Das Echo
- Journal
- Das Echo
- Volume
- 9 (1958-1959)
- Issue
- 196 (30.1.1959)
- Date
- 1959-01-30
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS ECHO REVISTA DEMOCRATICA CULTURAL EN IDIOMA ALEMAN_ Die unabhaengige Halbmonatsschrft Boliviens in deutscher Sprache fuer Politik, Kultur und Wirtschaft Direktor und Chefredakteur: Dr. Ludwig K. Stargardt Verlag: Editorial “El Progreso”, Empresa de Propaganda y Publicidad, La Paz - Obrajes - Bueros: La Paz, Calle Yungas 36 und Cochabamba, CalleBaptista 429. - Postanschriften: Revista “El Eco” - Casilla 2217 La Paz oder Casilla 748 Cochabamba. — Druck: Editorial “Kollasuyo”, Loayza 304. DAS ECHO erscheint am 15. und 30. eines jeden Monats. Anzeigenpreis: 1 komplette Seite Bs. 500.000.—; kleinere Flaechen entsprechend weniger. — Sprechstunde der Redaktion: Mittwoch 6-7 Uhr nachmitags. — Nummer 196. 30. Januar 1959„ Preis: Bs. 500.- empfiehlt sich fuer die Durchfuehrung von Reisen im Flugzeug, mit Schiff oder ßahn Beraten Sie sich mit uns - Sie werden durch TurBol gut bedient! Man spricht deutsch, englisch, franzoesisch und italienisch! SUCRE PALACE HOTEL Telef. 7651 - 4873 — Casilla 1129 Sphinx Russland Die “Union der sozialistischen Sowjet-Republiken”, wie die amtliche Bezeichnung fuer Russland ist, wird immer mehr zum entscheidenden Faktor fuer Frieden oder Krieg. Was sich in dJesem ungeheueren Land abspielt, beansprucht Allgemeininteresse, doch nicht Viele kennen das “wirkliche” Russland, das Russland von heute. Kein Land und keine politische Ideologie wird derart tendenzioes beurteil, wie die der UdSSR, alltes wird so gefaerbt und dem Leser serviert, wie es der aktuellen West Politik gerade recht ist. Die demokratische Welt fordert - mit Recht - freiheitliches politisches Denken, Dienst an der Wahrheit und Gerechtigkeit. In der Russland-Frage jedoch wer. den Unterschiede gemacht; Presse, Film und Funk werden zu einer ein- Sieitlicban anti-russischen Beurteilung 'erzogen. Der “Eiserne Vorhang” ist letztlich nicht eine sowjetische, sondern eine west-politische Erfindung, die wuenscht, dass nicht zuviele in das sowjetische Reich schauen. Diese Politik, diese falsche Einschaetzung und oft Unterschaetzung des Gegners, muss zu permanenten Spannungen fuehren, die keineswegs den von Voelkern geliebten Pazifismus dient. Die West-Literatur ueber die Sowjet-Union zterfaellt in drei Teile: Westpolitisch gesteuerte Sowjet-Litetratur, die fast nur Negatives zu berichten hat, Kommunistische Russta^ids-Litecatur, welche in nicht sachlichen Lobesorgien sich gefaellt und endlich als dritte Klasse, die private, unbeeinflusste Russland-Beschreibung. ... .Von Interesse fuer uns ist nur die letztere Form der Russland-Literatur, die gegenwaertig stehr anschwitlt, und ueberaus interessante Details ueber das Reich “hinter dem Eisernen Vorhang” einer kritischen Leserschaft bietet. Es wuerde hier zu weit fuehiten Autoren und Verlage zu nennen, die sich bemuehen objietive Russland- Literatur zu verbreiten. Alle Autoren (Amerikaner, Deutsche, Englaender, Franzosen, Lateinamerikaner) sind sich darueber einig, dass die Stalinperiode, die kommunistische Epoche der Versklavung vorbei ist, und heute eine Aera begonnen hat, die sich