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Das Echo · 1959-12-18 · 216 (18.12.1959) · p. [Seite 10]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
216 (18.12.1959)
Date
1959-12-18
Page
[Seite 10] (sequence 10)
Language
German
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10 “DAS ECHO“ 18. Dezember 1!959. Als ich Ist nicht Chanukka das schoenste aller Feste? Diese kleinen Lichter, die mar. entzündet, Abend, eine ganze Wochelang, erhellen das Haus und ertreuen das Auge, waehrend sie in den Herzen der Kinder Erinnerungen an vergangene Zeiten wachrufen. “Bitte, bitte, Grossvater, erzaehle mir nochmals die Geschichte von Juda Makkabaeus”. Und der Grossvater, strahlend vor Glück, beginnt: “Zur Zeit des Koenigs Antiochus Epiphanes, der über Syrien herrschte, lebten in Modin, unweit von Jerusalem, der Priester Mathitiau und seine fünf Soehne. Eines Tages wollten die Feinde Israels den ehrenwerten Greis dazu zwingen, vor einer Jupiterstatue niederzuknien. Aber Mathitiau weigerte sich, dies zu tun”. Grossvater erzaehlte mir immer wieder diese Geschichte und ich kleiner Junge, wurde nicht müde, sie mir anzuhoeren. Sie verfolgte mich in meinen Traeumen und in meinem tiefsten Herzen sagte ich oft: “Warum lebte ich nicht zu jener Zeit? Diesen Griechen haette ich gezeigt, was ein echter Hebräer ist”. Der Wunsch, den Griechen zu beweisen, wessen ein Hebräer faehig ist, gab mir eines Tages eine herrliche Ideee ein, von der Art, wie sie nur im Geiste eines zehnjaehrigen Jungen aufkommt, denn ich war erst zehn Jahre alt an dem Tag, als ich, Benjamin, Sohn des David, den Syrern und ihren Goettem den Krieg erklaerte. In der “Stadt”, in welcher ich aufgewachsen war, lebte ein Dutzend jüdische Familien, die mit je 5 bis 10 Kindern gesegnet waren. Zusammen ungefaehr 40 Jungen, faehig. Waffen zu tragen. Waehrend des Chanukkafestes gingen wir nicht zur Schule, was uns als hoechste Glück erschien. War waren nicht nur frei, sondern — herrliches Gefühl — auch reich. In unseren Taschen klapperten all die Münzen, die wir von unseren Eltern, Grosseltern, Onkeln und Tanten erhalten hatten. Welch herrliches Fest! Eines Tages rief ich alle Kinder der Stadt zusammen und sprach folgendermassen zu ihnen; “Heute ist Chanukka, was werden wir tun? Werden wir mit verschraenkten Armen dastehen? Ich schlage vor, dass wir Krieg spielen: Syrer gegen Juden. Was haltet ihr davon?” Dieser Vorschlag rief unter meinen Kameraden helle Begeisterung hervor. Der aelteste unter ihnen war noch nicht 12 Jahre alt, denn die Grossen, die schon Barmizwah waren, beteiligten sich nicht an unseren Spielen. Die groesste Schwierigkeit bestand darin, Syrer zu finden, denn alle wollten mit der jüdischen Armee kaempfen, ein jeder wollte Juda Makkabaeus sein. “Es ist meine Idee, so kommt mir auch die Ehre zu, die Rolle des Helden zu spielen”. “Recht hat ei<”, schrien einige meiner Freunde. Aber Rüben Bender, der Sohn des Klempners, ein grosser rothaariger Junge mit breiten Haenden und festen Beinen, war anderer Meinung. Wir alle fürchteten ihn. “Dieser Kleine da”, sagte er, indem er sich vor Lachen schüttelte, “will Juda Makkabaeus sein? Koennt ihr euch vorstellen, dass er Heiligtümer umvvirft?” Was er sagte, entsprach der Wahrheit: ich war klein, schmalbrüstig. bleich, schwach, aber in