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Das Echo · 1959-09-28 · 210/211 (28.9.1959) · p. [Seite 13]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
210/211 (28.9.1959)
Date
1959-09-28
Page
[Seite 13] (sequence 13)
Language
German
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28, September 1959. “DAS ECHO“ EINLAGE - BLATT Die Veröffentlichung der ausserordentlich grossen Anzahl von Neujahrsglückwunsch-Anzeigen, musste leider auf Kosten des radjaktionellcn Materials geschehen. Um unseren Leser aber doch genuegend Lektüre zu bieten, schalteten wir dieses Einlageblatt ein, sodass die vorliegende Ausgabe 26 Seiten enthaelt. Zwischen dem Neujahrsfest, wie es zur Zeit des Zweiten Tempels in Jerusalem begangen wurde, und dem babylonischen Neujahrsfest zur Zeit Nebukadnezars (604—562 vor unserer Zeitr.) gibt es mancherlei Parallelen. Zunaechst dauern beide Feste zehn Tage, in Jerusalem vom 1. bis 10. Tischri und in Babel vom 1. bis 10. Nissan. Beiden ist gemeinsam die Grundbedeutung, dass in diesen Tagen die Schicksalslose für das kommende Jahr bestimmt werden. Das Ritual des jüdischen Neujahrsfestes ist in der Mischnah und im Gebetbuch für den Versoehnungstag, und zwar im Mussaphgebtet, ausführlich beschrieben. Über das babylonische Neujahrsfest geben uns die Ausgrabungen zum Teil Kunde. + Es ist noch Nacht. Vier Stunden vor Tag erhebt sich der Oberpriester des Haupttempels Bsagila, um im Wasser des Eftphrat zu baden. Die Strassen sind menschenleer. Gemessennen Schrittes betritt er das Allerheiligste, die Cella des Marduk und seiner Gattin, zieht den Vorhang vor den Statuen hinweg und richtet an Marduk ein Gebet. Inzwischen geht die Sonne auf. Die Strassen füllen sich mit Glaeubigen. Die Tore des Tempels werden geoeffnet. Priester und Volk füllen die weiten Hallen: Das Ritual wie an jedem Tag beginnt. Am Abend des vierten T ages aber betritt der Oberpriester nochmals das Allerheiligste des Marduk und rezitiert vor ihm das Weltschoepfungsepos: Marduk wird von den Goettern beauftragt, mit Thiamat, der Goettin der Unterwelt, zu kaempfen. Er toetet sie und schafft aus ihrem Leibe die Welt und was auf ihr ist. Durch diese Rezitation wird das Neujahrsfest als Geburtstag der Welt bezeichnet. Am 5. Nissan betritt ein Beschwoerungpriester den Tempel, um ihn kultisch zu reinigen. Saemtliche Zelllen mit Ausnahme der Marduks und seiner Gattin, die der'Beschwoerungspriester nicht betreten darf, werden mit Euphrat- und Tigriswassr besprengt, die Türen mit Zedernoej bestrichen. Raeucherwerk angezündet und eine grosse Kesselpauke geschlagen. Ein Koch bringt nun einen Schafbock, sch- Iaegt ihm den Kopf ab und bestreicht mit dem Rumpfe des Bockes die Zellen, indem beide — der Beschwoerungspriester und der Koch — Besch- Das babylonische Neujahrsfest woerungsiormeln hersagen. Der Oberpriester uart oei dieser Zeremonie ment ¿ugegen sein, ua er sich dadurch verunreinigen wurde. Nun begeoen sich die beiden mit dem ivopi und dem Kuinpr des Bchatbockes an das Uter des riusses, blicken nach Westen und werfen Kopr und Rumpf in den Fluss. Ausdann begeben sie sich in die Wüste und dürfen Babel bis zur Beendigung der Feierlichkeiten nicht mehr betreten. Nachdem der Oberpriester noch ein besonderes Opfer aus Fleisch, Brot, Honig und Wein dem Marduk dargebraent hat, tritt zum ersten Maie uer Koenig atu. Geleitet von Priestern, betritt er den Tempel und wird vor die Zelle des Marduk geführt. Beine Begleiter verlassen ihn. Er wartet. Da tritt aus der. Zelle der Oberpriester heraus, nimmt dem Koenig Krone, Zepter, Ring und gezaehnte Bichel, die Insignien seiner Koenigswürde, und legt sie vor Marduk auf einen Bitz nieder. Alsdann schlaegt er den Koenig auf die Backe, jzupft ihn am Ohr, laesst ihn niederknien und ein Bussgebet sprechen. Hierauf holt der Oberpriester die Koenigsinsignien aus der Zelle des Marduk heraus und bekleidet mit ihnen den Koenig. — + Wollte man diese Symbolik so deuten, dass auch der Koenig vor dem