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Blätter · 1915-10-01 · 5 (10.1915) · p. Seite 9

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Journal
Blätter
Volume
1 (1915)
Issue
5 (10.1915)
Date
1915-10-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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9 Wolf S. Jacobson-Hamburg Warschaus Fall. sind und bleiben es uns bewußt, daß die Aufgabe riesengroß, ihre Lösung unendlich schwierig ist, gilt es doch ans die polnischen Verhältnisse, die ganz anders sind, und vor allem weit größere Maße ausweisen als die unsrigen, jene Erkenntnisse und Erfahrungen zu übertragen, die eine im Geiste Samson Raphael Hirsch's erzogene deutsche Orthodoxie gewonnen hat Ich habe von jemandem auf die Verhältnisse, die wir jetzt in Polen vorsinden, das deutsche Wort anwenden hören: „Das Alte stürzt, es ändern sich die Zeiten, und neues Leben blüht aus den Ruinen", ich glaube, dieses Wort findet hier falsche Anwendung; wohl stürzt das Alte, denn mit Warschaus Sturz ging jene Niedertracht dahin, die unsere Brüder bedrückte, quälte und peinigte, wohl ändern sich die Zeiten, denn Zeiten der Entsagung werden nun abgelöst von Zeiten frohen Höffens, Zeiten des Klagens von Zeiten zuversichtlichen Erwartens, wohl erwarten wir neues starkes inhaltsvolles Leben, aber dieses Leben blüht nicht empor aus Ruinen, sondern entsprießt dem Boden, welchen die Thora vorbereitete, cs baut sich auf auf dem granitenen Grunde der Thora. — Es ist heute eine ungelöste Frage noch das „Wie" und das „Wodurch." Hoffen wiraber zuversichtlich, daß ebenso wie es unseren deutschen Führern gelungen ist, die Ehrfurcht vor dem Deutschtum in die Herzen der Bewohner besetzter feindlicher Gebiete einzupflanzen, indem diese deutschen Führer dabei doch das nationale Gefühl der ihnen Unterstellten schonten, daß es so auch den jüdischen Führern gelingen wird, in die Herzen dieser Juden, die an und für sich schon zujubeln dem Deutschtum, deutscher Art und deutscher Sitte, das Bewußtsein einzupflanzen, daß der Jude doch vor allem immer Jude bleibt und daß Judentum und Thora nicht nur verwandte Begriffe sind, sondern sich vollständig identifizieren. Der Hoffnung frohe Blüte sprießt in unserm Herzen, hoffen wir, daß die Blüte Frucht wird, die Hoffnung Wahrheit. Wir wollten mit diesen wenigen Zeilen nur darauf Hinweisen, daß Warschaus Fall nicht nur wichtig ist vom Standpunkt des Strategen, des Politikers, des Deutschen, sondern auch und vor allein wichtig ist, für den, dem die Sorge für sein Judentum am Herzen liegt. — Der Prophet spricht: „Sammelt Euch und dann sammlet"; möge dies Prophetenwort sich bewähren an unseren östlichen Brüdern, daß sie sich bewußt bleiben ihrer großen Bedeutung für uns deutsche Juden, daß sie erst sammeln alle die reichen, großen, goldenen Schätze, die ihnen gehören, bevor sie zu uns kommen, um einzusammeln das Gute, das wir ihnen bieten können. Mögen sie es wissen, daß sie reicher sind als wir, daß letzten Endes sie nicht Empfangende sondern Gewährende sind, mag es auch umgekehrt aussehen. In dieser großen Zeit möchten wir jedem

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