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Das Echo · 1959-04-15 · 201 (15.4.1959) · p. [Seite 7]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
201 (15.4.1959)
Date
1959-04-15
Page
[Seite 7] (sequence 7)
Language
German
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15. April 1959. DAS ECHO 7. ¡chl I III 10 III m ih,l * naif itos! OpiÚ Nachdem ich in der Rubrik Leser- Briefe” den 48. Brief gegen die Vorführung deutschsprachiger Filme gelesen hatte und mich mit dem Schreiber •über den seichten Geschmack und die -Charakterlosigkeit unseres Publikums empoert hatte, beschloss ich ins Kino zu gehen. Am besten einen franzoesischen Film”, sagte ich mir, “oder eine englische Komoedie, eventuell eine amerikanische Revue mit Giris, aber auf keinen Fall eines dieser plumpen Melodramen in Hitlers Sprache”. Zehn Minuten lang schritt ich tapfer meinem Ziel entgegen, dann blieb ich zornig stehen: ein blondes papiernes Geschoepf verschwendete sein bloedes Laecheln an mir; darunter stand in riesenhaften Lettern: “Der verliebte Walzer”, “Bodenloser Bloedsinn!”, schrie ich in meinem besten Deutsch, damit es alle diese Kinobesessenen, die vor der Kasse Schlange standen, auch beherzigen moegen. Ohne mich auch nur im geringsten um die Reaktion dieser armen Menschen zu kümmern, ging ich weiter, bis mich ein grosses Plakat an einer Litfassaeuie vor Erregung zittern liess: ein Mann in Tiroler Kostuem und eine junge Dame in Dirndlkleid grössten in unverschaemter Weise alle Passanten: “Lasst uns heute glücklich sein” — (zweiter Teil), lautete das Plakat, und auf hebraesch: * A Chassene in Stettel”. Das war nun des Guten zuviel. Sofort fasste ich den Entschluss, über diesen Skandal einen geharnischten Brief an die Redaktion meiner Zeitung zu schreiben und begann .auf der Stelle, mich über alle Einzelheiten zu erkundigen: Wahres Geschichtchen aus Israel Psy - Koo - Loogie... Von SEEV TRON1K Hauptdarsteller: Lieselotte Wienerin u, j Karl-Heinz Oesterreicher; Regie: Albert Oesterreich; Verleih: oesterreichischer Filmkonzern; Musikalische Untermalung Wiener Philharmoniker: Produzent: Joseph Waltzer; Ort der Handlung: Burgtheater; Aussenaufnahmen: Mozarteum; Couplets: Jaakob Heuriger. “Lügen schrie ich, lauter Lügen!” und um es klar beweisen zu koennen, ging ich raschen und empoerten Schrittes in Richtung des Kinos wo ich nach halbstündigem Schlangenstehen gücklich war, einen Eckplatz in der ' zweiten Reihe zu ergattern. Als ich den Saal betrat, was sah ich da? Zunaechst einen Nachbarn, — einen j Yemeniten, der sich angelegt mit dem ' naechst ihm sitzenden Kurden untere hielt. Als der Yemenite mich erblickte, verstummte er ploetzlich und sah mich . forschenden Blickes an: Tislach li,! Adoni.” begann er”. “Du verstehst j doch sicher Jiddisch, vielleicht kannst Du uns, waehrend der Vorstellung, von Zeit zu Zeit erklaeren worum es geht?” “Taasov oto” nahm nun der Kurde mit einer veraechtlichen Geste das Wort “das ist doch ein Yecke!”. ich war sprachlos. Was ging hier vor? Hatte ich mich in der Adresse geirrt? Nun sah ich mir das Publikum ■ twas naeher an und stellte mit Grauen fest, dass hier alle orientalischen Staemme Israels versammelt waren. Kein einziges bekanntes Gesicht! Mir wurde schwarz vor den Augen. “Warum eingentlich”, fragte ich meinen Yemeniten”, habt ihr beide, Du und Dein Freund gerade diesen Film ausgewaehlt?” “Ani rotze liämod Jiddisch”, antwortete er ohne zu zoegern, “ohne Jiddisch koennen wir nicht auskommen. Hier, und er deutet auf die Reihe hinter uns, “sitzt meine ganze Familie. Wir gehen uns jede Woche einmal einen jiddischen Film ansehen. Das kommt wohl teuer zu stehen, aber für die Erziehung meiner Kinder ist mir nichts zuviel. Lind sehen Sie, Adoni, wir haben schon etwas gelernt Lie-be” Wal-zer Hopp-la... Kar-toff-le... Gfilllte-fiss... Psy-koo-loogie..., Gemüt-lich... Leuse fliehen meine Lieder...” Er wollte noch mehr von seinen Kenntnissen auspacken, aber seine