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Das Echo · 1959-01-15 · 195 (15.1.1959) · p. [Seite 6]

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Journal
Das Echo
Volume
9 (1958-1959)
Issue
195 (15.1.1959)
Date
1959-01-15
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German
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f “DAS ECHO“ 15. Januar 1959. Ernesto Herschthal s. A. Nach Fertigstellung unserer vorigen Ausgabe erhielten wir die erschütternde Nachricht von dem ploetzlichen Ableben Ernesto Herschtthals. Ein Jeder unter uns wird in die grosse Armee des Todes gerufen, der Eine etwas frueher, der Andere etwas spaeter. Ein jedes Ableben hinterlaesst eine tragische Luecke und bedeutet fuer einen internen Kreis Trauer und Schmerz, denn ein Jeder von uns hat seinen Lebens- und Wirkungskreis. Der Tod von Chawer Ernst Hersclithal aber wirkt erschuetternd weit ueber seinen fantiliaeren Kreis hinaus, denn der Verstorbene war ein Mann, der stets seine ganze Kraft, sein ganzes Koennen, seine ganze Liebe, dem einen Ziel setze: Judentum. Ernst Herschthal war ein begeisterter Jude und ein gluehender Zionist. Judentum und Zionismus verschmolzen fuer ihn zu einer positiven Einheit, die das stolz-bewusste Judentum ausmachte. Herschthal, der im besten Mannesalter von nur 56 Jahren in Buenos Aires unerwartet starb, war in seinem jahrzehntelangen Wirken in Bolivien einer der ersten und besten Aktivisten fuer den Zionismus; unermuedlich sah man ihn an Konferenz- und Vorstandstischen fuer juedisches und israelisches Wohl arbeitend. Don Ernesto war stets der liebenswuerdige, kluge und ausgleichende Vermittler in allen Faellen von Gegensaetzen, er war es, der sich intensiv darum bemuehte, juedischen Organisationen in Cochabamba befruchtendes Leben und Auftrieb zu geben, und er war es, dessen heisses juedisches Herz — unterschiedloss — i fuer alle Arme und Bedraegten schlug. Wo organisatorischer Rat, wo soziale Hilfe gebraucht wurden - Herschthal war stets und zu jeder Zeit zur Stelle.! Bei all seiner Klarsichtigkeit war I Herschthal ein musischer Mensch, der | viel Freude (und selbt Talent) fuer j schoengeistige Dinge hatte.! Herschthal war ein besonders wertvoller Mensch, ein liebenswerter! Charakter, dessen Wirken und Wesen! weit ausstrahlte, und reiche Fruechte ¡ zeugte.; Die “Federación Sionista” und i der “Circulo Israelita” in Cochabamba | haben ihrem jahrelangen Ex-Praesi- ' denten unendlich viel zu danken, ebenso die “Comunidad” sowie das “Comité Central“ fuer seine aktive und stimulierende Vorstandsarbeit auch bei diesen Gremien. “Das Echo” konnte seit seiner ersten Ausgabe Ernst Herschthal zu seinen besten und stets hilfsbereiten Freunden zaehlen. Der so frueh Verstorbene hatte, wie nur wenige Vorstaende, den Weitblick und das sichere üefuehl, die es ihm ermoeglichten, den politischen und kulturellen Wert dieses bolivianisch-juedischen Organs voll zu wuerdigen; Herschthal war es, der sich stets mit Temperament fuer diese Zeitschrift einsetzt einsetzte. Auch in Buenos Aires wirkte Herschthal in vorbildlicher Weise fuer die juedische und zionistische Sache, was dazu fuehrte, dass man diese seltene und wertvolle Kraft auch dort fuer Vorstandsarbeit gewann. Einer der Besten unter uns hat uns verlassen. Denn er blieb der Unsere durch seine innige Verbundenheit mit dem bolivianischen Jischuv. Auch auf diesem Wege kondolieren wir mit trauererfuelltem Herzen seiner lieben, tuechtigen und klugen Gattin Lilly, die ihm stets sein bester Kamerad war, ebenso seinen Kindern, die seine grosse Freude waren. WELTKONFERENZ.. Oesterreich, aus der Slowakei und herueber nach