diesem Moment haette ich die heldenhaftesten Taten vollbringen koennen, so erfüllt war ich von Begeisterung. “Rüben Bender”, brüllte ich, “ich habe,keine Angst vor dir. Heute bin ich stark und ich werde Juda Makkabaeus sein, oder... der Krieg wird jiicht stattfinden. Kennst du überhaupt Juda Makkabäus war— Eine Chanukka-Geschichte von Joseph Milbauer die Geschichte? So sag uns doch, wie die Brüder des Hasmonaeers hiessen-” Rüben Bender senkte den Kopf, er konnte die Frage nicht beantworten und fügte sich: "Nun gui”, sagte er, “du wirst Juda Makkabaeus sein”. “Und du wirst Antiochus Epiphanes sein, wahrhaftig eine schoene Rolle. Wohl wurde er geschlagen, aber er war ein Koenig, und ein Koenig, selbst wenn er besiegt wird, bleibt ein Koenig.” Wir wurden also hierüber einig, sowie über alle anderen Punkte. Bald waren zwei Armeen, eine jüdische und eine syrische, kampfbereit. Ich muss der Wahrheit halber hinzufügen, dass unser Chanukkageld einen Anteil an diesem Erfolg hatte. Bei der Verteilung der Rollen hatte die Bestechung ihre Hand im Spiel gehabt. Die syrische Armee bestand aus Soeldnern... Nathan Stern, der Bucklige, hatte ein schoenes Stück Geld dafür erhalten, dass er die Rolle des Juden annahm, der vor dem Standbild des Jupiter Opfer brachte: ganze vierzig Groschen. “Und nun”, sagte ich zu den Feinden Israels, “stellt eure Goetzen auf und versucht uns dazu zu zwingen, sie anzubeten”. Standbilder — leichter gesagt als getan. Womit? Aber meine Phantasie arbeitete vorzüglich an diesem Tage. Es war Winter und Schnee bedeckte die Strassen. Heidenbande”, brüllte ich sie an, “ihr wollt Goetter haben und uns zwingen, eure bloeden Goetzen anzubeten, dabei seid ihr unfaehig, sie herzustellen. Der. Stoff fehlt euch Und der Schnee, wozu ist er da?" Die Kerle machten sich ans Werk und eine Stunde spaeter ragte ein grosser Jupiter vor der Mauer eines Hauses aus dem Schnee hervor. Waehrend sie ihr vergaengiiches Idol zusammenbastelten, gab ich den jüdischen Truppen meine Anweisungen: “Soldaten”, sagte ich ihnen, “der Feind befindet sich in unseren Mauern. Nicht nur verbietet er uns, zu unserem Gott und dem Gott unserer Vaeter zu beten, er will uns auch zwingen, seinen Goetzen, die weder Willen noch Wünsche haben und überhaupt keine Intelligenz besitzen, Ehre anzutun. Wir müssen den Feinden Israels verbieten, unser Volk zu unterdrücken. Keiner von euch wird vor der greulichen Statue Jupiters niederknien. Seid bereit, euer Leben für unsere heilige Sache einszusetzen. Seid stark und mutig! Jetzt habt ihr Gelegenheit, euren Mut und eure Treue zu unserem Gott unter Beweis zu stellen. Wenn wir solchen Herausforderungen gegenüber gleichgültig bleiben, wer wird uns dann helfen? Israel ist noch stark, Israel kann siegen, und bald werdet ihr diesen Griechen beweisen, dass es eine hoehere Macht gibt als die Kraft der Muskeln. Es ist dies die Macht, die ihren Sitz im Herzen hat”. Dieser kleine Vortrag erhielt den Beifall, der ihm gebührte. Wir waren alle mit Mut und Begeisterung angefüllt. Wir waren bereit zum Kampf. “Juden”, schrien die Syrer, indem sie auf die fertiggestellte Statue wiesen. “hier ist euer Meister. Kommt und bringt ihm Opfer!”