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Das Echo · 1959-11-20 · 214 (20.11.1959) · p. [Seite 3]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
214 (20.11.1959)
Date
1959-11-20
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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20. November 1959. “DAS ECHO“ 3. Hitler und seine Opfer von HERBERT FREEDEN Zweimal in einer Generation wurde die Menschheit von Weltkriegen heimgesucht — und mit welch furchtbaren Kosten! ln beiden Weltkriegen standen 170 Millionen Menschen unter den Waffen (60 Millionen, bzw 110 Millionen), von denen 36 Millionen (9.200.00 bzw. 26.800.000) fielen. In der gleichen Zeit hatte die Zivilbevölkerung über 25 Millionen Tote (eine halbe Million im ersten und fast 25 Millionen im zweiten Weltkrieg). Mit anderen Worten :die Menschenverluste in beiden Kriegen betrugen 64,/2 Millionen! Diese Zahl schliesst nicht die Kriegsbeschaedigten ein, von denen viele in spaeteren Jahren an den Folgen ihrer Wunden und Verletzungen gestorben sind — und es gab in den beiden Kriegen 56 Millionen Kriegsbeschaedigte (21 Millionen, bzw. 35 Millionen). VorT den 24.800.000 Zivilisten, die im zweiten Weltkrieg getoetet wurden, waren 6 Millionen Juden — fast 20 Prozent der totalen Verluste, waelirend das jüdische Volk nur 0,78 Prozent der Weltbevoelkerung ausmachte. Aus diesem Missverhaeltnis wird klar, dass die Juden im Kriege die groessten Opfer brachten. In seinem Buch “Zeitgenoessische Judenheit” (London 1950), vergleicht Israel Cohen dipse Verluste, die ein Drittel des gesamten jüdischen Volkes betrugen, mit den Kriegsverlusten anderer Voelker, von denen Russland mit 11,4 Prozent an der Spitze steht, gefolgt von Jugoslawien (11 Prozent), Deutschland, einschl. Oesterreich und der Sudetendeutschen (9 Prozent) und Polen (8,3 Prozent). Die Amerikaner verloren 0,12 Prozent ihrer Bevoelkerung und die Briten 0,7 Prozent. Nach Jakob Lestschinskys “Krisis, Katastrophe und Ueberleben” New York 1948) sind in Polen 2.900.00 Juden zugrunde gegangen; im besetzten gebiet der Sowjet-Union 1 500.000; in Kumaemen 425.000; in Ungarn 200.000m der Tschchoslowakei 260 000in f™nAr„eich 90 00°; Deutschland 170.000; in Oesterreich 40.000; in Litauen 135.000; in Holland 105.000; in Lettland 85.000; in Belgien 40000in Jfe~awien 55.000; in Griechenland 60.000; in Italien 15.000; in Bulgarien 7.000 und 6.000 in Daenemark, Norwegen Estland, Danzig und Luxemburg. Die Gesamtzahl von 6 093.000 wurde in einer Schaetzung der Gesta- P? 6estaefigt, die der “Liquidations- Lhef Adolf Eichmann im Aufträge von Himmler unternommen hatte und die dem Nürnberger Kriegsverbrecheri ribunal am 14. Dezember 1945 als •em wichtiges Dokument seitens der Anklage vorgelegt wurde. Die Richtigkeit dieser Schaetzung wurde von Dr. Wilhelm Hoettl beschworen, der die “rechte Hand” von Ernst Kaltenbruntier war, einenm der 24 Hauptschuldigen. Aus diesem Dokument geht hervor, dass 4 Millionen Juden in Konzentrations- und Vernichtungslagern timgekommen sind, und zwei Millionen auf andere Weise gemordet wurden in der Mehrzahl durch “Umlegekommandos” im russischen Feldzug. Es gibt keine Statistiken über die jüdischen Opfer unter den