Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 201 (15.4.1959)
- Date
- 1959-04-15
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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nil 1959. tan Weg, a Rgardt. k^k> NN h 191 Hotel n TOD o>»o>M $ ********* 15. April 1959. DAS ECHO 3. Juden in der Atomforschung ln Amerika kursiert folgendes Scherzwort: Zwei Satelliten, ein amerikanischer und ein russischer, begegnen einander im “aesseren Raum”. Der “explorer begrüsst seinen Kollegen auf englisch und will mit ihm ein Gespraech eroeffnen. Darauf erwidert der Sputnik: “Wir koennen doch beide deutsch reden”. Damit ist gemeintdass die Satelliten beider Seiten ihre Entstehung den Forschungen verdanken, die waehrend des zweiten Weltkrieges in Nazideutschland eingeleitet wurden und dass sie groesstenteils auch heute noch zu beiden Seiten des Eisernen Vorhangs von Forschern deutscher Herkunft wie etwa Wernherr von Braun betrieben werden. Anders ist das Bild in der Atomforschung;^ohne^allziJgrosse^ Überseiner Ankunft einen Vortrag in fliessendem Hollaendisch hae'.t. Aber er ist ein “abstossend artiges Kind” und iaeuft Gefahr, ein wandelndes Konversationsilevikon zu werden. Spaeter verfaellt er der jüdischen Kinderkrankheit eines extremen Linksradikalismus. “Es war etwas, was die meisten Menschen — es müsste aber wohl heissen: Juden — auf dem Gymnasium oder am Beginn ihrer Universitaetsjahre durchmachen”, erklaerte er spaeter; “ich schaeme mich dieses Stadiums nicht, sondern höchstens seiner Verspaetung Fast alles, was ich damals glaubte, erscheint mir heute als voellliger Stumpfsinn, aber es war eine notwendige Erfahrung, um ein ganzer Mann zu werden”. Wir wissen, dass Oppenheimer für von manchen Laendern weg und in andere Gebiete zu lenken usw. Als Teller an die Schaffung der Wasserstoffbombe, über deren Ge. fahren er sich durchaus klar war, heranging, fühlte er die gleichen Zweifel, die Oppenheimer dazu veranlassten, sich ihrer Herstellung zu widersetzen und er fühlte sich sehr erleichtert, als Roosevelt ihm versicherte “Es sind nicht die Wissenschaftler, die verantwortlich sind”. Offenbar hat Roosevelt die inneren Zweifel des jüdischen Wissenschaftlers geahnt oder empfunden. Wie diese Unterredung zwischen Teller und Praesident Roosevelt zustandekam, die durch die Jüdischen Wissenschaftler Leo Szilard, Eugen Wigner und den Bankier Alexander rer Unsere noechste Ausgabe: BEKENNTNIS DEN JUDEN BOLIVIENS FÜR DEN STAAT ISRAEL aus Anlass des XI. Unabhaengigkeitstages des Staates Israel Diese Echo- Festausgabe geht in 27 Laender, sie wird verschickt an israelische Auslandsstellen, an christlichen politischen und kirchlichen Aemtem, besonders aber an Ministerien. Organisations-Zentralen. Redaktionen und einen breiten Voükskreis in Israel« AUCH IHRE GLUECKWUNSCHANZEIGE für Israel gehoert in diese Echo-F estausgabe!! Diese Glückwünsche zum XI. Jahrestage der Unabhaengigkeit von Israel erfüllen ihren Zweck: sie stützen moralisch und politisch den Judenstaat und beweisen, dass auch die Juden Boliviens regen Anteil nehmen am Leben und Streben von Israel. Um eine gute Plazierung zu gewaehrleisten, bitten wir um sofortige Aufgabe von Anzeigen: "Tiahuanacu" (Leo Ranis), gegenüber Post, Echo-Büro, Yungas 36 oder Imprenta 'XoUasuyo", Loayza 400. Von auswaerts erbitten Texteinsendung an Casilkr 2217 - La Paz, El Eco. HJ i hmd 1 gnnj 1 tim treibung laesst sich sagen, dass die gespaltenen und fusionierten Atome in hohem Masse “jiddisch” oder “Kongress-Deutsch” sprechen oder verstehen, jedenfalls soweit es sich um die westlichen Atome handelt. Da ist in erster Linie natürlich Prof. Einstein zu nennen, dessen Gesetz von der Verwandlung der Masse in Energie die Grundlage aller Atomforschungen bildete, sodass er als Vater aller dieser Forschungen bezeichnet werden kann. An zweiter Stelle ist Dr. Robert Oppenheimer zu erwaehnen, von