Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 198 (28.2.1959)
- Date
- 1959-02-28
- Page
- [Seite 6] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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e. “DAS ECHO“ 28. Februar 1959 LITERATUR Bücher in Tagehuchform erscheinen seit undenklichen Zeiten; in unseren Tagen hat das literarische Ta- I gehuch besondere Konjunktur. j Tagebuch - Aufzeichnungen sind j Selbsfgespraeche, sie entstehen durch; Schreihzwang, durch ein inneres Dikj tat, sie sind ehrliche .Monologe des j “Ich", frei von paradierender Tünche; und Schminke - eine literarische Form, j die auf den Leser durch Schlichtheit! wirkt. Die Tagebücher besitzen die | die Technik der direkten Aussage und des unmittelbaren Ansprechens, daher j wird ein besonders inniger Kontakt j zwischen Autor und Leser geschaffen. | Es .liegen uns heute zwei literarische Arbeiten in Tagebuchform vor; beginnen wir mit dem voluminoesen Buch von 310 Seiten (verlegt bei Ernst »Kiett, Stuttgart); f — Emst Jünger: Jahre der Okkupation i i | Der deutsch-schweizer Schriff- J steiler Ernst Jünger, berichtet auch j heute noch gern über Kampf, Wehrj willen und Nationaistölz Dem “Echo” . als pazifistische und kosmopolitisch | orientierte Schrift, fae'llt daher eine i schwierige Aufgabe zu, diesen neuen “Jünger” zu besprechen. Das uns vorliegende Buch ist das dritte eines Tagebuchwerkes, welches felgende Baende umfasst; "Gaerten und Strassen” (April 1939 bis 1940), “Strahlungen” (1941 bis April 1945) und endlich “Jahre der Okkupation”, welches die aufwühlende Zeit von April 1945 bis Dezember 1948, einschliesst. In diesem letztgenannten Buch geht es dem Autor weniger um die physische als geistige (und demoralisierende) Okkupation. In seinem Buch blaest der schicksalhafte Wind (vom katastrophalen Kriegsende, vom Hungern. Darben bis zur Renaissance des Neuen Deutschlands), ein strenger Wind, der viele Illusionen zerstoerte, manchen Lebensbaum stolzer Hoffnung faellte. Wie’ bei Ernst Jünger nicht anders zu erwarten, ist auch dieses Buch ausgezeichnet geschrieben und überrascht des Oefteren durch originelle Formulierungen; dieses Werk besitzt in hoher Konzentration achtungsgebietenden literarischen und künstlerischen Willen. Bei Ernst Jünger sind die Kriegs— und Nachriegs— Geschehnisse mehr durch Intellekt als durch Gefuehl betrachtet, es ist ein Bericht ohne Hass, aber auch ohne zusammenführende Liebe. Das Humane ist am Rande verzeichnet, und wirkt mehr als Zufall, als Gebot. Dieses Buch enthaelt auch zahlreiche Vorkriegs—Rueckblendungen; man erfaehrt hier manches Erstaunliche und Wissenswerte über die Nazis, in ihren Anfaengen und in ihrer Entwicklung. Leider ist das neue Buch von Jünger zu stark mit Detaills überlastet, die oft die Linie sprengen und das Thema verwischen. Dieses Werk ist voll von Philosophismen und von einer geradezu verwirrenden kulturellen Archaeologie. Der Autor schaut manchesmal allzu oft in die Erinnerungskiste, manches wirkt da verstaubt, manches .antiquiriert. Doch dann foerdert sein herzhafter Griff Werte die einen angehen, die voll das Interesse des Lesers beanspruchen. Aber der Reminiszenzen sind leider zu viele; dieses Memorial des heute 65-jaehrigen Autors wirkt oft ermüdend durch seitenlange Erklaerungen im Dozententon über allerlei wissenschaftliche Diszipline. Wenn wir trotzdem unsern Lesern dieses Buch empfehlen, so