Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 199 (15.3.1959)
- Date
- 1959-03-15
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Gemeinschaft und die Gemeinde Zum cochabambiner Den Echci-Lesern ist bekannt, dass i dieses Blatt stets fuer Einigkeit und | Fortschritt innerhalb unserer kleinen Gemeinschaft eingetreten ist, und es von dieser Seite nicht an konstruktiven Vor-schlaegen fehlte. Wir begruessen daher die Idee des Zusammenschlusses der Organisationen “Comunidad Israelita” und “Circulo Israelita” in Cochabamba, als einen Versuch, der hohe Aufmerksamkeit verdient. Die Kleingemeinde Cochabamba hat bereits in vielen Dingen mehr Mut gezeigt, als die in La Paz, Nicht nur, dass Cochabamba 'ein wirklich wuerdiges Gotteshaus besitzt, es sich in vielen zionistischen Aktionen sehr bewaehrt hat, es ein fruchtbares juedisches Leben fuehrt, hat es auch die Kuehnheit zu Experimenten. Wir bezeichnen bewusst den kuerzlichen Zusammenschluss “Comunidad-Circulo” als ein Experiment, und keine gereifte Tatsache. Denn wir halten es durchaus fuer moeglich, dass nach den bestehenden Umstaenden, die zu dieser Fussion fuehrten, noch manche Ueberrachungen und Differenzn diese Union erschuettem koennen. Es duerfte ein kaum haltbarer Zustand sein, dass der Zentral-Praesident eine P'ersoenlichkeit ist, die nur arabisch und spanisch, aber nicht deutsch oder jiddisch sprechen kann. Wenn es gelingen wuerde, eine deutsch-j'iddischsprech'cnde Persönlichkeit zu finden, die das Vertrauen der Ost sowohl der West-Juden hat, koennte man die Vereinigung der deutschspföchenden “Comunidad” mit dem jiddischsprechenden "Circulo” in Cochabamba als geglueckt betrachten. S'o aber, wurde der Zeit weit vorgegriffen, da eine deutschsprachige Gemeinde heute noch einen deutschsprech'enden Vorsitzenden verlangt. Aber ueber diese personelle Fragen hinaus, blbib.t der cochabambiner Versuch sehr bemerkenswert und wegweisend. In unser kleinen und kleiner werdenden Gemeinde in La Paz ist es geradezu ein Unfug, eine derartige Einheits-Experiment Anzahl von Organisationen zu unterhalten, wie dies gcgenwaertig der Fall ist. Der weitaus groesste Teil unserer Organisationen hat heute kaum noch Existenzberechtigungen und die Gelder, die fuer diese aufgebracht worden, sind ziemlich verschwendet. La Paz, die haup.'.staedtische jiddische Gemeinde von Bolivien, sollte jetzt daran gehen, das Experiment Ccchabamba zu v'ervollkommenen, und ihm einen realen Boden zu geben. Die letzte Generalversammlung der Comunidad Israelita in La Paz hat wieder bewiesen, wie wenig es dieser Vorstand versteht, d i e Mitglieder anzusprechen und fuer juedische Arbeit ■ zu gewinnen. | Da wir nur wenige wirklich wertvolle und aktive Menschen haben, muessen diese zu einer konzentrischen Arbeit an gesetzt werden. Die Besten aus den heute bestehenden Organisationen muessten herausgezogen, um an einem zentralen Vorstandstisch piaziert zu werden. Es ist heute nicht mehr aktuell, eine Dachorganisation zu schaffen, sondern eine 'einzige, eine starke Zentrale sollte geschaffen werden, die die gesamte juedische Arbeit des Jischuv zu uebOmehmen liaette. Die Dezentralisierung unserer Arbeit hat bewiesen, dass os nicht gelang, ein aktives und fruchtbares juedisches Leben in La paz zu gestalten. Eine straff geleitete “Union Israelita” in La Paz, die eine Zusammenfassung aller wesentlichen Gruppen dari stellen muess.te, haette weit mehr! geistige, moralische und propaganj! distische Moeglichkeiten, die Juden ' zasrirrmenzuf Essen und zur Arbeit; aufzuiuctteln, als all diese vielen pasi siven, senilen und sterilen Gruppen! und Grueppchen, die sich wohl wichtig j machen, aber in Wirklichkeit \ chnmaechtig sind. | Wir brauchen eine (eine!) dynai m;sche und serioese Persoenüchkeit, j damit die heute noch utopistische \ \ “Union/’ Realitaet wird, | j Sollte es nicht moeglich sein, eine! solche Persoenlichkei.t zu finden? j_Curt Lud wi g. (Fuer die unter dieser Rubrik veroeffentlichten Auffassungen aus