Frau beugte sich zu uns herüber und unterbrach ihn: “Yerachmiel, Liebling, geh’ mir die Broetchen, die Kinder, sind ausgehungert...” Der-Yemenite war ganz stolz und der Kurde lachte zufrieden, als wollte er sagen: “Wir werden Euch Aschkenasen schon mit euren eigenen Waffen schlagen” dann zitierte auch er: Soda-w,ass-er... schlag - den-Überst.. gemüt-li-cher - Beisam-men-sein... Hack - Dir-aus-die Zeehn... Zwan-zich..., dreisich... Fort-sitzung-ver-folgt...” Nun wurde es dunkel, und die Vorstellung begann. Kaum waren die ersten Worte gefallen, als es im ganzen Saal zu flüstern begann. Dann wurden die Stimmen immer lauter, bis sich ein wahrer Sprechchor bildete. Eine Kakophonie von Baessen, Tenoeren Fistelstimmen, - durchwebt mit dem froehlichen Gezwitscher frischer Kinderstimmen, verwandelte den Kinosaal in einen Jahrmarkt. Nun wurde mir alles klar: Diese Zuschauer wiederholten die Worte, die auf der Leinwand gesprochen wurden, um auf angenehme Weise die jiddische Sprache zu erlernen! Kein einziger Aschkenase hatte es bisher gewagt, diese oesterreichischen Filme zu besuchen, und keine massgebende Persoenlichkeit war zugegen, um an Ort und Stelle festzustellen, dass sich diese Vorstellungn in einen Ulpan für “Jiddisch" verwandelt hatten! Ich blieb bis zum Ende der der Vorstellung. Lachend ging ich mit diesen braven, wissensdurstigen, durch eine gewissenlose Propaganda irregeführten Menschen dem Ausgang zu. Als einziger Jecke wurde ich von allen angestaunt, und ein junger Marokkaner klopfte mir ermutigend auf die Schulter: “Se lo kal bischwil Jecke awal.. wus nicht isst, duss kenn noch werden”... Sagte es u. summte den Anfang des Schlagers des eben gesehenen Films vor sich hin: “Blonder.. Lieb-ling... Kir chen-mund...” AUS GEMEINSCHAFT Minister Sapir und Botschafter Arazi in Bolivien Es ist immer gut und besonders informativ prominente Israelis im zionistischen Kreis der Galuth gelegentlich begruessen zu koennen, da im direkten Gespraech und Kontakt, wichtige Dinge geklaert und auch einige Missverstaendnisse beseitigt werden koennen. So war der Besuch des israelischen Industrie- und Handels-Minister Pinjas Sapir in La Paz von besonderem Interesse, auch besonders daher, da der uns besuchende Israeli zu den markantesten Koepfen im Kabinett Ben Gurion gehoert. Wie alle israelischen Persoenlichkeiten von Format, so besticht .auch Minister Sapir durch seine Einfachheit, seinen Arbeitseifer und im klaren Ausdruck seines Wallens. Am 3. April traf hier Pinjas Sapir in Begleitung von Botschafter Tuvia i Arazi, von Lima kommend, ein und wurde im Flughafen, trotz schlechtem Wetter, von vielen Israelfreunden begruesst. Am naechsten Tage .absolvierte der Minister Hoeflichkeitsbesuche bei bolivianischen Persoenlichkeiten, u.a. bei Aussenminister Victor Andrade und seinem engeren Kollegen, Wirtschaftsminister Tamayo Ramos, mit dem der israelische Minister eingehend konferierte. Am Sonnabend abend, fand im “Circulo” ein gut besuchtes Bankett statt, auf welchem der hohe Gast interessant ueber das geistige Leben und dem wirtschaftlichen Kampf in der Diaspora und im Judenstaat referierte. Minister Sapir beleuchtete ohne Schminke die grossen Wirschaftsprobleme, die Schwierigkeiten und die Notwendigkeit der erweiterten Einwanderung, den Zwang fuer Israel zur wirtschaftlichen Unabhaengigkeit. Aus den Worten der israelische Prominenz klang die Forderung, den Staat Israel zu helfen, durch Verteidigung seiner Grenzen, durch geistige Durchblutung und Propagierung der israelischen Idee und endlich durch geldliche Unter- ISRAELISCHE KUNST **** ln Israel leben eine grosse Anzahl von Malern und Bildhauern, die ihrer Mitwelt etwas zu sagen haben. Daher ging man mit einigen Erwartungen in die Austeilung “Kunst in Israel”, die aber dem Besucher kein reales Bild vom Schaffen israelischer Künstler vermittelte. Obwohl der Katalog 51 Nummern aufwies, handelte es sich hierbei kaum um Werke die weder typisch für die