Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 11 (1960)
- Issue
- 238 (28.12.1960)
- Date
- 1960-12-28
- Page
- [Seite 9] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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V 28. Dezember I960, DAS ECHO y y SSAGEN lavo) NAL ltesten* EAU DEJ * FABRIK'.* * * fuer l LTDJL -(MMNMHWW* ************ JN Í AESER t N i PAZ” * 308-321 Í íastícmI b// MO, DIC 0 upaz. J0Ö0E^0 lrant 0 oute AESER: lv/s CA , ERCIO y Edwin Halle: Gedanken Abschied einer deutschsprachigen Zeitung Vor kurzer Zeit feierten wir den 10. Geburtstag von DAS ECHO. Wir wünschten ihm noch viefle Jahre glücklichen Erscheinens. Es sollte nicht sein. Nicht, dass diese Zeitschrift keine Existenzberechtigung mehr haette, oder aus sonstigen widerlichen Umstaenden gezwungen wa^re, ihr Erscheinen einzustellen. Sie erleidet .das Geschick mancher fremdsprachiger Zeitung im Auslande: der Herausgeber wünscht sich wegen hohen Alters und aus Gesundheitsrücksichten von dieser schwierigen und aufreibenden Taetigkeit zurückzuziehen. Ein jüngerer Nachfolger, der den Mut und Elan aufbraechte, den Kampf gegen die vielen Widerstaende, die einer fremdsprachigen Zeitung entgegens.tehen, aufzubringen, hat sich nicht gefunden. So muss das Erscheinen der 'Zeitung eingestefit werden. Die “Alterserscheinungen” in der Publizistik fremdsprachiger Zeitungen geben Anlass zu einigen ßetrachtun. g«n. Es ist verstaendlich, dass den deutschen (deutschsprachigen) Sektor besonders die Umstaende interessieren, die mit der Zeit dem groessten "Teil der Publikationen in deutscher "Sprache Schwierigkeiten bereiten werden. Die Leser deutschsprachiger Zeitungen setzen sich heute in der Hauptsache aus Menschen hoeheren Alters zusammen. Vor dem ersten Weltkriege kam in die lateinamerikanischen Laencfer ein stets zunehmender Strom Deutscher, 'Oesterreicher, Schweizer, die in die Ueberseeefilialen europaeischer Haeuser auf einige Jahre verpflichtet waren und teils ansaessig wurden. Daneben kamen auch Einwanderer, die “ihr Glück” in den unterbevoelkerten Laendern zu finden hofften. Nach dem ersten Weltkriege kam die grosse Einwanderungswellie der vielen Menschen, die in der Heimat keine Beschaeftigung finden konnten. Und nach 1933 folgte dieser Welle die Welle der Naziverfolgten, die ja zum groessten Teil aus Mitteleuropa (also der deutschsprachigen Zone) stamm, ten. AHe diese Menschen zogen es vor, Publikationen in deutscher Sprache zu lesen, da sie naturgemaess mit ihrer Muttersprache einen engeren Kontakt hatten, als mit der Sprache der neuen Heimat, die ihnen irgendwie immer doch Schwierigkeiten bereitete Besonders die Welle der naziverfolgten Juden belebte die deutschen Publikationen in Unser Jangjaehriger Mitarbeiter EDWIN HALLE in Buenos Aires, mit dem der Echo-Herausgeber im freundschaftlichen Vterhaieftnis steht, sandte uns folgende besinnliche Zellen. Halle, ein Voll-Journalist, kennt genau däe Situation der fremdprachigen Presse im Ausland, dlle gewaltigen Schwierigkeiten die für solche Objtekte bestehen. Wenn wir auch im allgemeinen mit den Ausführungen von Haüe konform gehen, so doch nicht in den besonderen Punkten, die “Das Echo” be. treffen. Dieses Blatt hat keinen Leserschwund, sondern konnte ach seit Jahnen in selber Aufjagehoehe behaupten. Die Gifünde dafür sind, dass 46 % der Auflage des “Echo im Ausland ging, wo es von Ex-Bdfiviantern und änderten Freunden des Blattes im Abonnement gelesen wurde. In Bolivien ■setzte sich der Leserkreis aus allen moegBchen deutschsprachigen Elementen (wie ztentraleurppaeische Juden, aber auch aus christlichen Deutschen, Schweizern, Jugoslawen und nicht zuefetzt aus deutschsprachigen Bolivianern) zusammen. “Das Echo” waere zumindest für <8e naechsten 10 bis 15 Jahre lebensfaehig, da absterfreude Leser immer wieder durch neue Kreise tersetzt werden. Was HaBe über die Schwierigkeiten der Nachfolge schnöbt, ebenso über die grossen ftwehntschen Schwierigkeiten, ist absolut richtig. Lateinamerika, sei es durch Gründung neuer Nachrichtenorgane, sei es durch neue Buchhandlungen, die in der Zeit der “gelenkten Literatur” des Dritten Reiches die Werke der freien Schriftsteller deutscher Zunge aus emigrierten Weltverlagen dem interessierten Leser zugaengiich machten. Das Bild des deutschsprachigen Lesers in Lateinamerika hat sich veraendert. Während die jüdische Emigration der deutschen Sprache und Kultur neuen Auftrieb gab, zur selben Zeit als die Nazis dem deutschen Kul. turgut in Lateiinamerika schweren Schaden zufügten, sind diese Juden eifrigste Leser und Traeger deutscher Kultur, am Verschwinden. Die jüngere Generation der aus dem deutschen Sprachkreis stammenden, selbst wenn sie noch in Deutschland geboren sind, bevorzugen im Umgang mit Gleichaltrigen