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Das Echo · 1960-05-30 · 225 (30.5.1960) · p. [Seite 7]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
225 (30.5.1960)
Date
1960-05-30
Page
[Seite 7] (sequence 7)
Language
German
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30. Mai 1960. DAS ECHO” 5. Unter uns... Lieber Leserfreund: Das Schnüffeln ist des Journalisten Freud, diese seltsame Spezies der Menschenart ist immer auf Ausschau. Da ich keine Ausnahme bin, habe ich neulich die amtlichen Inmigranten-Register von La Paz gewaelzt. Nein, was sahen da meine Augen; welche Namen, welche Schicksale, welche Fülle! So um das Jahr 1940 gab es in La Paz an die 11 000 jüdische Einwanderer, die nach Bolivien in Todesnot kamen und gerettet wurden. Wenn man die Statistiken von demokratischen Grosslaendern (USA und England) in dieser Hinsicht studiert, so kann man nur tief den Hut vor der bolivianischen Menschlichkeit ziehen, die unverhaeltnissmaessig mehr leistete, als manche andere Nationen. Menschen kamen, ein grosser Teil betrachtete Bolivien als Transito zu andern Laendern, nachdem sie hier in Ruhe die Einreiseformalitaeten erledigen konnten. Was geblieben ist, ist ein relativ kleines Haeufchen, welches das Auf und Ab des bolivianischen Lebens mitmachte, hier Fuss fasste und dem Lande Treue hielt. Von den Ael- •teren gibt es noch eine ganz gewaltige Anzahl, die sich auch heute noch gedanklich, seelisch und sprachlich ganz mit der alten Heim,at verbunden fühlen. Aber die Aelteren werden alt und leben dann nur am Rande. Wichtig — wie immer — ist die Jugend — und die juedische Jugend in Bolivien ist derart verwurzelt mit Land und Landschaft, dass diese zu einem integralen Bestandteil von Bolivien wurde. Wjr sind keine Propheten, aber es ist immerhin interessant einmal nachzudenken,' was in 15 oder 20 Jahren hier mit unserer Gemeinschaft XV//. - So leben wir! sein wird. Im jüdischen Sinne sehe ich tiefschwarz. Das Hineinwachsen unserer Jugend in die bolivianische Mentalitaet muss zwangslaeufig zur Assimilation führen. Die Generation, die hier einwanderte, war, wenn auch nicht immer religioes, so doch jüdisch bewusst; die neu« Generation aber empfindet kaum im tiefem Kern jüdisch. Solange noch Vorbild und Führung vorhanden sind, werden unsere jungen Menschen noch eine gewisse jüdische Haltung zeigen, aber ist einmal diese Jugend ganz auf sich gestellt, ist zu befürchten, dass das jüdische Bewusstsein nur hintergründig daemmern wird, und die danach folgende Generation dürfte alsdann nur noch Jude (wenn überhaupt!) im genetischen Sinn sein. Jüdischer Brauch, jüdischer Stolz, Kampf zur Erhaltung der Gemeinschaft — das duerfte es dann kaum noch geben. Allerdings meint jede abgehende Generation, dass nach ihr in manchen Dingen die Jugend verfallen wird, doch immer konnte sich die Jugend weiter und besser entwdckeitn und es wurde auch die elterliche Tradition respektiert. Leider aber leben wir hier und jetzt unter anderen Bedingungen, sodass ein Pessimismus in der Beurteilung zukünftigen jüdischen Lebens in Bolivien nicht unberechtigt ist. Die jüdische Jugenderziehung laesst manchen Wunsch offen. Der “Kindergarten'’ unserer juedischen Schule wirkt leider nicht im jüdischen. Sinne grundlegend und formend, dass juedische Leben