Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 11 (11.1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/6467833-9641057-9626205--1020-9626208- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
[r־■ II 3>Qcr >0= =־0־^ =>0= Herrn Dr. Eugen Fraenkels Elulgedanken. Offene Antwort auf seinen offenen Brief. In Kristiania hat während des Krieges ein deutscher Industrieller in einem norwegischen Hause, in dem ich gerade zu Gaste war, auf Deutschland geschimpft. Unruhig rückte der Hausherr auf seinem Sessel, und dann bat er mich, den Vorfall ihm nicht zur Last zu schreiben. Dafür war ich ihm dankbar. — Ebenso anerkennenswert, Herr Dr. Fraenkel, ist es, daß das Zentralorgan des Misrachi Ihren, eines ausgesprochenen Agudo - Mitgliedes ״Offenen Brief“, nur mit der Kopfnotiz ״als eine persönliche Meinungsäußerung des Verfassers“ aufgenommen hat. — Lesen wir Ihren Brief gemeinsam. Sie beginnen mit einem Irrtum. Gegen die Misrachisten hätte ich verschiedene Vorwürfe erhoben, behaupten Sie, u. a. jenen der Oberflächlichkeit und des Uebereifers. Es wird Sie freuen, daß ich das entschieden in Abrede stelle. Mit ihrer Behauptung zwangen Sie mich, (das nehme ich Ihnen übel) meinen alten Januar-Artikel wieder zu lesen. Wohl finde ich darin gelinde Vorwürfe, aber nur gegen meine eigenen intimsten Agudo-Freunde. Kein Wort davon war gegen die Misrachisten geschrieben, noch beabsichtigt. Warnen wollte, warnen will ich auch fernerhin vor dem Anschluß an den Misrachi. Ist aber einer von uns Misrachist geworden, dann laufe ich nicht zeternd hinter ihm her. Dann möchte ich vielmehr, dass er als Misrachist erst recht fest stehen bleibt in der Aguda, deren er nun zur Anlehnung und Rückgratstärkung erst recht bedarf in seinem Werbemühen für Gott und Thora in und unter der zionistischen Organisation. — In der Tat geloben auch Sie der Agudo die Treue, schon im ersten Absatz Ihres Briefes, und Sie tun recht daran. Nur verträgt es sich wenig mit dieser Treue, wenn Sie der ״deutschen Gruppe der Aguda“ die Rüge erteilen, sie habe den Baal-Peor-Dienst in — Ungarn, Böhmen, Russland, Rumänien, Galizien, Polen, Litauen und Newyork, sowie die Verunreinigung des Familienlebens und den Geburtenniedergang im Westen nicht gebannt. Wenn ich irgend eine andere Organisation fragte, was sie während des Krieges gegen diese katastrophalen Schäden vermocht habe, so wäre es mehr als ungerecht von mir (etwa so, als wenn ich Sie tadelte, weil Sie den Münchner Geiselmord nicht verhinderten!). Oder wollen Sie ernstlich einige erschienenen Artikel und Broschüren als eine nennenswerte Tat gegen den reißenden, weite Gebiete überschwemmenden Sumpfstrom anpreisen? Weisen Sie indessen, wenn es Ihnen ersprießlich erscheint, weiter auf die abscheulichen Mißstände hin, rufen Sie alle Körperschaften, meinetwegen auch die Aguda auf, zur Besserung alle freien Kräfte einzusetzen. Aber warum erheben Sie ausschließlich und allein gegen die Agudo Ihre heftige Anklage und das in einer zionistischen Zeitung? — Nicht minder wundert mich, gleich im nächsten Satz, Ihre Feststellung, mehr als das Bibelwort über den Baal Peor habe im Mittelpunkt der Kattowitzer Versammlung die Frage der ״Austrittsorthodoxie“ gestanden. Buchstäblich ist es wahr: vom Baal Peor war