Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 10 (1959-1960)
- Issue
- 205 (15.6.1959)
- Date
- 1959-06-15
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Echo - Korrespondenten melden.. Man müsste ein Buch schreiben und nicht nur einen Artikel soviel ist in letzter Zeit hier passiert. Allein über die Gedenktage für unsere Gefallenen und über die Gedenkfeiern am Vortage des Unabhaengigkeitstages am Har Herzl und in den vielen anderen Orten in Israel würde ein Artikel nicht reichen. Und über unsere Militaerparade bringt jede israelische Zeitung mehr als einen seitenlangen Bericht. Öarum kann man nur stichwortartig einiges von dem vielen Erlebten wiedergeben. Man war sich in Israel strittig, was eigentlich das Geburtstagsgeschenk in diesem Jahr sein wird. Man wusste, dass die Regierung den Jischuw Übernischen will, noch dazu, da es ein Wahljahr ist und jede Regierung ja ihr Erreichtes manifestieren will. Die Atom-Versuchsstation in Nebi Rubin bekam vor einigen Tagen ihren ersten Atomreaktor welcher Ende dieses Jahres in Betrieb genommen wird. Waehrend sonst die Opposition nie mit der Regierung über die Erfolge der Regierung einig ist, war es aber in dieser Frage erfreulich, dass auch die Opposition die Wichtigkeit dieser Tatsache nicht mit Kritik verkleinern wollte, sondern im Gegenteil, Dr. Bernstein hat im Ha- Boker die Regierung zu ihrem Erfolg beglückwünscht. Die Militaerparade mit neuen “Super Mystere” und anderen neuen Flugwaffen und Panzer gaben der halben Mililion Zuschauer in den Tel-Aviver Aussenstrasen den Beweis der Erneuerung des israelischen Waffenbestandes mit den letzten Neuheiten. Es war eine Modenschau, wo die Zuschauer nicht nachher kaufen mussten, da sie dies schon vorher mit den Steuergeldern bezahlten. Haben die Bürger Israels dies bezahlt, so haben die Juden der Welt die Einwanderung der Juden finanziert. Und sehr viele dieser strammen Soldaten und Soldatinnen der Israel-Armee, die hier vorbeimarschierten, sind erst seit kurzer Zeit im Lande, aber sie sind schon andere Menschen und andere Juden geworden! Der ehemalige franzoesische Ministerpraesident Guy Molliet, der mit seiner Frau auf der Tribüne sass, sagte nachher, solange zwischen dem Militaer und dem jüdischen Volk ein so herzliches einmütiges Verhältnis besteht, wird Israel fest, sicher dastehen und unbesiegbar sein. Und dies j ist wirklich das grosse Erlebnis für jeden Juden, der neue jüdische Mensch. Ich war bei der Parade unter den USA und lateinamerikanischen Touristen placiert und es war sehr interessant ihre Kommentare zu hoeren. Eine Nacht vorher hat man in Tel- Aviv und anderen Staedten Israels getanzt. In Tel-Aviv waren zweihunderttausend Menschen auf den Strassen Ein Tourist sagte, er ging stundenlang in den Strassen Tel-Avivs herum und suchte einen Betrunkenen. Als er keinen unter der lustigen tanzenden Menge gefunden hatte, suchte er sie in den Restaurants, aber mit demselben Misserfolg, worauf er annahm, dass man vielleicht an diesem Abend keinen Alkohol verkauft. Als er dieserhalb im Restaurant fragte und man ihm sagte, dass man Alkohol unbeschaenkt ausgeschenkt bekommen kann, war er angenehm erstaunt. So konnte man überall begeisterte Reden der Touristen hoeren, sodass mir die Schiichim — die Israel Propagandisten — leid tun, sie koennen ihren Beruf wechseln, denn die Touristen werden bessere Propaganda machen. Es gibt aber keine ungetrübten Freuden. Israelis sind über den starken Turistenstrom sehr glücklich und zwar nicht nur wegen der Deviseneinnahme, sondern sie sehen es als Vertrauensbeweis der Welt ,an, dass man nach Israel kommt. Man freut sich mit den vielen tausenden Juden (unter den fünfzehntausend Zuschauern, die Sitzplaetze bei der Parade hatten, waren mehr '/als Zwei-Drittel auslaendische Touristen) und man war auch sehr angenehm beeindruckt von den vielen Nichtjuden, die bei der Parade anwesend waren. Wenn diplomatische Vertrete von mehr als drei dutzend Laendern anwesend waren, so wimmelte es ausserdem von Militaeruniformen der Militaerattaches aus aller Welt. Und es war ein gutes Zeichen, wie man sich mit den Nichtjuden freute, die auf denEhrentribünen sassen, zusammen mit dem Staatspraesidenten Fortsetzung Seite 