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Das Echo · 1959-08-30 · 209 (30.8.1959) · p. [Seite 6]

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Journal
Das Echo
Volume
10 (1959-1960)
Issue
209 (30.8.1959)
Date
1959-08-30
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German
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— DAS ECHO” 30. August 1959 Die Bibel als Schundliteratur Das italienische Rabbinat entschloss sich zu einem aufsehenerregenden Schritt :Es protestierte gegen eine als Photoroman aufgemachte biblische Heftserie, die seit kurzem an allen Zeitungskiosken Italiens aushaengt. “Es ist auf keinen Fall zuzulassen”, resümierten die jüdischen Schriftgelehrten, “dass ein erhabenes .Monumento des Glaubens wie die Bibel in entstellter, verfaelschend romanhafter Form ferlgeboten wird". Die Bilderbibel, gegen die sich der Zorn der Rabbis richtet, ist in der Art der populaeren “Fumetti” (woertlich etwa: “Rauchwoelkchen” — weil beschrifteter Rauch aus dem Munde der Sprecher emporsteigt) aufgezogen, die nach dem Prinzip der amerikanischen “Comic strips” eine Romanhandlung in einer Bilderfolge darstellen. Im Gegensatz zu den amerikanischen Vorbildern bestehen die spaerlich betexteten italienischen “Fumetti” aber nicht aus Zeichnungen, sondern aus gestellten Szenenphotos. Die bevorzugten Themen sind Raeuberpistolen und Liebesschnulzen. Im gekonnten Fumetti-Strl, als erhauliche Moritat, wird gegenwaertig die Schoepfungsgeschichte “verschnulzt”. Geplant sind mehr als 70 Hefte mit insgesamt 22 000 Photos auf 5000 Seiten. Mitwirkende: 900 sogenannte "erstklassige” und 400 “zweitrangige” Schauspieler sowie Tausende von Komparsen. Zwei Hefte — zum Kaufpreis von je 150 Lire — sind bereits er- | schienen. Das erste — “Da Adamo a Noe” — beginnt mit dem Sündenfall Adams und Evas und endet mit der seitenlang photographierten Trunkenheit eines wattebaertigen Noah, der aus altroemischer Amphora literweise des süssen Weins geniesst. Das erste Menschenpaar treibt bis zum Sündenfall froehliche Spiele in exotischem Gebüsch. Mit Rücksicht auf die katholische Moralauffassung in Italien zeigt sich Adam jedoch sogleich nach der Erschaffung in einem badehosenartigen Kostüm aus Laubwerk. Eva traegt ein vom Hals bis zu den Schenkeln reichendes Blaetterkleid. Trotz so dezenter Ausstattung der Paradiesbewohner gab Indro Montanelli, einer der bissigsten Sozialkritiker Italiens, den Rabbinern recht, die gemeint hatten, Adam und Eva in der Fumetti-Version wirkten bereits vor dem Sündenfall alles andere als Keusch. “Wenn Adam so aussah”, witzelte Montanelli, “dann weiss man nicht, was die Schlange noch zu tun hatte, um ihn aufzuklaeren. Was bei diesem Paar unerklaerlich wirkt, ist nicht die Vertreibung aus dem Paradies, sondern die Tatsache, dass das Paradies der Unschuld jemals bestanden hat”. Alontaneäli glaubt den tieferen Grund dafür gefunden zu haben, dass ausgerechnet im katholischen Italien eine derart umstrittene Darstellung der Heiligen Schrift zustande kommen konnte. Die Photoserie erfaelsche, meint Montanelli, die Bibel weit mehr als etwa die biblischen Kolossal-Schinken des — im Januar verstorbenen — Filmproduzenten Cecil de Mille. Waehrend die Amerikaner mit der Bibel aufwachsen, kennen