Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 11 (1960)
- Issue
- 230 (22.8.1960)
- Date
- 1960-08-22
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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22, August 1960. DAS ECHO’ 7. üttehs ®d 25 CB. i * ILAGER * 01,1 Piove / J Chicio, Cher- * roh Leander, * TJERENDER; t Geschichten. J Ltda. I )n 12247 l * * ************* fNAL Cologne” LELTESTEN EN EAU DE ► ► FABRIK!";b fuer ier. LTDA. ************ LIB 1 itina Chinigie * elef. Vor- J * w********* 7#r ■H' •A. Kultur?... Konferenz in jener Sektion mitarbeirten durfte, die sich mit Fragen des sozialen Fortschritts der Kultur und der Tradition befasste. Diese Fragen zielen auf den Kern jener inneren Gefahren, welche die hochentwickelten industriellen Laender bedrohen. Die neisten Teilnehmer an der Diskussion sind ernüchtert worden durch die ungewoehnliche Vielschichtigkeit dieses Problems. Sie wurden sich der Gefahren der vielfach übertriebenen Vereinfachung und der verwirrenden .Mischung von Vorteil und Nachteil, 70n Gut und Schlecht, von Hoffnung und Befürchtung bewusst, die die Massenkultur der modernen Industriegesellschaft mit sich bringt. Ich zoegere, auch nur den Versuch zu unternehmen ,den Eindruck dieser Tage zusammenzufassen oder für andere die Schlussfolgerungen zu ziehen. Aber ich moechte einen Aspekt hervorheben: Es ist leicht, die negativen Elemente dessen zu übertreiben, was wir als Massenkultur ansehen. Ich denke vor allem an die Anregungen, die einer Masse von Menschen durch die zentralisierten Informationsmittel der Zeitung, des Kinos, des Rundfunks, des Fernsehens und der “comic-books” übermittelt werden. Ich vermute aber, dass viele von uns die Macht dieser Mittel überschaetzen, das heisst ihre Moeglichkeit, die Gedanken und das menschliche Verhalten unmittelbar zu gestalten. Es ist klar, dass die Frage, wie diese Medien im oeffentlichen Interesse überwacht werden koennten, heikle und gefaehrliche Probleme innerhalb einer Demokratie heraufbesch woert. Darum waren viele der Meinung, dass wir es uns leisten koennten, dieses Problem mit Geduld und guter Laune und ohne allzuviel iSorge zu behandeln. Aber eine Gefahr wird nicht immer gesehen: die Gefahr, dass die Entwicklung einer Massenkultur mit ihrem . gleichmacherischen und typisierenden Einfluss allma'ehlich die Moeglichkeit für jede andere Art von Kulturleben zerstoert. Mit anderen Worten: Die Gefahr einer modernen Massenkultur liegt weniger in dem, was sie bietet, als in dem, was sie verdraengt. Sie liegt darin, dass neben ihr nichts mehr Platz hat. Welches auch die Vorzüge oder Werte der modernen grossen Informationsmittel sein moegen —, sie leiden, so scheint mir, unter einer Beschraenkung: Sie sind von Natur aus vorwiegend parasitaer und nicht schoepferisch. Sie werden kaum aus eigener Quelle jene schoepferische Entwicklung des Geistes hervorbringen koennen, die zur Sicherung einer kraftvollen Kontinuitaet der kulturellen Tradition wesentlich ist. Dafür ist etwas anderes erforderlich. Etwas, das nicht eingestellt ist auf die Reaktionen des Verbrauchers, sondern primaer auf den Gegenstand selbst — für Qualitaet besorgt um der Qualitaet willen, und bemüht um den Vorzug des Experimentellen, des Esoterischen, ja des Revölutionaeren. Wir koennen mit der Massenkultur, wie sie sich jetzt entwickelt, leben. Aber Gott helfe uns, wenn das unser einziger Besitz bleiben sollte und wenn daneben das Bemühen um Schoenheit in Gedanken und Gefühl nicht mehr in individueller Weise Ausdruck finden dürfte. Dies ist ein Problem, das in Westeuropa weniger akut ist als in meinem Lande. Aber ihr Westeuropaeer seid so eilfertig dabei euch die technischen Neuerungen Amerikas anzueignen, dass ihr bald vor denselben Problemen stehen werdet. Es ist nicht nur eine Frage des intellektuellen