Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 12 (12.1919)
- Date
- 1919-12-01
- Page
- Seite 214 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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214 das im eignen Kreise zu wirken hat. ״Ich unterschied Euch von den Völkern, daß Ihr mein seid; wenn Ihr Euch gesondert haltet, seid Ihr mein, wenn nicht, so seid Ihr ein Spielball der politischen Nation.“ Es gilt, die Massen der Organisation zuzuführen, es gilt, die Jugend für die Zwecke und Ziele der Organisation zu erwärmen. Ein altes Wort sagt: Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft. Wir dürfen das Wort variieren. Die Ereignisse der letzten Jahre haben gezeigt, wer die Zukunft hat, der hat die Jugend! Wer ihr die Zukunft schildert in hellen leuchtenden Farben, wer sie hinweist auf das, was die Zukunft ihr an Schönem, Edlem, Großem, Reichem gibt, der entzündet ihr Herz zu heller Begeisterung, weil die Jugend gerne Wechsel auf die Zukunft honoriert! Da kann Agudas Jisroel nicht mitmachen. Agudas Jisroel weist ihre Anhänger auf Vergangenheit, aus der die Aufgaben für die Gegenwart fließen. Agudas Jisroel lockt nicht, sondern fordert, fordert das Einstellen der ganzen Persönlichkeit auf das Wort der Thauro, fordert das Zurückstellen aller persönlichen Interessen, aller Zukunftshoffnungen hinter die Interessen des Klall Jisroel, fordert des Einzelnen beste Kräfte, seine geistigen und materiellen, und gibt ihm das Recht, für den Klall mitzutun, das Recht zu arbeiten. Die Aufgaben der Jugend, unserer Agudajugend, bedeuten daher in vielem ein Aufgeben. Wenn andere ihr bieten blühende Gefilde im Lande der Väter, fruchtbar gemacht von jüdischer Hand, die jüdische Nation im nur - politischen Sinne, den jüdischen Staat: Agudas Jisroel bietet der Jugend all das nicht. Sie verlangt von ihr Arbeiten für Palästina, sie verlangt von ihr jüdisches Volkstum, das man aber nicht durch die politische Nation deklarieren läßt, sondern durch die eigene Tat dokumentiert, sie verlangt von der Jugend, ach unendlich viel, ״jeder Tag des Jahres ein anderes Verbot, jedes Glied des Körpers ein anderes Gebot“. Das soll die Jugend wissen, wenn sie zu Agudas Jisroel kommt, sie muß aufgeben vieles, das andere ihr bieten, und auf gehen in vielem, das andere von ihr gar nicht verlangen. Hat die Jugend aber zu diesem Standpunkt sich durchgerungen, dann steht sie auch fest im Bruch der Zeiten und der Dinge, dann ist sie zur Lösung ihrer Aufgaben fähig und berufen. Die Aufgaben, die die Jugend im Rahmen der Organisation zu lösen hat, werden stets bestimmt sein von Problemen, mit denen sich die Gesamtorganisation beschäftigt. Man wird also programmatisch nicht festlegen können, welche Aufgaben die Agudajugend hätte, ohne daß es zugleich Aufgaben der Gesamtorganisation wären. Und dennoch, auf gewissem Gebiete wird man der Jugend einen weiten Spielraum zu möglichst selbständiger Entfaltung der Kräfte überlassen. So vor allem das Gebiet der P10paganda, der Agitation. Die Idee der Aguda ist eine gewaltige. Jetzt, nachdem sie sich, der Wahrheit gleich, durchgerungen durch ein verkrustetes Erdreich, durch Unverständnis und Kurzblick, wird nichts ihren sieghaften Zug mehr hemmen können. Die Jugend ist leicht begeistert und vermag auch leichter zu begeistern. Ihr Optimismus, ihr frisches Drauflosstürmen läßt sie über Hindernisse springen, die das Alter in seiner Besonnenheit bedächtig und langsam umgeht. Wagemut und frohes Beginnen sind der Jugend Kennzeichen, ihre Tugenden und zugleich auch ihre Schwächen. Aber im Dienste unserer Aguda-Idee, dieser sorgsam er_ wogenen, von bewährten Männern geprüften, schwindet der Mangel und bleib der Vorzug. Und Ideen, Ideale, für die sie streben kann, braucht unsere gesetzes-t treue Jugend, soll sie sich ihre Frische bewahren und ihren Jugendmut erhalten und stets neu stählen. Ist es deshalb um ihrer selbst willen bedeutsam, daß man