, Mannes-Zürtch, Botschko-Basel, Krupernik-Zürich, in den engeren Ausschuß des L. C. Es möge der neuen, vom Geiste des Friedens beseelten Leitung gelingen, ihre edlen Bestrebungen im weitesten Sinne auszuführen. (Anmerkung der Redaktion: Wir werden in der nächsten Nummer eingehend auf die auf der Schweizerischen Landestagung an den Preßbnrger Beschlüssen geübten Kritik zurückkommen.) Uew-Dork, 5. Januar. Das New-Uorker „Morning Journal" schreibt: „Die Agudas Jsroel ist in Amerika nicht sehr bekannt, trotzdem unter Leitung von Rabbiner S. A. Joffe eine Aguda-Abteilung in New-Iork besteht, aber im Osten Europas ist Agudas Jisroel eine große und tüchtige Organisation. Cs ist keine Kleinigkeit in unserer Zeit, bespielSweise in Polen in hunderten von Ortsgruppen mehr als 100000 Mitglieder zu bekommen und tausende von Schülern in Chadortm und Jeschiwas zu versorgen. An sich ist es schwer, den orthodoxen Durchschnittsjuden in eine Organisation hinein zu bekommen, aber erbleibt dafür auch ihr sicherlich treuer als andere Kreise. Wir sehen auch in Amerika, daß der Wettbewerb zwischen den den einzelnen Chewraus rc. viel größer ist, als unter den nichtreligiösen jüdischen Verbänden, aber wenn eine „Schul" einmal organisiert ist, dann bleibt sie durch Jahrzehnte aufrecht. Nim