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Das Echo · 1959-01-30 · 196 (30.1.1959) · p. [Seite 7]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
196 (30.1.1959)
Date
1959-01-30
Page
[Seite 7] (sequence 7)
Language
German
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30. Januar 1959. DAS ECHO ii Ui IS n Die Gemeinschaft und die Gemeinde PROBLEME, DIE UNS ANGEHEN: Zusammenarbeit mit der Jugend Die juedische Einwanderung in Bolivien hat im Grossen und Ganzen den Lebensgipfel erreicht, ihre Jugend ist herangewachsen, sie steht heute im Leben und stellt Forderungen. Die 1938er Inmigranten haben geistiges Embonpoint angesetzt, sie nehmen sich und ihre Kreiste ueberaus wichtig, sind z. T. stolz auf ihre Arbeit itn Vereinen, und ihrem Obolos, den sie gelegentlich fuer juedische Arbeit anwenden. Aber im allgemeinen sind sie geistig noch im Fuehlen und Denken wie vor ihrer Auswanderung und stehen der Generations-Problematik ungerüstet gegenüber. Viele bemerken es kaum, dass unsere Jugend hier am Rand aufwaechst, dass sie geistig keine homogene Verwandtschaft mit dem Jishuv verbindet. Es ist nicht nur eine Angelegenheit der Eltern, ihre Kinder berufsmaessig vorzuber'eiten, sondern sie zu bewussten und tatkraeftigen Mitgliedern unserer Gemeinschaft zu erziehen. Wenn wir den Mut haben, zehn oder zwanzig Jahre weiter zu blicken, so muessen wir befuerchten, dass es um das Jishuvleben, insbesondere in Bolivien, arg bestellt siein wird. Wie gesagt: unsere Jugend waechst am Rande juedischen Lebens auf, ihr Sinn im Sein bleibt geistiger und traditioneller Juedcschkeit verschlossen. Unsere Verstaende tun recht wenig, um di; juedische Zukunft in Bolivien mobil zu halten^; sie denken in ihrer Arbeit an sich, ihren Ehrgeiz, an die Gegenwart — wenig aber an d'e Dinge, die sich spätster entwickeln muessen. Die Zionistische Organ'sationsleihmg hat es bisher nicht verstanden, unsere juedische Jugend anzusprechen, sie zionistisch zu begeistern, sie chaluzisch zu erziehen und zur Alija zu veranlassen. Unser boliv. Zionismus geht an der wichtigsten Arbeit vorbei: der zionistichen Erweckung des Kindes. (Auch die sonstige Einwanderung nach Israel von hier aus ist derart geringlüegig, dass damit einmal mehr das Versagen der hiesigen zionistischen Organisationen bewiesen ist. Dies sei in Paranthese vermerkt). Aber auch die uebrigen juedischen Organisationen in Bolivien tun wenig dazu, um jugendliche Energien in den Strom positiven Judentums zu lenken. Bei Vorstands wählen terlebt man es immer wieder, dass ehrwuerdige Herren wieder gewaehlt werden, dass man sich nie darum bemueht, auch Jugend, frischen und unverbrauchten Geist an Vorstandstischten zu haben. Die Organisationsatbeit wird routinemaessig besorgt; wer diesen Rhythmus stoert, ist ein Stcerenfried, der unerwuenscht ist. Unsere Macabi-Jugend hat nicht nur sportlich sehr nachgelassen, sondern auch deren soziale und kulturelle Arbeiten sind unbefriedigend. Dieser Jugend fehlt es im allgemeinen nicht nur an Disziplin, sondern auch an juedischem Enthusiasmus. Der Wunsch zu geistiger Bereicherung ist gering, um so groesser dafuer der Wunsch den “grössten Herrn” und die “grosse Danie” za spielen. Was wir hier kritisch aussagen ist die Regel; selbstverstaendlich gibt es auch bei uns 'eine Jugend, die sehr erfreulich ist, und zu desen Entwicklung man volles Vertrauen haben darf. Aber diese bewusst-juedische Elite in unserer Jugend ist in der Minderheit. Dies auszusprechen ist publizistische Pflicht. Wie kann man unser Jugendleben neu steuern, der Jugend neuen Inhalt geben? Einmal muss es Aufgabe unserer Schulleitung sein, die Kinder weit mehr als bisher im positiven juedischen Sinne zu formen; die notwendige Ergaenzung hierzu ist die Erziehung durch die Eltern, die ihren Kindern ein juedisches Haus zu bereiten haben. Juedische Organisationen in Bolivien haben die Pflicht, unsere Jugend innerhalb der Gemeinschaftsarbeit w'eit mehr heranzuziehen, als dies bisher der Fall ist. Es muss hier ein genereller Blau-Weiss-Jugendring gebildet werden, der die Jugend unterhaelt, informiert, geistig befruchtet und zionistisch ausrichtet. Sicher ist es leichter darueber zu