Mannheim
Compact Memory

Das Echo · 1960-12-28 · 238 (28.12.1960) · p. [Seite 4]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Echo
Volume
11 (1960)
Issue
238 (28.12.1960)
Date
1960-12-28
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/9620162-9633717-9626004--530-9626008
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

4. DAS ECHO” 28. Dezember 1950. 28. De* Bericht aus New York: Probleme in den USA Ein Spaziergang durch New Yorks Prunkstrasse, die Park Avenue, enthüllt ein merkwürdiges Schaustück: einige der noch gar nicht so alten, vornehmen Gebaeude werden niedergerissen. Andere sind sind schon ver. schwunden und neue Glaswolken kratzer haben sie ersetzt. Hohe Zinshaeuser mit Luxuswohnungen, die in den zwanziger Jahren gebaut wurden und seither voll besetzt waren, verschwinden. Wer die Park Avenue seit einem Jahr nicht gesehen hat, erkennt sie heute kaum mehr; in einem weiteren Jahr wird sie für den, der sie heute kennt, nur noch an den Strassentafeln erkennbar sein. Viele ,sind von der unaufhaltsamen Dynamik und dieser Demonstration des Reichtums der amerikanischen Wirtschaft, die Gebaeude mit einer voraussichtlichen weiteren Lebens, dauer von dreissig oder vierzig Jahren buchstaeblich auf den Schutthaufen wirft und durch Prunkstücke modernster Bautechnik ersetzt, tief beeindruckt. Aber wenn man zehn bis fünfzehn Strassenbiocks nach Westen von der Park Avenue wandert — auf New Yorks Westsäte, findet man nicht nur eine Stadt, die mehr und mehr wie eine portorikanische Kolonie anmutet, sondern Shims, Siums, Slums... mit untermenschlichen Wohnverhaleltnissen und unerlaubt hohen Mieten. Die Bauherren der neuen Glaspalaeste sind wahrscheinlich in der Lage, eine vom Profitstandpunkt absolut rationale Rechnung vorzulegen: Sie koennen. auf demselben kostbaren Raum hoehere Gebaeude, insbeson. dere mit viel mehr Stockwerken errich. ten, weil die gegenwaertige Methode des Bauens in New York, naemlich mit voller Klimaanlage für das ganze Haus, niedrigere Raeume auch solche ohne Fenster, erlaubt, so dass horizontal und vertikal eine viel ertragreichere Raumausnützung moeglich ist. Dies und die Umwandlung von Luxuswohnungen in Büroraeume sichert die private Rentabrlitaet — u&d dies genügt. Dass vom Standpunkt der amerikanischen Wirtschaft, der Steigerung ihrer Produktivitaet, der Konkurrenz mit den Russen rtuf jedem Gebiet^ nicht zuletzt in bezug auf das Tempo des Fortschrittes der Produktion, das Schauspiel auf New Yorks Park Avenue der symbolische Ausdruck aergster wirtschaftlicher Verschwendung ist, wird in diesem Lande, in dem niemand die Souveraenitaet in. dividueller Profitberechnungen anzuzwerfeln wagt, nur zoegernd zur Diskussion gestellt. Zwei Fragen stehen im Vordergrund: die eine bezieht sich auf das Tempo des wirtschaftlichen Fortschrittes,, vor allem auf die Zunahme des gesamten Nationalprodukts; die andere auf die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ziele, die mit der Produktionssteigerung angestrebt werden sollen. Das amerikanische Volkseinkommen waechst ..durchschnittlich um 3 Prozent im Jahr. Da die Bevoelkerung im Jahr um 1,8 Prozent zunimmt, ist der groessere Teil der Produktionssteigerung schon durch die Bevoelkerungszunahme aufgezehrt. Ernste Wirtschaftsfachleute halten eine jaehrlich/> Produktionssteigerung um 5 Prozent fuer notwendig, um die Steifung der USA, in der Welt zu behaupten und der rasch wachsenden amerikanischen Bevoelkerung ebenso wie jene.i Teilen der Welt, die auf ame. rikanische Hilfe angewiesen sind, entsprechenden Fortschritt zu sichern. Niemand bestreitet heute in den USA. dass die amerikanische Wirtßchaftsentwi''klung zif langsam 'st. Trotz des rapiden Tempog. der Zer- . stoerung und des Wiederaufbaues auf der Park Avenue ist unbestritten, dass Amerika mehr oder weniger in wirtschaftlicher Stagnation begriffen ist. Noch ernster ist die Diskussion über wirtschatliehe und soziale Ziele. Ist es die richtige Verwendung der vorhandenen wirtschaftlichen