Kanada oder nach Brasilien. Fast weg aus Whitechapel und uebersiedelt nach Stamford Hill. Scheintot gehalten in Russland und ploeetzlich hoert man, dass auf Konzerten in Moskau und in anderen Staedten, wo jiddische Volkslieder gespielt wer- I den, das Publikum begeistert mitsingt. I Unsere “Experten” heben hervor,! dass die Zahl der Leser jiddischer I Zeitungen faellt und sie prophezeien I den Untergang der jiddischen Presse, j Die jiddischen Redakteure fuehren! eine “hoffnungslose Schlacht” - sagen sie. ‘ Es stimmt, dass die jiddischen Zeitungen Leser, viele Leser, verlieren, aber diese “Schlacht” wird viele Generationen dauern und wer kann heute mit Bestimmtheit wissen, ob sie “hoffnungslos” oder gar “hoffungsvoll” enden wird! Hier eine Uebersicht der jiddischen und hebraeischen Presse in der Diaspora, Jiddische Hebraeische Tageszeitungen : 12 Wochen- Zeitungen: 36 1 Zweiwochenzeitungen: 12 2 Monatsschriften : 40 10 Andere Schriften: 46 14 Zusammen: 146 27 Zusammen 12 37 14 50 60 173 Die Auflage der hebraeischen \ 750.000, das heisst, dass 750.000 Fa- Presse in der Diaspora betraegt etwa I milien jiddische Zeitungen erhalten. 50,000 und die der jiddischen etwa_Jiddisch, schoener als Sulamith Wir wurden auf das Tiefste erschuettert von der Nachricht des Ablebens unseres lieben Freundes ERNESTO HERSCHTHAL mit dem wir viele Jahre in inniger Freundschaft verbunden v/aren und in welchem Zeitraum wir seine ausserordentlichen menschlichen Werte erkannten. Seine Hingabe am allgemeinen juedischen Werk, sein edles Wirken im kleinen und grossen Kreis, haben ihm ein Denkmal im Herzen der Juden Ccchabambas errichtet. Cochabamba. Januar 1959. MOISES UND MARGARITA KUZNICKI. Unser lieber, guter Freund ERNESTO HERSCHTHAL hat uns am 22. Dezember 1958 in Buenos Aires fuer immer verlassen- Seine trauernden Freunde: ARON UND GENIA GOLDSLAGER und 'Kinder Cochabamba. Januar 1959. und heisser als Tammuz, ist tief in der juedischen Seele verankert und hat sich auch einen wuerdigen Platz in der Weltliteratur erkaempft. Aber Jiddisch hat keinen Staat und keine Universitaet, um es zu schuetzen und zu pflegen. Der Zeitgeist ist gegen Jiddisch und es befindet sich auf dem Rueckug. Aber Zeiten aendern (sich und Jiddisch koennte wieder aufbluehen. Das juedische Volk verlangt, und mit Recht, von Russland, dass Jiddisch wieder als Sprache anerkannt und zugelassen werde, aber es ist passiv um Mamme-Loschen in anderen Laendern zu staerken. Jiddisch befindet sich in einer Krise und Hilfe ist notwendig. Das juedische Voflk hat hier eine heilige Pflicht zu erfuellen und es muesste aktiv fuer Jiddisch eintreten. Vor allem muesste man eine Weltkonferenz fuer Jiddisch einberufen, um eine Welt-organisation fuer Jiddisch und einen jiddischen Fonds zu gruenden. In allen Laendern, wo Jiddisch lebt, muesste Abteilungen dieser Weltorganisation und dieses Fonds eroeffnet werden. Yivo, das jiddischwissenschaftliche Institut, muesste nicht nur der Erforschung und Wissenschaft des Jiddischen dienen, aber sich auch der praktischen Arbeit widmen, insbesondere der Herausgabe von jiddischen Lehrbuechern und Woerterbuechern. Wo juedische Schulen sind, muesste man Jiddisch als freiwilligen Lehrgegenstand zulassen. Aehnliche und andere Vorschlaege sollten ausgearbeitet werden, aber all diese sind wertlos und nur von theoretischer Bedeutung, wenn nicht eine Weltkonferenz einberufen und eine Weltorganisation geschaffen wuerde. Hunderte Faeden, darunter hebraeische und jiddische, ziehen sich von Land zu Land, die das juedische Volk, Diaspora und Israel, Zusammenhalten und sie bilden ein Buendnis, um die Existenz des juedischen