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Blätter · 1921-02-03 · 8 (3.2.1921) · p. [Seite 2]

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
8 (3.2.1921)
Date
1921-02-03
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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Blatte r." Seite 2 dir. 8. auch im Glück standhast zu bleiben, haben wir durch die Tiefe den Weg in die Hitze gesunden, haben wir endlich gelernt, über das pulsirende Leben den Sinn des Lebens nicht zu vergessen, dann können wir wieder unseres Landes und unser Land unserer froh werden und „Davids Harfe tönte wieder und wieder fände Ruth die Aehren auf Boas gottgesegneiem Acker-" Gelsenkirchen im Schewat 5681. Rabbiner Dr. Hermann Klein. Registratur. Registrieret: Endlich. Endlich und doch so überraschend schnell mehren sich die Zeichen des •nST» Denket daran, mit welchem Gejohle man uns beehrt hat, als wir vom Anfang an davor warnten, die assimilatorische Lüge des Nationalismus sich ausbreiten zu lassen- „Volks- Verräter" war noch das Mindeste. Natürlich wurde dieser Vorwurf mit behaglichstem Schmuneln am meisten von denen erhoben, die auch lesen Gedankenkomplex mit ihrer Orthodoxie synthetisch zu vereinigen wußten. Denket daran, was uns widerfahren wäre, wenn wir selbst noch vor Jahresfrist das gesagt hätten, was Max Nordau jetzt in der Brüsseler Hatikwa veröffentlicht, wie er dort das Spiel aufdeckt, das in so unverantwortlicher Weise mit Juden getrieben worden ist, wie er die gefährliche Nutzlosigkeit des Blenders der Minoritätsrechte darstellt, wie er die Wichtigtuerei all der Komitees und Delegationen und Räte rc. re. charakterisiert, die vom sicheren Port ihrer behaglichen Positionen im Westen die Ostjuden ins Unglück stürzten, leset, wie Max Nordau, denket, daß Max Nordau letzten Endes das einzige Heil sieht in der — horribile diotu — Religionsgemeinschaft. Oder leset weiter, was Jampel im „Jüdischen Willen" an bitteren Wahrheiten den Schöpfern der nationalen Autonomie der Volksräte sagt, wie Jampel die ganze Verantwortung für die entsetzenerregende Situation im Osten diesen Bestrebungen zuweist. Leset weiter, wie Paul Goldmann die Herren charakterisiert, welche zuerst einen jüdischen Volksrat inszeniert haben, und dann zur rechten Zeit die von ihnen Geführten verließen. Das alles registrieret und schämt Euch. Denn, Hand auf's Herz, fast alle haben zum mindesten einen Augenblick geschwankt, ob man nicht doch dem Nationalismus etwas Raum geben müsse, haben gespielt mit erborgtem Wort, haben in gleichem Mangel an Verantwortlichkeitsbewußtsein sich an die Rockschöße der Jugend gehängt, welche stündlich nationale Betätigung verlangte. Hand auf's Herz noch einmal, Ihr Vielen, Allzuvielen, die Ihr dann doch die sogenannte Warschauer Judenverordnuna, die wahrlich eine äußerst sympathische Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft garantiert hatte, wege.r ihres „religtonsgemeinschaftlichen" Charakters, verblendet durch das mit ihrerseits genugsam bereuten Hohngeschrei der waschechten Nationalisten, verworfen habt. Drum registrieret: Die „Politik" der Agudas Jisroel beruht auf einer Erkenntnis und auf einem Bekenntnis, auf der Erkenntnis, daß alles was Juden erreichen müssen, nur in ihrem Heimatslande von ihrem Heimatslande zu erstreben ist und daß alle fremde Einmischung nutzlos und schädlich ist, und daß alle Faiseure und Amateure dieses Gedankens, um mit Nordau zu sprechen, eine furchtbare Gefahr sindauf dem Bekenntnis, daß noch allezeit und überall alles, was Juden um der Ehre ihres Glaubens wollen für ihre Thora, leschem sohomajim verlangt haben, ihnen zugebiüigt wurde und daß alles was aus irgend einem anderen Motiv erstrebt wurde, niemals rD2£n 87> NVTl in Palästina oder in der Diasporaauch das wird nicht gelingen, daß man alles Nicht-Zionistische im heiligen Lande in Bezug auf Erziehung mit der Macht des — amerikanischen, zum großen Teil aus orthodoxen Kreisen stammendem Geldes schnöde unterdrückt. Auch da wird gelten roT und jüdische und nichtjüdische Mächte, die diesem Beginnen Vorschub leisten, werden es eine Minute nach zwölf einsehen. Nur Ihr sollt Euch nicht blenden lassen. Und nun glaubt man vielleicht, wir schreiben dies alles mit einer frohen Genugtuung darüber daß wir „Recht" behalten haben. Ach nein, wir möchten nur weinen, und die Tränen darüber registrieren, daß wieder einmal wie zu Zeiten Sabbatai Zewis für ein Phantom jüdisches Glück geopfert wurde, weinen darüber, daß wicder einmal das jüdische Volk sich in seinem Wahne von Golus und Thora zu emanzipieren versuchte, weinen darüber, daß die Sorge für den Augenblick Ewigkeitswerte verhüllen durfte. Und bange fragen wir: Wie lange noch? Kopi. Ww 3isroe( 3uaenii-oruppe sraniiun m mm Donnerstag, 10. Februar 8,30 Uhr abends: „Chaurew4* Damen und Herren Lokal :Hanauerlandstr, 17 Aus der Bewegung. Nürnberg, 24. Jan. Die hiesige Ortsgruppe der Agudas Jisroel, die bereis an 200 Mitglieder zählt, hat Aussprache-Abende für Mitglieder eingerichtet, um neben den von Zeit zu Zeit stattfindenden öffentlichen Vortragsabenden, die der Verbreitung der Agudaidee nach außen dienen, im internen Kreise der Gesinnungsgenossen Gelegenheit zur Aussprache über jüdische Tagesfragen, insbesondere die Agudabewegung, zu geben. Der erste Ausspracheabend, welcher am gestrigen Sonntag im Anschluß an den Abendgottesdienst im Hörsaale der Adas Israel, Effenweinstraße 7, stattfand und durch ein Referat Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiner Dr. Klein etngeleitet wurde, zeigte, daß auch in der Ortsgruppe lebhaftes Interesse für Agudas Jisroel besteht. Es wurde beschlossen, s. Gw., alle vier Wochen zur gleichen Zeit eknen solchen Ausspracheabend abzuhalten, wozu auch auswärtige Agudisten herzlichst willkommen, sind. Kitzingen. Am Sonntage den 16. Januar fand hter eine Treffahrt der fränkischen Agudas Jisroel Jugend- und Mättchengruppen statt, welche auch von Freunden aus "dem übrigen Bayern und außerhalb Bayerns gut besucht und in allen Teilen sehr gelungen war. Vormittags fand ein Schiur-Vortrag deL Herrn Distr. Rabb. Dr. Wohlgemuth-Kitzingen statt mit daran anschließender Besprechung rmd Berichterstattung der Vorstandschaft der etnzelneW Gruppen. Nachmittags hielt die Begrüßungsansprache in Abwesenheit des durch eine anderweitige Sitzung verhinderten Herrn Dr. Wvhlgemuth, Herr Lehrer Bamberger, sowie Herr S. Landau, Mitglied des Organisationsvarstandes der A. I. I. O. Referate hielten die Herren Distr. Rabbiner Dr. Brader-Ansbach, Leo Munk-Köln und Fräulein Bertha Ehrentreu-München, an welche sich lebhafte und interessante Aussprachen anknüpften. Der inzwischen erschienene Herr Dr. Wohlgemuth hielt sodann eine Ansprache, in welcher er die Gäste namens der Kultusgemeinde Kitzingen nochmals begrüßte. Für den Abend war der* gemütliche Teil Vorbehalten durch Abhaltung von Theateraufführungen — Mttternachtsszenen aus „Jeremias", der „rote Hans" — musikalische und deklamatorische Darbietungen. In allen Teilen sehr befriedig, verließen die Gäste erst in später Abendstumd« mit den Nachtzügen das gastfreundliche GtähKchen. __ 8. Februar 1921. ülöieu. Die vorzügliche hebräische Monatsschrift der Aguda „Haderech" hat die Administration von Zürich nach Wien verlegt. Die Redaktion liegt auch weiterhin in den bewährten Händen des Herrn Eh. I. Eitz. Die nächste Nummer wird in einigen Lagen erscheinen. Wien. Am 3. Januar ging der in der vorigen Nummer avisierte Transport von Palästlna-Flüchtlinaen von Wien-Südbahnhof ab. Unter den 8> Per« sonen, welche den Weg nach dem he'ligen Lande an. traten, find 21 ans Palästina und die übrigen von Polen und Rußland Geflüchtete. Die letzteren sind zumeist ausgebtldele Arbeiter und Handwerker und wurden mit gröberen Subventionen versehen. Die