den Gebrauch der Landessprache. Das ist nicht nur der Fall in jüdischen Kreisen. Mir sind viele Deutsche aus den alten Kolonien in Paraguay, Misiones, Entre Rios, etc., begegnet, die wohl die deutsche Sprache noch einigermassen verstehen und sprechen, aber nicht in der Lage sind, sie zu schreiben noch zu lesen. Ja, darüber hinaus gibt es sehr viele, die nur' noch an den Namen zu erken- ABSCHIED VOM ECHO Erscheinst uns heut zum leitzten Mal', Uns deiner Leser grossen Zahl. * "Wie werden wir dich doch vermissen! Du brachtest uns stets vielerlei — Sei s Politik, sei's Unterhaltung, Stets warst du interessant und neu. Vermitteltest uns reiches Wissen; Du kaexnpftest stets für Freiheit, Frieden, Für Menschenrecht und Menschenglück! Gar viele Freunde waren dir beschieden. Du blickst auf einen langen Weg zurück — Die Stunde schlaegt, die Redaktion schließt ihre Pforten... Die Echo-Leserschar dir dankt zum letzten Mal': Wir werden niemals dich vergessen — Nur wer dich kennt, der kann ermessen. Was du uns gabst ,in reicher Wahl! Eine treue Echo-Leserin (E. S.) nen sind, dass sie deutscher Abstammung sind, ansonsten -sich voellig assimiliert haben. Der “Nachschub” aus den deutschsprachigen Stammlaendern, die deutschen (deutschsprachig-jüdischen) Kreise in Lateinamerika neu belebten und frischen Auftrieb gaben, bleiben allmaehlich aus. Nicht allein die Leserschaft Deutschsprachiger verringert sich, auch die “Gilde” der Zeitungsäeute (Journalisten, Setzer, Korrektoren usw.) wird — wie die Lehrerschaft — nur mit grossen Mühen auszufüllen söin. Aus Deutschland, wo Personalmangel allenthalben herrscht, wird kaum Ersatz zu erwarten sein. Geeignete Fachkraefte, die die deutsche Sprache in Orthographie, Gramatik und Stil beherrschen, werden aus den im Lande Geborenen immer weniger zu finden sein. >: Die “Alterserscheinungen” der deutschen Publizistik im Auslande, der auch DAS ECHO zum Opfer fiel, sollte doch das Presseamt in Bonn etwas hellhoerjg machen. Es ist hoechste Zeit, einen umfassenden plan in die Tat umzusetzen, um durch Rundfunk, gute Lektüre und Unterstützung der noch bestehenden deutschen Publikationen, die alten Kolonien dem deutschen Sprachkreis zu erhalten. Denn die Sprache ist das Bindeglied zum Kulturkreis. Ein wenig mehr Verstaendnis und Weitblick der amtlichen deutschen Stellen haetten aus dem nun scheidenden DAS ECHO einen wichtigen Kulturfaktor deutscher Zunge in Bolivien schaffen koennen! Einmal mehr hat eine unzureichende Orientierung eine günstige (vielleicht einzige) Gelegenheit ver. passt! Die deutschen diplomatischen Vertretungen sollten in dem Presse — und Wirtschaftsreferaten Personen beschaeftigen, die durch Jahrzehnte mit der Mentalitaet des Landes vertraut und mit allen Faktoren der Geschichte, des Aufbaues und der Lebensart der Bewohner intim vertraut sind. Für die deutschen Behoerden im Ausland waeren deutsche Journalisten die einzigen qualifizierten Berater und Mitarbeiter. DAS ECHO hat in den 10 1/2 Jahren seiner Existenz eine sehr wichtige Arbeit geleistet. Wenn nun DAS ECHO nicht mehr auf dem Frühstücktisch des Deutschsprachigen in Bolivien flattert, dann wird er empfinden, dass ihm “etwas” fehlt, und sei es nur “Etwas”, auf das er schimpfen kann. Ludwig K. Stargardt: APHORISMEN Aus der Sammlung “In den Wind geflüstert..” Letzte Konsequenz wissenschaftlichen Denkens: Widerlegung der Logik Die Kunst Menschen zu geladen. ist die Gabe, sich zu verstellen Manche philosophische Schriften sind klüger als ihre Autoren Die wahre Kunst fühlt auch der, der sie nicht versteht Charakter kann man nicht verbergen - die Handlungen zeugen/für ihn Patriotismus: ein probates Mittel zur Verwirrung politischen und huimanitaeren Denkens, zur Ablenkung staatlicher Korruption oder politischer Schwierigkeiten Ein gutes Gewissen ist oft nur ein schlechtes Gedaechtnis Die Treue des Hundes zum Menschen, beweist seine miserable Menschenkenntnis Lügen sind oft die Wahrheiten von gestern Symbol der Weltethik: Kain und Abel Manche Bescheidenheit ist nur getarnte Prahlerei "Oberfkrechliche" gehen nie unter - sie bleiben immer an der Oberflaeche Fromm-sein ist gut - Gut-sein ist besser! Ein fauler Dummkopf braucht einen Zuixllserfolg zu habenschön ist er klug und tüchtig Würde jedes fromme Wort Geld kosten, gaebe es mehr Atheisten als Fromme Kleine Kinder brauchen die Mutter zum saugen - grosse zum aus-z äugen Wenn es ein menschliches Gewissen gibt, so ist es sicher aus Gummi Es gibt kein groesseres Unglück - als das eigene Die Kirche marschiert mit der Macht, fast nie mit dem Recht Physiognomik heisst idie Wissenschaft, durch Ausdruck seiner Mienen, Mitmenschen zu betrügen Auch der Bottlerberauf wird heutzutage zur Komoe'denterie; man gibt nicht dem Elend, sondern der Maske