Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 213 (30.10.1959)
- Date
- 1959-10-30
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS ECHO erscheint am 15. und 30. eines jeden Monats. Anzeigenpreis. 1 kom olette Seite Bs. 500.000.—; kleinere Flaechen entsprechend weniger. — Sprechstunde der Redaktion: Mittwoch 6-7 Uhr nachmitags. _ Jahrgang X Nummer 213 — 30- Oktober 1959« Preis: Bs. 500.— Von Gii . Kein Zweifel: unsfere Zeit ist interessant und gross, sowohl im Technilschen als im Politischen. Wenn auch sehr oft im Politischen die Zeit mehr interessant als wirklich gross ist, so sind doch heute klare, unverwischbare Ansaetze zu erkennen, dass die Tage fuer eine grosse, bedeutsame Politik gekommen sind. Das Zwedmaenner—Gipfeltreffen (Dwight D. Eisenhower mit Nikita S. Chruschtschew) hat die Grundlagen der bisherigen Politik erschüttert. Immer (datier kommt es der Menschheit zum Bewusstsein, dass diese Gespraeche tatsaelich um das Sein oder Nichtsein gingen, dass in diesen Gfespraechen um den Frieden gerungen wurde. Eisenhower zeigt seit dem Tode von John Fester Dulles erfreuliches Format, er wuchtet sich iln die Weltpcöitik als lein Mann, der weiss was er will, und beweist sich als eine Persoentichkeit, die einen starken Friedensbau in der Welt errichten moechte. Eisenhower ist General und Feldherr, er weiss daher sehr wohl von der polittischen Nutzlosigkeit eines Weltkrieges , Nummer III. j Aber um das Weisse Haus verdichten sich die Gestalten, die gegen eine | West-Ost-Verstaendigung intrigieren, j die es laut aussprechen, dass es ‘tein j nationales Verbrechen sei, dass Eisenhower mit Chruschtschew verhandelt habe”. Dtese Leute, die aus den Kreisen der Finanz und Industrie, ehrgeiziger Militaers, des Klerus, und der Politik kommen b lachen sich wie Ochsenfrofesche auf, nehmen sich wichtig (allzu wichtig) und es bleibt nur zu hc. rn, diese Aufgeblaehten eines Tages wie Ochsenfroesche platzwn i werden.! Das diese ewig Gestrigen, diese | reaktionaeren Kreise, an entscheiden | den Einfluss gewinnen und die grosse I Friedensarbeit, die sich vorbereitet, gefaehdSch stoeren, ist die grosse Sorge aller Pazifisten und Gutwilligen. 'Es geht heute um folgende grosse Fragen: CHINA: Es ist von hoiechster Wichtigkeit, dass Washington sein sproedes Verhalten gegenüber Peking aufgibt. Die USA mu.:s endlich c n gutes Wort für das groesste und v-clksifeiehste Land der We;t finden und ihren Segen dazu erteilen, dass Peking in die “Vereinten Nationen” als Mitglied aufgenommeo wird. Dies wahre nicht nur ein Akt der natürlichen Gerechtigkeit, sondern auch der politij sehen Vernunft, denn nur dadurch j koennife man dem gewaltigen China- | drachen die Giftzaehnia ausreissen. Es j ist sinnlos, den korrupten und u po~ I pulaeren Chiang Kai-shek weiter om Westen zu nnterstüb en, ln dmiuiatrische und politische" Nuni, nur dauernd Hass schürt, und die Spannung im Femen Osten verewigt. Dieser Herr auf Formosa sagte erst kürzlich in feiner Konferenz mit dem ihm kongenia'en südkoreanischen Staatschef Syngman Rhee: “Im kommenden Jahr werde ich eine erfolgreiche Offensive gegen das Festland führen und ich werde ganz China befreien”. Wenn man auch diesen Groessenwahn ¡nicht ernst zu nehmen braucht, so bleiben diese Worte dennoch eine Provokation gegen den Weltfrieden, gegen welche man staerksten Eir.- sp;jch er Leben muss. Unter Mao Tsetung leben heute mehr als 600 Millionen Chinesen, die sich im neufen Staat ihrer Kraft bewusst wurden und das gewaltige China zu einem modernen Staat formen, der von grossster Bedeutung innerhalb der politischen Lagerungen in der Welt, sein wird. Wenn hier der Wfesten weiterhin politische Blindheit übt, so wird er n'cbt dem kommunistischen China schaden, sondern sich selbst das politische Grab schaufeln. Die zweite grosse Frage, die zur Weitdebatte steht, ist DEUTSCHLAND mit dem “Fal Berj lin”. Die “Oder-Neisse-Linife”, rites! Gebiet Ostpreussen und das Sudetenland müssten die Realpolitiker von Bonn als deutschen Bestandteil abschreiben. Denn Deutschland hat einen Weltbrand provoziert und es hat diesen Krieg verloren; hieraus Konsequfenzen zu ziehen, sollte eine Selbstverstaendlichkeit sein. Die UdSSR ist daran in- (Fortsetzung Seite 