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Das Echo · 1960-05-30 · 225 (30.5.1960) · p. [Seite 1]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
225 (30.5.1960)
Date
1960-05-30
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German
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s REVISTA DEMOCRATICA CULTURAL EN IDIOMA ALEMAN Die unabhaengige Halbmonatsschrift Boliviens ¡ti deutscher Sprache fuer Politik, Kultur und Wirtschaft Direktor und Chefredakteur: Dr. Ludwig K. Stargardt Verlag: Editorial “El Progreso ’, Empresa de Propaganda y Publicidad, La Paz — Miraflores. — Büros: La Paz, Harrison 3 — Telefon 6080 / Cochabamba, Baptista 429. / Postanschriften: Revista EL ECO , Casilla 2217 La Paz, oder Casilla 748 Cochabamba / Druck: Editorial Kollasuyo , Loayza 400 DAS ECHO erscheint am 15. und 30. eines jeden Monats. Anzeigenpreis: 1 komplette Seite Bs. 600.000; kleinere Flaechen entsprechend weniger. — Sprechstunde der Redaktion (nach vorheriger telefonischer Vereinbarung) Mittwoch nachmittags. Jahrgang X Nummer 225 30. MAI 1960. 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Eine grosse lnscenierung fiel gründlich durch. Adieu - friedlicher Geist von Camp David. Beleuchten wir einmal die Vorgeschichte der pariser Gipfelkonferenz: Lange vor dem fatalen 16. Mai hoerte man sowohl vom Kxlemi ais von Bonn her wüste gegenseitige Beschuldigungen, ¡es wurde ein Kalter Krieg von beiden Seiten entfesselt, der jede freundschaftliche Reglung einfrteren üess. Der Kreml-Boss hob drohend die Faust gegen Berlin und behauptete “das ganz Berlin zur Sowjetzone gehoere!” und Kionrad Adenauer griff kühn das maechtige Sowjet- Russland an und erklaerte den ganzen Kommunismus in Bausch und Bogen für verlogen und vernichtenswert. Diese Ouvertüre, gespielt vom Disharmonischen Orchester Moskau-Bonn vergiftete derart die Atmosphaert, dass die Grosskonferenz von vornherein zum Eracaso verurteilt war. Die westlich-oestüchten Hass-Örgien erzeugten eine politische Grippe, eine Influenza, die sich epidemisch verbreitete und geiaehrlichte Bazillen züchtete. Ob pariser Konferenz wurde so methodisch auf ein totes Gleis gesetzt und so darf man sich auch nicht wundern, dass diese wie das berühmte Hornberger Schiessen verlief. Der Grund für*dsn von Chruschtchew erzeugten gewaltigen Theaterdonner war die nordamerikanische Flugzeugspionage. Hier haben wieder einmal die Up-Diplomatie, das Militaer und die Organisation auf das Peinlichste versagt. Nicht nur, dass es ein Irrsinn war, kurz vor der Gipfelkonferenz Spionageflugz'iuge ueber Sowjetrussland zu schicken, sondern diesen Spionagedienst erst komplett abzulcugneti und dann voll eiozugessfehen. Sicher ist, dass im Osten westliche Spionage getrieben wird ebenso wie oestliche im Westen und dass es an und für sich nicht UngeheuerKcWes ist, dass ein Spionageflugzeug erwischt wurde. Dass Wesentliche an der Sache ist nur, dass der US-Spionagedienst horchst ungeschickt arbeitete und das dem Kreml diese Sache sehr in sein politisches Konzept passte. Denn die Flugzeug-Geschichte war für Chruschtschow nur der willkommene Vorwand, um die Konferenz auf fliegen zu lassen, da er einsah, dass er sich auf dieser in Isolation befunden haette, die er kaum haette durchbrechen koennen. Die “Eiserne Front", die sich ihm in Paris entgegenstellte, deren Inspirator Adenauer und Représentant