Kraefte. wenn en, 'n vielen Faellen den dritten Fernsehapparat anschafft — weil Marti u. Frau und Kind sich nicht tteber die verschiedenen Programme einigen koennen? Ist es sinnvoll, den Mangel an Schulraeumen und Universitaeten In den letzten Wochen, besonders aber in den Tagen der Drucklegung idieser Ausgabe, erhielt ich eine überraschend grosse Anzahl von Zuschriften, in denen mir warme Anerkennung und herzliche Freundschaft, versichert wurden. Für diese spontanen Sympathiebeweise, danke ich an dieser Stellte iahen meinen Freunden, auf das Herzlichste. Auf viele Anfragen; Mein Leben m Santa Cruz wird reichlich angefüllt sein mit literarischen und wissenschaftlichen Arbeiten, ebenso werde ich an deutschsprachigen Zeitungen mitarbeiten. Es waere mir eine besondere Freude mit allen mir gutgesinnten Echo-Lesem im Kontakt zu bleiben und hoffe ich aus diesen Kreisen Post (unter Casilla 4 3 0 — Santa Cruz de Sa Sierra - Bolivia) zu erhallten. Nochmals Dank für alle Freundlichkeiten, die ich von meiner Leserschaft erfahren durfte! die Diskussion, die in Washington bereits mit grosser Intensitaet geführt wird. Der bekannte Wirtschaftswissenschaftler Professor Gaitbrath und Walter L/ppmann, der angesehenste Journalist Amerikas, haben auf Maenge] wirtschaftlicher Planung und vor aillent auf die Versaeumnisse des Prae. sidenten Bisenhower verwiesen, ein Ziel auf politischem, kulturellem und damit auch auf .wirtschaftlichem Gebiet zu setzen. Ein solches Ziel müsste nicht bedeuten, dass etwa eine die individuelle Freiheit auch nur ernsthaft beschraenkenden Planung des taegfchen Lebens stattfinden müsste. Der Moeglichkeiten und Methoden gibt es genug. Was fehlt, ist die allgemeine Erkenntnis der Maengel und der Notwendigkeit, sie zu beseitigen. Und was vor allem fehlt, ist die politische und moralische Führung. cJdudicig CjJlarqardl gm man neue GLaspalaeste an Stelle le. bensfaehiger Haeuser baut, nur um groesseren Profit herauszuschlagen? Ist es sinnvoll, dass die amerikanische Durchschmttsfamiile bereits den zweitun d KrankenhareuSem amdauem zu lassen? Hier liegen die grossen wirtschaf. fliehen und kulturellen Probleme, die Jüsher^m^eloes^bheber^Un^si^geh^ Nun hat die Diskussion wieder eingesetzt. Inzwischen ist klar geworden, dass es sich um ein grundlegendes wirtschaftliches Problem handelt. In einer Wirtschaft, deren wichtigster Grundsatz nicht nur private Initiative, sondern persoerrliche Willkür bei allen wirtschaftlichen Entscheidungen geworden ist, gibt es ohne Aufgabe die. ses Aberglaubens an Planlosigkeit keine wirkliche Loesung. Einer der besten Kenner der amerikanischen Wirtschaft sagte in einer Untersuchung in der "New York Times”: “Ich denke, die oeffentliche Meinung hat einen Punkt erreicht, an dem sie nach neuer Führung, nach Anerkennung einer Vorzugsliste für die Entwicklung Amerikas und nach richtiger Handhabung des Wirtschaftssystems fordert, so dass diese Forderungen erfüllt werden koennen... iR REICH - Bericht von FRED KUBIE (Wien) CHO Im Budget 1961 ist Vorsorge für die finanzielle Deckgung ejner Wiedergutmachung getroffen worden und es kann angenommen werden, dass nun die erforderlichen Mitte] auch tatsaechlich zur Verfügung stehen. Trotzdem muss diese Nachricht mit Vorsicht aufgenommen werden und es ist zu hoffen, dass Endlich die 12. Novelle zum Opferfürsorgegesetz im Parlament eingebracht und verabschiedet wird. Der Einreichungstermin für die Opfer des Naziregimes endet unwiderruflich mit dem 31. Dezember d. J. Leider Gottes haben die Nazischmierereien noch nicht aufgehoert .und zu den Totengedenktagen wur. den wiederum in Wien Hakenkreuze und antisemitische Parolen geschmiert. In Graz wurde das erst vor kurzem von der steirischen Landesregierung errichtete Befreiungsdenkmal besudelt und in Innsbruck haben nazistische Provokateure die Schüfen von elf vor dem Bjefreiungsdenkmal niedergeilegten Kraenzen abgeschnitten. Bei einer Konferenz der Widerstandsbewegung in Innsbruck trafen sich die Delegierten von 21 