Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 11 (1960)
- Issue
- 233 (30.9.1960)
- Date
- 1960-09-30
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
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.EC ‘O »■ o ' REVISTA DEMOCRATICA CULTURAL EN IDIOMA ALEMAN Die unabhaengige Halbmonatsschrift Boliviens in deutscher Sprache fuer Politik, Kultur und Wirtschaft Direktor und Chefredakteur: Dr. Ludwig K. Stargardt Vertag: Editorial “EI Progreso’’, Empresa de Propaganda y Publicidad, La Paz — Miraflores. — Büros La Paz, Harrison 3 — Telefon 6080 / Cochabamba, Baptista 429. / Postanschriften: Revista “EL ECO” Casilla 2217 La Paz, oder Casilla 748 Cochabamba / Druck: Editorial Kollasuyo”, Loayza 400 DAS ECHO erscheint am 15. und 30. eines jeden Monats. Anzeigenpreis: 1 konplette Seite Bs 600.000; kleinere Flaechen entsprechend weniger. — Sprechstunde der Redaktion (nach vorheriger telefonischer Vereinbarung) Mittwoch nachmittags. JahrbangXI. — Nummer 233. — 30.SEPTEMBER 1960. — PREIS: Bs. 500, Wer prüft - waehlt LIEBHERR KUEHLSCHRANK! Alle Erkenntnisse mciderner Kühltechnik sind im "Liebherr" vereinigt! o Automatische Stromreglung! Fünf Jahre Garantie! Zwangslose Besichtigung: Empresa HUGO LANGER La Paz. POTOSI 1136. — Casilla 479. Manhattan - Insel der Missvergnügten Als Franklin D. Roosevelt im Jahre 1942 die "United Nations" geistig schuf, die am 26. Juni j 1 q45 in San Franzisko mit 50 Mitgliedstaaten konstruiert werden konnten, war 'diese Organisation für die schrockensgepeitschte Welt eine grosse Hoffnung zur Erhaltung des Friedens, und als Brücke der Vcelkerverstaendigung. Aber immer mehr wurde diese Weltorganisation zum Machtinstrument der Grossmaechte, insbesondere der USA und der UdSSR, die von diesem Voelkerbundspalast her, die Politik betrieben, die sie von ihrem Standpunkt aus wünschten. Die Kleinstaaten bildeten die wirksame demokratische Staffage, sie hatten auch Rechte, hatten Stimme — aber die "Grosse Politik" wurde nicht in den Sitzungsraeumen, sondern in den Wandelgaengen “gemacht" und die kleinen Mitgliedsnationen hatten letztens nur die Moeglichkeit, den Beschlüssen ihren Segen zu erteilen. Ein wesentlicher Punkt der UN lautet: "Foerderung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Nationen auf Grund der Selbstbestimmung und der Gleichberechtigung''. Die Sache mit der Selbstbestimmung und Gleichberechtigung wurde immer mehr zu einem wunden Punkt zwischen den UN- Mitglie'dern. Der Westblock achtete darauf, dass die "Kleinen" treu und brav im demokratischen Lager blieben und der Ostblock schützte seine Gruppe vor dem "westlich-kapitalistischen Imperialismus". Durch diese eifersüchtigen Auffassungen musste es zu schwerwiegenden Differenzen kommen, die aus den Voreinigten Nationen einen Block von Veruneinigten Nationen machten. Diese Unterschiedlichkeiten führten zu Zwisten und zu Diffamationen, also gerade zu den Spannungen, die Roosevelt durch die Schaffung der UN vermeiden wollte. Von Sitzung zu Sitzung wurde der Bruch zwischen Washington und Moskau immer rissiger; die Sitzungen in den UN-Versammlungen wurden zu peinlichen Zwiegespraechen zwischen den Grossen, die in den wesentlichen Projekten nicht zusammen kamen, sondern diese zerredeten. Es wurde fast zu einem Prinzip, dass das, was die USA wollte, die USSR ablehnte, und umgekehrt, so'dass Hoffnungen und Zeitspannen nutzlos vertan wurden. Moskau traut Washington nicht über den Weg und das Weisse Haus lehnt von vornherein Plaene des Kreml als "Propaganda" ab — dass aus dieser politischen Disharmonie nicht positive, konstruktive Arbeit sich entwickeln konnte., ist selbstverstaendlich. Was sich nun aber in New York waehrend der XV. Vollversammlung der UN abspielte, wird in das Geschichtsbuch internationaler Verbindungen als Skandal eingetragen werden. Diese Vollversammlung wurde besonders gross aufgezogen und zum ersten Mal kamen die führenden