oder aetherischen Schaffens. Es ist eine Frage des Lebensstils. Es mag notwendig sein und vielleicht sogar wünschenswert, das viele Menschen so leben, wie sie jetzt leben müssen, aber es ist wichtig, dass dies nicht die einzige Lebensweise sei. Bitte, missverstehen Sie mich nicht! Ich spreche nicht von Luxus, ich sage nicht, wir wollen .versuchen, dass Antisemitische Passionsspiele In diesem Sommer stroemten ungefaehr 400 000 Personen nach Überammergau in Oberbayern um sich an den Passionsspielen zu erbauen. Seit dem Jahre 1634 finden diese Passionsspiele alle zehn J.ahre statt, die in der ganzen Welt Beachtung finden. Manche unserer Leser werden wissen, dass unter der unseligen Hitlerzeit es viele Oberammergauer Laiendarsteller gab, die aktive und begeisterte Nazis waren; auch in diesem Sommer ist ein Teil der alten Nazigarde in den Passionsspielen in hervorragenden Rollen aufgetreten. Aber nicht davon wollen wir berichten, sondern von dramaturgischen und thematischen Auffassungen, die den Spieltext nicht realistisch fassen, sondern die antisemitischen Leidenschaften erhitzen und wachhalten. « Dieses uralte Spiel in Oberammergau wird zu einer demokratischen Gefahr in einer Zeit wo der Antisemitismus erneut durch die deutschen Strassen schleicht. Nach diesem berühmten Passionsspiel ist das Judentum Auswurf der Menschheit und die Synagoge ist eine Pandorabüchse. Der Jude wird in diesen sogen. Passionsspielen als ein Mensch gezeichnet, der angefüllt ist von primitiven Leidenschaften, dem Schacher mehr als Gott und Ethik bedeutet. Der Jude wird brutal als Christüsmoerder gekennzeichnet, als ein Wesen der die Sittlichkeit der Welt beschmutzte. Und all dieser Frevel, die Verlogenheit, diese Geschichtsfaelschungen gegen die Juden, werden in grossem und festlichen Rahmen, mit Choeren, Prologen, Massenszenen und von 700 Darstellern jn ein tausendkoepfiges Publikum geschleudert. Diese Christus-Passion wird zu einer medertraechtigen Faeschung vom Wesen des Gottesvolkes Die letztt Textaenderung wurde im Jahre 1680 vorgenom.men, seitdem ist der verlogene Text “tabu’1’ und infiziert alle zehn Jahre viele viele Tausende mit dem antijudaischen Toxin Dieser verhetzende Text hat bereits des Oefteren (besonders in der Karwoche) zu Progromen geführt, die Anschuldigen im Passionsspiel von "jüdischer Blutschuld”, haben waehrend der Jahrhunderte der Existenz dieses Passionsspieles, viele, viele jüdische Menschen in Not und Aechtung gebrach;. Oberammergau predigt nicht Liebe sondern Hass, es interpretiert das Wesen von Jesus, der stolz auf sein Judentum war, in falscher, tendenziöser Weise, mit dem Jesus ganz bestimmt nicht einverstaenden waere, koennte er Zeuge dieser Spiele ein. Der feierliche Rahmen, der Ernst, die Weihe des Hauses, vernebelt die Besucher, macht diese kritiklos, sie fueh'len sich in das damalige Gesche hen hineinversetzt - und daher sind diese Passionspiele ganz besonders gefaehrlich, da sie Juden karrikieren, verzeichnen und diese Figuren der Besucher in seinem Sinn behaelt. Die Passionsspiele geben sicher auch unter christlicher Sicht Anlass zur starken Kritik, denn das Spiel weicht stark von der Biblischen Geschichte .ab, die Geschichte vom Leben Jesu entspricht nicht der Historie. Die Bibel, das Alte Testament, Grundpfeiler menschlicher .Ethik, werden in diesen Festspielen derart tendenzioes gebogen, dass diese Christus- Spiele im vollen Umfange als unchristlich anzusehen sind. Die Festspielverwaltung, die Kirche und die Geistlichkeit sollten weniger an (die nicht existierende) jüdische Blutschuld denken, sondern an die christliche Blutschuld, die gerade in unseren Tagen in grauenhaftem Umfange existent war und die Christenheit vor einem goettlichen Gericht stellt. Die Zeit ist vorbei, dass man das Judentum mit das Anathema belegen kann, die