4) Es sind vier Monate vergangen, seit der Stabilisierungsplan der argentinischen Regierung anzulaufen begann. Wirtschaftsminister Dr. Del Carril gab einen Rechenschaftsbericht darüber. Zur gleichen Zeit analysierte die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika (CE- PAL) in einem Bericht die interne Wirtschaftslage in Argentinien. Dieser Bericht wurde in Buenos Aires zur Kenntnis gegeben, als die Vertreter von 21 amerikanischen Staaten in dieser Stadt zu einer Beratung über einen gemeinsamen lateinamerikanischen Markt zusammentraten. Zeitlich zusammen mit diesen drei Ereignissen fiel der Rechenschaftsbericht des Presidenten anlaesslich der ordentlichen Sitzungsperiode beider Kammern. Sowohl der Wirtschaftsminister wie auch der Praesident strichen in ihren Berichten die in den vier Monaten erzielten Erfolge heraus, wobei allerdings der Praesident nicht verschwieg, was nicht erreicht wurde: der Friede im Gewerkschaftsleben und die Stabilisierung zwischen Loehnen und Preisen, die die Grundlage zu einer Wirtschaftsstabilisierung bilden. Der Anlayse der CEPAL weist auf das grundlegende Hindernis der wirtschaftlichen Fortentwicklung und auf die Wirtschaftsstagnation hin, deren Ursache sie a) in der relativ ungenügenden Importkapa/itaet und der daraus folgenden aeusseren Verletzbarkeit, b) in der Inflation der Preise sieht. Waehrend der ersten neun Monate des Jahres 1958 war das mengenmaessige Exportvolumen niedriger als in dem gleichen Zeitraum des Jahres 1957, wenn auch Menge und Wert der Ausfuhr im Jahresdurchschnitt etwas hoeher lagen. Der Nettobetrag der Dienste war um vier Millionen niedriger .als im Jahre 1957. Auf der anderen Seite behielt die argentinische Kapitalbewegung ihre negative Position. Argentinien musste sich 1958 mit eienem hoeheren Volumen von Amortisationen von Auslandsschulden und Verpflichtungen auseinendersetzen. Die Analyse unterstreicht die ausserordentliche Starrheit der Exporte, die sich seit Jahren auf einen Wert von etwa | einer Milliarde Dollar zu halten scheint. Die Importe waren um acht Prozent niedriger und zwar zum Schaden der Versorgung mit einigen Maschi nen„ gewissen Metallen und verschiedenen Rohstoffen. Hieraus ergeben sich die Gründe der anhaltenden Wirtschaftsverchlechterung im Lande. Obgleich die Importe gedrosselt sind, und die devisensparende Petroleumausbeutung begonnen hat, nimmt die Pesoentwertung ihren Fortgang. Die negative Kapitalbewegung hemmt eine günstigere Entwicklung des Devisenmarktes. Nur eine Exportsteigerung von groesserem Ausmass koennte regulierend wirken. Stattdessen verschlechtert das Exportdefizit die Aussichten auf eine bessere Devisenlage. Die dadurch bedingte Importeinschraenkung verteuert die erfodetlichen Rohstoffe, verknappt sie und macht eine die Preise senkende Produktionserhoehung unmoeglich. Die andauerenden Streiks legen jeden Plan zur Entwicklung der argentinischen Wirtschaft lahm. Im Monat Maerz gab es zehn Streiks auf nationaler Grundlage, 26 oertliche und weitere 41 in Einzelunternehmen. Von offizieller Seite schaetzt man den Verlust von fünfeinhalb Millionen Arbeitsstunden mit einem Lohnausfall von 71 Millionnen Pesos und nahezu 376 Millionen Schaden für das Land? Der Streik der Bankangestellten i deuerte mehr als sechs Wochen und brachte der Wirtschaft indirekt zusaetziiche ungeheuere Verluste, weil Geschaefte wegen der Unsicherheit von Zahlungen nicht abgeschlossen und Dokumente nicht eingeloest werden konnten. Die gewaltigen Schaeden, die die Ueberschwemmung im Gebiete des Uruguay-Flusses mit sich bringen, sind noch nicht zu übersehen. Man muss damit rechnen, dass das Wasser erst in Monaten abgeflossen sein wird, zumal immer neue Unwetter die Wassermassen erhoehen. Der Ausfall der Landesprodukte und der Holzwirti Schaft aus dem Ueberschwemmungs-! gebiet waehrend dieser Zeit und der i Wiederaufbau der überschwemmten 1 Gebiete werden das Land vor schwere Aufgaben stellen. Die Regierung versucht unnachgiebig ihren Stabilisierungsplan durchzuführen. Neben den oben erwaehnten wirtschaftlichen Widerwaertigkeiten stoesst die Regierung auf das Unverstaendnis und sogar auf gegensaetzli- Fortsetzung Seite 4) OESTERREICH Eine Mitteilung der deutschen Unterhaendler