Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 208 (15.8.1959)
- Date
- 1959-08-15
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REVISTA DEMOCRATICA CULTURAL EN IDIOMA ALEMAN_ Pie ««abhaeoglge Hafixnoñatesdyft BoBviens in cfwitscher Sprache fuer PoBtik, Kultur und Wirtschaft Director und Chefredakteur: Dr. Ludwig K. Stargardt Verlas: Editorial “El Progreso’*, Empresa de Propaganda y Publicidad, La Paz - Obrajes ' La Paz, calle Yungas 534 und Cochabamba, Calle Baptista 429. - Postanschriften: Revista ti Ea? .- r*»iifa 2217 La Paz, oder Casóla 748 Cochabamba. — Druck: Editorial “KoMasuyo”, Loayza 304. DAS ECHO erscheint am 15. und 30. eines jeden Monats. Anzeigenpreis: 1 komplette Seite Bs. 500.000.—; kleinere Flaechen entsprechend weniger. — Sprechstunde der Redaktion: Mittwoch 6-7 Uhr nachmitags. Jahrgang X —. Nummer 208 — 15» August 1959 Preis: Bs. 500.- DAS RESTAURANT des Fanschmeckers: W gntf de España Avda. Camacho 1484 Telefon 2526 Erstklassiger Mittags- und Abendtisch, Menü Bs. 7.000.— 300 Speisen a la carte! < Anrichtung von Festlichkeiten, auch ausser Haus! IHR Lokal: Restaurant und Confitería CASA DE ESPAÑA! ► ► ► ► ► ► ► ► y y y y y y y y y y y y y y y y y y í Alter Herr-was nun? i Nicht nur als deutschsprachige, sondern als demokratische Zeitschrift, fühlen wir uns verpflichtet, immer wieder auf alarmierende Vorgaenge in Deutschland hinzuweisen, da u.E. Deutschland der Zentralpunkt aSer beunruhigenden politischen Erscheinungen ist. Aber durch diese aufmerksame Beobachtung von Vorgaengen ln Deutschland, wollen wir auch diesem Lande dienen and zu dessten demokratischer Entwicklung beitragen. 'Aus Briefen von Echo-freunden ln Deutschland, aus Zeitungs- und Buch- Lektüre, aus Begegnungen von Menschen, cfie aus Deutschland kommen, ergibt sich immer wieder, dass cfie demokratische Entwicklung in Bonn- Deutsch'and noch sehr, sfehr viel zu wünschen übrig taesst, und dass in immer staerkerem Masse reakttanaere Knjefte an Macht und politischem Einfluss gewinnen. Soeben erhielten wir folgendes Schreien: “Deutschland ist ein herrliches Reiseland, iss ist wunderschoen, aber fremd und unfreundlich für cfie, die dieses Land vor zwanzig Jahren verlassen haben. Ateusserficb ist man zu den Fremden sehr nett, man ist zu den Juden recht freundlich, aber denfloth empfindet man cfie Tünche, eines versteckten Antisemitismus. Vor allen Dingen aber, hat sich der Nationalismus in Ofermany wieder toif entwickle, Man glaubt es nicht, dass dieses Volk erst vor 14 Jahren elend am Boden lag. Deutschänd ist heute wieder Mrogant und spielt wieder cfie Rofie des., Herrenvolks”. Die Deutschen 'voVen nicht mehr dn die Naziverbrechten erinnert werden, vielmehr and ste drauf und dran, einen.sehr uöMn Nationalismus zu entfesseln” - Sowdt diese« Schreiben, welches wir deshalb veroeffentiichen, weil es tv- P«*fur cfie zahlreichen Schreiben ist, welche wir aus Deutschland erhaLten. n " Die grosse und akute Gefahr in der demokratischen Entwicklung Westdeutschlands, ist der um sich greifende Nationalismus, von dem Keiner weis», wo er enden wird. Dieser deutsche Nationalismus erzeugt Revanchegelüste und Mättarismus, er führt zum Rassenwahn und Antisemitismus, ter ist der unverfälschte Ausdruck des gefürchteten binar teutonicus, der in uetferheblichkeit meint, dies “die W«4t nur am deutschen Wesen genesen Die Folgen dieser Entwicklung sind das turbujante Anschweflen von mifitaEdschen Organisationen, eines , immer fester wendenden Auftretens cKer Naziverbaende, cfie weitgebende Rehabilitierung von SS- Einheiten, die sehr bedeutende Steigerung nazistischen und nationalistischen Schrifttums, und das Anwachsen der Naziparteien; so erhielt die nazistisch orientierte “Deutsche Reichspartei” bei den letzten Landes-Wahlen in Rheinland - Pfalz 209.448 Stimmen. Aber nicht die Naziparteien sind das Gefaehriiche, sondern cfie Nazis, cfie die sogen. Demokratische Parteien unterwandern und zernagen. Wie jammervKü es mit der Demokratie in W-Deutschland steht, sollen folgende Angaben beweisen: Die Befehlshaibier des deutschen Bundesiheeres sind zum groessten Teil die Offiziere und Generale, die unter Hitler angriffen und “siegten”. Das deutsche Justizwtesen ist nach wie vor stark mit waschechten Nazis durchsetzt; für ehern. Funktionaere der Nazi-Justiz werden enorme Pensionen bezahlt (so erhafött z.B. Staatssekretaer Rothenberger vom NSDAP-Justizmänisterium «feit 1950 (!) monatlich 2070 DM Pension). Die deutsche Studentenschaft