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Das Echo · 1959-02-28 · 198 (28.2.1959) · p. [Seite 4]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
198 (28.2.1959)
Date
1959-02-28
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
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4. “DAS ECHO” 28. Februar 1959 Der Film - ein Kulturfaktor? Das Kino ist die grosse Unterhaltungsstaette in aller \Ve!t. Der Fi'mkonsum ist enorm. Aus dem Kintopp von Annodazumal wurden Filmpalaeste, aus den Asta Nielsen—, Viggo Larsen—, Ossi Oswalda—, Fern Andra— und Pola Negri-Filmen mit hochdramatischer Rezitation und gefühlvoller Klaviergegleitung, wurden Kunstwerke, die ernsthafte Menschen interessieren, über welche die serioese Presse berichtet, die Millionen von Menschen in ihren Bann ziehen. Von dem Kinematograph der A. und L. Lumière bis zum Trick— und Ton-Film in unserer Zeit, war ein langer und oft harter Entwicklungsweg. Die Filmtechnik wurde immer mehr verbessert, Regie und Kameraeinstellungen wurden zu Wissenschaften. Riesenhafte Kapitalien wurden, in Hollywood, Rom, London, Paris und anderen Filmzentren für Produktionen investiert. Die Analyse des Film- Marktes ist eine Kunst für sich geworden, und Filmdirektoren gehoeren wohl zu den geschaeftlich helhoerigsten Menschen. Auf kaum einem Kunstgebiet liegen Kunst und Kitsch so nahe, als wie im Film. Film-Manager sind gewoehnlich recht smarte Geschaeftsleute, die dem Erfolg nachjagen, und die sich im übrigen sehr wenig um “Kunst" kümmern. Sind Kunstfüme gefragt, versprechen sie ein Geschaeft zu sein, werden Kunstfilme gedreht; sind Schnulzen und unverfaelschter Kitsch, Sensation und Sexualitaet in Konjunktur. so wird eben mit Begeisterung und ohne Skrupel, filmischer Mist produziert. An seinen Filmen erkennt man den Zeitgeist. Welche künstlerische Entgleisungen heute üblich sind, mit welchen ordinaeren Themen sich heute die Masse der Kinobesucher begnügt, sollen folgende Filmtitel beweisen, die z.zt. in deutschen Zeitungen propagiert werden: Serenade für zwei Pistolen / Lagune der sündigen Liebe / Das Frauenbad von Havanna / Küsse, Kuge'n und Kanaillen / Verfemte Frauen / Blut an meinen Haenden / Im Banne des blonden Satans / Heisse Küsse, scharfe Schüsse / Rauschgift und Blondinen / Zur Hoelle und zurück / Missbrauch der Liebe / Kleines Biest mit langen Haaren / Rote Lippen, blaue Bohnen Flotte Weiber / Liebling, sei heute nacht bei mir. Diese praechtige Kollektion geschmackvoller Filmtitel liesse sich noch um Bedeutendes erweitern, aber lassen wir es bei diesen 15 Titeln bewenden, die wohl genügen um zu beweisen, auf welches armselige Niveau der aktuelle Produktionsgeschmack gekommen ist. Wir wiederholen die Frage aus einem früheren Echo-Artikel: Müssen Fiime so sein? Der Film dient nicht nur zur Zerstreuung und Unterhaltung für abgespannte Menschen nach Feierrabend, sondern das Kino ist auch das geistige Wirtshaus für Jugendliche. Es gib überall Gesetze, die literarischen Schmutz und Schund verbieten, aber was im Film (und sehr oft auch in Television) gegenwaertig geleistet wird, ist kulturell und paedagogisch derart barbarisch, dass man still vor sich hinweinen moechte. Hollywood hat ein gerütteltes Schuldmass an unserem kulturellen Niedergang. Die Herren der kalifornischen Traumstadt machen mit Vergnügen in Millionen Film-Metern in .Mord und