Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 218 (30.1.1960)
- Date
- 1960-01-30
- Page
- [Seite 6] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6. DAS ECHO 30. Januar 1960 OESTERREICH: ECHO Evangelisches Interesse an Israel Die Werkzeuge des Teufels sind wieder an der Arbeit. Wiederum werden Haeuser, Strassen mit einem Blvftzeichen verunziert, von dem die Welt glaubte, dass es ausgerottet sei. So auch in Oesterreich und Wien; an dem einzigen jüdischen Gotteshaus in Wien wurde das Wort “Jude” angebracht, man streute Zettel mit dem Text “Wir gegen alle” und “Erwache” und sogar vor dem Sitz des oesterreichischen Aussenminister wurde nicht Halt gemacht. Dieser Tage aber wurde der erste positive Schlag gegen diese Untermenschen geführt. Es gelang der Staatspolizei eine Kaernter Nazigruppe auszuheben, deren “Führer” der 71 jaehrige Rechtsanwalt Dr. Alberti war. Die Klagenfurter Polizeidirektion gab bekannt, dass bei Hausdurchsuchungen N azihetzschr iften und antisemitische Brochüren die aus Deutschland und Schweden nach Oesterreich eingeschleusst wurden, beschlagnahmt werden konnten. In den Kanzleiraeumen Dr. Alberti wurden sogenannte "Führungsschulungen” betrieben. Die Funktionaere sind alle Mitglieder des Vereins "Bund der heimattreuen Jugend Kaerntens”. Sie stehen im Verdacht, für die Ziele der ehemaligen NSDAP eingetreten zu sein. Dr. Alberti war vor 1938 reichs verstand er es unterzutauchen, ein Führer der Kaernter Heimwehr und nach der Annexion Oesterreichs wurde seine Gruppe als illegale Naziorganisation anerkannt und Alberti erhielt als Dank dafür die Mitgliedsnummer der “Illegalen”. Er war der “Ariseur” der Güter von Rothschild und nahm nebenbei eine Rechtsanwaltskanzlei in Wien in Besitz. Nach der Befreiung Oesterreichs verstand er unterzutauchen Kammeradschaftstreffen da er wegen Hochverrat, Arisierung und auch der SS - Führer Verletzung der Menscherechte gesucht wurde. Im Jahre 1948 tauchte er wieder auf, wurde verhaftet, aber das Verfahren gegen ihn wurde aus unbekannten Gründen eingestellt und ihm sogar erlaubt, sich politisch zu betaetigen. Bis 1953 war er dann im Kaerntner Landtag Abgeordneter des VdU. (Verband der Unabhnaengigen), aus dem die heutige FPOe. (Freiheitliche Partei) hervorgegangen ist. Weiters ist er im “Führungsstab” der "Heimattreuen Jugend’ und ausserdem Vorstandsmitglied der “Arbeitsgemeinschaft Nationaler Jugendbünde”. Er konnte erst nach laengerer Verfolgung verhaftet werden, denn er hatte sich in ein Wiener Spital wegen einer angeblichen Operation aufnehmen lassen. Auf seinem Gut am Lunzer See T wurden zahlreiche antisemitische Hetz Schriften vorgefunden. Besonders interes sant sind die Flugschriften aus Schwe- , Akademie Xutzing den, Verfasser ist der berüchtigte Einar 1 Aberg aus Norrviken. — Erst jetzt wurde bekannt, dass ein ganzes Waffenarsenal von der Behoerden in Kaernten beschlagnahmt wurde. Es liegt der Verdacht nahe, dass dass Waffenarsenal von organisierten Gruppen verborgen wurde. — Eine Massenkundgebung der “Aktion j gegen den Antisemitismus fand statt, an der Redner aller Parteien den einmütigen werden müsßte. “Sonst werden wir energisch gegen diese Banden vorgegangen werden müsste. S“onst werden wir selbst diese Brut ausrotten” wie ein Redner bemerkte. Vor einige Tagen raubten bisher unbekannte Taeter ein Depot einer Sprengmittelfirma aus und stahlen drei Kisten mit Donaritpatronen im Gesamtgewicht von 75 Kilo, Es besteht die Befürchtung, dass die grosse Menge an Sprengstoff zu Anschlaegen verwendet werden koennte. Verhaftet wurde in Klagenfurt der ehemalige SS - Mann Fritz