schreiben, als das Projekt zu realisieren. Denn es gibt leider in unsfören Kreisen wenig Persoenlichkeiten, die die Jugendleitung uebemehmen koennen. Aber wir haben schon soviel in unseren Jishuven geschaffen, dass auch diese Angelegenheit kein unloesbares Problem sein sollte. Wir bitten unsere fuehrenden juedischen Maenner in Bolivien, das Jugend-Problem mit Energie anzupacken, dafuer zu werben und die geeigneten Frauen und Metenner zu suchen. Die Jugend ist unsere Bluete. Wir haben darauf zu achten, dass aus der Bluete sich eine gute Frucht entwickelt, die eine Ehre fuer das Judentum sein soB- Unkontrollierte Jugend, Jugend ohne Ideale, ohne Unterw'eisungen, ist einer Assimilation anfaellig. Unser Volk steht am Anfang einer grossen Zukunft. Jeder einzelne unter uns hat dafuer zu sorgen, dass diese Zukunft sich strahlend erfuellt. ■ “Das Echo” steht mit seiner ganzen Kraft diesem Unternehmen zur Verfuegung und erwartet von den Vorstaenden in dessen Dienst gestellt zu werden. 1 u k u s t a . JUEDISCH-FILMISCHES EREIGNIS: Hügel 24 antwortet nicht... Vor fast einem Jahr brachten wir die Nachricht, dass der Film “Hügel '24 antwortet nicht” endlich in Bolivien eingetroffen ist, und wir nun der Aufführung harren. Unverstaendlich lange haben unsere FSUB und andere zionistische Organisationen gebraucht, um diesen israelischen Film repraesentativ herauszubringen. Nun, einmal erfüllte sich doch die Zeit, und die Aufführung war ein Ereignis. Die Story: Der Streifen behandelt einen charakteristischen Ausschnitt .aus den heroischen Freiheitskaempfen. Hügel 24 ist der beherrschende Punkt zur Pforte nach Jerusalem. Kurz vor dem (von der UN herbeigeführten, jedoch von den Arabern praktisch, nie respektierten) Waffenstillstand, erhielten vier Freiwillige <darunter ein Maedchen), Ordre, diese strategische Position für Israel zu halten, koste es was es wolle. Nach der Waffenruhe leuchtet stolz die israelische Fahne auf Hügel! 24 - seine Verteidiger aber sind heldenhaft gefallen. Dieser Film sprüht nur so von jüdischem Leben und israelischem Idealismus. Hier wird einem Weltpublikum eingehaemmert, dass Juden nicht “nur Haendler” sind, sondern grosse Helden sein koennen, wenn es um Verteidigung heiliger Interessen geht. ln diesem Film ist es sichtbar, wie dieses Konglomerat von Menschen vieler Kontinente zu einer •disziplinierten militaerischen Einheit geformt wurde, dies ohne - Drill, nur durch Begeisterung und Hingabe, die juedische, die israelische Erde bis zum Aeussersten zu verteidigen. “Hügel 24” ist ein F:ilm von warmer Menschlichkeit, von herrlicher Kameradschaft, von hoher, echter Vaterlandsliebe. Das Schoenste an diesem Film ist, dass der Autor (Zvi Kolitz) keinen Hass und keine boese Tendenz gegen den arabischen Feind sprechen laesst. “Hügel 24” ist ein harter, maennlkher Kriegsfilm, der wirken muss, weil er ethisch und sauber in Konzeption und Ausfuehrung blieb. Dieser israelische Film war der Anfang einer qualifizierten israelischen Produktion. An diesem Streifen ist rein technisch noch manches unausgegoren, man fühlt das experimentelle Suchen nach einem eigenen Stil, eine gewisse Unsicherheit der Kamara ist noch erkennbar, der Streifen hat in manchen Scenen unnoetige Laengen — aber als Ganzes betrachtet, ist “Hügel 24” eine ganz ausgezeichnete Produktion, die mit Recht bei den Filmfestspielen in Cannes praemiert wurde. Am Rande des rauhen Kriegsgeschehen blueht eine bezaubernde Liebesgeschichte, die glücklicherweise nicht'das grosse Thema sprengt oder auch nur einengt. ln diesem ersten israelischen Spielfilm begegnen wir Haya Htararit, die heute ein yveltbekannter Filmstar ist; Haya Hararit snielt das Maedchen Miriam mit faszinierendem Charme, sie wirkt wunderbar bodenständig und hat im Spiel Momente, die sie als echte Künstlerin legitimieren. Den maennlichen Part führt sehr gekonnt James Finnigan, ein christlicher Ire, aus, ein Darsteller von Format und praedestiniert fuer eine gute Filmkarriere. Zu diesem filmischen Dokument darf man Israel gratulieren, insbesondere dem Produzenten Thoro Dickinson. Erw.aehnenswert bleibt noch die Musik von Paul Ben-Haim, die das filmische Geschehen meisterhaft untermalt. + Das “Institute Cuitural Boliviano- Israeli” veranstaltete am Dientag, den 27. 