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Blätter · 1915-10-01 · 5 (10.1915) · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
1 (1915)
Issue
5 (10.1915)
Date
1915-10-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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17 Aus unserer Bewegung! Wie wir bereits berichteten wurde von uns gemeinsam mit diesigen der Ortsgruppe eine F l ü ch t li n g s s ch u le eingerichtet. Über dieselbe schrieb jüngst der „Israelit": Weit oben im Nordosten, wo das Stadtgewühl so mählich in die Schönheit blühender Gärten und schattiger Alleen übergeht, steht, hinter grünen breitarmigen Akazien, die wie mit einem riesigen Fächer die Hauptfassade streicheln, die D a h l ma n n sch u l e. Und es mutet fast wie ein Symbol an, daß gerade hier, wo der deutsche Großstadtsommer golden und kraftvoll aus der harten Grde hervorblüht, zarte Pflänzchen sonnenarm und lichthungrig von Hans aus und von schweren Gewittern geknickt, neuem Leben, neuem Licht zngesührt werden. Allmorgendlich, wenn die Schule ihr eisernes Gittertor öffnet, treten mit den Hunderten anderen Kindern, die das Haus das ganze Jahr bevölkern, an 40 Knaben im Alter von 9 bis 13 Jahren gar siltig und gemächlichen Schrittes in den weiten Hof; klein und verzerrt von Gestalt und Aussehen, aber mit den ernsten Geberden der Erwachsenen und angstvoll suchenden Augen der Wissenden, die den kleinen zarten Kindergesichtchen etwas Karikaturenhastes geben. Es sind Kinder jüdischer Flüchtlinge aus Galizien, die die Welle der Weltgeschehnisse hierher gespült hat, und die hier sofort von der jüdischen Liebe in den Schuß genommen wurden. Es sollen die Kleinen aus der Trostlosigkeit der vergangenen heraus in eine bessere, sonnigere Fukunft hinüber gezogen werden, so werden sie denn hier in der Schule von tüchtigen jungen Lehrerinnen, deren Auge bei der Unterrichtsarbeit in Liebe und Begeisterung für ihre hohe, nicht leichte Aufgabe erglänzt, für das Leben ertüchtigt. Es ist kaum zu glauben, wie rasch und leicht sich die Knirpse unter dieser liebevollen, fachmännischen Leitung in die minutiöse Ordnung der deutschen Schule hineingefunden haben. Sie rechnen, lesen und schreiben und lanlchen mit gespannter Aufmerksamkeit und scharf gespitzten Ohren ans die Worte der Lehrerin, die so wunderschön zu erzählen weiß vom Storch, vom Fink und von der Drossel, von den Blumen im Felde, von den Bäumen im Walde und dein Bache am Berg. Das Temperament läßt sich nicht ganz Niederhalten und kommt bei jeder vom Katheder aus gestellten Frage zur Geltung. Es bewegen sich nicht einzelne Finger, sondern ganze Händepaare, und ein Aufschnellen und ein Anfspringen gibt es, das von der unbändigen Mitteilungsfreude der Wissenden zeugt. Und dann regnet es Antworten, gleich originell nach Fassung und Inhalt. Die deutsche Grammatik ist freilich noch Kriegschauplatz, auf dem die unwahrscheinlichsten Hindernisse einem zum Stolpern bringen Unerklärlich genug, warum der deutsche

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