Jesse, der bereits im Jahre 1945 vom britischen Geheimdienst an Daenemark ausgeliefert wurde und dort wegen Mord und Sprengstoffanschlaege auf die Koenigliche Porzellanmanufaktur in Kopenhagen zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Im Jahre 1950 freigelassen, wurde der Fall jetzt dadurch neu sufgerollt, weil er die Unverschaemtheit hatte, bei den oesterreichischen Behoerden um “Spaetheimkehrerunterstützung” anzusuchen. Grosse Entrüstung hat in Oesterreich die Nachricht hervorgerufen, dass zu einem in Salzburg Sepp Dietrich eingeladen wurde. Weiters wird bekannt, dass am Kriegerdenkmal in Salzburg ein Kranz mit schwarzer Schleife und den SS - Runen niedergelegt wurde. Oesterreichischer Antisemitismus wird jetzt ein “Export - Artikel”. In Form anonymer Briefe, in Wien aufgegeben, werden jetzt in Deutschland antisemitische Hetzparolen verbreitet. Vor einigen Tagen wurde das Denkmal der Widerstandskaempfer am Morzinplatz auf neue besudelt und ein Kranz mit Oel Kürzlich veranstaltete die Evangelische , Stellung des modernen Israeli bezeicheine Tagung über ’nete Freudenfeld den Ausspruch: “Wir Ein “Das moderne Israel”, die durch die Ereignisse der letzten Wochen besondere Aktualitaet erhalten hatte und bei der man deutlich spürte, wie das Thema allen Teilnehmeren auf den Naegeln brannte. Als Referenten hatte die Akademie Burghard Freudenfeld, den Autor de6 Buches “Israel - Experiment einer nationalen Wiedergeburt”, gewonnen; er berichtete über ('Die religioesej Situation in Israel”, “Die Soziologie in Israel” und “Die zionistische Vorgeschichte des Staates Israel”. Freudenfeld, des Israel mehrmals besucht hat und als einer der besten Kenner des Landes bezeichnet werden darf, schilderte Anteil und Einfluss des orthodoxen Judentums in Israel, den Jerusalemer Stadtteil Mea Scherim, die Ziele der religioesen Parteien in Israel, die Stellung des Rabbinats und die starke Verwurzelung der Juden im Glauben der Vaeter. — Kein Israeli, ganz gleich, wie er parteipolitisch eingestellt sei, koenne sich heute ein Israel anders als im Lande der Vaeter, auf dem angestammten Boden des jüdischen Volkes, vorstellen. In keinem anderen Volke habe er eine so mystische Treue zu den Ursprüngen des eigenen Volkes und eine so ungebrochene Tradition feststellen koennen wie in Israel. Als charakteristisch für diese Einsind nicht zehn Jahre alt, wie der Staat Israel, nicht sechzig wie die Zionistische Bewegung, sondern wir stammen vom Erzvater Abraham ab”. Chaim Weizmann hat es einmal formuliert: “Wir moegen die Soehne von Altwarenhaendlern sein, aber wir sind die Enkel von Propheten”. Auch von der Stellung, die sich der junge Staat Israel in den zehn Jahren seines Bestehens bereits in der afroasiatischen Welt habe erringen koenen, sprach Freudenfeld zu seinen Zuhoerem. In vielen dieser jungen, in den letzten Jahren entstandenen Staaten treffe man israelische Ingenieurgruppen an, die die in Israel beim Aufbau des Staates gewonnenen Erfahrungen an diese jungen Nationen weitergeben. Es war unverkennbar, dass gerade dieser Teil des Freudenfeldschen Referats bei den Anwesenden einen starken Eindruck hinterliess und manches Vorurteil beseitigen half. Als Aufgabe des Christentums in unserer Zeit bezeichnete es Freudenfeld, Israel in seinem Bemühen, zu sich selbst zurückzufinden und sich seiner Kraft bewusst zu werden, in brüderlicher Verbundenheit und im Bewusstsein der gemeinsamen geistigen Abstammung behilflich zu sein. Herbert Liebmann Es fiel uns auf. Wer im Glashaus sitzt... Daran dachten wir, als wir den Hollywodstreifen “Fraeulein” sahen, ein Film in