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Das Echo · 1959-03-30 · 200 (30.3.1959) · p. [Seite 3]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
200 (30.3.1959)
Date
1959-03-30
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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30. Maerz 1959. ‘DAS ECHO” 3. Jon Kimche, Editor der londoner zionistischen Wochenschrift “Jewish Observer and Middle East Review” schrieb in sieinem Blatt ueber die Eindruecke die er durch eime Reise durch die USA Empfangen hat. Dieser ausgezeichnete Journalist hat zweifelsohne treffend ueber das jue>- cßsche Leben in Nordamerika berichtet, doch ist er —unseres Erachtens— an feiner Erscheinung in den Vereinigten Staaten vorbeigegangen, die hoechste Aufmerksamkeit verdient: die Assimilationsbestrebung nordamerikanischer Juden. Die Redaktion des “Echo” hat gfenuegend Material vorliegen, aus dem klar zu ersehen ist, dass das Gedankengut von Arthur Koester immer mehr US-Juden beeinflusst. Nach Kotester gibt es nur zwei Dinge fuer den juedischen Menschen: Assimi.ierung oder Einwanderung nach Israel. Tatsache ist dass der Assimilierungsprozess nordamerikanischer Juden bereits sehr weit fortgeschritten ist und diese sich als “Nur-Amerikaner” bezeichnen. Sicher ist les gleichfalls, dass die Juden in den USA den israelischen Staat in ihrem Herzen tragen, diesem laufend sehr grosse Geldbetraege ueberwieisen — aber als politische Frage ist fuer den assimilierten juedischen Amerikaner, der Staat Israel kaum existent. Viele Juden befuerchten, dass eine bewusst zionistische Einstellung, als antiamrikanisch definiert werden koennte und einen starken sozialen Antisemitismus schaffen wuerde. “Das Echo” behaelt sich vor, ufeber diesen Dualismus nordamerikanischer Juden in Kuerze ausfuehriieh zu berichten. Nordamerikanisch - Jüdisches Wenn ich einen überwältigenden Eindruck von Amerika und den Amerikanern mitgenommen habe, so ist er jedenfalls gemischter Art.. Ich bewundere ihren Eifer, Dinge zuwege zu bringen, aber ich konnte mich nicht des Eindrucks erwehren, dass sie, trotz ihres viel! hoeheren Lebensstandards, im Grunde erstaunlich wenig davon haben. Es ist ein hartes Leben, denn die Ansprüche sind jetzt so hoch geworden, dass die meisten Leute —wenn man die üblichen Ausnahmen beiseite laesst — immer damit beschaeftigt sind, ihnen gerecht zu werden. Das Land ist unglaublich reich, aber die Einzelpersonen wie die Institutionen haben sich vollkommen ausgegeben, meist um des aeusseren Scheins willen, denn es kommt in einer Gesellschaft sehr auf die aeussere Aufmachung an wenn sie von den Wünschen und Launen der Frauen in schamloser Weise beherrscht und kommandiert wird. Ich sprach mit alten Freunden, die heute dem Mittelstand angehoeren und denen es allem Anschein nach gut geht. Um auszukommen, müssen sie laenger und vid schwerer arbeiten, als sie dies in England oder in Westeuropa tun müssten. Sie haben weniger Entspannung und Vergnügen; sie sind gehetzter; sie essen nicht so gut, wie ihre englischen und schon gar nicht wie ihre europaeischen Standesgenossen. Sie haben hübsche Wohnungen, voll-mit allen moeglichen praktischen Kleinigkeiten, aber trotzdem entbehren sie gewisser Bequemlichkeiten, die europaeische Heime derselben Kategorie bieten. Am. bemerkenswertesten ist ihre Kleidung, besonders die der Maenner, die mit der' der Englaender überhaupt nicht zu vergleichen ist. Man bekommt fast so etwas wie