Zivilisten in England und anderen Laendern, die von Bomben und anderen Kriegsh’andlu ngen getoetet wurden. Dagegen haben wir mehr Informationen über die jüdischen Verluste in den alliierten Streitkraeften, in denen ungefaehr 1.400.000 Juden gedient haben, viele davon mit Auszeichnung für besondere Tapferkeit. Die Zahl der jüdischen Gjdf.afllenen 4 lin den amerikanischen Streitkraeften betrug 11.000; in den britischen 1.279; in denen der Commonwealth 1.176 (Kanada 776; Südafrika 283; und Australien 117). Ueber 500 palaestinensische Juden verloren ihr Leben in der Jüdischen Brigade tmd in anderen allierten Einheiten. 32.216 Juden fielen im Jahre 1939 in Verteidigung Polens. Die Zahl der jüdischen Verluste in der Roten Armee ist nicht bekannt, aber sie muss sehr hoch sein, denn 500.000 Juden dienten in ihr, darunter 100 Generaele. Unter den 150 Nationalitaeten der Sowjetunion bekamen die Juden den vierten Platz in der Ehrenlisten der “Helden der Roten Armee”. Viele Juden fielen auch in den Freien Franzoesischen Streitkraeften, der franzoesischen Résistance, und den Untergrund- und Partisanen-Bewegungen im Balkan und anderen Laendern. Es ist tragisch, dass das jüdische Volk, Hauptleidenstraeger des zweiten Weltkrieges, noch mehr Blut in Israels Unabhaengigkeitskrieg vergiessen musste und 5.000 seiner besten jungen Menschen opferte — eine Zahl, die sich im Sinai-Feldzug und den unruhigen Grenzen des Landes noch vergroessert htt. In seiner letzten Rede, die Franklin D. Roosevelt, für den 15. April 1945 (Jefferson-Tag) vorbereitet hatte, ohne DIE BIBEL ALS Die Bibel ist noch immer der beste | Reiseführer für den Christen, der geis- | tige Inspiration in Israel sucht; denn hier wird das Alte und Neue Testament vor seinen Augen lebendig und er wird die Staetten finden, die mit frühchristlicher Geschichte, byzantinischer Herrschaft und den Kreuzzügen verbunden sind. In Jerusalem, auf das sich in erster Linie das Interesse der Pilger richtet, sind die meisten Staetten, die mit dem Leben Jesu verbunden sind, ausserhalb des israelischen Gebietes; doch der Ort des letzten Abendmahles (Lukas XXII, 7—38) im "oberen Gemach” Johannes XX, 19—29) kann ohne weiteres auf dem Zionsberg besucht werden. Unter der türkischen Herrschaft und in der Mandatsneriode war der Zutritt beschraenkt. Die in unmittelbarer Naehe befindliche benediktinische Abtei "Mariae Heimgang”, die;m Anfang dieses Jahrhunderts über Marias Gruft gebaut wurde, ist die groesste roemischkatholische Kirche im Lande. Die Gründung dieser Gotteshaeuser geht bis auf die Kreuzzüge und auch auf die bvzantinische Periode zurück (Hagia Zion die erste Kirche im Christentum). Westlich von Jerusalem ist Ein-Karem mit seinen Kloestern und Kirchen die traditionelle Staette der Verkündung (Lukas I). 