begibt ach immer mehr auf natienailistischen Boden und ist feine schnell wachsende Entwicklungszelle deutschen “Herrentums”; in diesen Kreisen werden gtefaehr-jehe patriotische Phrasen gedroschen, und der Revanchegedanke genaehrt Besonders voll aber ist dte nicht nur geduldete sondern geforderte Entwicklung ruationalistischer Organisation ^Westdeutschland gibt es wieder 1222 Soidatenbünde und 45 SS-Verbetende, die nach altdeutscher Art marschieren und Hurra schreien. Diese Liste koennte man noch weiter fortstetzen, ab“* wir wollen es bei diesen Beiepfcln ge‘ < < ■( i i. ir i i r <' i ■■ i' i * i * i i ti 4 X nügen —, , .. Die Entwicklung añh-tíemokratischer Organisationen und Institutionen in Deutschland wird anís Staerkste gefoerdert durch den patriotischen Vorwand der anti-komiminteßschen Betaetigung. Die Nazis brauchen existenznotwendig den Kommunismus (and wenn er nicht schon existieren würde, müsste er erfunden werden). III Am 15. September gibt der Protestant Theodor Heuss sein seit 10 Jahren hervorragend geführtes Bunldespraesidiaiamt auf, er wird ersetzt durch den Katholiken Heinrich Lübke. Diese Besetzung bedeutet einen Sieg des politischen Katholizismus, der durch die Verbindung Adenauer-Lübke einen neuen Auftrieb terhaelt. Da der Protestantismus (52 %) an Kopfzahl dem Katholizismus (44 %) überlegen ist, ist diese Konzentration katholischpolitischer Führung ein Desavteu politischer Reichte der Majoritaet des deutschen Volkes. Der Kurs Adenauer- Lübke verspricht noch reaktionaerklerikaler zu werden, als wite bisher der CDU-Kur« war, und dürfte bei dem Grossteil des deutschen Volkes diese “christllch-dtemokratische” Politik wenig Freude verursachen. Aber nicht nur der konfessioneflautoritaere Kurs der Adenauer-Regie- SCHNELLVERBINDUNG NACH ISRAEL DURCH m «^IWfcbirrogadur durch dtectenfverireHtig ft OTWen. “TEXTILCO", La Paz, Yarnwoc*» 532 - Tettfono«: 2Ü&8 und 8924 -0*08 "www<mwwm m m m www 601. ’~W'WW VTV» INSTITUTE v‘lRK ¡ ä? 1 ' ) run^ ist unerfreulich, sondern auch die äussenpolitische Entwicklung, <fie Bonn in Noete versetzte und die sehr 'eicht zur Isolation führen kann. Bundeskanzler Azlfemauer ist am Ende seiner ei gen wütigen und unklugen “Politik der starken Hand”. Sein Gegner, der kiügeifc und elastischere Kruschtschew, konnte wieder einmal den Alten Herrn von Bonn tun sehr viele NssenSatengen schlagen. Die Einladung Eisenhowers an Kruschtschew nach Washington zu kommen, ist nicht nur Erfüllung eines langgehegte» Wunches des sowjetischen Regierungschefs, sondern ist auch eine schwere politische Niederlage für Adenauer, der stets eifersüchtig darüber wachte, das« es nicht zu besseren Beziehungen zwischen Mosten und Washington kommt. Adenauer musste mit Recht fürchten, dass dter redegewaltige und sehr intelligente Kruschtschew, Eisenhower und die US|-Regierung davon überzeugen koennte, dass die USA von der USSR nichts zu fürchten habe, dass diese beiden grossen Nationen zusammen arbeiten koermen und dadurch den Frieden und das Weltglück sichern würdten. Die einzige Bedingung von Moskau an Washington waere wahrscheinlich, dem Kreml in seiner Deutschlandpolitik freie Hand zu lassen. Denn Russland wünscht mit der ganzen Weit Frieden und Versoehung, nur Deutschland gegenüber hat es sehr viele Vorbehalte, da es den “deutschen Militaristen und Revanchisten” nicht traut. Wenn der ((Mitte September stattfindende) Kruschtschew-Besuch sicher noch nicht den “Kalten Krieg” wird aufheben ketennen und eine warme, herz 5"che Freundschaft zwischen Kreml und White House zuinaechst nicht zustande kommt, so dürfte dieses Treffen dennoch von weitgehendster Bedeutung - und nicht zuletzt für Deutsdand - sein. Kruschtschew hat in den USA einte gewaltige Aufgabe zu erfüllen; wenn er es versteht, als wirklicher Staatsmann aufzutreten, sich frei von propagandistischen Maetzchen macht, er vor der U N - V oll Versammlung und vor dem US-Kpngress wirksame Reden halten kann, wenn Einsenhower sein Versprechen wahrmacht, ihn bi Kürze in Moskau zu besuchen - so ist der Weitfriede für lange Zeit gesichert. Allein auf der Strecke bleiben dürfte Bonn, wtlches nun weltpolitisch ton.- lernen müsste. Adenauer, der Maan mit der “Eisernen Pofitik*' ist wth| ein ^Eiserner Kanzler”, ais den ihn seine Freunde gern bezeichnen, er Ist aber dennoch kein Kanzler vom Format ek*m Bismarck, dar bei aller Ztejstrebigfeeit und aflen nationalen Ambitionen genau wusste, was die Zeit von tetoem Po- (Forteeezung Seite 2)