Eisenhower waren, die gif-!gs Propaganda, die seit langem von Bonn gegen Moskau ausging, d.'e Auswegsicsigkeit des Berlin-Problems für Moskau, haben den Kreml derart L-, osen gesteigert, dass Chruschtschow sich in Paris als “gekraenkte Lebvirwurst'' produzierte und Clownerien beging, die den hochpolitischen Anlass der Konferenz zur Nichtigkeit herabwürdigten. Aber nicht nur Chruschtschow rutschte auf dem diplomatischen Parkett in Paris aus, sondern auch Dwight D. Eisenhower, der nicht das Wort zum Ausgleich fand, und der dadurch die Konferenz haette retten koennen. Die Vorfaefte in Paris haben eklatant erwiesen, dass auf beiden Seiten ein unehrliches Spiel getrieben wird und dass die pazifistischen Brückenbauer nur imaginaere Figuren sind. Diese Erkenntnis ist schmerzlich, aber realistisch. Nikita Chruschtschew ist ein fanatischer Kommunist, er ist von seiner Sendung, die Welt in “eine bessere Ordnung” zu führen, ehrlich überzeugt, er ist Politiker und Demagoge zugleich. Der heute 66-jaehrige Kreml-Chef steht aber am Vtcrabend einer grossen Ermüdung, denn sein Gesundheitszustand (sehr hoher Blutdruck, nieren- Ipiden etc.) ist recht schlecht. Chruschtschew fürchtet, dass s-hr bald die Zeit für ihn kommen kann, wo er in dten Hintergrund Irrten m l die Zeit seiner Macht abtY wdl ei^noch voll und ganz ausnutz'an. So muss man den grossen und harten Kampf verstehen den, z.zt Chruschtschew führt. Chruschtschew hat vielerlei Sorgen: China, welches immer staerker und bald eine grosse Atom-Macht stein wird mit eigenem kommunistischen Reglement, seine Gegner im Kreml, di® sein Regime nicht hart genug finden und den statinistischen Kurs fordern, die Schwierigkeiten in der Erfüllung des gegenwaertig laufenden *7-Jahresplanes, der Druck des Westens gßgen die kommunistischen Staaten, der Wettlauf um den wirtschaftlichpolitischen GOTTES MÜHLEN MAHLEN... Die UPf-Meldung, dass Adolf Eichmann festgenommen wurde, war für, Millionen gerecht empfindende Menschen eine beglückende Nachricht. Eichmann, einer der übelsten unter den üblen SS-Moerdern, der Millionen von Juden auf seinem persoenlichen Gewissen hat, einer der Grausamsten in den Reihen der Hitler- Verbrecher, wurde sieit vielen Jahren in der ganzen Welt gesucht. Es gab Juden die ihr Vermoegen, ihre Existenz und Zeit opferten, um diese Bestie in Menschengestalt zu fangen und der Gerechtigkeit auszuliefern. Aus vielen Teilen der Wielt liefen des oefteren Mitteilungen ein, dass F.ichmann sieh da und dort aufhalte — immer jedoch war es falscher Alarm. Eine wunderbare Fügung war es, dass gerade der israelische Sicherheitsdienst diesen furchtbaren Feind des Judentums habhaft werden und verhaften konnte. Nach Meldungen, die bei Redaktionsschluss noch nicht bestaetigt wurden, konnten Agenten des israelischen Sicherheitsdienstes Adolf Eichmanrr in Argentien aufspüren und in einem El Al-Flugzeug (nach einer anderen Version, in einem israelischen Unterseeboot) nach Israel überführen. Tatsache ist, dass David Ben Gurion die Festnahme Eichmanns durch Israelis bestaetigte, ebenso, dass dieser Grossverbrecher sich in Israel m Gewahr am befindet. Bs ist Manches noch nicht über die Aufdeckung des Versteckes von bichmann klar, wahrscheinlich werden in dem Prozess gegen Eichmann in Israel in Gewahrsam befindet. In diesem Zusammenhang ist es auch ¡erfreulich, dass der nazistische