. Opfer? Ja, richtig, die hatten wir vergessen. Es war uns nicht eingefallen, die Hilfsmittel für das Stück, das wir aufführten, vorzubereiten. Schmulik, der Sohn des Schneiders, lief Hals über Kopf in die Werkstatt seines Vaters, um eine Schneiderpuppe zu holen. Bald kam er zurück. In seinen Armen hielt er triumphierend ein elendes Ding, dass menschliche Formen aufwies und das er trotzig vor den Schneemann warf. Letzterer verlor unter der Wirkung dieses Schlages Haltung und Würde. “Elender Schmulik”, rief ich, “wie kannst du, gerade du, so etwas tun?” “Aber, aber...”, stotterte der Sohn des Schneiders, “ich spiele... das ist doch nicht mein Ernst... du selbst, Benjamin, hast mir diese Rolle gegeben'”. “Ich bin nicht Benjamin, ich bin Juda Makkabaeus und du bist ein VerraeteD” Nun war Nathan Stein, der Bucklige, daran, sein Opfer zu bringen. Aber auch er hatte seine Bedenken und blieb ratlos stehen. “Was zoegerst du, Goetzendiener”, donnerte ich ihn an. Wozu haben wif Mizzi?” Mizzi war die Katze des Hausverwalters, ein gutmütiges, altes Tier, das sich nur einmal in der Woche satt ass: am Freitagnachmittag, wenn die jüdischen Hausfrauen ihre Fische reinigten; Der Bucklige ging also, Mizzi holen und legte sie mit grosser Vorsicht, ja mit mitfühlender Sorgfalt vor der Statue des Zeus nieder. Mizzi gab mitleiderregende Jammerlaute von sich. Sie Htt unter der Kaelte und fürchtete den Schnee wie die Pest. Sie wollte entfliehen, wagte es aber nicht. Von dem Geschrei .angezogen, erschien die Frau des Hausverwalters auf der Bi'ldflaeche. Sie war mit einem Besen bewaffnet und kam, um das Tier zu befreien. “Taugenichtse, ihr solltet euch schaemen, dieses arme Geschoepf Gottes derartig zu behandeln. Nun aber weg mit euch”. Mit ihrem Besen stob sie die Truppen auseinander, die in alle Richtungen entflohen. Unter den Flüchtenden, jetzt kann ich es ja gestehen, befand sich auch Juda Makkabaeus in eigener Person. Am folgenden Tag versaemmelte ich meine Freunde aufs neue und sprach zu ihnen: “Freunde, gestern gelang es uns nicht, diese scheussliche Gottheit zu zerstceren und unseren Feinden den ihnen gebührenden Denkzettel zu verabreichen. Aber das ist weiter nicht schlimm — jemand anderer hat diese Aufgabe erfüllt. Aber Jerusalem ist noch nicht befreit. Die Barbaren sind dort noch Meister. Tagtaeglich wird dort Gottes Altar entweiht. Lasst uns Jerusalem befreien, die Gotteslaesterer aus dem Tempel jagen, das Heiligtum reinigen. Aber nicht sofort! Es ist kurz vor Mittag und wir müssen sen gehen. Ein jeder esse sich satt und loesche seinen Durst, und diejenigen, die Güter besitzen, die ihnen ans Herz gewachsen sind, moegen sich von dem Kampf fernhalten, denn die Schlacht wird blutig sein. Vor allem, vergesst nicht, eure Schwerter zu schaerfen!” Gesagt, getan. Am Nachmittag versammelten wir uns im Hof und ich sagte zu den Syrern: “Besetzt eure Stellungen in Jerusalem, meine Freunde und ich werde Kriegsrat halten. Wir werden in aller Ruhe unseren Angriff vorbereiten und vor allem vergesst nicht, dass wir den Sieg davontragen müssen...” “Wir sind bereit, nach Jerusalem zu gehen, aber wo ist Jerusalem?” “Dummkoepfe, dort wo sich der Tempel befindet, dort ist Jerusalem”. “Der Tempel! Der Tempel! Wo ist er denn, der Tempel! Zerstoert ist er, seit mehr als 2000 Jahren’”. “Unwissende, die ihr seid! Dort, wo sich die Synagoge befindet, dort ist der Tempel”. Die Synagoge befand sich in weiter