wegen der Weite des Betrachtungsfeldes, welches dieses Werk besitzt. Ein gescheites, ein kluges Buch, erfüllt von Wissen und Gewissen. Eine Publikation, welche durch ihre Aufrichtigkeit besticht. Ein Buch des Verfalles und des Aufbaues, eine Schrift von zeit-doku mentarischem Gewicht, welche — wenn auch ein wenig zaghaft — in einen besseren Lebensmorgen weist. Otto Küster: Israel-Tagebuch Wir greifen zu einem schmalen Baendchen, und sind bei Lektüre überrascht, über die pralle Fuelle von interessanten Begebenheiten, die dieses Büchlein enthaelt. Otto Küster, der leidenschaftliche Anwalt für die "Wiedergutmachung” an deutschen Juden, wurde von der "Shilumim-Gesellschaft” nach Israel geladen, und legt ein Israel-Tagebuch vor, welches mit Hirn Reportage, die chronologisch geordnet, bei aller Freundschaft, auch gesundes, kritisches Gefühl aufweist. Küster zeichnet weniger das Vulgaer-Auffaellige auf, als das Besondere des israelischen .Menschen und der israelischen Landschaft; in wenigen literarischen Worten zeichnet der Autor ein praegnantes Bild. Besonders interessant wird dieses Kleinbuch durch Schilderungen von Begegnungen mit Buber, Ernst in Deutschland, Dr. Felix Shinnar, tat gut daran, Otto Küster zur Drucklegung dieses Büchleins zu veranlassen. Luis Lagro. Der Mensch Empfangen und genaehret Vom Weibe wunderbar, ( Koemmt er und sieht und hoerH Und nimmt des Trugs nicht wahr; j Gelüstet und begehret Und bringt sein Tr'enlein dar; Verachtet und verehret, j GlaublJ, zweifelt, waehnt und [ [lehret, j Haelt nichts und alles wahr;;. Erbauet und z'erstoeret;; Und quaelt sich immerdar; j Schiaeft, wachet, waechst und [zehret; j Traegt braun und graues Haar. I Und .alles dieses waehüet, - Wenns hoch kommt, achtzig , [Jahr; Dann legt er sich zu seinen [Vaetem nieder | Und er kommt nimmer wieder.; MATTHIAS CLAUDIUS DAS ECHO ist immer interessant- Lesen auch Sie immer DAS ECHO!! und Herz geschrieben wurde. Hier berichtet ein scharfdenkender Jurist mit journalistischem Temperament über das Werden eines Landes, welches auf Sand und Steinen .aufgebaut wurde, und grossartjge Gestalt annahm, dank des zaehen Arbeitswillens und der idealistischen Beschwingtheit seiner Bewohner. Eine .gut gesehene und gut verarbeitete, Simon, Kurt Blumenfeld, Walter Eytan, der Minister Rosen und Naftali, von .Max Brod, Sharett u.a.m. Küsters Reise-Erlebnis teilt sich Aem Leser mit; eine bessere Empfehlung kednnen wir dieser Schrift nicht geben. Das “Israel-Tagebuch" erschien im Dezember 1958 im Verlage der "Israel- Mission” in Koeln. Israels Botschafter WIENER LIBRARY Aus dem Archiv deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens entstanden Eine besondere Bedeutung für das englische, deutsche wie auch internationale Leserpublikum der britischen Metropole hat die sogenannte "Wiener Library”,' nicht nach der Donau-Stadt, sondern nach dem Orientalisten Dr. Alfred Wiener benannt, der sich beim Anbruch der Naziherrschaft zunaechst nach Holland und dann nach England in Sicherheit brachte. Dr. Wiener war Syndikus des “Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens”, der vor 1933 in Deutschland ein Archiv über Nationalsozialismus und Judenverfolgung unterhielt. Er rettete das Archiv nach London und verwandelte es in das “Jewish Information Office" ,(Jüdisches Informa- .tionsbüro), eine für alle Fragen des jüdischen Schicksals zustaendige Auskunftstelle, die