Massenrnoerder in Ungarn, Hermann Krummey, fast gleichzeitig mit Eichmann in Frankfurt am Main durch die deutsche Polizei verhaftet werden konnte Auch verstaerken sich die Gerüchte, dass Martin Bormann der Vertreter des “Führers“ noch lebt und man hofft, auch ihn in Kürze dingfest zu machen. Den in Israel sitzenden Eichmann erwaertet die Todesstrafe da nach einem israelischen Gesetz von 1950, Nazimoerder zur Todesstrafe verurteilt werden koennen. ,1,0* Das Urtei:,ist uns unwnicht'g. und befriedigend ist für uns die Tatsache dass man wieder einmal BoeSes ausrotten konnte und die Gerechtigkeit - nach 15 Jahren Suche nach Eichmann - endlich doch triumphierte8 der jüdischen GerechlSe'it fief58 Judenmöerder in di* Arme Wunderbar sind die Wegi des Schicksals. die Einfluss bei den wenig entwickelten Völkern. All das erfordert von dem Kreml-Chef hoechste Konzentration und eis'-men Willen. Dir Kernpunkt aber aliwi Plane ns ¡st für Chruschtschew Berlin und im Weiteren Deutschland. Denn nur in Deutschland sieht der Kreml die ernste Gefahr für sein System; die preussisch-deutsche I Menla .iaet fürchtet er wie nichts in ■ die J.r Welt. j Und je mehr Chruschtschew vom! Westen in die Isolation gezwungen werden wird, desto heftiger und verbissener wird sein Kampf gegen Germanien werden. Das Wort des “Valets der bolschewistischen Revolution". L-nin, gut zu erfüllen; “Die Weltrevoution hat dann gesiegt, wenn die! Rote Fahne in Berlin und Peking weht Wenn die Revolution in Deutschland I gesiegt hat, dann wird das Zentrum dter Weltrevolution von Moskau rach Berlin übersiedeln!” Der fanatis;h; G.aube an den Endsieg des Kommunismus hat alle kommunistischen Führer gepackt. Mit ihren besseren Nerven, mit ihrem idealistischen Glauben und mit ihrer brutalen Kraft sind sie im Vorfeil dem gegenwaertign demokratischen System gegenüber, welches sich selbst untergraebt, da es gleichzeitig gegen Faschisten kaempft und mit ihnen paktiert. Chruschtschews Rede in Ost-Berj lin vom 19. Mai, in der er u.a. sagte,! dass der Westen bereits sein politij sches Spiel verloren hälfe und dem! Kommunismus die grosse Zukunft ge- | hoere pst in Kreml-Sicht wahrschcini lieh ehrlich gemeint. Aber der Weg zu den Roten Fahnen in Europa dürfte noch sehr lang und recht blutig sein. Mit der asiatischen Geduld der Russen, werden sie in jedem Fa'le versuchen, langsam aber gründlich Tt - rain zu gewinnen, das “Wie” wird ohne Skrupe, sein. Die weltpolitische Situation nach dem Misslingen der pariser Gipfelkonferenz hat sich wesentlich verschlechtert. Chruschtschew hat das Vertrauen zu Eisenhower verloren; er wird sich erst wieder an einen Konferenztisch setfen, wenn ein neuer Mann im Weissen Haus eingezogen ist, der ihm aufgeschlossen genug erscheint, dass man j mit ihm reden koennte. I Bis dahin aber wird efer Krenil- I Boss nicht müde werden kurz gesteckte Ziele zu erreichen, das Berlin- Problem in seinem Sinne immer wieder zu bearbeiten (wenn auch ohne Gewaltanwendung) und er wird alle Kraft aufwenden, in Lateinamerika, in Asien und Afrika Einfluss zu gewinnen. Eine stattgefundene pariser Gipfelkonferenz haette in dieser Zeit keine nennenswerten Erfolge gebracht, aber die aufgeflogene Konferenz in Paris kann Folgen zeitigen, die für die Zukunft der Menschheit sehr bedeutsam 1 ¡fern koennen. LUDWIG K. STARGARDT

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