die Italiener das Buch der Bücher fast überhaupt nicht, sondern überlassen die fromme Lektüre den Pfarrern: Die Italiener “haben niemals ihr Gewissen darin gereinigt und koennen deshalb ihre Poesie und Sauberkeit nicht begreifen". Dass die Italiener die Bibel nicht kennen, ist auch die Ansicht des Fuj metti-Unternehmers Enrico Richelmi, i der zur Popularisierung der Biber ein Veriagsuntemehmen “Tiberis” — bei “Tiberis Film” in Mailand — gegründet hat. “Die Leute glauben, die Bii bei sei ein Buch mit so einem Bart und voller Heiliger, die nur beten”, doziert Richelmi. “Dabei gibt es Kriege darin, Abenteuer, Wunder, Duelle, Liebesgeschichten. Die Liebesgeschichten sind geradezu phantastisch!" Gegen solche Vulgarisierung der Heiligen Schrift forderte der Rat der italienischen Rabbiner die Regierung in feierlichem Protest zum Einschreiten auf: “Wir wenden uns an sämtliche Behoerden, damit sie künftig ein derartiges Sakrileg verhindern, das nicht nur Gott, sondern auch die Menschen beleidigt, und zwar nicht nur die Glaeubigen, sondern auch jene, die die Bibel als Kunstwerk bewundern”. Der Rektor der israelischen Schule in Mailand. Professor David Schaumann, aeusserte sich kampfkraeftig: “Bereits beim ersten Augenschein sah man ,dass es sich um eine geschmacklose Verschandelung handelte. Ich weiss nicht, was die wirklichen Absichten der Urheber sind. Moeglich, dass es einfach eine üble Spekulation war. Ich weiss nur eins, dass diese Fumetti-Bi bei nicht in unsere Schule kommen wird”. Bevor die jüdischen Schriftgelehrten in Rom protestierten .hatten sich verschiedene katholische Stellen dem Unternehmen Richelmis gegenüber aufgeschlossen gezeigt, Eine katholische Zeitung war mit einer lobpreisenden Rezension herausgerückt, und der Chefredakteur des prominenten Kirchenblattes “Italia”, Monsignore Pisoni, hatte die Fumetti-Bibel als geeignet erklaert, “den üblichen Freunden des Photioromans einen verlockenden Anreiz in positivem Sinne zu bieten”. Inzwischen revidierte der Monsignore seiin fUrteflj: v‘Die Abbildungen sind von einer arglistigen Vulgaritaet”. Die Mailaender Zeitschrift “LEuropeo” untersuchte jetzt, wieso kirchliche Behoerden ihre Zustimmung zu j einem derartigen Machwerk geben I konnten; sie behauptet, dass sich führ-! ende Persoenfichkeiten katholischer j Vereinigungen dafür eingesetzt haet! ten. Die Bibel-Schnulzen waren aus ungeklaerten Gründen vom erzbischoeflichen Ordinariat in Mailand ausi drücklich gebilligt worden. Die ersten Hefte der populaeren Reihe enthielten das “Imprimatur” des Auxrliarbischofs und Generalvikars Monsignore Schiavini, Diese Druckerlaubnis oeffnete dem Fumetti-Verfag saemtliche Pfarreien Italiens und garantierte eine Millionenzahl von Lesern, denen die Pfarrer die Lektüre der Fumetti-Bibel empfahlen. Dass die ehrwürdige Judengemeinde von Rom, die aelter als die katholische Kirche ist, als erste gegen die Verballhornung des Alten Testaments Stellung nahm, konnte dem Vatikan durchaus nicht angenehm sein. Mit einem Kommentar von ungewoehnlicher Kürze — nur 26 Druckzeilen — rückte der “Osservatore Romano” vom “Imprimatur” des Erzbistums Mailand ab: “Die Proteste (der Rabbiner) sind sehr heftig. Und wenn wir die Wahrheit sagen sollen, so haben auch wir