bemueht, dem Lande praktisch-sozialistisch zu dienen, dem Volk einen besseren Lebens-Standard zu vermitteln. Das Russland - Problem ist aeuss&rst zwielichtig. Ein Fuer und Gegen wird oft ausgeloest durch das zivilisatorische Temperament des Betrachters oder durch National - Eingenarten des Russland- Besuchers. Was manche gut finden, finden andere mittelmaessig - kaum 'ein West - Besucher kann sich ganz von den westlichen Konventionen frei machen, allzu stark steht die teuropaeische Tradition gegen das russische Eurasische, diesem Komplex von Suesse und Bitternis, von Heuchelei und Wahrheit. Der heutige Russland-Besucher muss das gestrige Russland studieren, das kaiserliche Russland der Feudalherrschaft, um das Russland 1958 zu verstehen. Hier ergibt sich ein Kriterium, welches fuer das neue Russland spricht. Aus der uns vorliegenden Literatur ueber das Neue Russland, frei von parteipolitischen Schoenfaerbereien, klingt das Lied einer harten Arbeit, einem Werk, welches “Muettlerchen Russland” einen neuen Gehalt gibt. Der russiche Bürger ringt um den wirt. schaftlxhen und technischen Endsieg, er ist zutiefst davon ueberzeugt, dass J _ die Weltmarke... auch fuer i I ¡W TONBANDGERAETE! j : 14 Modelle 1959!; * HOECHSTE KLANGREINHEIT m £ % EINFACHSTE HANDHABUNG W $ * IDEALE FORMSCHOENHEIT " £ £ GUENSTIGSTE PREISE M * J vereinen die neuen KOERTING- £ * TONBANDGERAETE! £ i Hi Fi-Radios “Koerting” 1959 sind einge- £ j* troffen und bitten um Ihre Besichtigung! £ * Empresa HUGO LANGER - La Paz J * Calk Potosí 261 - Telefon 8443 - Casilla 479 t dies ihm gelingen wird und er vom Schicksal dazu praedestiniert wurde, der Welt ein sozialistisches Antlitz zu praegen. Wie in jedem autoritaeren Staat gibt es Ifri der UdSSR viel politische Propaganda und einseitig- .parteiliche Erziehung, die System-Anhaengcr oft zu Fanatiker machen, zu Elementen die letztenendes politisch blind sind und nur williges ideologisches Werkzeug sein koennen. Neben diesem charakteristischen Partei-Typ entwickelt sich heute aber immer mehr der selbststaendig denkende Sowjet- Buerger, der seine Stendug darin sieht, das kommunistische Prinzip zu erhaerten, dabei zu vermens~h”.che.i und es reif zum internationalen Gebrauch zu machen. Dter moderne Sowjetbürger sieht in den Westlern Dekadente, die ein Leben ebne wirkliche Ideale futehren, er sieht in dem Kapitalismus ein System, welches be teils in Aufloesung isi), weil es eben morsch und von der Zeit ueberhclt wurde. Der sowjetische Intelektuelle sieht fuer den Westen nur eine Endloesung, um aus seiner sozialen, politischen und ceokonomischen Krise herauszukommen: den Krieg. “Schlagt Amerika!”, das ist das grosse Schlagwort, welches alle Sowtetrussc" rvt-eässt: den Schueler und Studenten, den Arbeiter und Wissenschaftler, den Politiker und den Militaer. Arbeiten, arbeiten, schaffen - das ist die Parole fuer die naechsten zehn Jahre russischen Lebens, von denten man zuversichtlich erhofft, dass das Produktions - Niveau welches das der “Vereinigten Staaten” ueberfluegelt. Unter diesem Aspekt entwickelt sich in Russland eine Industrialisierung, die mit dem Superlativ “Gigantisch” zu bezeichnen ist. Die industrtelle Revolution spannt jeden Russen ein, Pro¬ oder