einen Schock, wenn man bei 20 Grad unter dem Gefrierpunkt in New York ausgeht und sieht, wie unzureichend die Masse der Bevoelkerung gekleidet ist. Aber, obgleich ich alles moegliche über die Grobheit der New Yorker gehoert hatte (und viele Leute grinsten mitleidig, als ich zu Anfang etwas voreilig erklaerte, die Leute seien bei meiner Ankunft besonders hoeflich gewesen), muss ich meine persoen'Iichen Erfahrungen für alle Gesellschaftsschichten aufrechterhalten - Ich fand sie freundlich und hilfsbereit, vorausgesetzt, man war selbst, zunaechst einmal freundlich, eine Initiative, die anscheinend nur wenige New Yorker zu nehmen bereit sind. Etwas, was ich überall hoerte, war die Klage, es gaebe bei der amerikanischen Judenheit keine wirkliche Führerschaft mehr. Wie alle solche Klagen, wird sie von allen Seiten so lange wiederholt, bis niemand sich mehr darum kümmert, ob sie berechtigt ist oder nicht. Was ist daran wahr, dass die amerikanische Judenheit heute keine Persoenlichkeiten von internationalem Format, wie einen Brandeis oder einen Stephen Wise mehr hat? Statt solcher überragender Persoenlichkeiten verfügt die amerikanische Judenheit über etwas, was vielleicht viel wertvoller ist, etwas was (von wenigen Ausnahmen abgesehen) den Juden in England und in Westeuropa so sehr fehlt. Sie hat einen ausgezeichneten Stab von “Manager”, die die amerikanische Judenheit mit bemerkenswerten Erfolg leitet. Sie betaetigen sich auf jedem Gebiet des Gemeindelebens, von der Aufbringung von JON von Fonds bis zur kulturellen Taetig1keit, vom Kampf gegen den Antisemitismus und für die bürgerliche Gleichberechtigung bis zu religioesen Fragen. Daher ist die amerikanische Judenheit nicht nur auf allen ihren mannigfachen Gebieten organisiert (manche würden sogar sagen: überorganisiert), sondern sie ist auch die weitestgehend analysierte und genauest untersuchte Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten. Die Leiter entwickelten eine gesunde Tendenz, allles zu erfahren, was man über die Gemeinden wissen kann, denen sie vorstehen, denn sie planen für die Zukunft. Es ist bezeichnend, dass jede lokal begrenzte Untersuchung im- KIMCHE mer wieder betont, dass die Epoche i der Einwanderung nunmehr abgeschlossen und die Zeit der Eingliederung angebrochen ist. Vier von je fünf amerikanischen Juden in den hauptsaechlichen jüdischen Zentren sind jetzt schon im Lande geborene Amerikaner. Sie betrachten sich nicht mehr als eine Gesellschaft im Uebergangsstadium. Man begnügt sich dabei nicht mit halben Massnahmen. Man erforscht, sondiert, eroertert und re-orientiert die amerikanische Judenheit. Als Beispiel koennte ich nichts besseres anführen, als den Bericht über eine Konferenz vor etwa einem Jahr betreffend das Problem der amerikanischen Synagoge. Es ist der münd- ' liehe Bericht über die Taetigkeit der Organisation .der .beratenden .Synagogenbau-Architekten der amerikanischen Reformgemeinde. Auf über 200 Seiten eroertern die führenden Architekten und Rabbiner Amerikas, wie die Synagogen und die Nebengebaeude (Schuüzimmer und Zentren der Geselligkeit) am besten der staendig sich aendernden Form des amerikanischen Lebens angepasst werden koennen. Aus ihrer Beratung ergaben sich einige erstaunliche Tatsachen, insbesondere betreffend die Konzentrierung der amerikanischen Juden. Etwa 4.000.000 von den 5.300.000 amerikanischer Juden leben in 14 Staedten. (Fortsetzung Seite 4) DAS ECHO berichtete in seiner