Gotte nichts anderes ist als ein gewoehnlicher Sünder, der seine Würde nur seiner Gnade verdankt, so würde man jüdisches Gedankengut in das heidnische Ritual hineintragen. Es scheint, dass hier der Mythos vom sterbenden und wieder auferstehenden Gott dargesteillt werden soll. Die Goetter sterben mit Beginn des Winters, dem Absterben in der Natur und bleiben in der Unterwelt bis zum Beginn des Frühlings. Am 8. Nissan fand nun der wichtigste ,'Akt des babylonischen Neujahrsfestes statt: die Schicksalsbestimmung. Marduk, der Koenig der Goetter des Himmels und der Erde, laesst sich im Schicksalsgemache nieder, waehrend die Goetter des Himmels und der Erde m tnriurcht ihm huldigen, niederKnien und dann vor ihm stenen, er selbst aber darinnen die Geschicke ierner T age, uas Oeschick des Lebens besEmmt. Neoo, der Traeger der Bchicksalstateln uer Goetter, schreibt auf seiner T afeil die guten und die boesen Lose für das neue Jahr. Unmittelbar an die Schicksalsbestimmung schiiesst sich die grosse ücetterprozession an. Die im Schicksalsgemache versammelten Goetterstatuen werden auf bereitstehende Wagen gebracht, und zwar genau nach ihrer Rangordnung. Hierbei wird Raeucherwerk verbrannt, Musik spielt auf, das Volk jauchzt. Der Koenig gibt aas Zeichen zum Aufbruch. Strauchelt er hierbei oder beim Wiedereinzug, so gilt das als boeses Omen für ihn. Strauchelt ein Pferd vor dem Goetterwagen, so wird das Land seine Vernunft verlieren; zerbricht etwas am Sofjif} des Marduk, so werden die Goetter das Land Umstürzen des lstartores waren mit buntglasierten Ziegeln bedeckt, die reliefartig schreitende Loewen, Greifen und Stiere dasteillten. Die Laenge der einzelnen Tiere betrug bis zu zwei Metern. Die Prozession verlaesst nun den Tempel durch das heilige, im Norden gelegene Tor und kommt dann aut die eigentliche Prozessionssxrasse. Diese Führte zwischen dem T einpei und dem Tempelturm hindurch zunaechst nach Osten und bog dann nach Norden am Kanal Arachtu entlang ab, durchschritt das lstartor und stiess dann auf den Madukkanal, der das alte Bett des Euphrat mit dem Arachtunanal verband. Hier wurden die Goetterbilder zu Schiff gebrach und fuhren den Kanal nach Westen und den Euphrat stromaufwaerts, bis sie in die Naehe des sogenannten Neujahrsfesthauses kamen, auch Gebethaus genannt. Hier wurden die Goetterbilder von den Schiffen heruntergebracht und auf einer ebenfallsvon Nebukadnezar gepflasterten Strasse in das nicht weit vom Ufer gelegene Festhaus gebracht. Die Strasse war von beiden Seiten von Zedern umsaeumt. Hier bleiben die Goetterbilder drei Tage, bis zum 11. Nissan. Waehrend dieser Tage wurden zu Ehren der Goetter Hymnen gesungen und Opfer dargebracht. Am 11. Nissan wurden die Goetterbilder ACHTUNG - BEILAGE! Dem “Echo” liegt in seiner Bolivien-Ausgabe ein Prospekt der AMERICAN LIFE bei, .auf welchen wir unsere Leser aufmerksam machen! ►★★★★★★★★★★★★★★★★★★★★•fr********************************* Zum besseren Verstaendnis ist es noetig, sich ein wenig mit der Oertlichkeit bekannt zu machen: Im Zentrum der Stadt Babel erhob sich der grosse Koenigspalaist am Ufer des Euphrat. An seiner Ostseite erhob sich das kolossale lstartor, das aus vier gewaltigen Türmen bestand. Von hier aus zog sich nach Süden die gepflasterte Prozessionsstrasse entlang, vorbei an dem Tempelturn (Turm zu Babel) zum Haupttempel Esagila. Die Türme wieder auf die Schiffe gebracht — das Schiff des Marduk war mit besonderer Pracht ausgestattet. An seinen Seiten waren Loewen- und Drachenbilder angebracht, die mit Goldbronze überzogen und Edelsteinen geschmückt waren. Wir wissen nicht, ob die Prozession denselben. Weg zurückgezogen istt, wahrscheinlich nicht, aus einer aberglaeubigen Scheu heraus, dass (Fortsetzung naechste Seite!) LA GERENCIA EN BOLIVIA AIR DE LA GRAN LINEA FRANC Ai (La Paz, Av. Camacho Edil. Krsul - Teléfono 11744) Desea un feliz Ano Nuevo a1 todos sus amigos y clientes israelitas!

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