unter anderem! durch Zuwendungen und Stiftungen! jüdischer Organisationen tmd Persoenli.chkeiten zunaechst mehr schlecht als recht über Wasser gehalten wurde. Im Laufe der Zeit aber erkannten britische, amerikanische und andere auslaendische Regierungsstellen sowie Forschungsinstitute und Universitaeten; von welcher Wichtigkeit diese Material—und Inforniations— Sammelstelle w.ar, sodass Dr. Wiener dazu übergehen konnte, die bescheidene Auskunftstelle — die übrigens auch heute noch als Unterabteilung der Wiener Library besteht — in eine fast enzyklopaedische Bibliothek mit Archiv auszubauen, die über die Geschichte und Politik des Nationalsozialismus und verwandter Bewegungen Auskunft gibt. Zu vielleicht drei Vierteln besteht diese Bücherei .aus deutschen Büchern, Broschüren, Zeitschriften, Flugblaettern und Zeitungen, aber auch aus hand— und maschinengeschriebenen Dokumenten von einmaligem Wert. Private Benützer dieses Informationszentrums koennen gegen eine maessige Mitgliedsgebühr die Bibliothek und ihre Archive benützen; mit Ausnahme von Handbüchern, Zeitungen und Flugblaettern wird das Publikationsmaterial den Mitgliedern auch nach Hause geliehen. Das Personal der Bibliothek übernimmt entgeltlich für andere Steilen auch Forschungsauftraege und Materialzusammenstdlung. Auch bekannte Historiker der Naziperiode wie Allen Bullock, Wheeler- Ben nett, Trevor Roper, benützten die Bestaende ausgiebig, und die Bibliothek leistet in Zusammenarbeit mit Forschungsstellen der Bundes reptiblik Deutschland eigene Forschungsarbeiten, beispielsweise gemeinsam mit dem “Institut für Zeitgeschichte” irr München. Dr. Wiener und seine Mitarbeiterin, die Historikerin Dr. Reichmann, haben in Deutschland und in anderen Laendern zahlreiche Vortraege und Kurse über das gemeinsame. Schicksal von Deutschen und deutschen Juden gehalten, erst kürzlich noch auf einer Tagung der niedersaechsischen Landerzentrale für Heimatdienst in Bad Nenndorf. Ein Teil der umgangreichen, für die Durchführung der Bibliotheksarbeiten notwendigen Mittel wird aus den Wiedergutmachungsleistungen der Bun- I desrepublik für jüdisches Vermoegen, i dessen Erben nicht mehr leben, an | die “Jewish Claims Conference” (eine Kollektivvertretung aller jüdischer Organisationen) abgezweigt. Dr. Wiener und seine Mitarbeiter bemühen sich in Vorträgen und Veroeffentlichungen, queh um die Verbreitung des Abonnements - Einladung ♦ Fast alLe unsere Leserfreunde sind Abonnenten ■F Falls Sie noch kein ECHO-ABONO haben, bitten wir Sie, untenstehenden Kupon, auszufuelien und uns baldigst einzusenden. ■f Nur das ECHO-ABONO garantiert fuer zuverlaessige Lieferung Verstaendnisses für die Tatsaecher dass die deutschen Juden zur deutschen Kultur und Zivilisation gehoerten | und keinen sogenannten “Fremdkoerper” im deutschen Volk darstellten, wie es die Nationalsozialisten behaupteten. Für seine Verdienste um dieses Verstaendnis wurde Dr. Wiener vor einigen Jahren aus Anlass seines 70. Geburtstages das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Henry Hellmann. Das gute 'W’h.; ' FOTO „ KAVUN ftrbwiü rsuleuAchjol; Verlag <;DAS ECHO” Casilla 2217 La Pa z Hierdurch abonniere ich die Halbmonatsschrift DAS ECHO zum Preise von Bs. 13-200 fuer La Pcrz Bs. 14.400 (Inferior ) (Nichtgewuenschtes bitte streichen) Dieser Preis bezieht sich fuer 24 Lieferungen, einschl. Porto. Name: .-. Casilla; . Ort: ...