unserer Jugend ist mehr grossartig, als aufbauend und schoepferisch; Barmitzwah wird zu grossen Feiern, die oft die Würde und den Anlass beschatten. In diesem Zusammenhänge sei auch einmal darauf hingewiesen, dass es in andern Laendern heute vielfach üblich ist, dass man Maedchen der religioesen Bath Mitzwah-Weihe unterzieht; es ist im hohen Grade bedauerlich, dass unserer weiblichen Jugend in Bolivien dieses grosse jüdisch-religioes-ethische Moment vorenthalten wird. Unser Rabbinat in La Paz sollte in diesem Sinne mehr als bisher aufklaerend wirken. Denn es muss, nach meiner Meinung, alles von unserer Seite getan werden, um die jüdischen Bande zu starerken, damit gewisse Garantien fuer ein bewusstes zukünftiges jüdisches Leben auch hier gegeben werden koennen. Denn Erziehung ist Einfluss, und ein guter Einfluss, kann fuer ein jugendliches Leben wegweisend sein. Und wie steht es mit uns reiferen Herrschaften? So langsam daemmert es nun auch bei uns, dass das Leben nicht nur aus Arbeit, Mühen und Plagen besteht. Ein immer groesser werdender Teil unserer Menschen hat es nun verstanden, dass das Leben wertvoll ist und das es “gelebt” werden' muss. Ein schoenes Heim, gute Bücher, edle Musik, eine nette Geselligkeit machen das Leben lebenswert und wenn man dann noch schoene, interessante Reisen machen kann, so ist das Leben vergoldet und hat seinen vollen Sinn erhalten. Der werktaetige Mensch (homo faber) bekommt einen helleren Sinn durch besseres Leben, ein besseres Leben füllt den Leistungs- Akku, ein besseres Leben bringt Freude und Freude macht jung und elastisch. Diese Kausalitaet ist die Leiter zum angenehmen Leben. Aber leider ist unsereins recht müde, wir haben uns se langsam in der pacencr Hoehe :zum Schlafmenschen (homo dormens) entwickelt, wir mo- ■echten wohl gerne, wir koennen nur nicht.. Aber udr wollen uns nicht unterkriegen lassen, wieder von einem gewissen Herrn Morpheus noch sonst von einem dunklen Heiligen! Wir müssen versuchen aus unserm sogenannten Leben das bestmoeglichste herauszuholen. Schlafen ist gut, aber die Lebenstage verschlafen ist sicher nicht gottgewollt. Geben wir unsern Kindern ein etwas haerteres Leben, erleichtern wir das unsere — dies waere ein vernünftiger Ausgleich, der für beide Teile von Nutzen waere! Ach, ich wollte ja heute noch etwas schoenes erleben — aber ich bin schon wieder sooo müdej Ja, die Herren Redakteure, die predigen vom Wein, und trinken Wasser — es ist eben ein komisches Voelkchen.. Sie verehrte Leserin und Sie lieber Echo-Freund, seien freundschaftlichst gegriisst von Ihrem f\ FAMILIEN - ANZEIGEN * ■V w W W Hierdurch beehren wir uns allen Freunden und Bekannten mitzuteilen, dass unsere VERMAEHLUNG am 11. Juni 1960 in Tarija stattfinden wird. Vl AUFL0ESUNG! * ¡ Im Mai 1960 Casilla Tarija 120 Casilla La Paz 271 Jacobo Blankitny und Erika Sidon ¿*¥¥¥¥**¥+*¥**¥¥*¥¥¥*¥ | CASILLA in | j COCHABAMBA: * abzugeben. Offerten *- J an El Eco, Cas, 2217 * J La Paz (P. 103). $ *+++**+++++*++++++++++ aoi Allen Freunden und Bekannten ein herzliches Lebewohl! FELIX UND ILSE LOEWENTHAL Buenos Aires, Capt Freire 2745. Liquidora, Fleischmaschinen, Tischwiaesche, Bestecke, Geschirr, Vorhaenge etc., etc., geschlossen preisgünstig zu verkaufen, evtl. 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