2). Wir veroeffentlichen eine Arbeit aus der Feder von Dr. I H. L. Goldschmidt, ist Leiter des ’'Lehrhauses, Zuerich" und Goldschmidt, Zuerich, ueber ein Thema von hoher cfktueller Bezpehlt zu den bedeutendsten Persoenlichkeiten, des juedischen deutung, ohne uns jedoch in allen Teilen des Aufsatzes mit den Kreises in Europa- Aus diesem Grunde sind folgende 10 Thesen Ansichten des Autors zu identifizieren. .. | .von besondererm Wert. Das jüdische Verhältnis zu Deutschland von Hermann Levin Goldschmidt. I Vor jeder Eroerterung des dem Judentum gebotenen oder von ihm geübten Verhaltens zum heutigen Deutschland ist die umwälzende Bedeutung der Geschehnisse von 1933 bis 1945 hervorzuheben. Die über ein Drittel des jüdischen Volkes damals verhaengte willentliche, planmaessige Ermordung, dieser noch immer fast unvorstellbare Opfergang der jüdischen Unschuld bildet ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. Wie oberflaechlich und vergleichsweise harmlos klingt nun (alles, was vor 1933 über die guten und boesen Moeglichkeiten des Menschen geaeussert worden fisty -Hier wurde eine Schwelle gesetzt, der gegenüber alles Frühere zur Vorzeit herabsinkt; erst jetzt steht klar vor Augen, welche bisher unausdenkbaren Kraefte mit der Neuzeit frei gesetzt sind. II Mit derselben Entschiedenheit ist als eine unerschütterliche Gewissheit unserer religioesen Botschaft ebenfalls festzuhalten, dass jedem Menschen, jedem Volk die Umkehr offen steht, was immer sie begangen haben. Es gibt keine Schuld, die nicht bereut werden koennte — keine Reue, der gegenüber wir nicht zur liebevollen Bewillkommnung aufgerufen sind. Wir dürfen die geschehene Untat — die immer noch viel furchtbarer ist, als wir es aussagen koennen — nicht verschleiern, aber wir dürfen umgekehrt auch nicht die Moeglichkeit ausschliessen, dass nach ihrer Verübung und inmitten ihres Abgrunds echte Umkehr vollzogen wird und Liebe — unsere Liebe — verdient. III Eine andere Frage ist es, ob wir, die Opfer des Geschehenen, in der Liebeserweisung allen anderen vorangehen oder zu dieser taetigen Liebe sogar schon bereit sein sollen, bevor Umkehr und Reue das Recht erringen, sie uns .abverlangen zu dürfen IV Dennoch stehen wir vor der Tatsache, dass Angehoerige unseres Volkes über den aufgebrochenen Abgrund hinweg nach Deutschland zurückgekehrt sind, oder dass der Staat Israel mit Deutschland Beziehungen, und recht weitgehende Beziehungen, angeknüpft hat. Gewiss, wirtschaftliche Gründe wirkten und wirken hier mit, aber angesichts der v-orausgegangenen Furchtbarkeiten konnten sie nicht den Ausschlag geben, und hinzu kommt der folgende,' ein in keiner Weise wirtschaftlich begründbarer Vorgang: dass innerhalb und ausserhalb Deutschlands heute fast mehr Juden um die Umkehr der Deutschen ringen, als Deutsche den Juden gegenüber tatsaechlich Reue bezeugen. Was an vielleicht Rühmenswertem hierin liegt, sei spaeter eroertert, erst das hier für uns Unrühmliche ins Auge gefasst V Nochmals wage ich ein Wort aeusserster Entschiedenheit und seine Ergaenzung durch eine ebenso entschiedene zweite Feststellung. Angesichts des Geschehenen wäre ein vollstaendiger Bruch des jüdischen mit dem deutschen Volk geboten gewesen. Unbeschadet unserer Liebespflicht j jedem einzelnen gegenüber, der sie i uns aovenangen darf — und so auch jedem einzelnen Deutschen gegenüber, der durch Umkehr und Reue sich den Weg zu unseren Herzen bahnt (und es gibt diese Deutschen!) —, haetten wir einen volflstaendigen Bruch mit der Gesamtheit der Deutschen vollziehen müssen. Dazu ist es nicht gekommen. Weshalb? Zweite Feststellung: dieser Bruch ist nicht vollzogen worden, weil das nach ihm rufende, umwaelzende, erschütternde Geschehen uns nicht von Grund aus aufgewühlt hat. Weder die Deutschen, die es verübten — noch die übrige Menschheit, die es geschehen liess —, und auch nicht wir Juden, die von ihm unsagbar schwer betroffen wurden, sind von ihm grundlegend erschüttert, von Grund aus aufgewühlt worden. Deshalb haben wir in Deutschland wieder mitzuarbeiten und hier von neuem mitzuleben begonnen, als waere bloss etwas, das ™ Ur,ti otlne Kriege schon oft geschehen ist, einmal mehr zum Ausbruch gekommen. (Fortsetzung Seite 2). LEO BAJüCii INSTITUTE