Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 198 (28.2.1959)
- Date
- 1959-02-28
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German
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8. ‘DAS ECHO’’ 28. Februar 1959 FEUILLETON DES "ECHO" Der Untergang des Inka-Reiches Von ALFRED GRÜN Bel ihren sich an die Entdekktmg der Neuen Welt anschliessenden Expeditionsf.ahrten nach Mittel— und Südamerika hatten die Spanier von einem maechtigen und reichen Lande fern int Süden gehoert. Unter der im Dienste des Statthalters von Panama stehenden Besatzung befand sich als Hauptmann ein gewisser Francisco Pizarro, ein tapferer, aber ungebildeter Kriegs mann, treulos, grausam, roh, von wildem Gemüt und gewaltiger Energie. Lebhaft von der neuen Kunde angeregt, fasste er den Plan, es ¡ dem Eroberer des Azteken-Reiches i von Mexiko, Hernando Cortez, gleich- J zutun. Ihm stand als Kriegsgenosse | der zaelie, soldatisch offene und ehrgei- ¡ zige Diego de Almagro zur Seite, j Aber beide, ohne Geld und Fürj Sprache, stiessen auf Schwierigkeiten ] über Schwierigkeiten. Nur der eiserne j Wille der Abenteurer hielt das ge- ¡ plante Unternehmen aufrecht, bis j endlich die Unterstützung der spanij sehen Krone erlangt war. Im Septemj ber 1532 zog Pizarro mit 168 Mann i aus, um ein Reich zu erobern, das an! Ausdehnung das Gebiet der heutigen; Republiken Ecuador, Perú, Bolivien j und Nordchile umfasste. Dieses Reich | besass eine eigenartige und bedeu-; tende Kultur, deren teilweise Erforschung erst in der neuesten Zeilt ge- ¡ lungen ist. j Der Staat bildete einen theokrai tischen Sozialismus. An der Spitze stand als oberster Herrscher der Inka, <ler zugleich Oberpriester und Sohn der hoechsten Gottheit, der Sonne, war und der infolgedessen goettliche Verehrung genoss. Hinter dem Herrscher kamen die Priester und schliesslich das Volk. Es gab weder Reichtum noch Armut denn nur Schmuck galt als Einzelbesitz, der Boden dagegen als Staatseigentum, das in regelmaessigen Zwischenraeumen ebenso wie die Ernte verteilt wurde. Das Volk seinerseits zerfiel in Gruppen von 10, 50, 100 und 1.000, und jeder dieser Gruppen stand ein Edelmann als Beamter vor, sodass sich vom Zehnmaenner- Hauptmann bis zum Provinz-Statthalter eine wohlorganisierte Bürokratie gebildet hatte. Akerbau und Gewerbe standen auf hoher Stufe, ausgedehnte Wasserleitungen berieselten die Felder. Man baute grosse Tempel, eigentlich Riesentore und vortreffliche Chausseen, wirkte gobelinartige Stoffe und verfertigte die mannigfachsten Gefaesse und Ueberall zeigte sich eine durchgebildete Technik, Feingefühl für Stoff und dekorative Wirkung sowie ausgepraegter Kunstsinn veül Kühnheit, Phantasie und Frische. Die Gesetzgebung zeichnete sich durch Strenge und Praezision aus. Auf Mord. Ehebruch, Diebstahl und Blasphemie d.h. auf Laesterung der Sonne oder des Inkas stand der Tod. Aufruhr gegen den Inka galt für ein so ungeheuerliches Verbrechen, dass es nur durch gaenzliche Vertilgung der Bewohnerschaft eines aufrührerischen Landteils gesühnt werden konnte. Das Inka-jReich war, wenigstens in den Augen seiner Bewohner sehr streitbar. Die Armee, mit Bogen, Wurfspeeren, Schleudern und Streitaexten bewaffnet und regelmaessig von Offizieren verschiedener Grade befehligt, war in Rotten, Bataflone und Regimenter eingeteilt und zaehlte zuletzt nicht weniger als 200.000 Mann, j Die Zivilverwaltung arbeitete mit groesster