1 Ein-Karem war den Kreuzfahrern! als “St. Johannes am Berg” bekannt.! Ungefaehr zehn Kilometer ausserhalb I Ein-Karems liegt “die Wildernis des'-i I Heiligen ¡Johannes’-’, (die im (Lukas- ' 1 Evangelium erwaehnt wird. .y Auf der Hauptstrasse von Jerusa—? lern nach Tel Aviv liegt das arabische 4 Dorf Abti-Ghosch. Es wurde zum Tei £f .an der Staette von Kirjat learim ge-Jj baut, von wo Koenig Davit! die Biin-l deslade nach Jerusalem brachte. (Er-p stes Buch Samuel, VI.) In Ahu-GhoschS befindet sich eine Kreuzfahrerkirche ¡3 die als eine Festung der Johannite K errichtet wurde, wahrscheinlich in deiB irrtümlichen Annahme, dass dort dass historische Emmaus war. Auf dem ge-f geniiberliegenden Hügel befindet sich zur Erinnerung an die Staette der Bnn-*, deslade ein auf roemisclv-byzantinii sehen Grundmauern erbautes Kloster« Entlang der Landstrasse nach Te’B Aviv wird der Besucher vielleicht ir* Ramie die Reise unterbrechen wollen,*] das die christliche Tradition mit Josefl von Arimathea verbindet, und in'Lodrj (Lydda), dem Geburtsort und der Be-J graebnisstaette des heiligen Georg des 4 Maertvrers von Kappadocien. In Jaffa*" wird man das Haus Simons des Ger-J das er es erlebte, sie noch zu halten, hiess es: “Zu den Lebzeiten unserer Kinder und Kindeskinder wird es keinen dritten Weltkrieg geben. Wir suchen Frieden — dauernden Frieden. Mehr als ein Ende des Krieges, wollen wir ein Ende des Beginns aller Kriege — ja ein Ende dieser brutalen, unmenschlichen und voellig unpraktischen Methode Differenzen zwischen Regierungen beizulegen. Heute hat die Wissenschaft die verschiedenen Teile der Erde so en zusammengebracht, dass es unmoeglich ist, sie voneinander zu isolieren. Aber wenn die Zivilisation überleben soll, müssen wir die Wissenschaft der menschlichen Beziehungen pflegen — die Faehigkeit der Voelker aller Arten in einer Welt zusammen in Frieden zu leben und zu schaffen”. Es ist eine melancholische Erfahrung, diese Stimme aus dem Grab heute zu zitieren, in einer Welt, die wiederum von Streit und Konflikten auseinandergerissen wird, und gerade jenen Konflikten, die ihre Wurzeln in den Bündnissen des zweiten Weltkrieges haben. REISEFUEHRER bers besuchen und sich an Petrus’ Aufenthalt in dieser Stadt erinnern. (Apostelgeschichte XI und X.) Die moderne Landstrasse entlang der Küste, wo Jona und Esra und die Bücher der Chronik lebendg werden, bring sie den Pilger in einer Stunde nach Caesaraea, der Hauptstadt des roemischen Palaestinas, das in der Apostelgeschichte im Zusammenhang mit den Taten des Petrus und der Gefangenschaft von Paulus erwaehnt wird.! Landeinwaerts wird der Pilger vom Taborberg angezogen werden, der dem Bibelleser durch Richter IV, VI, bekannt ist. Die zwei Kloester auf dem Berg tragen das Zeugnis von der Verklaerung (Lukas 1X1 und das benachbarte Naim ist die Staette des Wunders der Erweckung des Sohnes der Witwe vom Tode. Das christliche Interesse konzentriert sich natürlich auf Nazareth, wo Kirchen aller groesseren christlichen Religionsgemeinschaften sich an allen bedeutsamen heiligen Staetten befinden DV Verkündigungsgrotte (Lukas I. 26—38), in der wichtige Ausgrabungen im Zusammenhang mit dem Bau der grossen neuen Basilika stattfinden,, ist für Andaechtige geoeffnet. Die Staette von Josefs Tischlerei, die Svnagoge, in der Jesus betete, und andere Staetten. die vor allem in Matthaeus I, 18—25. Matthaeus 1!, 19—23 und Lukas IV. 16—30 erwaehnt werden. koennen besichtigt werden. In der Naehe liegt Kana die Staette der Wunder, die in (oahnnes II. 1—11 und Johannes IV, 43—54 beschrieben sind. Ein weiteres für das Christentum bedeutendes Gebiet ist der See Genezareth mit Migdal (Magdala, Lukas VIII 2), Tabgha (die Speisung der Fünftausend, Johannes V, 1—21) und Kfar Nachum (Kapernaum). Die Taten und Predigten Jesu in diesem Gehiet sind erwaehnt in: Matthaeus XVII. 24—26, Lukas VII, 1—10. Markus I. 2!