Totschlag, Ehebruch und Sex — wenn es nur ihre Taschen füllt. Die recht realistischen italienischen und russischen Filme beweisen, dass eine sehr interessante und publikumswirksame Handlung, durchaus nicht gefühlsverrohend sein muss; der japanische. der chinesische und z.T. .auch der englische Film beweisen gleichfalls, dass Filme auch interessant sein koennen, ohne Lasterorgien und volksverbildende Tendenzen. Auch der franzoesische Film hat, trotz gewagter (erotischer) Themenstellung, Delikatesse, Feinheit im Dialog, Kultur und Takt in der Sujetbeliandlung. Nordamerika aber ist das weitaus groesste Filmland, daher sollten seine Filmproduzenten eine ganz besondere Pflicht für die Herstellung guter Filme haben. Hollywood aber jagt nur dem Mammon nach, und Geld liegt — nach Ansicht der hollywooder Film-Fabrikanten nur im Abgedroschenen und Ordinaeren. Auch Film-Deutschland hat in dieser Beziehung sehr viel von den USA gelernt: es überpurzelt sich foermlich in Filmen, die dem niedrigsten Geschmack dienen. Ein guter Film kann den Besucher bereichern, erheitern, erschuettern, ein schlechter kann nicht nur langweilen, sondern (und dies insbesondere bei Jugendlichen) schaden und unter Umstaenden kriminelle Komplexe aus'oesen. Wir vom “Echo" sind gewiss nicht prüde, wir sind .modern, lieben Charme und auch Pikanterien, aber wir sind gegen das Gemeine, Betont-Sinnliche, gegen das Ordinaere. Obwohl es heute eine hochkultivierte graphische Kunst gibt, sieht man noch oft vor Kinos Plakate mit busenreizenden, bei n winkenden. augenklappernden Frauen, in einer Komposition und figürlichen Darstellung, die nur an den Sinnenreiz, nicht aber an das künstlerische und aesthetische Gefühl des Betrachters appeliert. Wie der Film, so die Werbepsychologen der Filmbranche glauben an besondere Erfolge, wenn sie in Werbungen das Tier im Menschen ansprechen. In den Studios meint man, dass in unserem Zeitalter der Verrohung, der Aeusserlichkeiten, Werte nur etwas wert sind, wenn sie Werte bringen. Es waere sicher eine übertriebene Forderung, dass die hollywooder Filmfabriken künstlerische Experimente machen sollen; aber man darf wohl fordern, dass diese Herrschaften Filme erzeugen, die nicht niveaureduzierend auf die Besucher wirken. Wir sind der Meinung, dass der Publikumsgeschmak besser ist, als es Hollywood wahr haben will. Wir meinen, dass es gut waere, Unterhaltungsfi'.me zu drehen ohne Obszoenitaeten, dass eine Filmhandlung auch auskommen w iirde ohne Halbwelt, ohne Kaschemmen- und Unterwelt - .Milieu, ja, dass sogar ein Film trotzdem interessant sein koennte, wenn in. diesem nicht egal und immerfort Frauen geschlagen und Maenner niedergeboxt werden. Was will das grosse Kinopublikum sehen? Gross aufgemachte Geschichtsfilme,- soziah.1 Problemfilme, Filme aus dem Alltagleben, Menschen, die im Kampf mit hartem Tagesfragen stehen; bevorzugt werden auch Streifen mit einem guten Komoedienthema oder auch Filme die in “hoeheren Gesellschafts-Sphaeren" spielen. Das gute Durchschnittspublikum will all dieses sehen, in keinem Falle aber die ewigen Schmarozer und Ganoven; denn diese Filmkanaillen sind weder amüsant noch interessant. Prjiziert Sozialfilme, menschliche Problemefilme, gute Abenteuerhandlungen, geisseinde Satire, erfrischenden Humor! (Die sozialkritischen Filme "Das Maedchen Rosemarie" und “‘Wir, die Wunderkinder" sind ein Beweis dafür, dass heissende Gesellschafts-Satire, ein ganz grosses Filmgeschaeft sein kann). Hollywood hat es vielmals bewiesen dass es nicht nur gute, sondern auch wirklich wertvolle Filme zu drehen vermag. Aber auf einen Qualitaetsfilm kommen leider zehn Reisser — und diesek Zahlenverhaeltnis übersteigt bestimmt das Erlaubte. Oder meinen die Filmgewaltigen von Hollywood dass sie getreu nach Goethe handeln, der meinte “Erlaubt ist, was gefaellt!"