Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 200 (30.3.1959)
- Date
- 1959-03-30
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS ECHO” 30„ Maerz 1959. Feuilleton: Blick in die Zukunft Kürzlich wurde festgesteHt, dass 26 Prozent der Kinder in Europa Gehoerschaeden haben. Ein Hund hoert mindestens fünfmal besser als ein Mensch. Wenn man bedenkt, dass im modernen Verkehr das Gehoer eine sehr wichtige Rolle spielt — ein Schalleindruck erreicht uns schneller als das Auge eine Situation erfasst—, dann kann man ermessen, wie viele Verkehrs — und Betriebsunfälle durch schlechtes Hoeren entstehen. Auch unsere übrigen Sinne werden eiramer schwaecher. Die Tatsache, dass es fast keine Feinschmecker mehr gibt, ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass auch unser Geschmackssinn abstumpft. Früher gab es Leute, die bei einer Speise genau die Kraeuter und Gewürze nennen konnten, die dazu verwendet worden waren. Gewisse Feinschmecker gingen so weit zu fordern, die oder jene Speisen dürften nur auf Feuer zubereitet werden, wozu man Buchen—, Eichen¬ oder Ebenholz verwende. Uns sind solch feine Unterscheidungen abhanden gekommen. Der Mensch der Zukunft, so glauben die Augenaerzte, wird ein Brillentraeger sein. Als es noch keine Brillen gab, vor 2000 Jahren und früher, mussten sich die Gelehrten und Staatsmaenner besondere Vorleser halten, wenn ihr Sehvermoegen abnahm. Aber dies war früher eine Ausnahme, damals sahen auch Leute im Greisenalter so gut wie in ihrer Kindheit. Erst seit einigen Jahrzehnten ist das Sehvermoegen der Menschen so geschwaecht, dass fast jeder zweite Erwachsene Brillentraeger ist. Und nicht selten sehen wir schulpflichtige Kinder, die ihre Brille tragen wie die alterssichtigen Grosseltern. Auch unsere Augen scheinen mehr und mehr zu verkümmern, die Augenmuskeln verlieren ihre Faehigkeit, sich anzupassen. Zu den Sinnen, die immer mehr verkümmern, gehoert auch unser Geruchssinn. Die Wissenschaft hat dafür den Ausdruck “geruchsblind” gepraegt, denn es steht fest, dass der Grossstadtbewohner durch Rauch. Russ und Abgase beinahe die Faehigkeit verloren hat, die einfachsten Gerüche voneinander zu unterscheiden. Wer weiss noch, wenn er “blind” •durch einen Wald geht, ob er sich in einem Tannen—, Foehren— oder Buchenwald befindet, wer riecht noch die hunterfaeltigen Düfte, die ihn durchziehen? Aber nicht nur unsere Sinne, auch unser Koerper verkümmert allmaehlich. Schon haben wir in unserem Leib etwa 100 überflüssige Organe, mit denen wir nichts mehr anzufangen wissen. Unser Koerper ist eine Art Museum geworden. Früher konnten die Menschen mit den Ohren wackeln, denn der Urmensch besass am aeusseren Ohr sieben Muskeln und konnte seine Ohrmuscheln wie ein Kaninchen bewegen, um auch die feinsten Geraeusche aufzufangen. Bei uns sind diese Muskeln verkümmert. Zum “Urvaeterhausrat” in unserem Koerper gehoert als Kummerorgan auch der Blinddarm, ein Restchen der Nickhaut, also eines dritten Augenlids, sodann am Ende der Wirbeisaeule einige verkümmerte Knochen usw. Der Anatom Wiedersheim hat einmal 107 Kümmerbjldungen bei uns festgesteHt. Das Haus der Zukunft steht in einem Vorort von Los Angeles und ist aus nichts als Plastik gebaut. Boeden, Waende, Decken, Türen — alles