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Blätter · 1920-11-01 · 4/5 (11.1920) · p. Seite 48

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Journal
Blätter
Volume
7 (1920-1921)
Issue
4/5 (11.1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 48 (sequence 8)
Language
German
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48 andere Hoffnungen eingestellt werden muß. Wir nehmen an, daß jeder, der falsche Hoffnungen erweckte, schwer genug an . seinem Irrtum trägt, so seine Seele eine Stunde der Gewissensprüfung fähig ist. (Denn wir nehmen an, es war nur Irrtum.) Aber sobald man diesen Irrtum eingesehen hat und ihn nicht sofort als solchen klar,, deutlich und vernehmbar kennzeichnet, ward er zum verbrecherischen Spiel. Und darum, damit Ihr den Glauben nicht verliert an die sieghafte Kraft der nintf, registrieret alle Stimmen, die, wenn zumeist auch zu zaghaft, eingestehen, schluchzend künden, daß abermals eine Hoffnung für das zu Grabe getragen werden muß. Weinet mit den Reuigen. Möge rrtrn ihnen die Kraft geben, noch zur rechten Zeit klares Wort zu sprechen, aber um des Himmels willen nicht zu spät. Denn registrieret weiter : Da gibt es Hundertausende jüdischer Flüchtlinge, ganz einerlei, aus welchem Grunde sie die bisherige Heimat verließen. Und es gibt kein Land auf der weiten Frde» das sich bereit erklärt, in großzügiger Weise gastlich seine Pforten zu öffnen, ohne langatmige, engherzige, seelenlose, gemütsrohe Berechnuugen, ob man der „Einwanderer“ bedürfe. Kein Land!! Dann weinet ob dieser Entnötung der Menschheit und schämet Euch der Tränen nicht darüber, daß die vom Humanismus eingeleitete Kulturepoche ausmündete in die von ökonomischer Entartung bedingte Kulturhöhe — Sodom und Amorahs. Ach ja, und dann registriert, was wir ge'an für diese Flüchtlinge, mehr möchte ich heute nicht sagen. Denn daß es trotzdem noch Liebe gab in der Welt, war das Werk eines Abraham. Kopi. JUGEND. Ein Mahnruf. Ein Mahnwort an Agudoh-Jugend wollen diese Zeilen sein. Nicht als ob ich mich außerhalb der Agudoh-Jugend oder gar über sie stellte und nun von der Warte des Kritikers herab mit tönenden Worten ihr den Weg weisen wollte, den ich für den heilvollen halte; nein gerade, weil ich auch zur Agudoh-Jugend gehöre, ringt sich der Schrei aus meiner Brust: Wißt Ihr denn alle, was „Jugend“, was „jüdische Jugend“ heißt? Scheint es doch so, als ob Ihr nichts anderes kennt als Euch, als die Jugend; als ob Ihr in dem Mittelpunkt des Ganzen zu stehen vermeint. Gewiß, Jugend soll im Centralpunkt stehen — bei den Alten, wenn es Erhaltung und Fortpflanzung des Geschaffenen und Erreichten gilt. Blickt Ihr aber jetzt hinein in die Gruppenversammlungen, in die Bundestage, wo Jünglinge und Jungfrauen mit Greisen über die Bedeutung des Judentums diskutieren und über Wohl und Wehe des min-Judenturns beschließen wollen, lest Ihr jetzt in diesen „Blättern“, habt Ihr da nicht den Eindruck, als ob Alles, aber auch Alles um die Jugend sich drehe? Wie nach dem einzigen Kinde das ganze Leben der Eltern sich richtet, immer das Kind im Vordergrund steht, so auch bei Euch. Da schmeichelt man der Jugend, da lobt man sie, da lauscht man auf ihr Stammeln, und jede Silbe, die sie spricht, wird gedreht und gewendet und gemesssen und gewogen. Sagt, kann es nicht gefährlich werden für das Kind, wenn es auswächst und — wie als Selbstverständlichkeit — sich im Mittelpunkt des Ganzen sieht? Wird nicht die ganze Umgebung ein Spielball seiner

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