Regelmaessigkeit. Auch für den Verkehr war bestens gesorgt. Es gab Poststationen, Postbeamte und Postlaeufer, und von der Hauptstadt Cuzco bis Quito hinauf lief jene Reichsstrasse, die Alexander von Humboldt obwohl er sie nur in ihren Trümmern gesehen hatte ,als eines der riesenhaftesten Werke, die je von Menschen ausgeführt wurden, bezeichnet hat. Unbekannt waren Eisen, Buchstabenschrift und Pferde, jenes wurde durch Kupfer, die Schrift durch ein System von Knoten in langen Faeden, das Pferd durch das Llama ersetzt. Das Verhaeltnis der beiden Geschlechter war sehr sittsam, das Familienleben innig, die Kindererziehung sorgsam und die Umgangsform waren kultiviert. Neben der Architektur blühte namentlich die Schmelz-, Schmiede- und Ziselierkunst. Auch der Geist der VoJkspoesie war taetig, und noch heute singt die indianische Bevoelkerung Lieder, die schon zur Inkazeit gesungeh wurden. Ferner scheinen sich auch hoehere Gattungen der Dichtkunst eifriger Pflege erfreut zu haben. Wenigstens ist uns ein altperuanisches Drama betitelt "Ollanta’, überliefert worden, das zur Zeit der letzten Inka und auch noch nach der spanischen Eroberung aufgeführt yvnrde. Dieses Riesenreich, das gerade einen Tronfolgestreit zwischen zwei Brüdern hinter sich hatte und nunmehr nach Besiegung des legitiemen Tronfolgers Huascar von desäen jüngerem Bruder Atahuallpa beherrscht wurde, wclllte Pizarro stürzen r . ' ' ECHO - ANZEIGEN-! ERFOLGS-ANZEIGEN* Anzeigen-Annahmen: “Tiahuanacu” (Leo Ranis)» gegenüber Post / Echo Büro, Yungas 36 | Telefonische Aufgabe von eiligen Anzeigen unter Nr. 5843 (Imprenta “Ko- Vasuyo"). Anzeigen - Annahme in Cochabamba: Max Jungstein, Casa Paris, Esteban Arze 333 Aus dem übrigen Inferior erbitten Anzeigentexte zu senden an Casilla 2217 - La Paz bzw, erobern. Kühn überstieg er die Cordilleren und befand sich bald dem von seinem Heere und seinem Hofstaat umgebenen Inka gegenüber. Auf seine Einladung erschien Atahuallpa arglos mit glaenzendem Gefolge im Lager der Spanier, die ploetzlich über den voeOlig Ueberraschten herfielen, ihre Kanonen abschossen, mit Reiterei und Fussvolk hervorbrachen und sich mit dem nationalen Schlachtruf San Jago wütend auf die konsternierten Peruaner stürzten. Sie nahmen den Inka mitten unter seinen Leuten gefangen und brachen durch diesen verwegenen Handstreich den Widerstand des ganzen Volkes, das sich fast wehrlos unterjochen liess. Die den Siegern in die Haende gefallene Beute an Edelsteinen, insbesondere schoene Smaragde, Gold und Silber in Form praechtigenTafelgeraetes, reizte natürlich den Golddurst der Eroberer nur noch mehr. Der gefangene Atahuallpa suchte sich dies zu Nutze zu machen und erbot sich, als Preis seiner Freilassung soviel Gold zu geben, dass der ganze Boden des Gemachs, in dem er gefangen war, damit bedeckt werden koennte. Die Spanier, die das für Grossprecherei hielten, Iaechelten dazu unglaeubig. Gereizt durch dieses Lae- I cheln stellte Atahuallpa sich auf die! Zehen, erhob den Arm, bezeichnete i mit der Hand eine Stelle an der Zim-! merwand und ’sagte nachdrücklich: 1 “So hoch, bis hierher will ich das Gemach mit Gold füllen, wenn Ihr mich freigebt”. Pizarro nahm dieses in doppelter Menge. Der Gesamt- Anerbieten an und liess den von Atahuallpa vorgeschlagenen Vertrag urkundlich aufsetzen. Und tatsaechlich wurde, nachdem der Inka seine Befehle hatte ins Land hinausgehen lassen, das Zimmer 9 Fuss hoch mit Gold angefült