Ausgabe Nr. 198 ueber den Verfall der nordamterikanischen Filmkultur. Es ist allgemein bekannt, dass das Leben des Durchschnitts — Amerikaners recht flach und nur von wenig intellektuellem und schoepfferischem Ehrgeiz erfüllt ist. Geschaeft, Wohlleben, Bequemlichkeit, ein wenig Sensation und Sex — das sind die Pole, um welche das allgemeine bürgerliche Leben in den USA kreist. Diese Verflachung im Geistigfen, der ekstatische Tanz um das “Goldene Kalb”, haben einen künstlerischen Geschmack entwickeln lassen, den man nur als grauenvoll bezeichnen kann. Eine besonders tragische Zeit- Erscheinung ist das Emporschnellen der Ziffern in Jugtend-Kriminalitaet in den USA, woran die “kulturellen” Faktoren Comic-stripes, Film und Television, nicht unschuldig sind. “Business”, ist das magische Wort fuer den Nordamerikaner; solangfe er mit “horror” Geld verdient; solange werden die verbildenden und schaurigen Scerven weder von der Leinwand noch vom Bildschirm verschwinden. Wir lassen einen Artikel folgen, der den Missbrauch des jüngsten Kindes unserer technisierten Zivilisation, der Television, beweist. Dekadenz in der US - Television “Die Fernsehsaison ist in vollem Gange, und das Opfer ist der Mensch. Das amterlkanische Television-Publikum starrt auf grossere Haufen von Waffen und erlebt mehr Sterben durch Kugeln und Messer als je zuvor. Helden und Bo&sewichtfe krümmen sich unter den Schlaegen von Knüppeln, Whisky-Flaschen, Schraubenschlüsseln und stelbst Goldknaufstoecken. Eine grossaeugige Zuschauerschaft erlebt, wie ihre Zeitgenossen gepeitscht, erstochen, erdrosselt, übferfallen und verstümmelt ins Jenseits geschickt werden”. So leitet das amerikanische Magazin “News-wfeek”, ein Spitzenprodukt im amterikamischen Blae.tterwald, eine interessante und aufschlussreiche Untersuchung über das amerikanische Fernsehen 1958/59 ein. Von den 31 neu eingeführten Programmen gehoeren die Haelfte der Gruselkategorie an. “Shock”, “Son of shock”, “Schoek-o-rama”, “Schocktail party”, “Shock Matintee” sind die Titel von Sendungen dieser Gattung. 14 Fernsehabendstunden in der Woche sind der Gewalttaetigkeit gewidmet. In dter kalifornischen Television i reichte diese enorme woechentliche; Stundenzahl aus für: 161 Morde, 60! feststellbare Totschlaege, 192 viersuchte Morde. 83 Raeubereien, 15 S Kindsentführungen, 24 Verschwoerurt- ' gen für Mordtaten, 21 Kerkerau-! sbrüche, 7 versuchte Faelle von Lynchjustiz, 6 Dynamitzerstoerungen, 11 Erpressungen, 2 Brandstiftungen, 2 Folterungen, ln dieser trockenen Aufzaehlung sind die brutalen Schlaegereien, die Mordandrohungen, die Einbrüche und Diebs,talehle nicht einbezogen. Der Einfluss dieser Sendungen auf Jugendliche und Erwachsene ist verheerend. Tateg lieh liefern die Zeitungen neue Beispiele, ln Upstate, New York, brachen fünf Jugendliche, darunter fein 9-und 10-jaehriger, in eine Schule ein. Uber ihre Festnahme und Bestrafung waren sie erstaunt. Sie erklaerten, dass TV ihnen gfezeigt habe, wie mit Handschuhen Fingerab drücke vermieden werden koennen. In feinem Motel in Kalifornien fand (Fortsetzung Seite 4) ■'; - ■ ■ •„ >• , ' t i'ÿSV .'ï*- * •.. *■/ 26 DE AB RJL-5 DE jylAYÖ DE1959, Verlagen Sie ausführliche Informationen durch die Vertretung r Deutschen Industrie - Ausstellung Hannover” in Bolivien- CAMARA DE COMERCIO E INDUSTRIA BOLIVIANO ATFMäma Av. MARISCAL SANTA CRUZ ,«00 (Transite - Gebansdii, 1. ^tSÄ

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