Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 11 (1960)
- Issue
- 234 (19.10.1960)
- Date
- 1960-10-19
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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“DAS ECHO” 7. REISEN -' f DURCH unter 1 'ASSAGEN ^enbahn RUNGEN uverlaessig i i feslavo) ■■■iniiuii B une! | JICK I ■ ■ I ■ efon 7078;en Preisen 8 m, Likoere. L w vsch erfolgt | 8 niimiinf ag1 E Ltda. $ io 1307 »♦»WWW r** * * * *"'r Anzeigeni eigen gen t 19. Oktober 1960. Dayan: Ich schlafe mit meinem Gewehr Als die grosse israelische (deutschsprachige) Tageszeitung “Jedioth Chadashoth” diesen Roman im Erstabruck veroeffentlichte, erhob sich ein derartiger Sturm der Entrüstung, dass die Redaktion die weiteren Veroeffentlichungen schnellstens unterbrechen musste. Und auch sonst wurde dieses Buch viel diskutiert und loeste manche heissen literarischen und politischen Debatten aus. Ist dieses Buch wirklich so wichtig oder ins Neuland schlagend, dass dieser Meinungssturm berechtigt ist? Wir glauben: Nein. Dieses Buch wurde von der blutjungen (US) Yael Dayan, der Tochter des israelischen Sinai-Heldens, des «hem. Generalstabschefs Moshe Dayan, geschrieben, es hatte im Original (im Englischen) den weitaus besseren Titel “New Face in the Mirror”’, wurde seit Erscheinen in vielen Sprachen und grossen Auflagen herausgebracht und wurde zu einem erstrangigen Erfolgsbuch. Weniger Inhalt als die Person und das Thema duerften diesen Erfolg geschaffen haben, denn seit einiger Zeit finden israelische (jüdische) Themen besondere Beachtung und freundlich-interessierte Aufnahme. Dieses Buch ist ein Jungmaedchen- Erlebnis, es spricht von den Freuden und Enttaeuschungen erster Liebe, von der Haerte und der Disziplin im Leben israelischer Soldatinnen, es 'st eine patriotische Aussage für Israel. Die Autorin ist zugleich die Heldin dieses Buches, sie ist die Soldatin Nummer 361 950, die mit Unwillen zum Gewehr greift, als Sabra aber die Wichtigkeit nationaler Verteidigung anerkennt, in ihrer Stellung reift, und die sich schliesslich als Offizier bewaehrt. Es ist das Buch der israelischen weiblichen Jugend, es spiegelt die Haerte des israelischen Lebens, aber auch den hohen Sinn einer Jugend wieder, die sich nicht im Seichten verliert, sondern im nationalen Dienst sammelt. Die Sprache der jungen Autorin ist oft sehr teenagerhaft, sie ist keck, aggressiv, autoritaetsverachtend, aber wohltuend wahrheitsliebend, idealistisch-beschwingt, tastend und suchend in dem Problemenwald einer besinnlichen und doch stürmischen Jugend. Die Ariel (Yael) als Zentralfigur dieses Romans ist ein modernes Maedchen in einer modernen Zeit, das egoistisch fühlt und handelt, bei dem oft das Innenleben verklemmt ist, das trotz Bildung und ansgepraegter Intelligenz Irrtümern verfaellt. Als Ventil psychischer Verklemmung fliesst die Feder manchesmal in erotischen Kaskaden, Sex wird betont herausgestellt, doch in Wirklichkeit weniger als Sucht, sondern als Sehn-Sucht. Die Charakteristik der Heldin wird (auf Seite 169) treffend formuliert: “Sie meint, sie kann mit der einen Hand die ganze Welt an ihrer Strippe tanzen lassen und mit der anderen gleichzeitig ihr eigenes kleines Orchester dirigieren. Sie sammelt Maenner, faedelt sie zur Kette zusammen und haengt diese als Wandschmuck in ihr Schlafzimmer. Sie gibt nichts her, wenn sie nicht bestimmt weiss, dass sie etwas Werrtvolleres dafür bekommt. Kurz, sie ist ein berechnendes, raenkeschmiedendes Frauenzimmer!” Ja, Ariel Ron, die Heldin, ist ein Luderchen, ein Weibchen, aber ein vollwertiger Mensch, der seine Pflicht erfuellt, der seinen Aufgabenkreis kennt, der letztens naiv und herzlich ist, dessen Wesen sich noch in Formung, in Gaehrung befindet. Die Autorin zeichnet sich ungeschminkt, sie ist Engel und Teufel, begeisterter Soldat und Antimilitarist — sie ist ganz der jugendliche Mensch in unserer Zeit: fordernd, ehrgeizig und unerfüllt. Dieses Buch ist kein literarisches Werk, es ist im Ausdruck oft geschwollen, gekünstelt, aber es beeindruckt durch seine Ehrlichkeit und auch oft durch erstaunlich tiefgedankliche und glückliche Formulierungen. Diese Buch von der 18-jaehrigen Yael Dayan ist angefüllt