israelische Kunst, noch hervorragend in Komposition und Darstellung waren. Allerdings kann der Kritiker kaum aus den gebotenen Kunstwerken letzte Schlüsse ziehen, da es sich bei den Objekten fast immer - und nicht immer gelungenen - Reproduktionen bezw. Drucke handelte. Leider kann aber auch die beste Kopie nicht das Original ersetzen, da Pinselführung, Farbmischung und malerische Sensiblitaet, doch nur im Original genau zu beurteilen sind; nur das Original sprüht das Fluidium, welches auf dem Besucher die spontane Wirkung ausübt. Die Ausstellung zeigte ein Wirrnis •vieler Stile, Werke im Impressionismus und Expressionismus, die nicht immer in glücklicher Nachbarschaft hingen Trotz des Gesagten, interessierten einige Bilder von Goldberg und Gliksberg, ebenso die Schwarz-Weiss- Arbeiten von Lubin, auch die Skulpturen von Priever zeigten starkes Formgefühl und artistisches Temperament. Diese Ausstellung wurde organisiert vom “Instituto Cultural Boliviano Israeli” und zeigte leider auch im Technisch - Regiemaessigen manche Maengei; vor allen Dingen haette man sich diese propagandistisch wichtige Exposición in der Aufmachung besser gewünscht, ebenso ein mehr fachgemaesses Aufhaengen der Bilder. Publikumsmaessig hatte diese Aus-! Stellung einen guten Erfolg, da j waehrend der 1-woecWgen Dauer, i diese taeglich im Durchschnitt von 500 1 Personen besucht wurde. In keinem Falle darf man die pai eener Austeilung “Kunst in Israel” ails repraesentativ für das israelische Kunstschaffen ansprechen. stuetzung des Landes durch alle Juden, damit der notwendige Forschritt im wirtschaftlichen und politische Leben nicht gestopt wird. Der Minister appelierte an den Jishuv La Paz, Israel durch die jetzt laufende Magbit- und Bond-Aktion zu helfen. Die eindringlichen Worte von Pinjas Sapir wurden durch die Reden von dem Circulo-Praesidenten Leon Schaerf und Rabb. Friedlaender unterstrichen. Es sei an dieser Stelle gesagt, dass man mit der Aktion zufrieden sein darf, da waehrend des Bankett, sowohl im intimen Rahmen, bedeutende Betraege fuer die israelische Staatsanleihe gezeichnet wurden. Das Bankett ails solches verlief harmonisch, es waere jedoch noch netter gewesen, wenn nicht “Konservenmusik” geboten worden waere, sondern ein kleines Orchester den musikalischen Teil des Abend uebernommen haette; ebenfalls haette stimmungssfoerdernd gewirkt, wenn irgend etwas auf de Buehne geboten worden waere (sei es israelische Scenen, Gesang oder Rezitation). Der immer fuer die juedische Sache stets dienstbereite Ernesto Herzberg, war der kultivierte “Sprecher” des Abends. Der israelische Botschafter in Bolivien, Tuvia Arazi, hat sich am 10. April nach Cochabamba begeben um mit dem dortigen Jishuv persoenlichen Kontakt aufzunehmen. Die jüdische Gemeinde in Cochabamba nahm den diplomatischen Vertreter Israels mit Herzlichkeit auf, der sich auch in diesem Kreise besonders wohl fühlte. Auch hier gab es ein gelungenes Bankett, Toaste und feierliche und praktische Bekenntnisse zu Eretz Israel. Botschafter Arazi besuchte zahlreiche juedische Organisationen und bolivianische Persoenlichkeiten, er, wurde ueberaW mit besonderer Sym-' pathie und Herzlichkeit aufgenommen, mehr als das: in den kurzen vier Tagen seines Cochabamba-Besuches, stand der israelische Botschafter im Brennpunkt des cochabambiner Lebens, Eine ganz besonders impressive Demonstration der Freundschaft zwischen dem bolivianischen und israelischen Volk war die Ernennug von Arazi zum Ehrengast R von Cochahamba, ein aki uer in feierlicher Form von dem Alcalden Sr. Cámara, durchgefuehrt wurde. C. D. I. MACABI Invita a todos sus socios a la ASAMBLEA GE¬ NERAL EXTRAORDINARIA, que se efectuará el día lu.n©s 27 de abril, a horas 20.30, en su sede social de la calle Loayza N9 149. ORDEN DEL DIA 1. —Informes de la mesa cesante. 2. —Absolución de la mesa cesante. 3. —Elecciones. 4. —Varios. La Paz, abril de 1959.

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