Kunststoff. Als einziges Zugestaendnis .an die gute, alte Zeit sind die Fensterscheiben noch aus Glas. Dennoch ist das Haus nicht der wilden Phantasie eines verrückten Architekten entsprungen, sondern nach laengerem Studium moderner Wohngepflogenheiten vom Massachusetts Institute of Technology — also einer hervorragenden technischen Hochschule — entwickelt worden. Auch ist es lediglich ein Versuchsmodell, das man erst fünf Jahre lang erproben will, bevor man an eine Alassenherstellung denkt. Das Haus, das mehr einer Kombination von Wohnwagen und Vogelnest gleicht, besteht aus vier Raeumen, die in Kreuzform um einen Traeger haengen, jeder Raum in eine andere Himmelsrichtung. Ausser der wuchtigen Mittelsaeule, in der die vier Flügel verankert sind, berührt nichts die Erde. Die Zimmer schweben etwa einen Meter über dem Boden und werden auch am ausserten Ende nicht gestützt. Dennoch koennen etwa fünfzig Leute zugleich das Bauwerk durchwandern, ohne dass es zittert oder gar zerbrechen würde. Zwei Waende jedes Zimmers sind ganz aus Glas. Das Haus ist verhaeltnismaessig klein, aber bis auf den letzten Zentimeter “geplant”. Mit den passenden Moebeln ausgestattet und geschmackvoll dekoriert, scheint es dennoch ein gemütliches und vor allem praktisches Heim für eine nicht zu grosse Familie zu sein. Es braucht keinen Anstrich und keine Isolierung. Es rostet nicht, auch kann sich in den fugenlosen Waenden kein Ungeziefer halten. Die Zimmer werden weder tapeziert noch gestrichen, da der Baustoff in sich befaerbt ist. Auch brauchen die Fussboeden nicht gebohnert zu werden. Das Geheimnis des angenehmen Wohnens in diesem Hause aber sind die “Gadgets”, die elektrischen, automatischen und elektronischen Tausendsasas, die einem das Leben erleichtern. So kocht man auf einem versenkbaren Elektronenherd, der allerdings noch im Stadium der Laborversuche steckt. Ferner ist ein Ultraschall-Abwaschgeraet vorgesehen u. ein Speiseschrank, in dem die Lebensmittel durch Atombestrahlung frischgehalten werden; beides ist ebenfalls noch Zukunftsmusik, ln einer solchen Wohnwabe braucht man weder Keller noch Dachboeden, weil man nichts mehr speichert, oder einkellert und auch keine Waesche mehr aufhaengL Man heizt mit Elektrizitaet oder Oel, waescht und trocknet mit der Maschine und weckt auch nichts mehr ein. Die Konservenindustrie besorgt dies billiger. Man macht sich auch nicht mehr die Mühe des Einmottens, sondern traegt die Kleider eine Saison und wirft sie dan fort. Kurz, in diesen Haeusern kann man ohne Ballast leben. Das ist der Lebensstil im Zeitalter der Automation und der Massenproduktion — eine Art ferngesteuerte haeusliche Behaglichkeit für Roboter und die es werden moechten. ewue.. Staunen und — ein wenig Furcht, das ist es was den Zuhoerer angesichts der Erkenntnisse des Weltkongresses für Biochemie in Wien überfiel Staunen wie dicht die Wissenschaft dem Leben auf der Spur ist Um mit dem russischen Professor Oparin zu sprechen: Die Wissenschaft kann Adam schon herstellen, die Sache mit der Rippe ist bekannt, nur — ihm den Atem einhauchen, das kann sie noch nicht Vielleicht wird das Geheimnis einmal entraetselt. Diesen Tag muss man indes eher fürchten als herbeisesehnen. Einem Gruselfilm entnommen schien das Referat des