Contra-Kommunist, es geht um die russisch-nationale Ehre! Was in jutengster Zeit an Elektrizitätswerken, errichtet wurde, im Maschinenbau geleistet werden konnte, in wissenschaftliche Laboratorien erarbeitet wurde, was der Berghau, die T extilindustrie, die Flugtechnik, die Landwirtschaft etc., 'etc. entwickeln konnten, sind ingenioese Hoechstleistungen, die Respekt verdienen. Alltes und Jeder wird % den jetzigen 7-Jahres-Plan eingtereiht, der die Endphase in "der siegrächen Arbeit des Kollektivsystems” sein soll. Von Washington her betrachtet ist diese industrielle Entwicklung, die technische Erstarkung des kommunistischen Russland, eine stehr grosse Gefahr fuer die westliche und demokratische Welt. Es ist ja heute schon sowteit, dass die UdSSR die gewaltigen USA in vielen Diziplinen der modernen technischen Wissenschaften ueberhategelt hat Der Kampf geht jetzt um ehe Erste Position im Weltreich der Wirtschaft. Der Kampf der beiden Giganten ist im vollen Gang» - der Ausgang ist heute noch ungewiss. Amerika und seine westlichen Allierten glauben, dass die Zeit fuer die UdSSR arbeitet, daher ist dieser ideologische Komplex daran inteites- -■Icrt, die russische Entwicklung aufzuhalten.. Die Mittel dazu sind der “Kalle Krieg”, Feind - Propaganda gegen Russland, Blockbildungen. Die Erfahrung hat aber bewiesen, dass, je haierter Moskau bedraengt, um so haterter es in Abwehrstellung ging, die Prcduktionsziffern anschwellen liess, und zu politischen und wirtschaftlichen Offensiven ueberging, die dem Westen nichts nutzten, sondern nur schadeten. Der neutrale Beobachter g.aubt festzustellen, dass die bisherigen Runden der Kreml fuer sich buchen konnte. Die USA und ihre Frteunde fueh- Icn steh gefaehrdet, sie fuehlen das kapitalistische System und die Demokratie lebensbedroht. Jeder Zeitgewinn fuer Russland bedeutet eine Schwaechung fuer den Westen. Es gibt vielte Maechte in den Staaten und Europa, die dafuer sind, j? eher, desto besser, einten Krieg gegen die UdSSR durchzufuehren, und heute noch eine gute Chance sehen, diesen Krieg zu gewinnen - eine Chance die aber vielleicht schon morgen vertan sein kann. “Das Echo” als sozialistisch-dcmokratischtes Blatt, lehnt vieles, sehr vieles im heutigen Russland ab; es ist durchaus nicht mit gewissen internen Vorgaengen einverstanden, tebensowenig wie mit manchen sowjetisch . offiziellen Haltungen. Di? freiheitHchte, unabhaengige Presse aber hat sich zu bemuehen, unteingenommen das Negative und das Positive in Sowjet-Russland abzuwaegen. Wenn auch die Waagschale “Negativ” sich neigen sollte, so sollte man dennoch grosszuegig denken und handeln, denn es geht Heute nicht mehr um Emotionen, “ondero schlechtewteg um Leben oder Untergang von ungezaehlten Millionen Lebewesen. Aus dieser Sicht halten wir es fuer notwendig, dass fuehrende amtierende. Westpolitiker mit freundschaftlichen Gefuehlen in die Welt, dite “Hinter dem Eisernen Vorhang” liegt, dringen, um Russland aus seiner Isolation zu befreien. Denn wir glauben noch immer, dass beide Systeme nebeneinander existüeren koennen. Wer mit Warten Augen in das Weltreich Poßtik dringt, «kennt dass nicht alles gut in den West-Demokra- (Fortsetzung Seite 2) INSTITUTE '•'ÏV/ YOEfC