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Das Echo · 1959-10-30 · 213 (30.10.1959) · p. [Seite 8]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
213 (30.10.1959)
Date
1959-10-30
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German
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8. ‘DAS ECHO” 30. Oktober 1959. HORMONE — die verschiedensten. Berufe wie Musiklehrer, Postbetriebsarbeiter, Kaufmann, Ingenieur usw. Auch Frauen im Alter von 35 bis 55 Jahren wurden einer analogen Behandlung mit weiblichem Hormon unterzogen. Er wurde “Progynon” in *★★★★****★*★** *************VAtHHt***********+************ auch unter Laerpraeparat auf dieser Hoehe. Die Besserung des AMgemeinzustands, der Stimmung, der Berufsleistung war analog wie bei den Maennern. Bei Personen hoeheren Alters (60 bis 70 Jahre) wurden die Mengen etwa doppelt so gross gehalten. Die Ergebnisse waren wieder sehr deutlich. *- * * * * * * + + * * * * * * * * * * Dr. GERHARD KANN Internist — Electrocardiographie Consultorio: Dr. Lidio Arze, Loayza 460 von 5.00 Uhr bis 7.30 Uhr. Privat: Sánchez Lima 2278, Telefon 11357. Tropfen oder Tabletten gegeben. Die Dosis betrug o, 25 bis o, 35 .Milligramm taegiich. Die Frauen waren teils berufstaetig, teils Hausfrauen. Alle klagten über nervoese Erschoepfungszustaende, Ohnmächten, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit usw. Organische Befunde waren nicht festzustellen. Die Versuchsergebnisse waren aehlich günstig wie bei Maennern. Mit der Verabreichung des Hormons stieg die Leistungkurve steil an, dann hielt sie sich bis zu 18 Monaten — laenger waehrten die Beobachtungen nicht — Eine Anzahl jüngerer Versuchspersonen erhielt gegen-geschlechtliches Hormon. Auch hier waren die Wirkungen günstig. Die Dosen wurden aehnlich gehalten wie bei den Versuchen m i t gleich-geschlechtlichen Hormon. Nach Erreichung der groesstmoeglichen Leistungssteigerung wurde eine Zeitlang das gleich-geschlechtliche Hormon statt des gegen-geschlechtlichen gegeben. Eine Aenderung trat aber nicht ein. Die grosse chemische Aehnüchkeit des maennlichen und des weiblichen Hormons macht j diese Wirkungen verstaendlich, wenn hier wohl auch noch unbekannte Vorgaenge im Hormon-Stoffwechsel mitspielen. Enthaelt doch der Organismus stets beide Hormone, das eigenwie das gegengeschlechtliche: Auf ihr Gleichgewicht scheint viel anzukommen. W'eiter machte Düker noch Versuche mit Kombinationen maennlichen und weiblichen Hormons, die besonders günstige Ergebnisse erzielten. Die Versuchspersonen erhielten ausser Testoviron noch gewichtmaessig ein Fünftel bis ein Zehntel Progynon. Damit konnten besonders grosse Leistungssteigerungen erzielt werden. Mehr Faelle, als man glaubt sprechen nach Dükers Bericht gleichartig auf beide Hormone an. Es muss aber individualisiert werden. Manche Faelle benoetigen ein bestimmtes Hormon oder beide zugleich. Versuche mit Keimdrüsen- Gesamtextrakten hatten ebenfalls günstige Ergebnisse, w'enn auch nicht so ausgepraegt wie bei den reinen Hormonen. Dagegen führten Praeparate, die ein synthetisches, dem natürlichen weiblichen Hormon entfernt aehneilndes Mittel enthalten, weder bei Maennern noch bei Frauen zu einer Leistungssteigerung. Bei Stoerungen der weiblichen Drüsen-Funktionen, bei Hautleiden usw. haben sich diese synthetischen Stoffe gut bewaehrt, die allgemein anregende Wirkung geht von ihnen aber nicht aus. Walter Theimer. JETZT AUCH IN BOLIVIEN: Die berühmten Dragees “NEUNZEHN” Das ideale Mittel zur Regulierung der Verdauung und gegen Verstopfung! Bestbewaehrt gegen Fettleibigkeit! Alleinverkauf: Farmacia EL CONDOR Loayza 210, Telefon 3010, Casilla 13 i Welt in Weiss! Von SCHALOM BEN-CHORIN ] (Jerusalem) So kann man sich irren: ich glaubte, dass es nun mein Los sei, mich von der Welt auf zwei Wochen zurückzuziehen, um mich in einem schoenen, modernen Krankenhaus im Norden des Landes operieren zu lassen. Die Welt, so vermutete ich, hoert hier gewissermassen auf. Fern ihrem Getriebe im stillen Frieden der sattgrünen Rasenflaechen, der weissen Sterilitaet des Operations-Saales