Zeit sollte endgültig vorbei sein,, dass antijüdische Hassparolen und niedertraeehtige Verdaechtigungen gegen Juden von der Kirche propagiert werden. Das Christentum, insbesondere das heutige, ist tief in moralischer Schuld gegenüber dem Judentum. Nur durch eine wahrhaft tolerante Haltung, nur durch durch Liebe und Hilfsbereitschaft, wie es Christus verstand, kann die Christenwelt die Mordschande loesschen die es durch den millionenfachen Mord an Juden auf sich genommen hat. Die Passionsspiele in Oberammergau waren für Tausende und Abertausende von Besuchern eine quaelende Peinlichkeit (wenn auch viele, viele Tausende in diesem Weihespiel etwas Grossartiges sahen). Der Oekumenische Rat sollte vor Beginn der neuen Festspiele (im Jahre 1970) beschliessen, dass der Text der Passionsspiele von Oberammergau einer gründlichen Revision unterzogen wird, der nach modernen theologischen und philosophischen Erkenntnissen zu gestalten waere; er sollte den Anachronismus dieses Texfes erkennen. Di© grossen Passionsspiele sollten die Aufgabe haben, Liebe und Toleranz in die Besucher zu erwecken, die “Passion vom Leiden Christi” ist aber in ihrer jetzigen Fassung eine sittenmordende und kulturfeindliche Massenbeeinflussung. ln Zusammenfassung: Der Text, die Sprache der Passionsspiele, ist falsch, sie ist demagogisch, sie ’ entspricht nicht der Bibel, dem Sittengesetz, dem auch die Christenheit sich unterzuordnen hat. Das Bühnenspie] von Oberammerg.au geht bewusst an Tatsachen vorbei, die zu Gunsten der Juden sprechen, dieses ¡Werk - in seiner heutigen Form - ist nichts weiter als antisemitisches Theater, welches, Geist und Leben desjenigen schaendet, dem es zur Ehre gereichen soll. Die Passionsspiele sollten weniger eine erregende Schau sein, als eine Botschaft der Liebe, des Altruismus. In diesem Sinne sollte das Grosse Passionsspiel von Oberammergau neu geformt werden, indem falsche Aussagen aus dem antiken Text gestrichen werden und dadurch die Scenen zu einer erhebenden und lichten Schau machen. Der gute Christmensch sei hierzu aufgerufen. LUDWIG K. STARGARDT. Menschen weiter in grossen Haeusern mit zahlreichen Dienstboten leben sollten, so wie die Privilegierten und Grossen dieser Erde es einst taten, Das, woran ich denke, schliesst Einfachheit nicht aus; im Gegenteil: es ist ohne Einfachheit undenkbar. Es schaudert mich bei dem Gedanken an eine Welt, in der man nirgends mehr in Zurückgezogenheit und Armut leben kann, in der niemand Abgeschlossenheit und Ruhe geniessen darf, in der nirgends wirkliche Qualitaet um ihrer selbst willen gepflegt wird. Ich wünschte, etwas Raum bliebe übrig für jene, die «s vorziehen, die Natur zu sehen, wie Gott sie geschaffen hat, für jene, die immer noch ein Buch lesen oder die architektonische Gestaltung eines Platzes in der Stadt betrachten wollen, nur dies, und nicht die stoerenden Erlaeuferungen und Reklamen, mit denen die Rekramemacher sie so gern, “verschoenem” Ich mache mir Sorgen um den Menschen, um das Kind, dessen Erfahrungen unmittelbar sein sollen, und nicht aus zweiter Hand. Und wenn ich m:ch schon damit abfinden muss, dass Millionen von jungen Leuten zu Halbgebildeten erzogen werden, so lege ich doch den grosssten Wert darauf dass es nicht unmoeglich wird, denen’ oie es verdienen, eine umfassende t WENN REISEN - DANN DURCH EXPRINTER IHRE PASSAGEN fuer Flugzeug, Schiff oder Eisenbahn IHRE HOTEL - RESERVIERUNGEN besorgt Ihnen schnellstens, zuverlaessig und preisgünstig Ittvicto MUNDIAl Dt vi«m f EXPRINTER LA PAZ Av. Camacho (Edif. Yugoeslavo) Telef. 2560 u. 9265. geistige Erziehung zuteil werden zu lassen. Wenn wir dafür nicht sorgen, dann wird nicht nur die Minoritaet in Mitleidenschaft gezogen werden, sondern auch die grosse Mehrheit, die wir ja die Masse nennen. Auch sie müsste am Ende ihr Leben verarmt finden.