ein Gefühl tiefen Unbehagens empfunden, als wir die ersten Hefte dieser Reihe duchblaetterten, die das Buch der Bücher der Menschheit in eine platte und skuritle Bildsprache übersetzt, wie sie leider in unserer Zeit üblich geworden ist”. Fumetti-Verleger Richelmi indessen I bleibt optimistisch: “Die Rabbiner koennen so viel protestieren als sie wollen, unsere Bibel wird ihren Weg um die Welt machen”. Er beruft sich auf Zuschnitten interessierter Verleger, u. .a aus Spanien, Frankreich. England, Amerika. Deutschland und sogar Israel, die seine Photobibel übersetzen lassen wollen. Gedanken - haben, dass sie auf Kritik in den Generalversammlungen verzichten koennen. Frueher war es ja anders. — Da platzten die Gemueter aufeinander und ich werde nie vergessen, dass in einer dieser Versammlungen einer der interessiertesten Mitglieder sich derartig aufregte, dass er das Pult durch kraeftiges Faustschlagen zertruemmerte. Von 19 Kandidaten, die sich 1942 zur Wahl stellten, sind heute noch in La Paz 4 Herren, von dennen dem gegenwaertigen Vorstand nur noch 1 Herr angehoert, waehrend alle uebrigen saemtlich weiter gewandert oder einige verstorben sind. Ein kurzer Ueberblick ueber die Bilanzen der vielen lahre gibt ein ueberraschendes Bild. Nach diesen hat sich das Arbeitsbereich der Gemeinde nicht geaendert. Allerdings erscheinen im Jahre 1940 noch keine Ausgaben fuer die Schule. Diese erscheinen mit einem geringen Betrag erst im Jahre 1941. Sonst (sind die verschiedenen Posten dieselben geblieben und wenn ich die Einnahmen und Ausgaben des Jahres 1941/42 mit dem Jahr 1958 vergleiche, so ergibt sich das eigenartige Bild, dass der damalige Etat der Gemeinde Bolivianos 227.000.— war, was ungefaehr $ 5.000.— entsprach, waehrend der letzte Etat 65 Millionen Bolivianos ist, was demselben Betrag entspricht, also eine wesentliche Veraenderung oder Vergroesserung der Arbeitsgebiete nicht stattgefunden hat. Um gleich Einwuerfen zu begegnen, bemerke ich, dass im Jahre 1941/ 42 die Schule nur mit einem minimalen Betrag erscheint waehrend sie im Jahre 1958 gaenzlich aus dem Etat der Comunidad Israelita ausscheidet. Es waere zu wuenschen, dass durch die Feiern zum 20-jaehrigen Jubjflaeum unserer IGemeinde viele Mitglieder angeregt wuerden, sich wiederum so intensiv fuer die Gemeinde zu interessieren, wie sie es in vergangenen Zeiten taten. Willi Silber. L A P A Z Froehlicher A Itersheim-Nachmittag In unserer Ausgabe vom 18. Juli (Echo Nr. 206) machten wir den Vorschlag, dass ps doch eine schoene Aufgabe fuer unsere organisierten Damen waere, sich zusammen zu tun, um unsere alten Herrschaften im Altersheim zu unterhalten und zu erheitern. Wir freuen uns, dass diese Echo- Anregung so schnell in Praxis umgewandelt wurde und danken der “Liga de Damas” fuer ihre lobenswerte Entschlusskraft. — Am Montag, den 24ds. fand im pacener Altersheim ein recht unterhaltender Nachmittag statt, der 40 Menschen an einen nett gedeckten Kaffeestisch vereinigte Maestro Deutsch machte lustige Musik, die Damen Cappel, Prager und Silber, die I Herren Rothstein und Dr. Allerhand,; brachten kleine Vortraege, Rezitatio-; nen, Kabarettistisches und “Schmon- 1 zes”, die alte Herzen in jugendlicher I Wallung brachten. Die Stimmung war I so