schlechtester Schfwarz - Weis - Manier, auf der einen Seite die guten Amerikaner, auf der andern Seite die boesen Kommunisten. Die Welt hat gar kein so schlechtes Gedaechtnis, als wie dieser Film (der z. zt. in den Kinos Boliviens laeuft) es weismachen moechte; man weiss, dass die gesamte allierte Soldateska (Amerikaner, Franzosen, Russen, etc.) sich ungefaehr gleich miserabel im besetzten “Feindesland” Deutschland benahmen. Wir haben gewiss nichts gegen gute und künstlerische politische Propagandafilme, aber “Fraeulein” ist ein derart tendenzioeses Machwerk, dass dem objektiven Betrachter dabei schecht wird. Die Amerikaner spielen in dem Film egal den charmanten, ach. so vor- ... nehmen Gentleman; es ist nun peinlich, dass gerade jetzt eine StaergOS^eisUamtsleeirterandner NSDAP natistik vorliegt, die den US—Soldaten sehr wesentlich ihren Heiligenschein laedieren. Amerikanische Soldaten wurden im Jahre 1959 (:!) in 13.659 Faellen vor Gerichten verurteilt; es waren durchwegs Delikte» die in Deutschland, Frankreich, England, Italien, Belgien und Japan begangen wurden. Peinlich, diese Zahlen. mens Oskar Reitter wurde in Graz von der Staatspolizei verhaftet. Er wird beschuldigt, im Frühjahr 1945 die Erschiessung jüdischer Zwangsarbeiter angeordnet zu haben. EMIL ROTTENSTREICH s. A. Wenn man eine Umfrage durchgeführt haette: “Wer ist das verdienstvollste Mitglied der jüdischen Gemeinschaft in La Paz”, so waere Emil Rottenstretch als erster genannt worden. In Emil Rottenstreich verliert der Yischuv von La Paz sicher einen seiner Besten, wenn nicht den Besten. In unermüdlicher Arbeit, mit heisser Liebe zur jüdischen Sache widmete er sich dem jüdischen Sozialwerk. Wo soziale Noete bestanden, da war Don Emilio da, um mit Tat und Rat zu mildern. Für die jüdischen Kranken in La Paz war er von rührender Opferbereitschaft, ihm war kein Weg zu weit und keine Sache ra unangenehm, um diese Interesse der Kranken ra leisten. In Sterbefaellen war Emil Vot» \ der beste und freundschaftlichste Berater der sich denken laesst. Ein bleibendes Denkmal hat der so ploetzlich Verschiedene sich mit der Gestaltung des Jüdischen Friedhofes erworben. Hier war seine Domaene, wo er mit vorbildlicher Hingabe stets an Verbesserungen arbeitete. Darüber hinaus zaehlte Emil Rottenstretch zu den aktivsten Maennem im “Círculo”, in der “Federación”, in der “Comunidad”; immer war Emil Rottenstreich zur Stelle wo jüdische Arbeit zu leisten war. An seinem Grabe versammelten sich seine zahlreichen Freunde, die wussten, welchen wertvollen Menschen sie verloren, den nun die Erde deckt, die er mit seinem ganzen Hebevollen Herzen pflegte. “DAS ECHO” kondoliert seiner Witwe, die seine beste Mitarbeiterin im Sozialwerk war. Für die anlaesslich des ploetzlichen Heimganges meines geliebten Mannes, unseres herzensguten Vaters, Schwagers und Onkels EMIL ROTTENSTREICH so überaus zahlreichen Beileidsbezeugungen, die den Heimgegangenen ehrten und mir Trost spendeten sage ich auf diesem Wege allen Organisationei, Freunden und Bekannten herzlichsten Dank. La Paz, Januar 1960. Im Namen der Hinterbliebenen: RUTH ROTTENSTREICH CHEVRE KADISCHE und BIKUR CHAULIM im CIRCULO ISRAEUTA Alle Mitarbeiter unserer Organisationen sind auf das Tiefste erschüttert durch den ploetzlichen Tod von EMIL ROTTENSTREICH ihrem Rosh Chaver und Rosh Hamisaskim. La Paz, Januar 1960. BERL NELKENBAUM UND FAMILIE sprechen Frau Ruth Rottenstreich und Kindern ihr tiefstes Mitgefühl zum Tode ihres Freundes und Chavers EMIL ROTTENSTREICH aus. Werk und Persoenlichkeit werden in unserm Kreise nie vergessen werden. La Paz, Januar 1960.