Staatsmaenner wichtiger Nationen nach New York, um an diesen Konferenzen und Versammlungen aktiv teilzunehmen. Der kommunistische Block erschien ziemlich vollzcrehlig, angeführt u.a. von den Leitern der USSR, von Polen, Ungarn, Yugoslawien und von Persoenlichkeiten, die dem Ostblock nahe standen. Diese politischen Persoenlichkeiten sahen sich in (New York einem Klima gegenüber, welches für die Ostpolitiker eine klare Diskriminierung bedeutete. Presse, Television und Radio brachten bereits vor Beginn des Eintreffens dieser Hohen politischen Persoenlichkeiten Bemerkungen, Sendungen un'd Kommentare, die die Atmosphaere vergiften mussten. Wenn diese Persoenlichkeiten wieder mit heiler Haut nach Hause kommen bezw. kamen, so isst dies mehr ein ¡Wunder, als ein Verdienst der polizeilichen Ueberwachungsbehoerden von New York. Aber das Tollste, was sich das State Departement leistete, war die Anordnung der Restriktion für den russischen Premier und für den cubanischen Regierungschef. Diese Staatsmaenner durften mit ihrer Begleitung sich nur innerhalb des New Yorker Stadtbezirkes Manhattan bewegen, sie standen quasi unter Arrest und waren Gefangene im Freien Amerika. Der wahrscheinlich heute maechtigste Staatsmann der Welt wurde bei seinem Eintreffen in New York weder von Dag Hammarskjold, von Bürgermeister Wagner cderi einem repraesentativen Regierungsvertreter begrüsst. Praesident Eisenbower hatte seine Rache und kostete diese mit Vergnügen aus. Dwight D. Eisenhower revanchierte sich Nikita Kruschtschew gegenüber (Fortsetzung Seite 2) Die Konferenz von Rechowot Unser nebenstehender Leitartikel behandelt den Geist der z.zt. stattfindenden Generalversammlung der UNO, der ein betrübliches Niveau und schwere Anzeichen einer bestürzenden Dekadenz aufzeigt. Diese Konferenz, wie so viele andere, enttaeuscht, doch die Welt hat sich daran gewoehnt, Konferenzen mit milder Resignation zu verfolgen. Zu oft ist die menschliche iHofjfnungsfreudigkeit überbeansprucht worden. Zu oft hat sich das Erreichte als Trugbild, der Erfolg als Schein erwiesen. Es zeigte sich, dass sie zu weit von der Welt entfernt waren, die sie schaffen wollten, und nicht nahe genug der, in der sie zusammentrafen. Wenn die Internationale Konferenz von Rechowot über die Rolle der Wissenschaft in der Foerderung neuer Staaten, der ein Abschnitt dieses Blattes gewidmet ist, mehr als gewoehnliche Beachtung beansprucht, so liegt das an einer Reihe von Faktoren: einmal am Thema selbst. Die Beziehung zwischen alten und neuen Staaten stellt ein Kernproblem dieser unserer Welt dar deren weitaus groesster Teil in unsaeglicher Armut und in ¡einem Elend jenseit unserer Vorstellungskraft lebt. Mehr als die Haelfte der Kinder in der Wle-lt sind unterernaehrt und sterben zu früh, ohne, wie eine Zeitung es jüngst beschrieb, “ein Glas Milch getrunken zu haben oder von einem Arzt behandelt worden zu sein”. Die gewaltsame soziale Gaehrung in diesen Gebieten führt zu einem Experimentieren mit Staatsformen und “Regimen”, die einen grossen Teil der Welt zu einem “Niemandsland zwischen Demokratie und Diktatur” machen. Der zweite Faktor ist die Art der Behandlung, die dieses Thema bei der Konferenz in Rechowot erfahren hat. Führende Staatsmaenner der jungen Staaten trafen sich mit erfahrenen Experten und Wissenschaftlern, getragen von dem Willen, praktische Loesungen zu eroertern. Die Konferenz bewies, dass mindestens in der Führerschicht der neuen souveraenen Staaten ein altes Ressentiment nunmehr dem Willen zur Zusammenarbeit Platz gemacht hat. Machtpolitische Interessen warfen keinerlei. Schatten auf die Beratungen. Gleichzeitg boten die Erfahrung und Kenntnisse der Teilnehmer eine Gewaehr dafür, dass die Konferenz nie den harten Boden der Wirklichkeit verliess, und ihr ernstes Bemühen liess auch keinen Verdacht der Eigennützigkeit aufkommen. Dadurch entstand keine Gefahr vertauschender (Fortsetzung Seite 2)