von menschlichen Aussagen, die den Leser interessieren, es zeigt ehrlich die Welt der israelischen Soldatinen, es zeigt den jungen Menschen in Erez Israel, wie er lebt und kaempft. Mit diesem Erstbuch hat Yael Dayan ihren Talentbeweis erbracnt. Eine grosse Gemeinde erwartet mit Spannung ihr neues Werk. (Dieses Buch erschien im Kindlar Verlag, München, es enthaelt 300 Seiten und ist durch die in dieser Zeitschrift inserierenden Buchhandlungen zu beziehen). Luis Lagt». URIS: EXODUS Auf Cypern befand sich waehrend des Jahres 1946, unter englischer Hoheit ein Sammeillager für jüdische Flüchtlinge welche vergeblich versucht hatten das nahe Palaestina zu erreichen. Die cypriotischen Griechen halfen so weit es in ihren Kraef- Kraeften stand, den israelischen Untergrundagenten, eine Massenflucht aus dem Lager Garalaos zu organisieren, aus ihrem eigenen Hass gegen die englische Besatzungsmacht. Ari ben Kanaan und David ben Ami gelingt es eine Gruppe von 300 Kindern unter den Augen der Englaender, auf das Schiff Exodus zu schaffen, welches eigentlich laengst nicht mehr als seefaehig anzusehen ist, w.aehrend der amerikanische Journalist Mark Parkert in enger Zusammenarbeit mit den Israelies, diese Fiucht in Schlagzeilen gleichzeitig in Paris und New York in die Tagespresse setzt. Unter diesen an sich bereits verwirrenden Umstaenden beginnt die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Zionistenführer Ari und der amerikanischen Krankenpflegerin Kitty Fremont, eine Geschichte welche sich zahllose Male in Wirklichkeit zutrug, und Oie besten unter den Christen dazu zwang das oft unerfreuliche Schicksal der jüdischen Gruppe zu teilen, und Teil eines Volkes zu werden welches sich stets durch sein Misstrauen gegen alle Fremden auszeichnete. Einer der wenigen Ueberlebenden des Warschauer Ghettoaufstandes, der 17 jaehrige Dov Landau, besteht darauf gemeinsam mit /dem Maedchen Karen Clement dem ersten Transport zugeteilt zu werden. Waehrend der Journalist seine taeglichen Telegramme in die Welt hinaussendet um die Ausfahrt zu decken, versuchen die Englaender auf jede Art die Ausfahrt des Exodus zu verhindern. Die 300 Kinder an Bord treten in den Hungerstreik, unter Bewachung durch 10fX) englische Soldaten. Erst durch die Drohung von taeglichen Selbstmorden werden die Englaender mürbe, unter denen gerade der englische Governeur Bruce Sutherland sich erinnern musste, das er doch eigentlich seiner Mutter den Wunsch nach einer Beerdigung bei ihrem eigenen Volke hatte verwehren müssen, aus Rücksicht auf seine Linie, da ja niemand eine Ahnung hatte, dass Lady Sutherland nicht ganz englisch gewesen war. Der Transport des Exodus gelingt, und im zweiten Teil des Buches treffen wir unsere Freunde nach ihrer Ankunft in Israel wieder. Alles was sich nach der Ankunft des Schiffes in Israel zutraegt ist eigentlich heute bereits Geschichte, und von den Meisten, welche an recht kurzem Gedaechtnis leiden, vergessen Trotzdem es erst etwa 13 Jahre her ist, haben sich die grossenEreignisse so überstürtzt, dass man sich kaum noch erinnert hat, wieviel Kampf es kostete den Staat Israel zu schaffen. Die neue Generation hat bereits keine Erinnerung mehr an alles, was sich vor wenigen Jahren zutrug. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass ein Mann den Mut hatte, daraus einen Bestseller zu schreiben, sodass man sich wenigstens für eine kurze Zeit wieder jener erinnert, die in den Lagern und auf dem Wege zurückblieber. und tyie eigentlich eine wahre Freiheit nicht kennen lernen konnten. Es ist alles so lange her, dass es der Liebesgeschichten des Zionistenführers, und des jungen Maedchens Karen benoetigt, um uns die Schwierigkeiten jener Zeit wdeder nahe zu bringen, und uns zu erinnern wieviele Opfer am Wege liegen blieben. Aber irgendetwas mus falsch sein an einer Generation, die sich nicht erinnern mag. Exodus vereinigt einen grossen Teil unserer Erinnerungen für uns, und es ist wichtig, nicht nur dass jeder Jude oder Zionist, sondern auch jeder Mensch der etwas empfindet, es gelesen hat. (Gleichfalls erschienen im Kindler- Verlag (München 8), Seitenanzahl 824; dieses Werk ist in Bolivien in Spanisch, deutsch und englisch in