Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 212 (15.10.1959)
- Date
- 1959-10-15
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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t. “DAS ECHO“ 15. Oktober 1959. Die Geschichte der Anne Frank Es war eine merkwürdige Szene. Silverthalers eingeblaeuter Respekt vor Offizieren kaempfte mit seinem Pflichtgefühl. Er stand unsicher vor Frank, und man haette das Gefühl, dass ein scharfer Befehl ihn zum Strammstehen bringen würde. .Als Frank immer noch nicht antwortete, sagte Silverthaier schliesslich: “Gut. Packen Sie Ihre Sachen zusammen. Sie koennen sich Zeit lassen”. Fast eine Stunde verging. Man erlaubte mir sogar, zum Mittagessen hinunterzugehen, ehe man uns zum Gestapa-Hauptquartier in der Euterpestrasse brachte. Ich war furchtbar aufgeregt, aber mein erstes Verhoer durch Silverthaier war fast komisch. An seinem Akzent hatte ich gemerkt, dass er Oesterreicher war, und ich beantwortete seine erste Frage fast mit Genugtuung. “Wo sind Sie geboren” “Oesterreich”, sagte ich, “Ich war im ersten Weltkrieg in der oesterreichischen Marine”. Silverthaier hatte sich gerade zurückgelehnt und zündete sich eine neue Zigarrete an. Jetzt lehnte er sich ploetzlich vor, drückte seine Zigarette wieder aus und sagte: “Das genügt für heute”. Ich wurde abgeführt. Ich habe mich oft gefragt, was damals in Silverthalers Kopf vorgegangen sein mag. Dass Frank ein deutscher Offizier gewesen war, hatte ihm offensichtlich schon zu denken gegeben. Jetzt würde er in meinen Akten bestaetigt finden, dass ich, obgleich ich hollaendische Eltern hatte, in Oesterreich geboren war und in der oesterreichischen Marine gedient hatte. Kleiman und ich kamen nun ineine Zelle. Als wir aus Silverthalers Büro herausgeführt wurden, sahen wir am anderen Ende des Korridors die Franks und die anderen. Wir winkten uns zu, und das war der Abschied. Otto Frank war der einzige von ihnen, den wir je wiedersahen. In unserer Zelle waren noch drei andere Gefangene. Einige Wochen spaeter holte man einen von ihnen, einen alten Mann, zum Verhoer heraus, und als man ihn wieder hereinbrachte, war er voellig durcheinander und weinte. Wir brauchten Stunden, um ihn *u beruhigen Als er wieder zusammenhaengend sprechen konnte, erfuhren wir, dass er dabei gewesen war, als einige andere, die Juden versteckt haben sollten, gefoldert wurden. Í Die ideale Creme -* * -* jfür die ganze Familie: FORTSETZUNG UND SCHLUSS Mit dieser Ausgabe beenden wir den Artikel von Victor Kugler, hinter dem sich die praechtige Figur von “Kraler” verbirgt, der im “Tagebuch” eine so wichtige Rolle zugewiesen wurde. AHs ich deshalb das naechste Mal mit Kleiman zum Verhoer zu Silverthaier gebracht wurde, befürchtete ich das Schlimmste. Das Verhoer war wieder kurz. Nun kam ich in ein Gefaengnis in einem anderen Stadtteil. Hier hatte ich eine Zelle für mich allein, deren luxurioese Einrichtung mich in Erstaunen versetzte. Auf dem Bett war ein Kissen und sogar saubere, weisse Leintücher. Meine Freude erstarb, als ich anfing, die in die Wand eingeritzten erbarmungswürdigen Botschaften zu lesen. “Morgen werde ich erschossen. Betet für mich”.Offensichdes Irrtums und brachte mich in eine andere Zelle, die überfüllt war. Ich habe mich nie wieder so freudigen Herzens vom Komfort getrennt. Es folgte dann für mich eine Serie von Konzentrations- und Arbeitslagern in Amersfoort, Zwölfe und Wageningen, bis ich aus einer Kolonne von Haeftligen, die über Zevenaar nach Deutschland verbracht wurden, entfloh, als die Ortschaft gerade von britischen Spitfires beschossen wurde. Nach meiner Flucht schlug ich mich nach meiner Heimatstadt Hilversum durch. Hier richtete ich mir, diesmal für mich selbst, wieder ein aehn- D A S ECHO Im Urteil seiner Leser: Aus einem laengerem Schreiben an unserem Herausgeber: “Bei dieser GeJegenheit will ich Ihnen meinen Respekt für Ihre journalistische Arbeit ausdrücken. Ihr B'att hat viele, technische Maengel, die wohl dadurch bedingt sind, weil es in Bolivien gedruckt wird. Trotzdem ist “Das Echo” ein grossartiges Blatt, welches mit Mut und Kopf auch schwierige Probleme behandelt. Ihre Zeitschrift nimmt unter der