Volkes zu sichern und schoener zu gestalten. K K L - Nachrichten FORSCHUNGSZENTRUM FUER BERGLANDWIRTSCHAFT Ein Forschungszentrum fuer Landwirtschaft in Israels huegligen und gebirgigen Landesteilen wird in der demilitarisierten Zone von Talpioth bei. Jerusalem eroeffnet, wo vor dem unabhaengigkeitskrieg eine landwirtschaftliche M.aedchtnschule unter Leitung von Frau Rahel Ben-Zwi bestanden, hatte. Dieser Beschluss wurde einstimniing vom KKL, vom israelischen Landwirtschaftsministerium und von der Abteilung der Jewish Agency fuer landwirtschaftliche Siedlung gefasst. Sorten von Obstbaeumen, Gemuesen, Blumen und Heil-und Wuerzkraeutern, sowie rationelle Anbaumetho— den im Bergland werden in dieser neuen Station erprobt werden. NEUER WALD AN DER GRENZE DES GAZASTREIFENS Kuerziich wurden die ersten Baeume eines Waldes bei dem dem Gazastreifen gegenueberliegenden Kibbuz Re'im gepflanzt, den den Namen von Charlly (Schraga) Dray, eines jungen aus Algerien stammenden Pioniersiedlers, der im Sinaifeldzug gefallen ist, verewigen wird. Die wuerdige und erhebende Zeremonie fand in Anwesenheit von Charly Dray’s Eltern statt, die als Gaeste des Kibbutz Re’im und des Verteidigungsministeriums eigens aus Algerien gekommen waren^ sowie seiner jungen Witwe und seiner zwei kleinen Toechter, die heute in Re'im leben. HOLLYWOOD . . . Pietaet, die Achtung, dfe diesem erschuetternden Thema zukommt, er ist eine Verfaelschung des reinen Wo- Uens eines wertvollen jungen juedi- I sehen Menschenkindes. Wir waren voller Skepsis als wir hoerten, dass das “Tagebuch” in Ho-; llywood gedreht werden soll. Wir befuerchtetten, dass entweder i die Traumstadt aus Anne Frank eine! Heilige machen wuerde, dieses grösste; Thema im romantischen Kitsch fassen i koennte oder aber feinen Massenfilm produziert, der wohl buchgetreu, aber nicht imstande ist, dieses grosse Thema auszulotten. Der Tagebuch-Streifen ist das war wir befuerchteten: ein photogener Film, ohne Tiefe, ohne Erfassung des Akkordes dter Vielfältigkeit des Tief und des Auf, welcher der nazistischen Judentragoediie innewohnt. Wenn schon Hterr Frank durchaus einen “Ane Frank-Film” haben wollte, haette dieser in Israel gedreht werden muessen. Nur dort waere es gewiss, dass man die Verfilmung mit dem Respekt und mit den Mitteln be. waeltjgft Jiaette, die dieser hterbe Stoff erforderte.. Gewiss, haette Israel keirten grossartigen Cinemascope-Film mit gewaltigem Aufwand drehen koennen, dafuer aber einen innerlichen i Film, der diu Tragtoedie klar verdeutlichte. Auch Holland waere zu dieser; Filmproduktion praedestiniert gewesen, : denn Anne war ein hollatendisches I Maedchen, welches Holland und seine Menschöi liebte. Eine hol Isländische Herstellung haette zumindest dass Amsterdam-Milieu reiner hterausgestellt, als es Hollywood moeglich war. Aber Amerika machte das Rennen, es ist reich, tes hat die grossen Studios und die grossen Verleihfirmen bei der Hand. Doch wirtschaftliche und Organisations-Potenz ist noch nicht alles, ganz besonders wenn (es sich um die Herstellung eines Seelengemaeldes, der Darstellung einer Volkstragotedie und eines Politicums handelt. Der Film wird das “Tagebuch”- Thema weiteren Millionen Menschen breitflalechig und auch oberflaechig bekannt geben; er wird auch wahrscheinlich eine gewisse Wirkung im positiven Sinne haben, die aber nicht laenger als knap zwei Stunden andauem duerfte. Dass Optische kann wohl bewegen, das Filmische kann interessieren, aber den hohen Sinn des “Tagebuches” des Schulmaedchtens Anne Frank duerfte der hollywooder i Streifen kaum offenbaren. I Curt Ludwig

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