wird sich mir eine Insel der Stille und Abgezogenheit erschliessen. Fern dem heimatlichen Jerusalem sah ich so einem halben Monat der .Kontemplation entgegen. Aber es sollte ganz anders kommen. Ich habe in diesen vierzehn Tagen mehr von der Wirklichkeit Israels erfahren, als oft in vielen Monaten eines rastlosen Reporterdaseins, das mit den Regierenden und Führenden in engstem Kontakte steht. Die Wirklichkeit Israels habe ich gerade hier in der stillen Welt in Weiss, im Krankenhause, kennengelernt. Welche Schicksale umgaben mich, die sich die kühnste Phantasie eines Balzac nicht haette ertraeumen lassen! Jede der Schwestern, die hier sorgsam und liebevoll den Kranken betreuen, hat ein Schicksal zu erzaehlen, das eines grossen Romanciers würdig waere. “Von den vier Enden der Welt” sind sie hier zusammengetroffen, diese Maedchen und jungen Frauen, deren Beruf das Helfen ist. Ich war noch ganz benommen von den betaeubenden und schmerzstillenden Mitteln, mit welchen man über die alarmierenden Schmerzstunden hinübergehoben wird in ein milderes Stadium. Da sah ich eine blaue Nummer auf dem Arm der Schwester, die meine Kissen glatt strich. “Sie waren im KZ-Lager, Schwrester?” fragte ich, und sie antwortete mit dem schrecklichsten der Namen: Auschwitz, der ein Synonym für Hoelle geworden ist. Wer die Nummer traegt, des ist wahrlich “ein aus dem Brand gerettetes Scheit”, um mit dem Propheten Secharja zu reden. Und nun vernahm ich von der Schwester J., wie sie zusammen mit ihrer Schwester aus der Slowakei nach Polen deportiert wurde und dort im Vernichtungslager als “Arbeitsfaehige" wieder dem Leben — aber welchem Leben! — zurückgegeben wurde. In Bayern arbeiteten die Maedchen in einer Munitionsfabrik. Armselige Gefangene, mit geschorenen Koepfen und, wie Schwester J. mit gutem Humor sagt ,die “Sackmode vorwegnehmend”, in grobe Saecke gekleidet. Die Bewohner der Stadt hielten diese Elendsgestalten für Insassen eines... Irrenhauses und waren einigermassen erstaunt, als man diese “armen Irren” zur Fabrikarbeit abkommandierte. Dann aber kamen die Amerikaner immer naeher, und es erging der Befehl, mit der ganzen Gruppe von Zwangsarbeiterinnen zum naechsten Vernichtungslager zu fahren, um sie nicht lebend den Befreiern in die Haende zu überliefern. Und nun,wagte ein SS-Offizier, der usprünglich Wehrmachtsoffizier war, aber wegen eines Ulkm als frontdienstunfaehig zur SS -„^kommandiert word-n war, ein gefährliches Spiel. Er war fest entschlossen, seinen “Kameraden”, '’einen boesartigen Nazi, der den Befehl nur i allzu «fern ausführen wollte, zu beseitig Z im Glück wurde dieser bestialische Unmensch bei einem der letzten Fliegerangriffe vor der Kapitulation erschlagen, und nun hatte der Menschenfreund im Schandkleid der SS freie Hand. Tagelang fuhr er kreuz und quer durch Bayern mit der ihm anvertrauten Gruppe von Gefangenen, nur um nicht an den Bestimmungsort der Vernichtung zu gefagen. Mit Traenen in den Augen konnte dieser wackere Mann, der das Schwerste von den Gefangenen abgewendet hatte, die Gruppe den Amerikanern übergeben, die ihn selbst bald — auf die Aussagen aller Gefangenen hin — in Freiheit setzten. Das ist ein Schicksal, ein Schicksal von Millionen .durch die blaue Nummer auf dem schlanken Frauenarn signalisiert. Schwester J. hat eine Namensschwester, die min eben “J. 2 genannt wird. Sie kommt aus der Sowjetunion. Sieht auch so aus :eine typische blonde Russin. Niemand hatte sie in der asiatischen Steppe, wo sie waehrend des Krieges als Militaerschwester Dienst hatte, für eine Jüdin gehalten. Schwester J. 2 hatte naturgemaess wenig jüdisches Wesen an sich, denn frühzeitig verwaist, war sie in einem sowjetischen Internat aufgewachsen, hatte weder Hebraeisch noch Jiddisch gehoert, keine Ahnung vom jüdischen Glauben und jüdischen Braeuchen, und das Land Israel war fern für sie, wie irgendein Maerchenland der Fabeln. Und da geschah ploetzlich etwas, das im Leben dieser Sowjetbürgerin einen radikalen Umschwung verursachte: Ein Sergeant erzaehlte in der Messe Witze und machte dabei ein paar boesartige Bemerkungen