'm “Tesla” die festliche, wohlorganisierte Premiere, an welcher hohe Regierungsvertreter und eine grosse Anzahl von Diplomaten teilnahmen. Der Eindruck auf das Premier-Publikum war ein starker und alle Besucher waren des Lobes voll ueber diesen israelischen Film. Wenn dieser Film auch spaet nach Bolivien kam, so sind wir doch dankbar dafuer, dass er ueberhaüpt kam und angelaufen ist. Ein besonderen Dank gilt den Veranstaltern (FSUB und ICBi), die sich erfolgreich bemuehten, diesen wichtigen Film, gross und repraesentativ herauszubringen. Dieser israelische Film wird im Kuerze im regulärem Programm laufen und bitten wir alle unsere Leser, es nicht zu versaeumen, diese Grössleistung israelischen Filmschaffens kennen zu lernen. ... — dt. GENERALVERSAMMLUNG C. D. I. M A C A B I Beginnen wir mit dem Ende, der Versammlung, mit der Vorstandswahi Welch peinliche Komoedie, weich klarer Beweis lag hier vor, wie wenige idealistische und konstruktive Kraefte wir für die Jugendleitung zur Verfügung haben! Im stundenlangen hin und her, bedankte sich ein jeder für die “Ehre" dem neuen Macabi- Vorstand anzugehoeren; .alle Ausreden, alle Ausflüchte wurden angeführt, um Vorstandsarbeit für unsere wichtigste Jugendorganisation, dem “Macabi” zu vermeiden. Hier offenbarte sich eine erschütternde Dekadenz, ein Fehlen guten Führungswillens, hier gab es ein Schwaetzen ohne Liebe zur Tat! Nach langen Debatten, rettete der Ehrenpraesident, Macabi Jacobo Ranis ,die Situation, indem er die provisorische Leitung übernahm und zur Mitarbeit die Herren Horst Bachen, heimer, Hermann Haftel und die Jugendlichen Schneidt und Szaiman verpflichtete. Diese “Mesa directiva provisional" soll vorerst drei Alonate wirken; nach dieser Zeit, soll ein definitiver Vorstand gebildet werden. Wie der Epilog so war auch das Praeludium dieser GV nicht besonders erfreulich. Aus den Berichten der sportlichen Sektionsleiter erkannte man zwar manchen guten Willen und guten Ansaetze, doch Ausführungen und Erfolge waren in suma als maessig zu bezeichnen. Dieser Abend war unerfreulich, was umso bedauerlicher war, da eine (für unsere Verhaelnisse) grosse Besucherzahl zu dieser GV kam, was immerhin bewies, dass ein (wenn auch leider nur platonisches, theoretisches) Interesse fuer unsern “Macabi” vorhanden ist. Diese Anteilnahme kam auch dadurch zum Ausdruck, dass nicht weniger als 23 Menschen steh an Diskussionen beteiligten. Hier wurde des oefteren (und mit Recht!) die mangelnde Zusammenarbeit mit andeden lokalen jüdischen Organisationen gerügt, es wurde beanstandet, dass unser “Macabi” allzuwenig von dem jüdischen Geist unserer Zeit, dem zionistischen Geist, erfüllt sei, ebenso wurden die Eltern unserer Jugendlichen angeklagt, dass sie nur sehr wenig Interesse fuer die sportlichen und kulturellen Bestrebungen des “Alacabi ’ bewiesen. Im übrigen .wurde oft das ausgesprochen, was “Das Echo” seit langem predigt, wofür es kaempft: eine staerkere israelische Ausrichtung, intensivere Pflege der hebraeischen Sprache und Erhoehung des allgemeinkulturellen Niveau in unserer Jugendpflege. Bei dieser Gelegenheit konnte man mit Vergnügen feststellen, dass manche der jugendlichen Sprecher durchaus gutes Format bewiesen, dass es auch in unserem “Macabi" Kraefte gibt, die zu recht positiven Leistungen befaehigt w.aeren, wenn diese durch eine starke Hand geleitet und disziplipliniert werden würden. Der scheidende Praesident, Israel Kweksilber. hat mit sehr viel Liebe und Opferbereitschaft, den “Macabi” geleitet und es war ein wenig fatal, dass ihm für seine jahrelange Arbeit keinen Dank, auch nicht von jugendlicher Seite, in dieser GV ausgesprochen wurde. Unser Macabi wurde im Oktober 1939 gegruendet. Der neue Vorstand führt diesen Klub nun in das 20. Jahr seines Bestehens; ein Anlass, durch besondere Anstrengungen, die gute und bewaehrte Macabi - Tradition in diesem Jahre zu fundieren. “Das Echo” wünscht unserm C. D. I. Macabi ein neues Erblühen und Erstarken, im Interesse eines gesunder. und bewussten Nachwuches unserer Gemeinschaft

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