Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 11 (1960)
- Issue
- 230 (22.8.1960)
- Date
- 1960-08-22
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8. ‘‘DAS ECHO” 22. August 190. Eichmann - Spiegel Eine Reminisenz: EICHMANN KOMMT “Eichmann kommt!”, — Schreckenswort, — Transport! Loeset ans tausend Schmerzen in zuckenden Herzten. “An wen kommt die Reih?” — Wer däesesmal dabei?.. “Liegt der Zettel zu Haus, Kommt er heut’ hier noch raus?” Auf fliegt jetzt die Tür, — “Gilt es Dir oder mir?..” Vorbei eilen Schritte, Und dann aus der Mitte, Von rechts und von links, Nicht schreiend erkfingfs, Nein, leis’, fast gehaucht: “Ich werde gebraucht!” Dann ruft man laut Namen, Und diese bekamen, “Dass Mann oder Kind, Nicht sie dabei sind”. Noch hoer’ich das Wimmern, Das Nervenzertrümmern: “Ich lass mich nicht trennen!” — Die Traenen, sie brennen. Des Nachts flieht der Schlummer Wach haelt uns der Kummer, Licht ploetzlich flammt auf, — “Nun Schicksal, nimm Lauf..'” Frau B. und Frau Z., Der Zettel zum Bett.— Dann Stillesringstum, Als waeren wir stumm — Ein Vater sitzt da mit schwer krankem Kind, “Steig Quecksilbtersaeu'p, steige geschwind, Steig’ueber Nesumunddreissig und acht — Dann hat das Schicksal uns nochmals gelacht, Dann koennen wir bleiben, viel'lacht einmal frei.. Es stieg nicht die Saeule — Fuer sie war’s vorbei.. Die Sachenrollen am Boden sich sieten, Möst Regengüsse sie triefend bespülen; Kein Finger, zu oeffnen, sich je wird bewegen — Bald werden auch Herzen sich niemals mehr regen... Am Rand der Kaserne die Bahren stehen, Aus den Betten gerissen, man Sieche kann sehen, Dazwischen mit Peitsche und wüstem Gebrüll, Zuschlagend, als haett’er ’nen Haufen MüB. Selbst hab’ ich’s erlebt, Ihr koennt’s nicht ermessen — Den Anblick kann niemand und niemals vergessen — Und würde er tausend Jahre auch alt! Ein Beten nur gab’s: “Wunder, Wunder, komm’ bald!!” Indessen wir müssen zur Arbeit nun eilen, Nichts nützfs, — für uns Bleibende gibts kein Verweilen. Man moechte wird brüllen,, moechte wüst Schrein: “Wir lassen nicht fort Euch — Ihr dürft je nicht, — nein! (Du, Haieufiein Malheur, Wer schenkt Dir Gehoer?). Doch dann rofl’n vorüber Wagen um Wagen, Das Liiebste die Raeder davon sie nun tragen: “Den Mann hier, — die Frau dort, — Die Mutter, das Kind — Im Quartier die Schwester den Bruder nicht find’, Der Jüngling die Braut nicht. Die Braut nicht ihr Glück, — “Zurück, ihr Raeder, — zurueck! — zurück!!” Wir atzen nun stumm an den Tischen und glimmern — Es will kein Strahl der Hoffnung uns schimmern.. “Ihr heute, wir morgen — und so fort und fort — Das Hirn nur denket: “Transport, Transport-U* (Anm. der Verfasserin: Von unserer Mica-Baracke aus, konnte man die Züge mit den Abtransportiertten vorbeirollen hoeren.) In Theresienstadt gewesen vom 18. Maerz 1943 bis zum 10. August 1945. .Noch im Zuge, alles frisch im Gedaeühtnis, schrieb ich dies nieder FRIEDA KLEIN — HESSE. (Santa Cruz de la Sierra). Zu den grosssten und einflussreichsten Zeitschriften in Deutschland gehoert seit langen Jahren das Nachrichten-Magazin “Der Spiegel”, welches immer wieder durch Meine frech-agrressive Art von sich reden macht Gerade in letzter Zeit ist “Der Spiegel” des Oefteren in diverse journalistische Fettnaeppchen getreten und hat Geschmacklosigkeiten, sowohl in politischer als in privater Hinsicht begangen, die kaum noch entschuldbar sind. Den Fall Eichmahn hat die Spiegel-Redaktion besonders gross aufgezogen und hat sich nteht gescheut hierbei Bemerkungen zu publizieren, die einen erheblichen Teil der demokratischen Spiegel-Leser schockierten. Der “Westdeutsche Rundfunk" brachte kürzlich einen Kommentar in Sachen Eichmann in Verbindung mit den diesbezüglichen Veroeffentlichungen im “Spiegel”. ZUR SACHE EICHMANN Das Stichwort Eichmann wird uns Deutsche, wird die Juden und wird die Wdlt so schnell nicht mehr zur Ruhe kommen, lassen. Es sitzt wie ein Stachel in unserem Gewissen und in den Herzen der Opfer des Moerders, es zeigt uns mit erbarmungsloser Klarheit an, wes teuflischen Geistes das Regime war, das wir mehr als ein Jahrzehnt lang getragen und ertragen haben Freilich gibt es eine Spezies von Zeitgenossen, für die Eichmann und das monstroese Verbrechen, für das dieser Name zeugt, zuerst und zuiletzt bloss eine Story zu sein schenrt, eine der besseren Sensationen, recht dazu geeignet, dem biederen Bundesbürger beim Frühstück am Montagmorgen das Gruseln beizubringen. Man enthüllt, man entlarvt, und der besagte