Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 1 (1915)
- Issue
- 5 (10.1915)
- Date
- 1915-10-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus unserer Bewegung! 19 sind hereingckommen und haben alles von die Soldaten abgekauft und haben es dann nach Russenland geschickt. Die Russischen sind zu uns herein gekommen, haben sie gesprochen wie wir sprechen, dann haben sie angefangen Russisch zu sprechen und sagten, wir haben geschossen und ein Jnd haben sie mit dem Messer ins Harz geschtochen weil er sie kein Geld geben wollte. Die Suppen was wir haben ans Schabos; bereitet, haben sie die Pferde zu trinken gegeben oder ansgeschittet. Im Guten Zimmer nahmen sie die Pferde hinein und machten dort schweinereien. In Sinagog sind sie herein gegangen mit dem Gewehr und schlugen die Menschen. Zn uns haben sie gesagt wenn ihr nicht die Türe öffnet weiden mir das ganze Hans verfeueren. Wenn sie haben ein Mensch gesehen, haben sie ihm geschlagen und in die Taschen suchten, haben gesagt Hände hoch, dann haben sie gesucht". Ein Dreizehnjähriger, der Senior der Klasse erzählt mir mündlich seine Lebensgeschichte, so verworren, wie sie in seinem Kopfe nach all den ansgestandenen Ängsten und Strapazen der Reise noch lebt. Im Walde bei Stanislan in einer einsam am Wege liegenden Herberge wohnten sie. Es war nachts, als die Kosaken kamen. Er war längst im Bette und als er erwachte, lag der Vater blutend und bewußtlos auf dem Bode». Mutter und Schwester waren nicht zu sehen. Sie kamen später aus dem Keller, wo sie versteckt lagen. Er, der kleine erschrockene Junge, sollte den Kosaken den Weg nach Stanislan beschreiben. Da er es nicht vermochte, erhielt er eine Ohrfeige, die noch heute zu sitzen scheint, denn er greift sich an die rechte Wange, wenn er davon erzählt. Merkwürdigerweise gingen die Soldaten weiter, der Vater stand wieder vom Boden auf, Mutter und Schwester krochen aus dem finstern Keller, aber noch am selben Tage müssen sie, auf Geheitz der Österreicher, sich zur nächsten Station begeben.- Ähnliches haben sie alle erlebt, aber es sind Kinder des jüdischen Golus, leidgewohnt und gestählt durch die Not non Generationen Und schon arbeitet und reckt sich im jungen Blut neue jüdische Kraft, und das lebendige Auge schaut von dem Grauen was dahinten ganz weg und geradeaus in die neue goldene Sonne - . . Nachmittags treffe ich die geweckten Jungen ganz auf der „Heimatscholl e". In den Räumen der Agndas Iisroe! Iugendgruppe, Hanauerlandstratze, sitzen sind sie bei CHumisch mit Raschi, Mischna und Gemoro, und bewährte Lehrer setzen ihr Bestes darein, den Kleinen in der Fremde den geistigen Heimatboden zu erhalten, dem sie rohe Gemalt entrissen hat." * * *