dem Leserkreise, uebernimmt die Redaktion keine Verantwortung). Gemeindepolitik in Cochabamba Sehr geehrter Herr Dr. Starg.ardt, ich uebersende Ihnen eine Berichtigung des “Leserbriefes”, der im “Echo” erschienen ist, zugleich eine Darstellung, wie die Verhaeiltnisse wirklich liegen: Der Zusammenschluss von “Comunidad” und “Circulo” ist nicht erfolgt. Abgestimmt wurde lediglich lieber die Frage, ob eine gemeinsame Liste der Wahlkandidaten aufgestellt werden sollte. Waere ueber den Zusammenschluss abgestimmt worden, waere er abgefeimt gewesen, weil nach Paragraph 12 der Statuten der Gemeinde zu einer Statutenaenderung eine 2/3 Majoritaet vorhanden sein muss; es haetten also nicht nur 63 Ja-Stimmen, sondern 85 mit “Ja” vorhanden sein muessen! Die Gemeinde behaelt weiter ihren eigenen Vorstand, der “Circulo” den seinen — nur der Praesident fuer “Comunidad” und “Circulo)” ist dergleiche. Dass Herr Stier, der jahrdang Praesident der Gemeinde war, sich zurueckg^zogen hat, haben die Gemeindemitglieder als einen Fehler angesehen, um so mehr, als man wusste, dass difeser Ruecktritt nur ‘ deshalb erfolgte, weil der vom Circulo als Praesident nominierte Herr Forté ««rklaerte, er kandidiere nur, wenn ¡ kein Gegenkandidat aufgestellt wuerde. Herr Stier, der mit Herrn Forté gut bekannt ist, hat es deshalb fuer richtig gehalten, Differenzen mit Herrn Forté aus dem Wege zu gehen. Die Ziffern der Wahlstimmen haben gezeigt, dass die Mehrheit der Gemeinde Herrn Forté — obwohl gegen seine Person nicht die geringsten Einwendungen zu machen sind — nicht als Presidenten wuenscht und zwar aus zwei Gruenden: weil die Gemeinde eine deutschsprechende ist, Herr Forte aber keinn Wort deutsch kann und 2.) weil die diktatorische Erklaerung des Herrn Forté, der Gemeinde sehr missfallen hat. Die Haelfte der Gemeiridemitglieder 1st ueberhaupt nicht zur Wahl gegangen; von den abgegebenen 227 Stimmen hat Herr Forté nur 102 Stimmen erhalten, i d.h. 45 CA; in diesen 102 Stimmen ] waren 70 enthalten, die abgegeben i wurden von Personen, die gleichzeitig! Mitglieder der “Comunidad” und des ' “Circulo” sind. Nach dieser Feststellung haben von dem nicht dem “Circulo” angehoerenden Personen lediglich 32 fuer Herrn Forté gestimmt. Fast alle in den Vorstand gewaehlten Personen hatten mehr Stimmen als Herr Forté! Man kann nur annehmen, dass Herr Forté ueber das Wahlergebnis nicht genuegend aufgeklaert worden ist, sonst wuerde er wohl seinen Ruecktritt erklaert haben. Cochabamba,'23/2/1959. Dr. MAX KANTOROWICZ. GENERALVERSAMMLUNG Die alte Platte, das alte Lied... Wer zu den Generalversammlungen der “Comunidad” kommt, weiss mit ziemlicher Sicherheit, wie diese verlaufen. Der “ewige” Comunidad- Vorstand hat es verstanden, diese Versammlungen traditionell langweilig zu machen. Die letze “General”-Versammlung war wieder eine echte Comunidad-GV.: mit viel “Generalitaet” (Vorstand) und wenig “Volk” (Mitglieder). Die geringe Anzahl der erschienenen Mitglieder bewies, wie sehr diese Generalversammlungen der “Comunidad unpopulaer sind. Schade, es koennte doch bei dieser Gelegenheit soviel besprochen werden, soviel geschehen! Aber alles wird in kalter Routinemanier .abgeleiert, es gab keine Lichtpunkte an diesem Abend, alles geschah leidenschaftslos und buerokratisch. Eine Generalversammlung sollte (und ist es anderswo) der Ort der Diskussion zwischen Vorstand und Mitgliederschaft sein, ln diesem Rahmen werden vergangene Leistungen ueberprueft, neue Werke werden geplant, es wird ein fester Arbeitsplan vorgelegt, den die Mitglieder mit wachem Interesse akzeptieren oder ablehnen. Aber dazu gehoert, dass die Mitgliederschaft weiss, dass es sich um einen aktiven Vorstand handelt, um ein Gremium, welches die Sympathie und das Vertrauen seiner Mitglieder geniesst. In dieser vertraulichen Atmosphaere waere es ein Vergnuegen, Probleme freundschaftlich zu besprechen, Planungen anzuregen, und diese zu debattieren. Aber hier, in diesem Falle, herrscht Kaelte und Indolenz dem