Bundesbürger nickt befriedigt zur Frau Gemahlin hinüber: “Woher die Brüder das schon wieder wisssen. Einfach toll, diese Burschen”. Er schlürft die Dutzend-Zynismen wie seinen dünnen Kaffee, die massgeschneiderten Schnoddrigkeiten gehen ihm ein wie Butter. Er stockt nicht einmal, wenn der “Spiegel” — und von diesem Blatt ist die Rede — kaltschneuzig die Formulierung,“ israelische Gestapo’ serviert, er schluckt nicht, wenn er ein Stück weiter das Pendant zu diesem famosen Einfall findet: “Der SD Israels”. Ach, er müsste ja einen Augenblick einhalten, um auf den Gedanken zu geraten, dass jeder überlebende Jude immer noch zusammenzuckt, wenn unversehens das W.ort Gestapo und die Rune SD zitiert werden, dass jeder Jude immer noch für eine Sekunde erstarrt, wenn man diese finsteren drei Silben “Ge-sta-po” in einem Zusammenhang mit dem Staat Israel gebraucht, wenn sie auf die geheime Polizei seines Landes übertragen werden — die drei Silben, die sie zehn Jahre lang zittern gemacht, die Verfolgung, Folter, Hunger, Deportation und schliesslich den Tod im Gasofen bedeutet haben. Den “Spiegel” hat es nicht gekümmert. Sein Herausgeber, seine Redakteure fürchteten nicht einmal eine Ver'leumdungsklage. Der Anstand der Betroffenen ist ja zuverlaessig. Und im Notfall koennte man sich darauf zurückziehen, dass, “Gestapo” schliesslich nichts anderes als eine neutrale Bezeichnung für geheimpolizeiliche Organisationen sei, die in Israel wie in jedem anderen Staatswesen existieren. Der Leser? Er findet die Raeuberpistole viel faszinierender, und vermutlich bemerkt er es kaum, wenn 14 Tage spaeter schwarz auf weiss gedruckt steht, dass die erste Eichmenn-Story aus dem Heft. Nr. 23 nichts anderes war als ein bom-- bastisches Produkt aus den Gerüchtefabriken der internationalen Nachrichtenhaendler. Der “Spiegel” behauptete damals, der Mordgeselle Eichmann habe dunkle Geschaefte in Demaskus betrieben, dort sei er vier Wochen vor seiner Verhaftung zum letzten Mal gesehen worden. Mit gleicher Sicherheit zeichnet der “Spiegel” jn der übernaechsten Ausgabe seinen Kunden einen Lageplan des Vernehmungslagers, in dem Eichmann isoliert ist. Das Dementi der schon halbvergessenen windbeutejigen Informationen schiebt er weit nach hinten. In der ersten Spalte des neuen Aufmachers — so heisst das im Geschaeft — werden dafür beflissen einige israelische Stimmen zitiert, die nach einer “alt-testamentarischen” Rache für den Vernichtungsbeamten des Dritttn Reiches schreien, so als feiere ganz Israel in verzücktem Rausch die Erfüllung des Gesetzes, das Zahn um Zahn verlangt. Aber noch schlimmer: den künftigen Anklaegern und Richtern wird nun attestiert, sie versuchten durch die Technik der Verhoere das Verhalten Eichmanns im kommenden Prozess im voraus zu regulieren. Der “Spiegefl” knüpft daran die Notiz tus einer deutschsprachigen Zeitung Tel Avivs über eine moegliche Fortsetzung der deutschen Israel-Hilfe in anderer Form: Eine Kombination, die jedem unschuldigen Leser den Schluss nahelegt, Israel werde den Prozess Eichmann dazu benutzen, aus der Bundesrepublik nach dem Ablauf des Reparationsabkommens weitere Zahlungen herauszupressen. Danach informiert er seitenlang über das entsetzliche Lebenswerk Eichmanns. Einem Teil der Abonnenten dürfteder Anfang der Story genügt haben: Den Rest erspart man sich. Wer vieles bringt, wird allen etwas bringen — den potentiellen Nazis so gut wie den potentiellen Antifaschisten. Man haette darüber hinwegsehen koennen, haette man in dem Magazin Rudolf Augsteins nicht in den vergangenen Monaten einige Floskeln entdeckt, die dem kritischen “Spiegel”-Leser den Verdacht aufdraengen, in der Redaktion spuke noch der düstere Geist, den womoeglich einer der langjaehrigen prominenten Mitglieder der Schriftleitung einzuschleppen vermocht hatte, der Geist eines Mannes, der seine politische Erziehung aüs hauptberuflicher Mitarbeiter des Reichssicherheitshauptamtes im Rang eines: Hauptsturmführers genoss. Davon stand allerdings niemals auch nur eine Zeile in den Personalien oder in den Leserbriefen”. *¥*¥*¥¥¥¥*¥*¥***+*¥¥*******¥¥¥¥¥¥¥¥¥*****¥**¥**¥¥*¥+***•> Lesen auch Sie den ir und Sie sind im Bilde! * * * -k * -k -k -k -k -k -k -k -k -k -k -k * -k -k -k •k -k -k -k -k -k -k -k *★*★*★★*★★★*★**************************★*****★*★★★★★★★★★ Diese beste deutsche Illustrierte erhalten Sie auch an Zeitungsstaenden in La Paz, sicher in UNIVERSAL - B00KST0RE Ltda. 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