Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 224 (15.5.1960)
- Date
- 1960-05-15
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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“DAS ECHO 15. Mai 1960. Anlaesslich des 5. Todestages von Albert Einstein von Schalom Ben-Chorin Drei Jiuien aus dem mitteleuropaeischen Kulturkreise haben das Antlitz unserer Zeit mitbestimmt und gewandelt: Kar| Marx, der die soziologischen Grundlagen erschuetterte, Sigmund Freud, welcher der Psychologie und Psychiatrie neue Wege erschloss, und Albert Einstein, welcher das physikalische Weltbild revolutionierte. Albert Einstein wurde 1879 in Ulm geboren und stammte .aus dem assimilierten sueddeutschen Judentum. 1905 begruendete er die Lichtquantentheorie, die die Grundlage der Photochemie wurde und sich auf das Gesamtgebiet der Strahlungen erstreckte; im gleichen Jahr wurde Einstein bedeutendste Entdeckung konzipiert, die Relativitaetstheorie, die seinen Weltruhm begruendete und ihm 1921 den Nobelpreis eintrug. Spaeter folgte seine Grundformel der Materie. Die Tragoedie das Wissenschaftlers und Friedensfreundes So wichtig Einsteins Entdeckungen waren, wurden seine Leistungen fuer die Wissenschaft von einer Tragik ueberschattet, die derjenigen Alfred Nobels gleicht. Nobel erfand bekanntlich das Dynamit, und als ihm die verheerende Wirkung seiner Entdeckung bewusst wurde, stiftete er den Friedenspreis. Einstein war ein leidenschaftlicher Friedenskaempfer und gehoerte in den zwanziger Jahren dem Komitee fuer geistige Zusammenarbeit beim Voelkerbunde an. In einer gewissen politischen Naivitaet, wie sie gerade dem Genie oft eigen ist, Hess er sich sogar nicht selten von der radikalen Linken zu Manifesten gebrauchen. Gerade dieser Friedenskaempfer aber musste sozusagen zum geistigen Vater der furchtbarsten Vernichtungsgefahr aller Zeiten werden. Die Atombombe, dieses Damoklesschwert, das ueber unserer gesamten Zivilisation drohend schwebt, geht fraglos mit auf Einstein zurueck. Ohne seine theoretischen Vorarbeiten waere die Kernphysik nicht denkbar. Es ist bekannt, dass Einstein auch mit der amerikanischen Atombombe ueber Uierosima, die den zweiten Weltkrieg beendete, befasst war. Einstein litt schwer an der erbtrmungslosen Erkenntnis9 dass das Boese, wie es in unserem Jahrhundert in der apokalyptischen Gestalt Hitlers aus dem Ab- | gründe aufstieg, nicht mehr mit gewaltlosem Widerstand ,im Sinne Gandhis, bekaempft vverden konnte, sondern nur durch Ueberbietung der Gewalt. Sionistische Sympathieen Einstein stand bereits seit dem ersten Weltkriege der zionistischen Be-; wegung nahe. Er gehoerte dem Kuj ratorium der Hebraeischen Universitaet in Jerusalem an, deren physikalisches Institut nach ihm benannt wurde ln Reden und Schriften nahm er schon in den zwanziger Jahren fuer den Aufbau Palaestinas Stellung, und nach dem Schicksalsjahre 1933, das ihn selbst in die Emigration von Berlin nach Princeton (U.S.A.) fuehrte. wurde er ein unermuedlicher Anwalt der Rechte des juedischen Volkes auf ein eigenes Heim. Insbesondere galt sein Interesse dem Werk der Rettung juedischer Jugend, wie es durch die Jugend-Alijah betrieben wurde. Welch seltsame Fuegung des Schicksals war es, dass Einstein seine zweite Heimat Amerika zum ersten Male 1921 auf einer zionistischen Propagandareise kennen lernte, die er gemeinsam mit Dr. Weizmann fuer den Keren Hajessod unternahm. Wenn man von der zionistischen Taetigkeit Einsteins spricht, so muss man den Namen Kurt Blumenfeld erwaehnen, des verdienten Fuehrers des Zionismus in Deutschland, dem es im Februar 1919, gelang, Einstein erstmalig fuer den Zionismus zu interessieren. Einstein, der schon vorher vom Zionismus und dem Aufbauwerke in Palaestina gehoert hatte, war bis dahin einer persoenlichen Stellungnahme ausgewichen. Drei Argumente hatten ihn zuerst vom Zionismus ferngehalten: Er glaubte, dass die luden zu intellektueller Beschaeftigung geboren seien. Die von den Zionisten propagierte