Organisationen aus Oesterreich, Deutschland und Italien. In einer einstimmig angenommenen Resolution wurde die sofortige Erlassung der Wiedergutma- 'chungsgesetze, sowie das Verbot alle neonazistischen Organisationen gefor. dert. über die "Loesung der Judenfrage” durch Adolf Eichmann enthüllen. Ungefaehr sind ca. 360.000 tschechoslovakische Einwohner zugrunde gegangen. Unter der Patronanz des Wiener Stadtschulrates fand im Zentralgebaeul de eine “Dokumentationsschau” über das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück statt, die von zahlreichen Schülern besucht wurde und grossen Nachhall bei den Besuchern fand. ln den Vorarlberger Bergen wurde unter raetselhaften Umstaencfen der katholische Pater Leonhard Roth, einst KZ-Haeftling in Dachau, tot aufgefun. den. Gegen den mutigen Verteidiger der Wahrheit wurde ein Kesseltreiben der Neonazisten veranstaltet, so das9 er seine W.irkungsstaette in Dachau verlassen musste. Pater Roth hatte die dunkle Ahnung, man werde ihm Uebles antun. Die Freiheitliche Partei in Oesterreich hebt nun langsam ihre Tarnung auf und verkündet auf ihren Plakaten: “Für die Erneuerung der Volksgemeinschaft, für «in deutsches Oesterreich”. In Prag hielt der Verband der “Antifaschistischen Kaempfer” eine | gros sangelegte Pressekonferenz ab, I zu der zahlreiche Journalisten aus dem ¡Ausland eingeladen wurden. An Hand I von Photokopien der Originaldokumente würde derjOeffentlichkeit zum ersten ‘ Mal der genaue Inhalt'von Dokumenten bekannt, die zahlreiche Einzelheiten Wenden wir uns nun erfreulicheren Dingen in Oesterreich zu: Anlaesslich d^s hundertsten Geburtstages des be. rühmten WienerSchauspielers Joseph Kainz wurde die von der Stadt Wien gestifteten Gedenkmedaille der Schauspielerin Paula Wessely für ihre Darstellung der “Gabriele” in Arthur Schnitzlers ‘Anatol” verliehen, — Eine Wiener Gasse wurde nach Leo Slezak, dem berühmten Saenger der Wiener Staatsoper benannt. ln der Österreichischen Nationalbibliothek eroeffnete Unterrichsminister ,Dr; Drifnm$i' einen' Emmerich-Kalman* Gedenkratim; für deri Vera Kalman, die Witwe, viele Gedenkgegenstaende stiftete. Bei einer Presseführung war ausser Frau Kaman auch der Sohn, Charles zugegen, der selbst Operetten, komponist ist. Frau Kalman lebt in Paris, ihr Sohn in New York und die Tochter, Yvonne, ebenfalls in Paris. Viele frühere Wiener werden sich noch an das weltberühmte Wiener Café Silier am Franz Josefs-Kai erinnern. Es wurde durch Bombentreffer volF staendig zerstoert und wird jetzt soeben neu errichtet. Die Witwe des Caftiers und Mitbesitzerin des ebenso berühmten Hotel Sacher, feierte nun in Wien in voller Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag. Anlaesslich des Laendermatschs Oesterreich - Ungarn hatte ich Gelegenheit, nach langer Zeit wieder ein. mal in Budapest zu sein. Das Matsch selbst verloren die Oesterreicher 2:0. Ueber 8.000 Oesterreicher waren im Budapster Stadion anwessend und über 800 Autos belebten die Strassen der Hauptstadt, die sich überraschend schnell nach den Revolutionswirren erholt hat. Gewiss, es wird noch Jahre dauern, bis die Ha^user wieder alle auf Glanz hergerichtet sind, aber di« Strassen sind sauber, freundlich und | tadellos beleuchtet. Das Essen ist ¡ ausgezeichnet und die Lebensmitteigeschaefte sind voller Waren. Teuer sind nur Importprodukte und gute Textilien. Die berühmte Burg, zum grossen Teil zerstoert, wird jetzt fachgemaess renoviert und die Stimmung der Bewohner gegenüber den Oesterreichern war mehr als freundlich. Bis zur Grenze winkten uns die Menschen zu. Trotzdem man sagt, Prag sei die westlichste Stadt des Ostblocks, war der Unterschied mit Budapest ein gewaltiger: die Menschen freundlicher, di¿. Geschaefte in; PriyAtbesit.z, die: GRt^ . teshaéusér überfüllt von Glaeubigeri aller Schichten und Altersklassen. Auch Zf.t mit dieser Kp Niederirai nach Hiti« zum Ausl wurde ve tige und dem Un 1 Ul menbn cuer.K noch i Zwiscl Ost ein^ rer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.