dem es 1943 hiess, er sei “der einzige Amerikaner, der die Aufgabe (der Leitung des amerikanischen Atomprojekts) erfüllen kann”. Sehr jüdisch in ihrem Wesen klingen die Worte, die er über diese seine Aufgabe schrieb: “In einem sehr drastischen Sinn, den keine Vulgaritaet, kein Witz, keine Übertreibung je ausloeschen kann, haben wir Wissenschaftler (mit der Schaffung der Atombombe) die Sünde erkannt. Und dies ist eine Erkenntnis, die wir nie mehr verlieren koennen”. Oppenheimer war bereits in seiner Jugend ein sehr typischs jüdisches “Wunderkind” gewesen, als er etwa mit 12 Jahren die Bemerkung fallen Hess, dass es “kein Vergnügen macht, staendig die Seiten eines Buches umzudrehen und sich dabei sagen zu müssen “das weiss ich alles schon laengst” Auf dem Gymnasium liest er Virgil, Horaz, Plato, Homer ohne Woerterbuch, dichtet zum Vergnügen franzoesische Sonette und verfasst Abhandlungen über polarisiertes Licht. Er spricht acht Sprachen, u. a. auch sanskrit, dass er “anstatt Golf” pflegt und frappiert an der Universitaet Leyden die Professoren, indem er bereits sechs Wochen nach .*** ****** diese spaete Kinder- Krankeit schwer genug zu büssen hatte und heute noch büsst und bemerkenswerter Weise war es in erster Linie ein anderer Jude, der ihm diese Erkrankung nicht verziehen hat; Admiral Lewis Strauss, der an der Spitze der amerikanischen Atomenergie Kommission steht. Oppenheimer zwar von allen Anklagen freisprach und seine Vertrauenswürdigkeit dennoch in Abrede stellte. Die Erklaerung dafür liegt vielleicht darin, dass ein Mann wie Oppenheimer seinem Wesen nach fremdartig wirkte, dass man sein soziales Gewissen, seine inneren Zweifel, die ganze ungeheure Dynamik, aber auch denkerische Gespaltenheit seiner Persoenlichkeit nicht verstand. Oppenheimers grbesster Gegner aber wurde wieder eil lüde, der aus Ungarn — über Deulkchland — nach den USA geflüchtete Dr. Edward Teller. der “Vater der Wasserstoffbombe”. der heute an dp- Spitze des Radiation-Laboratoriums der Universitaet von Kalifomidi steht Dieser Mann, der die Tyrannei totalitaerer Regime in Mitteleuropa mehrmals erlebt hatte, erkannt sehr früh, dass auch die Russen auj dem Gebiete der Militaertechnik ungeheure Anstrengungen und Fortschritte machen, und er weiss. dass die; Wissenschaft von heute die Technik von morgen ist und dass die Rus4n die Moeglichkeit haben, die freie Vielt ohne Kampf zu überwinden, wenn sie auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik das Übergewicht erringen “Schon heute beginnt nian. die Herrschaft über die Kraeftg der Natur zu erringen”. und er verweist .auf die Gefahren, die ich ^-geben müssen, wenn es den Russerç gelingt, das Wetter entscheidend zp beeinflussen, Regen Sachs, der zu Roosevelts Brain-Trust gehoerte, vermittelt wurde, berichtet die Frau des italienischen nichtjüdischen Atomforschers Enrico Fermi Diese Frau war Jüdin, und ihretwegen war ihr Mann im faschistischen Italien Verfolgungen ausgesetzt worden, die ihn zur Auswanderung nach Amerika veranlassten. Tellers Vater hatte seinem Sohn zwei Lehren auf den Weg gegeben; dass er, erwachsen, gezwungen sein werde, in ein günstigeres Land auszuwandern, und dass er als Mitglied einer verhassten Minderheit gezwungen sein werde, mehr als das Übliche zu leisten, um Schritt halten zu koennen. “All das hatte grosse Bedeutung für mich”, erklaerte Teller spaeter. Was Teller auszeichet, ist die fast einzigartige Mischung theoretischwissenschaftlicher, technisch-praktischer und administrative Faehigkeiten. Heute wird er nicht müde, auf die Bedeutung der theoretischen Schulung schon im Kindesalter hinzuweisen. Er empfiehlt für Kinder und Erwachsene eine Erziehung zur Wissenschaft, für die das Interesse so zeitig wie moegh'ch erweckt werden müsse. “Zehn Jahre ist vielleicht nicht früh genug, aber sicher nicht zu früh”, und er brandmarkt die allgemeine “Taubheit” gegenüber der Wissenschaft, die ¡n der amerikanischen Gesellschaft herrscht. Typisch für Teller war es auch, wie er eines Tages das Interesse an den ausgetretenen Wegen der Atomspaltung verior und als Erster zur Atomfusion überging und dadurch zum “Vater” der Wasserstoffbombe wurde. Heute ist es sein Ehrgeiz, der Vater der “kleinen” oder “sauberen” Atombombe zu werden, die ohne das “fallout” der radioaktiven Niederschlaege nur gegen feindiche Armeen angewandt werden koennte, ohne die Zivilbevoelkerung ganzer Laender zu schaedigen. Die amerikanische Zeitschrift “Time” veröffentlichte kürzlich eine Liste neun führender amerikanischer Atomwissenschaftler, von denen mindestens fünf eindeutig jüdische Namen tragen. Ausser dem bereits genannte Robert Oppenheimer sind es Richard Phillips Feynman (39), Sohn des Verkaufsleiters einer Uniform- Gesellschaft in Manhattan, heute Professor für theoretische Physik am kalifornischen Institut für Technologie, der 1954 den Einsteinpreis für di«( “Feynman-Diagramme”, ein kompliziertes System vereinfachter Kalkulationen der Quanten-Elektrodynamik erhielt; Murray Geilman (28), Professor für theoretische Physik am gleichen Institut, der Sohn des Besitzers einer Sprachschule in Manhattan; Isidor Isaac Rabi (59), der Sohn eines Lebensmittelhaendlers aus Oesterreich, heute Vorsitzender des beratenden wissenschaftlichen Ausschusses des USA-Praesidenten und Nobelpreistraeger- Julian Seymour Schwinger (39), Sohn eines Konfektionsproduzentes in Manhattan, heute einer der führenden theoretischen Physiker in Havard und Einsteinpreistraeger. Die Leitung des britischen Atomforschungsinstituts in Tarwell hat der aus Südafrika stammende Prof. Schcnland übernommen, dessen Photographie an seiner jüdischen Herkunft keinerlei Zweifel laesst. Auch unter den wenigen Namen führender sowjetischer Wissenschaftler., die hierzulande bekannt wurden, fanden wir wir zahlreiche jüdische Namen neben vielen anderen, die Zweifel erwecken. Es scheint, kann aber nicht bewiesen werden, dass auch dort der jüdische Anteil' gross ist. Dies alles, der Anteil von Juden an der Eroeffnung eines neuen Zeitalters, von dem wir hoffen, dass es der Menschheit nicht nur Gefahren, sondern vor allem grosse Fortschritte zu einem menschenwürdigeren, reicheren und leichteren Leben bringen wird, erfüllt uns mit Stolz. Dennoch aber wissen wir, dass alle diese Leistungen von Juden als Einzelpersonen nicht als Aktivposten, als Verdienste auf das Konto des jüdischen Volkes gebucht werden koennen. So gross der Anteil des jüdischen Erbes an ihnen sein m.ag, sie sind erwachsen auf dem Boden fremder Kulturen, Universitaeten, Forsehungsstaetten, Wirtschaftskorper, im Rahmen der kollektiven Anstrengungen der Wirtsvoelker und in dem geistigen Klima ihrer Laender. Darum kann die groesste Leistung einzelner jüdischer Individuen für das Schicksal der jüdischen Nation als Kollektiv auch keine sehr grosse positive Wirkung haben. (Dass sie unter Umstaenden den Antisemitismus foerdern, also negativ wirken kann, steht auf einem anderen Blatt). Eine Geschichtslegende berichtet zwar, dass Professor Weizmann, als! er seinen Prozess der Aceton-Herstellung gefunden und England damit aus einer grossen Schwierigkeit in der Kriegsversorgung herausgeholfen hatte,! eine persoenliche Bitte zugestanden | worden sei; und statt für sich selbst um eine Gunst zu bitten — etwa um den Adeltitel — bat er um Gerechtigkeit, um eine Heimat für sein Volk. Aber, wenn es wirklich so «gewesen istj. so war dies eine der'' grossen Ausnahmen, und sicher beruhte die Balfour-Deklaration vor allem auf ganz anderen realen Motiven, als dem Dank an einen erfolgreichen Chemiker. So ist kaum anzuehmen, dass die grosse Leistung noch so zahlreicher jüdischer Individuen sich auf die Geschicke des jüdischen Volkes als Kollektiv und seines Staates wesentlich auswirken wird. Ben Bunim.