—38, Markus II. 1—22. Markus V, 22—43, Johannes II, 12 und lohannes VI. 22—72. Oberhalb des Sees, der auf hebraeisch Kinnerethsee heisst, ist der Berg der Seligpreisung und der Bergpredigt (Matthaeus V und VII). Die Staetten aus bvzantinischer Zeit sind ausserordentlich zahlreich. Unter den romantischen Kreuzfahrerruinen sind Athlit an der Küste, Montfort (Starkenburg) in Westgalilaea, Beivoir, das einst das Jordan- und das Retschean-Tal beherrschte, und Akko, die letzte Festung der Kreuzfafirer, eines Besuches wert. Sie alle werden unvergessliche Eindrücke hinterlassen. SCHATTENSEITEN Hunger, Hunger... Wenn man grossen Gazetten glauben darf, lebt die Menschheit im Wohlleben. In afien Laendern, in al'ien Strassen, sieht man Luxus, Reichtum, IJeberiülle. Es werden Unsummen an Alcoholicas, Schoenheitsmittetn, Schmuck und an Kleidern ausgegeben. Wer ist glücklich, wEm bietet das Dasein ein Wohlleben? Weniger als ein Drittel der Menschheit lebt in Zufriedenheit, mehr als zwei Drittel .aller Menschen hungern, darben, (eben im Elend. Die schlechte Verteilung von Produktionsgütern, ein verwaesserter Sozialismus, ein unheiliger Egoismus teilen die Welt ungerecht in Arm und Wohlhabend. Nicht nur in Kommunismus und Kapitalismus ze fael.t unslere Erdkugel, sondern in schreienden Gegensaetzen von Besitz und Leere. Glücklicherweise hat die grosse Ost-West-Spannung Etwas nachgelassen und die Auflüstungshysterie dürfte gleichfalls sich beruhigen. Jetzt seilte der Augenblick gekommen sein, dass unsere Staats-Systemi; beweisen, zu welchen humanen Leistungen sie faehig sind. Eine Milliardenmasse von Zeitgenossen hungert, es hungern unübersehbare Massen von Frauen, Kindern, Maenn-ern, die in miserablen hygienischen Verhaeltnissen vegetieren. Das Wort “Humanismus” hoert man sowohl in Moskau als auch ln Washington. Doch das Wort ist leer, die Tat ist wichtig! Die Milliarden an Do’lar und Rubel, die in Kürze durch verminderte Aufruestungen eing- Espart werden dürften, sollten den Menschen, die im Schatten leben, zu Gute kommen. Die UNO mlf. ihren philanthropischen Organisationen, das Wei-se Haus und der Kreml haben hier Aufgaben von hoechstem menschlichen Wert zu erfüllen, Aufgaben, die sowohl ais soziale als auch als Politicum zu werfen sind. In unserer Zeit der gepriesenen Hochzivülsationen und Hochkultur ist es eine entsetz’iehe Schande, dass fast 67 % ¿Er Menschheit an Hunger le'det. Die USA hat gigantische Vorkommen .an Genussmitteln, auch die USSR ist reichlich ausgestatt°t m«'t Lebensmitteln — oeffhet die Tore eurLr Magazine, verteilt Mehl und Fett, Reis, Margarine und andere wichtige Nahrungsmittel! 'In einem edlen Turnier der Menschheitsllebe sollten Amerikaner und Russen zeigen, dass ihre Worte von “Menschlichkeit” und “Sozialismus” keine ileerem Phrasen sind. Butter anstatt Kanonen — das sollte jetzt die Devirij sein! Curt Ludwig. T10T0 Kavlin •V ■

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