deutsch-' sprachigen jüdischen Presse bestimmt eine Sonderstellung ein, weil “Das Echo” im besten Sinne urtabhaengig ist; dadurch kann 'cs die jüdische Sache kompromisslos vertreten. Ihr steusser'ich einfaches Blatt gehoert zu den besten und charaktervollsten Zeitschriften die ich kenne. D'iz jüdischen Bewohner Boliviens dürfen mit Recht stolz sein, ein Blatt wie “Das Echo” als das ihre zu betrachten. Ich wünsche Ihnen Kraft für Ihre schwere kulturelle und politische Arbeit und Ausdauer, damit Sie noch lange Zeit Ihr wertvolles Blatt erscheinen lassen koennen”. Herzlichst Ihr Ottawa (Cenada) (gez.:) W. WERNER KOTHE Mai 11/59 dich war ich in einer Zelle für Todeskandidaten. Mein Entsetzen dauerte eine Stunde, bis eiin Waechter, der gesehen hatte, wie ich eingeliefert wurde, ploetzüich vor meiner Zelle stand und fragte: . “Was machen Sie denn da drin? . Ich versicherte ihm, dass ich nur in der Zelle war, weil man mich hineingesteckt hatte. Er fluchte wegen 'tpp CREMA NIVEÀ ° •v V mtir Adie in der ganzen Welti MI V k H bevorzugte Haut-Creme!| Alleinvertrieb für Bolivien:! HANSA LTDA.! £ * * * i La Paz - Cochabamba - Oraro - Potosí * * -tf J Santa Cruz - Sucre - Tanja - Villazón | -k * + •* ******************************************* liches Versteck ein, aber ich brauchte es nicht mehr. Waehrend der Besetzung waren die hollaendischen Nazis dauernd daran erinnert worden, dass der “Byltjesdag”, der “Tag der Äexte” kommen würde, wo wir uns raechen würden. Am 4. September 1944, waehrend der Kaempfe bei Aachen, hatte sich mit Windeseile ein Gerücht verbreitet, dass die Alliierten durchgebrochen waeren. An diesem Tage flohen die meisten hollaendischen Nazis nach Deutschland. Kurz nach meiner Ankunft in Hilversum befreiten die Kanadier Holland. In der Zwischenzeit waren fast alle,, die wir zu verstecken versucht hatten, umgekommen. Frank sah, wie van Daan in Auschwitz in die Gaskammer geführt wurde. Frau van Daan kam in Bergen-ßelsen ums Leben. Frau Frank verlor den Verstand, bevor sie in Auschwitz in einer Baracke starb. Wenn man ihr Essen brachte, versteckte sie es unter den Bettlinnen; vielleicht stellte sie sich vor, dass sie es für ihre Kinder beiseite brachte. Der kleine Peter war in einer Kolonne, die aus Auschwitz abmarschierte. Niemand hat ihn wiedergesehen. Sein Vater, der Zahnarzt Dussel, ging im Lager Neuengamme bei Hamburg zugrunde. Margot und Anne wurden zuerst gleichfalls nach Auschwitz transportiert. Wie ihren anderen Leidensgenossen schnitt man ihnen bei der Ankunft die Haare ab, um sie afs Rohrdichtungen zu benutzen oder Treibriemen daraus zu machen. Eine andere Insassin, die mit dem Leben davonkam, erinnert sich, mit Anne zusammen eine Gruppe Zigeuner beobachtet zu haben, die nackt in die Gaskammer getrieben wurden. Um diese Zeit drangen die Russen schnell auf Auschwitz vor. Die Verbrennungsoefen, die schon unter Hochdruck arbeiteten, konnten ihr Vernichtungspensum nicht mehr bewältigen. Margot und Anne kamen in einem Transport nach Bergen-Belsen. Frank, der in der Hospitalbaracke lag, war noch am Leben, als die Russen, kamen. Er wurde nach Odessa gebracht und dort auf ein franzoesisches Schiff nach Marseille gesetzt. Er kam schliesslich nach Amsterdam zurück — der einzige, der überlebte. Nach dem Kriege erfuhr Frank durch einen Überlebenden von Bergen-Be^sen, was mit seinen Toechtern geschehen war. Margot hatte infolge der entsetzlichen Lebensbedingungen Typhus bekommen und war gestorben. Das war für Anne der endgültige Schlag. “Ich will nicht mehr leben”, hatte sie gesagt. Eine Woche spaeter war sie tot. Die gleiche Krankheit hatte sie dahingerafft. Das war im Maerz 1945, zwei Monate vor der Befreiung von Holland" und Bergen-Belsen. y PUS CANSADOS Y 4 SENSIBLES — Bílutmo* Ptdico Dr. Sckoll re* 4 fresca y calma los pies < fatigados y sensibles. \ Pídalo en todos los Negocios del Ramo y en Farmacias y Droguerías! RADIO TELEFUNKEN ■■ eine Hoechstleistung deutscher Radio - Technik! Bevor Sie ein Radio kaufen — überzeugen Sie sich von der Qualitaet der TELEFUNKEN - Geraete! TELEFUNKEN - das Radio von Weltruf! Vorführung und Verkauf: METAL LTDA. Plaza Venezuela 36 - Casilla 484 - La Paz