amerikanischen Professors Hermann aus Oenver in Volorado Er berichtete, dass es japanischen Forschem , bei Versuchen mit Ernausserhalb jedes Organismus, gehirnaehnliche Gebilde zu erzeugen Die japanischen Wissenschaftler brachten Proteine, das sind Eiweissbausteine der Zellen,, mit anderen aktiven Teilchen der Zelen in Kulturen zusammen Die Reaktion ergab Gebilde die dem Kleinhirn ähnlich sind. Die Gelehrten befassten sich in Wien mitunter mit so angenehmen Dingen, wie etwa Professor Brüggemann aus München es tat Ein Huhn, so troestete Professor Brüggemann das durch Zusatz von Antibiotika zum Futter gemaestet werde, schmeckt genau so gut wie irgendein anderes. Nicht der kleinste Rest der verfütterten Substanzen ist im Reisch nachweisbar Das ist erfreulich für uns alle, denn diese Mastmethode, die immer oefter angewendet wird, sichert unserem Topt ein groesseres und fetteres Huhn. In die phantastische Welt der Insekten führte der Vortrag des oolnischen Gelehrten Niemirenko Der Biochemie ist es gelungen, die Wachsfliege zu einem Haustier zu machen Diese Fliegen füttern, ihre Larven mit Wachs, das sie selbst erzeugen Auf TELE FUN KEN ❖ RADIOS PLATTENSPIELER SCHALLPLATTEN METAL LTDA. Plaza Venezuela N9 36 — Casilla Correo N9 484 Cables: “METALCO” und LABORATORIO, RADIO TECNICO ALEMAN, Cedis BALLIVIAN, Esquina COLON ■trkirkirk-k-hk-i í*********** i | chemischem Weg wurden die Fliegerr beeinflusst, weit mehr Wachs zu produzieren als die Larven fressen Dieses überschüssige Wachs wird geerntet Die Fliegen nicht so klug wie die Bienen — ohne Organisation des Staates und nicht einmal eine Gewerkschaft haben sie — kommen nicht dahinter dass sie ausgebeutet werden und liefern brav weiter. Ein Abenteuer im Experiment erlebte man bei der Vorführung des Basler Professors Kuhn. Mit Hilfe einer Kunststoffaser hat er die Wirkungsweise eines Muskels nachgeahmt Auf dem Grund eines mit Wasser gefüllten Glaskefaesses ist ein Gewicht. Der Vortragende tauchte nun die Faser so weit in den Zylinder, bis sie einige Zentimeter über dem Gewicht schwebte Dann goss er Natronlauge in das Wasser — und die Faser dehnte sich, so dass er sie in das Gewicht einhaken konnte. Daraufhin schüttete Professor Kuhn Schwefelsäure in das Gefaess und nun zog sich die Faser zusammen und hob das Gewicht Zum ersten Male war es gelungen chemische Energie direkt in mechanische Energie zu verwandeln- Bisher war das dem menschlichen Muskel Vorbehalten. Selbst das natürliche Blut koennen die Biochemiker durch eine infachechemische Loesung ersetzen teilte der Amerikaner Dr. Morawetz mit. Das künstliche Blut hat alle lebenswichtigen Eingenschaften des natürlichen, es passt obendrein zu jeder Blutgruppe, und es kann bei Transfusion gereicht werden Das künstliche Blut bindet den Sauerstoff transortiert ihn durch den Körper zu den Zellen So kann es das Leben eines Menschen, der eine gewisse Menge Blut verloren hat, retten. Aber eine Eigenschaft des echten Blutes hat es nicht — es kann keine Abwehrstoffe gegen Krankheitenbilden. Da sind wir wieder bei dem: Atem der noch immer fehlt. --I0C30E= 1 11 locaocr BIEBER 20 de Octubre 582 LA PAZ ERSTKLASSIG in Kaffee - Kuchen Eis ERSTKLASSIG als Speise - Restaurant, in Mittag- und Abend - Essen! i 1 1 ■■■ tonoi —■ ioi