über Juden, i die schliesslich in der Erkfaerung gipfelten: “Meinetwegen koennte das ganze Pack aufgehaengt werden”. Die jüdische Krankenschwester schwieg, aber als tags darauf der Sergeant bei ihr ihm Lazarett erschien, um sich verbinden zu lassen, verweigerte sie ihm diese pflichtmaessige Hilfeleistung. Der Sergeant wusste nicht, wie ihm geschah, und drohte mit Anzeige bei dem Vorgesetzten Offizier. Die Schwester stellte ihm dies anheim. Und tatsaechlich wurde sie zum Kommandanten gerufen, der sie scharf fragte, wieso sie einem Soldaten die medizinische Hilfe verweigere. Und nun erklaerte die Schwester, dass sie einem praesumptiven Moerder ihres Volkes keine Hilfe leisten koenne, moege er sich an eine andere Krankenschwester wenden. Der Sergeant erhielt seine Strafe. Die Rote Armee duldete keinen Antisemitismus, aber der (jüdische) Politruk (politische Kommissar) des Regiments versuchte beschwichtigend auf die Schwester einzuwirken. Aeusserlich war alles damit beigelegt, aber innerlich frass die Wunde weiter. Kurz nach dem Kriege konnte die ehemalige Militaerschwester nach Polen gelangen und von dort kam sie mit anderen Olim nach Israel. Schon spricht sie Ivrith, wenn auch noch mit Fehlern; das Judentum aber lernt sie nun aus der Wirklichkeit und aus der jiddischen Literatur kennen, denn die Schwester ist mit einem begeisterten Jiddischisten yerheiratet, ehemals Schauspieler an einem jiddischen Theater, der seiner jungen Frau die Schaetze der jiddischen Volkslieder unbedingt vermitteln will. Auch Schwester M. kam aus der Sowjetunion, stammt aber aus Lettland, wo sie das hebraeische Gymnasium besuchte, bis die Russen kamen und die Unterrichtssprache Jiddisch werden musste. Natürlich ist das Hebraeisch der Schwester M. nicht mit dem unserer “Neo-Jüdin” aus der Sowjetunion zu vergleichen. Schwester M. spricht ein besonders reiches und schoenes Hebraeisch, behauptet aber, Hebraeisch in Israel verlernt zu haben, da man es hier nicht so literarisch gebrauche, wie das in den Tarbuth-Schulen der Fall war. Ja, die Sprache vereinfacht sich hier, versimpelt wie so manches, denn ein ganz neuer Typ macht sich breit und sehr laut bemerkbar, den man “Jisrael Hascheniah”, das zweite oder andere Israel genannt hat .Er ist auch hier in einem Krankensaale überlaut und deutlich vertreten. “Je primitiver ein Patient ist, desto anspruchsvoller”, erklaert mir eine leidgeprüfte Schwester. Die orientalischen Neueinwanderer vertrauen der lautlos wirkenden elektrischen Klingel nicht. Sie schreien aus Leibeskraeften nach der Schwester. Sie leben und leiden nur bei offenen Türen und versammeln sich in den Abendstunden gern zu laut hallenden Palaver. Zwanzig, dreissig Mal am Tage wird die Schwester gerufen. Es ist geradezu ein Sondervergnügen dieser Menschen, diese Engel der Geduld herumzukommandieren. Da gibt es aber auch eine rehaeugige kleine Araberin, die als Schwester arbeitet. Ein Oberengel der Geduld. Nichts kann sie aus der Fassung und der guten Laune bringen. Immer liegt ein Laechein auf ihren vollen Lippen, immer hat sie ein gutes Wort auch für den rabiatesten Patienten. Schwester M. aus einem christlichdrusischen Dorf im Galil ist nicht die einzige arabische Schwester hier. Sie hat eine Kollegin, ebenfalls eine junge christliche Araberin, aber ich konnte ganz zufaellig feststellen, dass sich diese beiden Maedchen untereinander Ivrith unterhielten. Die Atmosphaere des Krankenhauses brachte das mit sich. Das sind so einige ganz wenige Schicksale und Streiflichter aus der “Welt in Weiss”. Ich habe in ihr nicht die Ferne vom Leben, sondern die Naehe zu den verschlungenen Schicksalspfaden erlebt, die alle nach Israel führen: von der Slowakei und von der Sowjetunion, von Lettland und aus dem Irak, Marokko und Tunis. Indem man aus seiner eigenen immer milieubegrenzten Alftagswelt durch das Gebot der Krankheit in die weisse Welt versetzt wird, lernt man bei uns ein Stück der paradoxalen Wirklichkeit kennen, die Israel heisst — und unsere Welt ist. (“Jedioth Chadashoth”).

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