ausserdem ein anstossendes kleineres Gelass mit Silber und zw'ar dass er im Falle seiner Taufe nicht lebendig verbrannt sondern “nur” mittels der Garotte, eines Halseisens, erdrosselt und dann ejn geaeschert werden sollte. Dies geschah am 29. August 1533 auf dem Platze der Stadt Caxamalca, und so starb auf Anordnung eines früheren spanischen Schweinehirten, denn das war Pizarro in Unterstützen auch SIE die unabhaengige jüdische Presse durch Empfehlung, Abono und Anzeigen, wert dieses Goldes und Silbers dürfte mehr als 10 Millionen Pfund Sterling betragen haben. Gleichwohl erlangte der Inka seine Freiheit nicht, denn die Skrupellosigkeit der Spanier w.ar fast noch groesser als ihre Goldgier. Pizarro, ein wahrer Realpolitiker sans phrase, sagte sich, dass die Freilassung des Inkas zu recht bedenklichen Folger) führen koennte, falls dieser das gesamte Volk zum Kampfe gegen die Eindringlinge aufrufen würde, sodass alsdann das ganze Eroberungsgeschaft in Frage gestellt war. Nun will aber bekanntlich alles seine Form, seine Farbe und seinen Firnis haben. Das Schlechteste und Ruchloseste zumal ist besonderes darauf versessen, seine Verbrechen in moeglchist legaler Form auszuführen. Es musste also ein Vorwand gefunden werden, den Inka nach allen Rechtsregeln abzutun.Infolgedessen wurde ploetzlich das Gerücht von einer grossen, durch den gefangenen Inka heimlich angestifteten Verschwoerung in Umlauf gesetzt. Atahuallpa wurde daraufhin vor ein Scheingericht gestellt und zum Scheiterhaufen verurteilt. Damit auch die Kirche bei dieser Aktion nicht unbeteiligt blieb, wurde der unglueckliche Ink.a zuletzt noch mit Bekehrungsversuchen gequaelt, die auch Erfolg hatten. da man ihm . zusagte, dass er im Falle seiner Taufe nicht lebendig verbrannt, sondern “nur” mittels der Garotte erdrosselt und dann eingeaeschert werden sollte. Die geschah am 29. August 1553 auf dem Ratze der Stadt Caxamalca. Aber die Vergeltung, die doch gelegentlich einmal eine Rolle in der Weltgeschichte spielt, Hess auch hier nicht auf sich warten. Die von den Spaniern in ihren Kolonien begangenen Greuel und Frevel sind schwer auf Spanien zurückgefallen, denn für dieses Land hatten die blendenden und maerchenhaften Erfolge seiner Soehne in Amerika mit der Zeit nur zu Unheil geführt weil Spanien, im Besitz unermesslicher Laenderstrecken jenseits des Ozeans, im Besitz der Gold-lager Periis und der Silbergruben Mexikos, das allein zum Erfolg führende Evangelium der Arbeit nicht hoeren wollte und seiner nicht zu bedürfen glaubte. Auch die Conquistadoren büssten ihre Sünden und riehen sich in moerderischen Streitigkeiten gegenseitig auf. Fast alle hervorragenden Teilhaber an dem Unternehmen gegen das Inka-Reich sind eines gewaltsamen Todes gestorben, insbesondere der zum Marqués erhobene Statthalter Pizarro selber. Am 26. Juni 1541 wurde er von einer Rotte Verschworener irr seinem Palast in der von ihm 1535 gegründeten St.adt Lima überfallen und niedergemacht. Die Weltgeschichte ist das Weltgencht JOSE SZTEIN Fábrica Nacional do Impermeables Colón 367, Casilla 1884, Teléfono N9 4911 LA PAZ BOLIVIA HOGAR AUSTRIACO Yanacocha 280 DAS GUTE RESTAURANT im Stadt-Zentrum! Mittags - und Abendtisch! Nachmittags; Kaffeehaus - Betrieb! Montags geschlossen! HOTEL a 1 NEUMANN Lcayza 442-Casilla 191 y Telefon 5445 Das bevorzugte Hotel im Stadt-Zentrum von La Paz! VINE Y CATARROS SE COMBATEN RAPIDAMENTE POR US FAMOSAS