Ferne, am anderen Ende der Stadt, hinter einem Hügel. Die “Syrer” machten sich langsam und widerstrebend auf den Weg. An ihrer Spitze schritt Antiochus Epiphanes, der rothaarige Sohn des Klempners. Wir erreichten etwas spaeter als unsere Feinde den Ort, und der Kampf setzte rund um die Hauptstadt ein, das heisst . rund um die “Schul”. Die Geraeusche unserer zuschlagenden Schwerter, unsere wilden Schreie, unser Kriegsgebrüll, trieben den alten Reb Menascha, den Synagogendiener, aus. seinem Schlaf. Reb Menasche verstand sofort,, worum es ging und er haette uns den Kampf bis zum Ende ausfechten lassen, waere nicht die Sorge um die Fensterscheiben der Synagoge gewesen, deren Schutz ihm anvertraut war. Seine Furcht war begründet, denn die Steine flogen von einer Seite zur anderen. Reb Menasche erhob in verzweifelter Geste die Haende zum Himmel. Er flehte uns an, den Kampf an einem anderen Ort fortzusetzen. Aber vergebens. Der Kampf tobte bis zum Einbruch der Dunkelheit und wir trugen den Sieg davon. Jerusalem war befreit. Stolz zogen wir durch die Strassen der Stadt und aus unseren jungen. Kehlen stroemte ein heldisches Moaus- Zur. Die Leute blieben stehen und sahen uns staunend nach. Niemals werde ich diesen Tag vergessen, nicht den, Stolz meiner Soldaten und nicht die Niedergeschlagenheit der Gefangenen, die es bitter bereuten, sich dazu hergegeben zu haben, eine solch beschaemende Rolle zu spielen. + Meine Geschichte ist noch nicht zu Ende. Sie hat eine Fortsetzung, ein: Ende, ein trauriges Ende, wie allé jüdischen Geschichten. Bevor wir nach Hause gingen, schritt unser Siegeszug am Friedhof vorbei. Die Ruhestaette unserer Toten rief in mir immer ein schreckliches Grauem hervor. Nicht nur wegen der Toten und ihrer Geister, sondern hauptsächlich, weil am Abend rotfellige Hunde, dieüberdies noch ausgehungert waren, zwischen den Graebern herumirrten. Aber in diesem Moment, in der Freude des Sieges, dachte ich nicht an die Hunde und ich zoegerte nicht, trotz der Dunkelheit, am Friedhof vorbeizumarschieren. Die Starken dieser Welf befinden sich im Irrtum, wenn sie glauben , dass sie unverletzbar sind. Diese Erfahrung machte ich noch am gleichen Abend in beschaemender Weise. Das Geraeusch unserer Schritte- und unser Gejohle reizte die ausgehungerten, an die Stille des Friedhofsgewoehnten Hunde. Sie stürzten sicfr auf uns, mit einem Geknurr, das nochheute in meinen Ohren toent. Sie verursachten eine unbeschreibliche Verwirrung in unseren Reihen. Sieger und? Besiegte nahmen schleunigst Reissaus, verfolgt von der wütenden Meute. Um das Unglück voll zu machen, stiess ich, als ich in jaemmerlicherrr: Zustand nach Hause kam, zuerst auf: meinen Vater. Meine Hosen waren zerfetzt, meine Schenkel blutig und ichv schaemte mich aus tiefstem Herzen:. Mein Vater wies auf die auf dem Fenstersims stehende Menora, deren Lichw ter er schon entzündet hatte; “Weisst du denn nicht, du Bengel”, schrie er mich an, “das heuteabend Chanukka ist...?” Worauf ich, Juda Makkabaensy. eine Ohrfeige erhielt! -k * -k -k -k -k ■k -k -k -k -k -k -k -k -k -k -k -k -k -k -k HOTEL NEUMANN Loayza 442-Gasilla 191 Telefon 5445 Das bevorzugte Hotel im Stadt-Zentrum von La Paz! -k- -k -k ■k ■k -k -k -k -k -k -k -k -k ■k -k k. -k -k -k -k -k -k

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