den in dieser Zeitschrift inserierenden Buchhandlungen zu haben). Susanne Jesersky. Heuss: Im “Ner-Tamid-Verlag'” in Mün- | 'Chen erschien ein neues Buch von Altpraesidenten Prof. Theodor Heuss unter dem Titel “Staat und Volk im Werden. Reden in und über Israel”. Aus diesem Band entnehmen wir ein 'Gespraech, welches Heuss mit dem Reporter Thilo Koch vom Deutschen Fernsehen hatte: THILO KOCH: Diese Wiedergutmachungsleistungen, Herr Professor, einmal die grosse, die gegeben worden ist, ich glaube, drei Milliarden, und dann die vielen kleinen persoenlichen Wiedergutmachungen, die zum Teil noch laufen. zum Teil zu langsam vorangehen, sind ja nur ein Teil der Hilfe gewesen, die Israel bekommen hat. Hilfe — gut und schoen! Aber was die Israelis da hinstellen, wirtschaftlich, ist doch wohl I entscheidend ihre eigene Arbeit? j PROF. HEUSS: i Ja, selbstverstaendlich! Es ist eine | unerhoerte Leistung! ich habe in einer | schwaebisch-jüdischen Abendveransta’- ] tung den Witz gemacht, dass man i vielleicht in zwanzig Jahren von einem Staat und Volk im cisuuuiiiiuen oiaeuiew.acnstum nie mehr sagen wird: eine (“ametjikar sehe”, sondern eine “israelische” En Wicklung! Es sind ungeheuer ei drucksvolle Erscheinungen, wenn m: hoert: Naharia — im Jahre 1934 neu zehn deutsche Familien, heute ei Stadt von 25 000 Einwohnern! Aui erstaunlich, wenn man dann erfaeh wie umkaempft diese Situationen wc en: Befreiungskrieg, Unabhaengi keitskrieg im Jahr 1948 — von u wenig zur Kenntnis genommen - diese Stadt nur vom Meer aus n Nahrungsmitteln versorgt, weil voel umschlossen, — eine Stadt wie 1 Aviv, 450.000 Einwohner, Haifa, d den Karmelberg erobert! Das ist sch eine sehr intensive Leistung, gera auch eine physische Arbeitsleistun Und dann, was mich beim Herui fragen sehr beeindruckt hat, der V< such, doch aus einem weithin unge fregten Land, wollen wir einmal sagt — es gibt natürlich auch die Spur alter arabischer Kulturleistungen z mal m den 'landwirtschaftlichen 1 rrassenmaessigen Anlagen, — Ack' boden und Wald zu gewinnen, gros Entsumpfungen, der Versuch, auch ^das Wüstenland des Negev, eir düster-grossartigen Landschaft, hineinzudringen und aus steinigem Boden ein Stück Humus herauszuholen oder hineinzuschaffen! Und dann ein hoechst wechselvoller Korn-, Früchte-, Gemüse-Anbau — keine Mono.Kultur! Ich kenne dort eine Reihe noch von meinen alten schwaebischen Bekannten, der zieht und pflegt jetzt etwas Obst, der eine versucht es mit der Baumwolle, mit etwas Tabak-Anbau — sehr schoene Zitruspflanzungen mit Berieselungsanlagen, dann eine grossartig geglückte Milchwirtschaft mit allen erdenklichen Kaesesorten. Alles meist von Leuten geschaffen, die vorher in Büros sassen. Der Jude, wie er in den Karikaturen weitergegeben wurde ... wird? (Th. Koch: der Parasit), den gibt es nicht. Der war ja auch sonst oft genug nichts anderes als polemische Erfindung, weil die Leute die Juden in ihrer Arbeit nicht gesehen haben, sondern wesentlich nur im Spiegel der Karikatur oder in jenen Beispielen, die in saemtlich e n Konfessionen oder Gruppen peinlich sind. Den gibt es nicht mehr in Israel! Es gibt in Israel natürlich hoechst Werden verschiedene Typologien. Sie koennen die Leute, die mit dem Rassenbuch herumlaufen, nach Strich und Faden hineinlegen. Sie koennen blonde Kompanien zusammenstellen, so viel Sie wollen. Daran merkt man, wie blechern, albern und subaltern dieses Rassengerede mit seinen Verkrampfungen gewesen ist. Aber das hoechst Merkwürdige: die absolute Selbstverstaendlichkeit, mit der fremde Leistungen jetzt als persoenliche Aufgabe gelten, nicht nur bei den Leuten, bei denen zionistisches Pathos noch vorhanden ist oder erneut wurde, sondern überhaupt erst geschaffen werden musste — wieviele Leute sind dorthin gekommen, die nie Zionisten gewesen s.nd! Sie haben selber mit mir darüber gesprochen. — Jetzt aber haben sie dieses Land mit als Vermaechtnis der Geschichte, als Aufgabe für ihre Kinder begriffen, auch wenn sie mit Schmerz und IWehmut eine Vergangenheit hinter sich werfen mussten. Es ist etwas vollkommen Neues im Werden, wo das Blatt mit dem Bilderbuchjuden, wenn ich so sagen darf, zugeklebt ist. Die Seite gibt es dort nicht mehr!