bewährte Leitung der Palästinazentrale der Aauda, besonders die Herren Rabbiner Baumgarten, Wolf Pappenheim, A. H. Hornstein, David Schreiber, Rabbiner Friedmann-Czortkow und nicht zuletzt der in dieser Sektion unermüdlich tätige Herr Brody hat die schwierige Aufgabe erfüllen können, bei der so hohen Valuta des Pfunds und des Lira die Heimkehr und die Unterstützung einer neuen Gruppe von Flüchtlingen zu bewerkstelligen. Es sei hter nochmals die außerordentlich aufopfernde Weise des Herrn Brody hervorgehoben, der viele Stunden des Tages mit Information und Versorgung der Flüchtlinge sowie Verkehr mit den Behörden verbringt, mühevolle, oft auch undankbare Aufgaben, die er mit Lust und Liebe erfüllt. Am Tage der Abreise wurden unter den Abreisenden Lebensmittel verteilt, die kleinen Kinder erhielten Kondensmilch, welche auf Intervention des Herr Brody durch Herrn Dr. Scherzer vom Joint verabreicht wurde. Wir müflen hier auch den besten Dank dem Herrn Joint-Direktor Wechsler und den Herren Sekretären Dr. Melles, Dr. Sokal, Dr. Scherzer, Dr. Neumann und Dr. Hecht für ihre Mithilfe bei der Repatriierung der Flüchtlinge aussprechen. Ebenso sei dem Herrn Stationsstellvertreter der Südbahndirektion für sein Entgegenkommen und die Ueberlafiung von Waggons und sonstige Erleichterungen an Riga. Die Zeire Aguda-Bewegung gewinnt in Lettland immer mehr Boden. Neben der schon seit einigen Jahren gegründeten Gruppe in Riga entstanden jetzt neue Gruppen in Dwtnsk, Ltbau und Workltan nnd in Bälde werden noch Gruppen in anderen Orten gegründet werden. Bet der Rigaer Gruppe werden auch Schimim abgehallen. außerdem wurde dort eine Schule „Tauro Wederech Erez" gegründet, die ein umfangreiches jüdisches und allgemeines Programm hat und die einzige ihrer Art in Riga ist. Die Schule gewann in der kurzen Zeit ihres Bestandes eine große Sympathie bei der jüdischen Bevölkerung Es lernen in ihr gegenwärtig 20j Kinder. Die Gruppe hat auch einen Vertreter in der jüdischen Gemeinde. Viel geleistet hat auch die DwinSker Gruppe der „Zeire AgudaS-JiSroel", die während der kurzen Zeit ihrer Existenz eine „Tauro Wederech Erez- und eine Jeschiwa „Ez Chajim" gegründet hat. Bei der in Dwtnsk staitaefundenen Gemeindewahl brachte die Gruppe drei Kandidaten durch. Zürich- 4. Januar. Am 2. Januar versammelten sich die Mitgl'eder des Landeskomitees der Schweizerischen „Agudas Jisroel", sowie die Vertreter des Zentralbüros im Lokale der Talmud- Thora in Zürich zu einer außerordentlichen Tagung. Herr Rosenzweig eröffnete die Sitzung mit einer sehr warmen Ansprache und wies auf die große Bedeutung hin der auf der Tagesordnung stehenden wichtigen Fragen. Herr Rabbiner Dr. Lewenstetn-Zürich erstattete Bericht über die Preßburger-Konferenzer sprach von der großen Begeisterung und dem gewaltigen Ernst, der die Konferenz-Teilnehmer beherrschte und hob die hauptsächlichsten Beschlüsse hervor, die die segensreiche Tätigkeit der Konferenz dokumentieren. Er gab alsdann seine Freude zum Ausdruck, daß in London, wo das jüdische Leben am stärksten pulsiert und wo die Fäden der jüdischen Politik gegenwärtig zusammenkommen, Männer sich gefunden haben, die sich bereit erklärten, die Leitung der Zentrale zu übernehmen. Er sprach die Hoffnung aus, daß es der neuen Leitung gelingen möge, das hohe Ideal der Aguda den jüdischen Massen näher zu bringen und das begonnene Werk weiter auszubauen. Am Ende seiner Ausführungen versprach der Referent, ferne ganze Kraft auch fernerhin in den Dienst der Aguda zu stellen. Herr Ch. I. E i ß ergänzte den Bericht desHerrn Dr. Lewenstein und hob manche schöne Momente der Preßburgrr Konferenz hervor. Er bewunderte das m’Dö der polnischen und litauischen Delegierten, die trotz der s. Zt. erfolgten Umklammerung ihrer Länder durch die Bolschewisten zur Konferenz herbeieilten. Cr berichtete alsdann

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