? Nein, ihr Filmherren: euere geschmacksverbildenden Gefaelligkeiten sind bestimmt nicht erlaubt! Wie in allen Sparten geschaeftlichen Lebens so auch in der Filmbranche hat letzenendes nur das Gute Bestand. Nicht die breite und noch breitere Leinwand nicht die Farbenpracht entscheidet den subtanziellen Wert eines Filmes, sondern die Qualitaet (Thema Regie und Darstellung). Was Hollywood dringendst bedarf sind gute und originelle Drehbuch-Autoren. Die Aufgaben des Films sind: in guter Form zu unterhalten, Menschen nicht zu verhetzen, sondern zusam-! njer.zuführen, Menschen nicht zu! erniedrigen, sondern die menschliche I Würde zu betonen. Bei Erfüllung diei ses Aufgabekreises, würde das Massenbeeinflussungsmittel “Fiim" sich im guten Sinne bewahren. ' 1 u k u s t a BEILEID ZUM ABLEBEN DES BOLIVIANISCHEN BOTSCHAFTERS IN DEUTSCHLAND Die Pressestelle des Bundespraesidenten gibt bekannt: Der Bundespraesident sandte Seiner Exzellenz dem Praesidenten der Republik Bolivien. Hernan Siles Zuazo, folgendes Beileidstelegramm : Zum Ableben Ihres von mir hochgeschaetzten Botschafters, Exzellenz Genera! demente Inoftientes Guisbert, spreche ich Euerer Exzellenz mein auf- , richtiges Beileid aus. Das ploetzliche Hinscheiden dieses stets um die Ver- EE RA IN DUSTRIAU ALE MANA 0 ' tiefung der Freundschaft zwischen, i unseren beiden Laendern bemühten ■ Mannes bedeutet für uns einen sch-! merzüchen Verlust, j Theodor Heuss i Praesident der Bundesrepublik j Deutschland j i j Das Auswaertige Amt teilt mit: I Der Bundesminister des Auswaertigen | sandte Seiner Exzellenz dem Minister für Auswaertige Beziehungen, Victor Andrade Usquiano, La Paz, folgendes Beileidstelegramm: Anlaesslich des Ablebens Seiner Exzellenz des Herrn Botschafter, General demente Inofuentes Guisbert, moechte ich Euerer Exzellenz meine herzliche Anteilnahme aussprechen. Der verewigte Botschafter hat sich in der leider nur kurzen Zeit seines hiesigen Wirkens viele Sympathien und grosse Verdienste um die freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Laendern erworben. Sein Hinscheiden wird daher von allen, die ihn in Deutschland kennenlernten, schmerzlich empfunden. von Bretano Bundesminister des Auswaertigen Verlagen Sie ausführliche Informationen durch die Vertretung der “Deutschen industríe - Ausstellung Hannover” in Bolivien: CAMARA DE COMERCIO E INDUSTRIA BOLIVIANO - ALEMANA Av. MARISCAL SANTA CRUZ 1000 (Transito - Gebaeudli, 1. Stock) - Casilla 2722 - Telefon 7596. BOLIVIANISCHER WAHLKONSUL Das Auswaertige Amt teilt mit: Dem zum Bolivianischen W.ahlkonsul in Düsseldorf ernannten Herrn Walter Blanke in Düsseldorf ist am 11. Februar 1959 das Exequatur der Bundesregierung erteilt worden. Der Amtsbezirk des Wahlkonsulats umfasst die Regierungsbezirke Düsseldorf, Münster und Detmold. Die Anschrift des Wahlkonsulats lautet: Efüsseldorf, Koenigsallee 53.

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