nett, dass man sich sogar zu einem Taenzchen aufschwang, was bewies, dass Alter nicht vor Tanzlust schützt. Die “Liga de Damas” haben gemeinsam mit der “Sopro” ausgezeichnete Arbeit geleistet, die hoffentlich j unsere anderen Damen- Organisationen i zum edlen Wettstreit verführen werden, j Leider liegt aus Cochabamba noch | kein aehnlicher Bericht vor und wollen j wir hoffen, dass sich auch dort Meni sehen finden, die die Echo-Anregung I zur guten Tat machen werden. Zwanzig Jahre Comunidad Israelita de Cochabamba Kurz vor Fertigstellung vorliegender Ausgabe, lerhielten wir vom Vorstand der “Comunidad” in Cochabamba einen Beacht aus Anlass ihres 20jaherigem Bestehens. Da es uns an Raum fehlt, muessen wir diesen Bericht in stark kondensierter Ferm bringen, was die Echo-Redaktion bedauert, da sie weiss, dass tatsaechlich efib Weine Gemeinde Cochabamba ausgezeichnete, oft vorbildliche Arbeit leisten konnte. m- In alter Kürze das Wesentliche: Im August 1939 gegründet unter der Praesidentenschaft von Fernando Rothstein. Als Rabbiner wurde Dr. Fritz Winter bestellt, als Vorbieter und Beamte wirkten die Herren Reuter, Schenkolewski und spaeter Badler. Sehr schnell gründete die junge “Comunidad” Zweiginstitutionen, wie eine RleKgJionsschule, den Sportklub “Macabí”, den Krankenverein “Bikur Chaulim” und eine “Chevra Kadis'cha” In diesem Zeitraum wurde ein Betraum gemietet, der mit fünf mitgebrachten Seforim ausgestattet wurde. Sechs Jahre nach der Gründung. (1946) wurde mit dem Bau einer repratesentativen Synagoge begonnen, die 1947 fatiggstetit wurde und zu den schoensten in Lateinamerika gehoert. Weitere Verdienste der Comunidad Cochabamba liegen in der Errichtung einer leistungsfaehigen Hilfst- und Darlehenskasse sowie in der Betreuung von Alten durch ein “Altersheim”, welches im Jahre 1955 in ein eigenes Gebaeude verlegt werden konnte. Für die naechste Zukunft ist der Bau eines grosszügigen Beth Am geplant, wofür bereits in bester Gegend von Cochabamba ausreichend Terrain erworben wurde. Die Gemeinde Cochabamba zaehlt unter den Kleingemein den Lateinamerikas zu den fortschritt'ischsten und wir wünschen, dass dieser progressive Weg weiter verfolgt werden moege. T A R I J A SALLY STERN - 70 JAHRE In diesem Tagen feierte Herr Sally Stern seinen 70. Geburtstag, der ihm aufs Neue bewies, die grosse Sympathie, die er in allen Kreisen in Tarija geniesst. Herr Stern hat fuer die kleine aber Bildet in La Paz und Cochabamba “Golden Age Clubs”, damit unsere alten Leutchen mehr Licht und Freude empfinden! In diesem Zusammenhang sei auch dankbar der jahrelangen wertvollen Sozialarbeit des Sopro-Praesidenten aktive juedische Gemeinde in Tarija sehr viel geleistet, er war Mitgruender der “Comunidad” und der Spiritus rector des allgemeinen juedischen Lebens dieser Stadt. DAS ECHO wuenscht diesem bewussten Juden und ehrenhaften Menschen noch recht viele glueckliche- Jahre im Kreise seiner Familie und Gemeinschaft. EDUARDO LACHS gedacht, der leider in Kuerze uns verlassen wird. Fernando Rothstein gedachte an diesem Nachmittag des Wirkens und des bevorstehenden Abschiedes von Lachs. Wir behalten uns vor, noch auf die Verdienste von Eduardo Lachs zurueckzukommen.

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