Vorstand gegenueber. Ein© kleine juedische Gemeinde, wie die in La Paz, muesste ganz anders gefuehrt werden. Wir wollen hier nicht von der mangelnden rabbinischen Seelsorge sprechen (fuer die der Vorstand verantwortlich ist), sondern von der voelligen Gleichgueltigkeit des Vorstandes gegenueber der juedischen Meinung. “Das Echo”, als Organ der juedischen Gemeinschaft, hat sehr, sehr oft in klarer und sachlicher Form in der Gemeindefuehrung Maengel festgestellt, cs hat viele konstruktive Vorschlaege zu einer Modernisierung des Verwaltungsapparates gemacht, es hat in seinen Spalten Comunidad-Mitglieder Kritik an den Comunidad-Leistungün ueben lassen — all diese wohfgemeinten Aktionen waren wie ein Schlag ins Wasser, weniger als das, denn diese Meinungen loesten im Wasser der administrativen V r - | standstaetigkeit nicht d i e kleinste I Welle aus. j Es liât daher kaum Sinn, aufs! Neue gegen die Mauer der Phlegmatik | zu rennen. Dennoch will das “Echo” nicht in Resignation verfallen, denn es hat gegenueber seinen Lesern die Pflicht zur Kritik. Solange unser Comunidad-Vorstand sich von nur einem winzigen Prozentteil der Mitglieder wachten laesst, solange es keinen menschlichen Kontakt zwischen Vorstand und Mitgliedern gibt, ist dieser Vorstand nicht als populaer anzusprechen. Das Verlrauensverhaeltnis aber zwischen Leitung und Geleiteten ist unentbehrlich, soll aus einer Organisation sich eine fruchtbare Arbeit entwickeln. -f Ueber den Verlauf der sogenannten “Generalversammlung” sei kurz berichtet. Der gegenwaertige Mitgliedsbestand betraegt 219, eine Zahl die alarmierend gering ist. Der Arbeitsbericht wies die ueblichen Taetigkeiten (mit gelegentlicher Selbstbevveihraeucherung der Vorstands mitgiieder) auf. Die Kulturarbeit beschraenkte sich waehrend des ganzen Geschaeftsjahres auf fuenf Vortragsabende. Ueber die Schule mit ihren vielfachen Problemen, wurde eingehend diskutiert (Winkler, Huebsch, Dr. Nagler, Friedlaender, Herzog), ohne dass hier eine klare, ueberzeugende Linie gefunden wurde. Dr. Allerhand hat erfreulich tief in i den Kassenbericht geleuchtet; es wurj de viel Zeit verbraucht fuer Erklaetun- I gen und (nicht immer ueberzeugende); Aufklaerungen. | Die. Einheitsliste wurde von dem j Haeufchen Anwesenden akzeptiert. Der “permanente” Vorstand ist geblieben: Arturo Weil, Praesident; ferner: Rudolf Berkowitz, Julio Hübner, Leopold Kraus, Arthur Loewenberg, Martin Oppenheim, Jacob Ranis. Hinzugewaehlt wurden drei junge Kraefte: Walter Salmon, Pierre Weil und Gui- Uermo Wiener, denen man die Moeglichkkeit zu einer reformatorischen Betaetigung innerhalb des Vorstandes geben sollte. Das langjaehrige Vorstandsmitglied José Klopstock schied aus Krankheitsgruenden aus. Interessant waere es, noch zu bemerken, dass von den jungen Vorstandskandidaten nicht einer zur Wahl erschien und von den “Alten Herren” auch mancher durch Abwesenheit glaenzte. Der avisierte Vortrag von Rabb. Friedlaender fand nicht statt, ohne dass diese Unterlassung begruendet wurde. Ein verlorener Abend. elkas. COCHABAMBA DER NEUE COMUNIDAD-UND CIRCULO-VORSTAND Die Neuwahlen im Jischuv Cochabamba ergaben folgende Resultate: COMUNIDAD ISRAELITA Praesident ROGER FORRTE, Vice- Praesident Pablo Steiner, ferner: Kurt Glauber, Otto Boehm, Dr. Manuel Leitner, Berthold Silbermann, Simon Horowitz, Arturo Weiss und Ernesto Atlas. . CIRCULO ISRAELITA Praesident ROGER FORTE, Vice- Praesident Samuel Berkman, ferner: Dr. Wolfgang Apt, Jankieil Aizenberg, Jaime Brechner, Simon Horowitz und Guenter Natowitz. “Das Echo” begruesst die neuen Vorstaende unter der gemeinsamen Praesidentschaft von Roger S. Forté und wuenscht ihnen eine erfolgreiche Arbeit im Interesse der cochabambiner Juden. i LA PAZ. — 70. Geburtstag! SIEGFRIED TUCHMANN, das beliebte Mitglied unserer Gemeinschaft und bewaehrter Echo-Freund, feiert am 22. Maerz seinen (kaum glaubhaften) 70. Geburtstag. Wir, wuenschen dem fliebenswuerdigen und arbeitsfrohen Siegfried Tuchmann weiterhin alles Gute!