Umschichtung der Jude n zu Landwirtschaft und Handwerk erschien ihm so als Rueckschritt. Er war ferner der Ansicht, dass die religioes-geistige Entwicklung der Juden in der Diaspora einen Typus geschaffen hatte, der nicht mehr nach dem Orient zurueck verpflanzt werden kann; und schliesslich erkannte Einstein die Gefahr eines juedischen Chauvinismus, zu dem der Zionismus fuehren konnte. Der Einfluss Kurt Blumenfelds. Es ist der Kunst Blumenfelds, Menschen zu behandeln, gelungen, Einstein dahin zu bringen, dass er sich der zionistischen Sache zur Verfuegung stellte, obwoh er als reiner Universalist und Humanist mit einer reservatio mentalis die juedische Sache vertrat. Kurt Blumenfeld zitiert in seinen Erinnerungen folgendes fuer Einstein so charakteristisches Bekenntnis: “Ich bin gegen Nationalismus, aber fuer die zionistische Sache. Oer Grund ist mir klar geworden. Wenn ein Mensch beide Arme hat, und er sagt dauernd, ich habe einen rechten Arm, dann ist er ein Chauvinist. Wenn einem Menschen aber der rechte Arm fehlt, dann muss er alles tun, um das fehlende Glied zu ersetzen. Deshalb bin ich in meiner menschlichen Haltung ein Gegner des Nationalismus. Als Jude aber bin ich fuer die juedischnationalen Bestrebungen der Zionisten”. Von diesem ersten Bekenntnis bis zu der Propagandafahrt mit Weizmann war natuerlich noch ein langer Weg. Diese Reise wurde fuer Einstein, wie Blumenfeld schreibt, zu einem grossen juedischen Erlebnis; es brachte ihn zum ersten Male in Kontakt mit der1 juedischen Massen. Noch fast 25 Jahre spaeter schrieb er an Blumenfeld: “Ich fuehle, dass ich Ihnen naeher stehe, als ich selber geglaubt hatte. Es sind nun fast 25 |ahre seit Ihrem ersten Besuch bei mir, bei dem Sie. mich zu der Reise nach U.S.A. ueber-- redeten. Es war eine gute und noetige Sache, und auch angenehm, nachdem, es ueberstanden war... Ich beneide Sie nicht, dass Sie es; mit politischen Sachen zu tun haben, dies Feld, auf dem Dummheit und Bosheit in edlem Wettstreit ewig das. Feld behaupten. Wenigstens scheint, es, dass wird es erleben du«rfen, dass die Deutschen gestraft und gedemuetigt werden. Ich fuerchte aber, dass *‘s wegen Oer Rivalitaet der “Alliierten" nicht energisch genug ausfallen wird". Einstein und Rathenau. In den zwanziger Jahren war die Aktivitaet Blumenfelds zugleich darauf gerichtet, Walter Rathenau fuer den Zionismus zu gewinnen; die Gespraeche zwischen Rathenau, einem der Staatsmaenner die Weimarer Republik,. Einstein und Blumenfeld, wie sie von dem letzteren in seinen Erinnerungen kurz festgehalten werden, beleuchten ■ schlagartig die geistige Situation des; deutschen Judentums dieser Jahre, l Obwohl buergerlich gleichberechtigt j und kulturell und wirtschaftlich inte- | griert, spuerten sie doch des Wetter-! leuchten einer heraufziehenden Katas- 1 trophe. Aber waehrend Einstein den | Schritt zum Zionismus vollzog, konnte i Rathenau sich nicht von der deutschen j Schicksalsunntklammerung iloesen, die! fuer ihn toedlich endete. Einsteins Beziehung zum Zionismus. Blumenfeld hat festgestellt, dass man Einsteins Beziehungen zum Zionismus nicht ueberschaetzen darf, aber er war ein Mann, der Treue hielt. Und wenn das Politische und Juedische auch fuer Einstein lebenslang peripher biieben, so verschloss er sich doch nie einem zionistischen Ruf, wenn es galt, mit der Autoritaet seines Namens den Selbstbefreiungskampf des juedischen Volkes, seines Volkes, zu staerken. Das Angebot, als Nachfolger Weizmanns die Praesidentenschaft Israels, zu uebernehmen, musste er ablehnen, da ihm Politik und Repraesentation fern blieben, aber Wohlfahrt und Interessen des Staates Israel waren seinem Herzen stets nahe. ANSCHLUSS NACH GANZ EUROPA ma und Paris mit dem modernsten und raschesten R. motori he rascheste und bequemste Reise bu ten, um lie erhöhte Kraft, die erhöhte Geschwindigkeit, Motoren von der Kabine könnt i&.u.;X*'■ V “V GAR AVELLE UNO BOETNC. OTE 2 BESTEN ■OUSENELUO7EUBE AUE DEN, LANOSTEN ELUCNETZ DER WELT