bei den vor kurzem wieder einmal staatgefundenen Vermoegensverhandlungen mit Oesterreich, hat in oesterreichischen als auch in deutschen Zeitungen viel Staub aufgewirbelt. Die westdeutsche Regie rung denke nicht daran, auch nur einen Groschen für die Ansprüche auf Wiedergutmachung an oesterreichische geschaedigte Staatsbürger zu leisten, denn Oesterreich haette sich im Staatsvertrag vom Mai 1955 verpflichtet, selbst dafür aufzukommen. Im Bundesgesetz vom 25. Juni 1958 wird zwar beschlossen, dass Personen, die durch Massnahmen politischer Verfolgung Verluste erlitten haben, Entschädigung zu gewaehren ist, aber, bis heute ist nichts dergleichen geschehen. Es wurden Formulare ausgegeben, die so kompliziert abgefasst sind, dass nur mit Hilfe von Rechtsanwaelten eine richtige Darstellung eines jeden einzelnen Falles durchgeführt werden kann. Dafür hat man aber sogenannten Spaetheimkehrem und Nazis bisher mehr als 3 Milliarden Wiedergutmachung gegeben. Die “Aktion gegen den Antisemitismus” hat sich in einem Schreiben an die vier im Parlament vertretenen Parteien gewandt und ersucht, die Forderung nach strengerer Bestrafung antisemitischer Aeusserungen und Handlungen zu unterstützen. Die eigentliche Ursache ist die Aushebung einer bewaffneten Untergrundbewegung durch die Staatspolizei. Diese Bewegung hatte sich zum Ziele gesetzt, den Sturz der Demokratie in Oesterreich herbeizuführen, und darüber hinaus offen antisemitische und nazionalsozial'istische Parolen veroeffentllchi Es wurden Verhaftungen vorgenommen und viele Waffen beschlagnahmt. Die Erhebungen dauern noch an. Die eigentlichen. Hintermaenner, deren Sitz wahrscheilich im Ausland ist, konnten bisher nicht eruiert werden. — Diese Affaire hat im In- und Ausland groesstes Aufsehen erregt.. Feststeht, dass zumindest ein Fememord verübt wurde, der Geheimbund plante eine Serie von poditischen Attentaten mit gestohlenen Waffen aus den Bestaenden des Bundes heeres, man wollte italienische Grenz organe erschiessen um dadurch eine Gewaltloesung für Südtirol herbeizuführen. Diese Terroristengruppe hat bisher eingestanden, dass sie ein Attentat auf die italienische Botschaft in Wien und Brückensprengungen geplant hat.. Mehr ,als 300.000 Menschen aus allen Laendern Europas und Uebersee versammelten sich in Wien, um hier ein “Sudentendeutsches Treffen” zu veranstalten. Es geschah dies mit Billigung der oesterreichischen Regierung. Die Reaktion der oesteuropaeischen Staaten war eine überaus scharfe. Aber auch amerikanische Stellen protestierten dagegen. Konrad Windisch. “Bundesführer der “Arbeitsgemeinschaft nationaler Jugendverbaende Oesterreichs” wurde wegen Veroeffentlichung eines Artikels mit dem Titel “Ist das Neofaschismus” von Wiener Geschworenen zu sechs Monaten Kerker verurteilt. Die Verhandlung wurde durch randalierende Jugendliche gestoert, die Armbinden mit nazistischen Symbolen trugen und den Staatsanwalt beschimpften. Kürzlich wurde am Hauptportal des Palais Auersperg dem Hauptquartier Plakette der oesterr. Widerstandkaempfer enthüllt Auf dem Gelaende der Gmundner Portland-Zementfabrik fand ein Ball statt, an der etwa 200 Betriebsnangehoerige teilnahmen. Die Kapelle spjeKje das Horst-JWessel-Lied, zu deren Klaengen getanzt wurde. Aus Protest verliessen einige Anwesende diese Veranstaltung. Es ist bekannt, dass unter den Angestellten und auch im Betriebsrat, viele fanatische Nazis und SS.- Maenner sich befinden. Pikant ist nur, dass der Gründer dieser weltbekannten Fabrik der Jude Hatschek war... Der steirische Landtag hat beschlossen, allen ehemaligen Nazjis xiie wiedereingestellt wurden, die Vordienstzeit vojl anzurechnen. Ausserdem sollen alle “Haertefaelle” im Gnadenweg ertledig werden. Der Bürgermeister einer steirischen Gemeinde sagte bei einem Empfang von Journalisten u.a.: Wir sind stolz auf unsere Vergangenheit. Ich war selbst Nazionatsozialist. Leider ging die Sache schief aus. Demonstrativ verabschiedete sich ein Teil der Journalisten vom Herrn Bürgermeister mit dem “Hitler-Gruss. Das Grosse Goldene Ehrenzeichen der Republik erhielt unser jetzt 70 Jahre “jung” gewordener Hermann Leopoldi, vielen Oesterreihern aeOterer Generation ein unvergessener Name. Fred Kubi£ (Wien)